26. Aw 5783
Otzma Yehudit ist nicht nur im Parlament, sondern auch in den kommunalen Verwaltungen! Das verspricht das neue Wahlplakat der rechts-extremen Partei unter Vorsitz von Minister Itamar Ben-Gvir. «Bei den kommenden Bürgermeisterwahlen wird die Partei Otzma Yehudit in mehr als 50 Orten antreten.»

Auf der Israelkarte, vor der Ben-Gvir sich staatsmännisch in dunkelblauen teuren Zwirn gewandet gibt, tauchen Namen in den drei Farben: Schwarz, Blau und Orange auf. Die Namensschilder haben eine unterschiedliche Grösse, die aber offensichtlich in keiner Korrelation zur Einwohnerzahl steht.

Jerusalem mit 875.000 Einwohnern ist gleich gross, wie Be’er Sheva mit 204.000, Ashkelon mit 132.000, Eilat mit 52.000, Dimona mit 35.000 und Ofakim mit 29.000. Also kann es das nicht sein.
Was könnten die Farben bedeuten? Es gibt 11 orangefarbene Schilder, 16 schwarze und 16 blaue. Oops, das sind aber doch nur 43 Namen! Dabei verspricht Ben-Gvir doch, in mehr als 50 Orten anzutreten!! Und auch das ist eine inkorrekte Zahl, was Israel angeht.
Der grösste Fehlgriff aber ist die völlig daneben geratene geografische Zuordnung der Orte innerhalb des Landes.
- Jerusalem, ירושלים , die Hauptstadt Israels wurde um einige Kilometer nach Osten nach Judäa verschoben
- Eilat,אולת, die der südlichste Ort des Landes, findet sich mitten in der Wüste Negev
- Afua, עפולה landet in Samaria
- Bat Yam, בת ים , wandert von seinem korrekten Ort südlich von Tel Aviv nach Norden
- Das gleiche Schicksal trifft Holon,,חולו
- Ashkelon,,אשקלון liegt zwar dem Gaza-Streifen am nächsten, ist aber doch noch einige Kilometer entfernt
- Kirjat Shmona, קרית שמונה , ganz im Norden an der libanesischen Grenze gelegen, wandert südlich in den Galil
- Kirjat Yam, קרית ים , mag wohl die Nähe von Haifa nicht und hat sich mehr ins nördliche Landesinnere verzogen
- Ramat Gan, ,רמת גן ein östlicher Vorort von Tel Aviv wird nach Süden verlegt
- Das gilt auch für Petach Tikwah, פתח תיקוה
Wie der Ha’aretz berichtete, gibt es für einige der wichtigen Orte noch keine Kandidaten. Der hier aufgeführten Liste: Tel Aviv, Lod, Ramat Gan, Netanya and Rehovot kann ich zumindest Zichron Ya’acov hinzufügen, das weder auf der Karte aufscheint noch derzeit einen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters nennt.
Ich bin keine grosse Freundin von Wikipedia, in diesem Fall ziehe ich es aber als Informationsplattform heran.
Bei den Kommunalwahlen 2018 gab es in Israel:
54 Regionalverwaltungen
77 Städte über 50.000 Einwohner
124 Orte unter 50.000 Einwohner
Es wurde auch in den drusischen Orten auf dem Golan gewählt. Erstmals gab es für den Wahltag einen arbeitsfreien Tag. Dadurch wurde die Wahlbeteiligung von 51.8% im Jahr 2013 auf 59.5% gesteigert.
In Zichron gab es damals drei Kandidaten. Zwei von ihnen lieferten sich nahezu ein Kopf- and Kopf-Rennen, der Likud Kandidat gewann. In diesem Jahr werden es mehr Kandidaten sein, derzeit weiss ich von zwei Männern und vier Frauen. Die Wahllisten müssen bis zum 28. September eingereicht werden. Also kann sich Ben-Gvir ja noch ein wenig Zeit lassen, wen er für seine rechts-extreme Partei ins Rennen schicken wird.
Die Kandidaten müssen auf jeden Fall sicherstellen, dass die Ziele des Sicherheitsministers in ihrem Wahlkreis erfüllt werden. Bagatell-Diskussionen über Graffiti an öffentlichen Gebäuden, nächtliche Beleuchtung von Spielplätzen oder die Bereitstellung von Parkautomaten, die wahlweise die Gebühren für Touristen oder Einheimische kassieren, alles Peanuts!
Ben-Gvir hat anderes vor. Zuallererst wird er seine private Sturmtruppe aufstellen. Helfer die sich bei den Kommunalwahlen bewähren, erhalten sicher die Chance auf eine Top-Job in seiner Privat-Miliz!
Ein zweites Ziel der Partei, das sich der Sicherheitsminister mit dem Finanzminister Smotrich, der auch der de facto PM in Judäa und Samaria ist, teilt, ist die völlige Annektierung dieses Gebietes. Eine private Annektierung, die völkerrechtlich dann gar nicht mehr akzeptiert werden kann. So wie früher die Handelsfirmen der Kolonialstaaten Gebiete zu ihrem privaten und geschäftlichen Nutzen annektiert haben?
Israel muss, so planen es die beiden zukünftigen Diktatoren, wieder vom Jordan bis zum Mittelmeer reichen.
Es ist völlig unklar, warum auf der Propaganda-Karte für die kommenden Wahlen, dann noch Grenzen eingezeichnet sind: Entlang der sogenannten Grünen Linie zwischen Judäa und Samaria und Israel, sowie den sogar schraffiert dargestellten Gebieten vom Golan und von Gaza. Die PR-Manager von Otzma Yehudit haben ihren Hausaufgaben alles in allem völlig unzureichend gemacht.
Wenn die Umsetzung des Parteiprogramms genauso stümperhaft sein wird, dann darf man noch einen winzigen Rest von Hoffnung haben, dass das ganze Kartenhaus zusammenbricht.

Nevo Cohen, der Mann, der hinter der PR von Ben-Gvir steckt, sagte vor den Wahlen: „Ich bin kein Medienberater. Ich bin Berater bei strategischen Fragen. Medien sind ein wichtiges Instrument bei den Werkzeugen des Wahlleiters. Ich arbeite aber lieber mit dem Bewusstsein der Massen und das ist eine ganz andere Ebene.“
Mich erinnern die Pläne und das Vorgehen von Ben-Gvir in Zusammenarbeit mit Smotrich und anderen Kumpanen, die in der Knesset sitzen, an die erste Zeit der Nationalsozialisten.

Wer den Film «Der grosse Diktator» von Charlie Chaplin nicht kennt, dem lege ich ihn wärmstens ans Herz. Er ist eine wunderbare Satire auf die Führer und Schergen der Nationalsozialisten. Chaplin hat die brutalste Zeit der Nationalsozialisten und ihres Regimes bereits 1940 vorhergesehen. Ganz am Ende des Films hält Chaplin eine humanistische Rede, die ich euch hier nicht vorenthalten will.
Kategorien:Politik
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