ב“ה
8./9. Elul 5783 25./26. August 2023
Shabbateingang in Jerusalem: 18:32
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:48
Shabbateingang in Zürich 20:02
Shabbatausgang in Zürich: 21:07
Shabbateingang in Wien: 19:32
Shabbatausgang in Wien: 20:38

In Gen 4:9 lesen wir: «Der Herr sprach zu Kain: Wo ist dein Buder Abel? Der so Gefragte antwortete: Ich weiss es nicht, ich bin nicht der Hüter meines Bruders!» Kain, der Erstgeborene war Ackerbauer und Abel Schafhirte. Es bestand kein Grund, neidisch auf das Los des anderen zu sein. Doch, wir erleben es hier zum ersten Mal in der Torah, der jüngere Sohn neidet dem älteren das Erstgeburtsrecht. Kain tötet Abel, er übernimmt keinerlei Verantwortung für sein Tun.
Ähnliches haben wir bei den zwei Söhnen Abrahams, Ismael und Isaak gehört. Hier ist es Sarah, die Mutter des Zeitgeborenen Isaak, die Hagar, die Mutter, zusammen mit ihrem Sohn Ismael verjagt. Die beiden Halbbrüder treffen sich erst wieder zu Beisetzung ihres gemeinsamen Vaters Abraham.
Auch bei den Söhnen von Isaak, Jakob und Esau meint es das Schicksal zunächst nicht gut. Esau ist der erstgeborene Zwilling, Jakob kommt kurz nach ihm zur Welt. Der Vater Isaak liebte Esau mehr, die Mutter, Rebecca, Jakob. Zweimal betrog Jakob mit Hilfe seiner Mutter den Bruder und den Vater. Erst betrog er seinen älteren Bruder um das Erstgeburtsrecht, dann stahl er ihm auch noch den Vatersegen kurz bevor Isaak verstarb. Auch sie trafen sich in späteren Jahren als erwachsene Männer wieder und machten ihren Frieden miteinander.
Auch in diesem Wochenabschnitt lesen wir von Brüdern und von Erstgeborenen. In Deut 21:15 – 17 lernen wir, wie der Vater mit dem Erbrecht umgehen muss. Einfach zusammengefasst: Der Sohn, der zuerst gezeugt wurde, dem gilt auf jeden Fall das Recht des Erstgeborenen, auch wenn der Vater seine Mutter nicht (mehr) liebt. Mehr noch, ihm stehen 2/3 des gesamten Vermögens zu.
Erinnert uns das nicht auch wieder an die Familiengeschichten unserer Vorväter?
Abraham zeugte seinen Erstgeborenen, Ismael, mit Hagar der Dienerin. Ismael wurde zwar zunächst von Sarah anerkannt, aber dann, als sie im hohen Alter selbst noch schwanger wurde und Isaak auf die Welt kam, verstiess sie Hagar mit ihrem Sohn. Diese Handlung widerspricht grundlegend dem, was wir heute lesen. Ismael und nicht Isaak hätte das Erstgeburtsrecht zugestanden. Welch andere Wendung hätte unsere Geschichte genommen, wenn Abraham schon davon gewusst hätte! Doch Gott hatte anderes im Sinn. Er versprach beiden Müttern und beiden Söhnen, dass sie Väter von grossen Völkern werden würden.
Natürlich hielt er sich an sein Versprechen. Beide Söhne wurden Väter von grossen Völkern. Doch leider von Völkern, die nicht im Frieden nebeneinander leben können.
Jakob, der Enkel von Abraham, wurde zunächst nicht glücklich in seiner Ehe. Er liebte Rachel und musste doch erst sieben Jahre bei seinem Schwiegervater, Laban, arbeiten, bevor der ihm Rachel als Braut versprach. Laban betrog ihn und vermählte ihn zunächst mit Lea, bevor er nach weiteren sieben Jahren seine geliebte Rachel ehelichen durfte. Leas Söhne waren Ruven, Simon, Levi, Juda. Es folgten die Söhne von Bila und Silpa, den Mägden seiner Frauen. Nach diesen beiden Söhnen kamen nochmal zwei Knaben, Issachar und Zebulon, als Söhne Leas auf die Welt und erst die beiden letzten Knaben waren die Kinder seiner geliebten Rachel, Josef und Benjamin. Diese beiden Knaben, die Letztgeborenen, nahmen später in ihrem Leben massgebliche Rollen ein. Wir kennen dies aus der Geschichte um die Zeit in Ägypten und der Flucht aus der Sklaverei in die Freiheit.
Hätte Gott gewollt, dass immer und überall das Erstgeburtsrecht zur Anwendung gekommen wäre, die Welt hätte sich anders entwickelt.
In gesunden Familien sind heute, und das ist auch sehr gut so, alle Kinder gleichberechtigt. Oder sollten es zumindest sein.
Einige wenige Abschnitte weiter lesen wir in Deut 22:1: «Du sollst nicht untätig zusehen, wie ein Stier oder ein Lamm deines Bruders sich verläuft. Du sollst dann nicht so tun, als gingen sie dich nichts an, sondern sie deinem Bruder zurückbringen.» Dieser Abschnitt bildet quasi die Verbindung zu Kains Frage: «Bin ich der Hüter meines Bruders?» Die Antwort lautet: Ja! Wir sind alle Hüter unserer Familie, unserer Geschwister, unserer Neffen, Onkel und Cousins. Und natürlich auch unserer Eltern. Wenn wir sehen, dass einer von ihnen strauchelt, so müssen wir hinschauen, ihnen wieder aufhelfen und sie wieder auf den Weg bringen. Dies gilt im realen und im virtuellen Leben.
Gott will, dass wir Verantwortung übernehmen. Unabhängig von unserer Position den Gestrauchelten gegenüber.
Vergessen wir das nie!
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
Hinterlasse einen Kommentar