12. Elul 5783
Hier mal vier Bilder, wo möchtet ihr wohnen?
- Privatvilla Azza Street, Jerusalem
- Privatvilla Caesarea
- Balfour, die offizielle Residenz
- Waldorf Astoria, Jerusalem




Ganz richtig geraten, es handelt sich um die vier Wohnsitze des first couple, Sarah und Benjamin Netanyahu. PM von Israel vom 18. Juni 1996 bis 6. Juli 1999, vom 31. März 2009 bis 13. Juni 2021 und seit 29. Dezember 2022 und damit der am längsten regierende Staatschef des Landes.
Bei zwei von drei erfolgten Direktwahlen stand er zur Wahl. Einmal gewann er hauchdünn mit 50.5% gegen Shimon Peres, s’’l. Beim zweiten Mal verlor er mit 43.9% gegen Ehud Barak. Bei der Wahl vom November 22 erhielt der Likud 23.4% und hat damit aktuell 32 von 120 Sitzen in der Knesset. Seine Koalition gewann 48%.
Das ist keine Mehrheit. Trotzdem behauptet er unablässig, als PM von der Mehrheit der Israelis gewählt worden zu sein. Nun ja, das behauptet auch sein ehemals best buddy Donald Trump von der Wahl, die er eindeutig gegen seinen Herausforderer, Präsident Joe Biden, verlor. Für Trump stimmten 43.1% der Wahlleute, für Biden 56.9%. Ist doch eindeutig, oder?
Nach der verlorenen Wahl zog das Ehepaar Netanyahu samt Sohn Yair aus der Staatsresidenz, der «Balfour», aus. Knapp einen Monat nach der verlorenen Wahl liessen sie die Möbelwagen anrücken.
Yair wohnte mit seinen 32 Jahren lieber noch auf Staatskosten in der offiziellen Residenz, ging keinem Beruf nach und genoss den Personenschutz bei all seinen Aktivitäten. Barbesuche in Tel Aviv, Ferienreisen nach Australien, wo immer er sich hinwandte, der Bodyguard war dabei. Mediales Highlight war sein Besuch in einem Strip Club in Tel Aviv, als er beim Verlassen des Etablissements seinem Begleiter, dem Sohn des Gas Tycoons Kobi Maimon vorwarf, warum der mit ihm über US$ 115 stritt. «Mein Dad hat für deinen Vater 20 Milliarden US$ aufgeworfen.» Später erzählt er, dass das Geld für eine Prostituierte ausgegeben worden sei. Der Vorfall ging damals durch alle Medien…. Netanyahu jr. verbrachte die meiste Zeit damit, seinen Vater durch völlig überflüssige Bemerkungen, Ratschläge, Belehrungen von politischen Gegnern und Zeitungsmenschen zu verunglimpfen.
Im März 23 wurde er für unbekannte Zeit in die USA verbannt. Ausgestattet mit viel Geld für ein luxuriöses Leben und belegt mit einem Maulkorb lebt er in Miami.
Seit dem Auszug aus der «Balfour» lebte der vom Volk verschmähte und nun auf die Oppositionsbank verwiesene Likud Chef in seiner Privatvilla in der Azza Strasse. Gemeinsam mit Ehefrau Sarah und Yair musste er sich dort in offensichtlicher Bescheidenheit üben. Ich kann mir das Familienleben dort nicht so recht vorstellen, Sarah mit kleinkarierter Schürze am Herd stehend und Spiegeleier bratend? Benjamin den Müll trennend und in den entsprechenden Containern entsorgen? Yair schmollend mit dem Wocheneinkauf beauftragt? Kein Wunder, dass die Familie mehr Zeit in der grosszügigen Villa in Caesarea am Strand des Mittelmeers verbrachte. Da gibt es viel Platz und Mitarbeiter auf Staatskosten. So ist das vertraglich geregelt.
Diese Villa war während der letzten Amtszeit als PM auf Staatskosten renoviert und aufgehübscht worden. In der Villa nebenan wohnte der gute Freund und Geldgeber James Parker. Das Leben in Caesarea entsprach sicher mehr den Vorstellungen, als das Leben in der alten Villa in Jerusalem.
Nun konnte der Umbau und die notwendige Modernisierung der Staatsresidenz «Balfour» endlich begonnen werden. Sie war auch tatsächlich ein wenig in die Jahre gekommen. Für Staatsempfänge war der Küchentrakt nicht mehr geeignet und auch die Möblierung strahlte die Gemütlichkeit der 60er Jahre aus. Kurz gesagt, bis auf einige Büroräume ist die Residenz immer noch und bis auf Weiteres unbewohnbar.



Die auf Netanyahu folgenden PMs, Naftali Bennett und Yair Lapid, zogen es vor, in ihren privaten Wohnungen zu bleiben. Im Fall von Bennett waren die Nachbarn unzufrieden mit der Lösung, die Zufahrtsstrasse musste gesperrt, Sicherheitsmassnahmen getroffen werden. Der Staat musste dafür US$ 4 Millionen zahlen. Angemietete Wohnungen für die Sicherheitsleute schlugen nochmals mit etwa US$ 9.000 pro Monat zu Buche. Yair Lapid zog mit seiner Familie vorübergehend in ein gesichertes 3 ½ Zimmer-Appartement auf dem Grundstück der «Balfour». An seinem Privathaus in Tel Aviv wurden zwischenzeitlich minimale Sicherheitsmassnahmen installiert «Die Nachbarn werden dadurch nicht gestört werden», betonte seine Frau Lihi. Sobald die Arbeiten abgeschlossen waren, zog die Familie wieder zurück nach Tel Aviv.
Und nun also wieder Netanyahu. Schon als er seine Amtszeit mit Benny Gantz ab Oktober 21 teilen wollte, verlangte er, dass der Staat für seine gesamten Lebenshaltungskosten aufkommen müsse. Ohne, dass er amtierender PM sein würde. Eine Anmassung sondergleichen. Aber das Ansuchen wurde bewilligt, doch bevor es dazu kam, zerbrach die Koalition und das Thema war obsolet.
Immerhin verfügt er über einige Immobilien: Zum einen die Villa in Caesarea, die Villa in der Azza Street und ein Penthouse in Jerusalem, welches aber vermietet ist. Wen die genauen Zahlen dazu interessieren, sie können hier nachgelesen werden.
Seit der vergangenen Woche haben die Netanyahus ein neues Quartier in Jerusalem bezogen. Auf zwei Etagen leben sie mit ihren engsten Mitarbeitern im noblen Waldorf Astoria Hotel. Zentraler gelegen ist kein Hotel. Nur wenige Minuten bis zu Knesset, die Schnellstrasse, die Jerusalem mit dem Zentrum des Landes verbindet ist auch in kürzester Zeit erreichbar. Wann immer eine Staatskarosse aus der hoteleigenen Tiefgarage fährt, sind die umliegenden Strassen schnell gesperrt und ermöglichen eine störungsfreie Fahrt.
Warum dieser Umzug? Seit Beginn der aktuellen Regierungszeit gilt die Villa in der Azza Street als offizielle Residenz des PM, nachdem die eigentliche Residenz noch für einige Jahre nicht vollumfänglich genutzt werden kann. Nun soll also die Villa in der Azza Street den Bedürfnissen des first couple angepasst werden. Betrachtet man das Gebäude, das euphemistisch als Villa bezeichnet wird, so kann man sich vorstellen, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Die Miete im Waldorf Astoria wurde zunächst für eine Woche, dann für unbestimmte Zeit vorgenommen. Warum das Waldorf Astoria und nicht das altehrwürdige King David Hotel, das über alle Sicherheitsstandards verfügt? Eine gute Frage, die man nur mit dem Alter des Hauses und den recht kleinen Zimmern beantworten kann. Was für Clinton, Trump und andere gut genug war, ist es noch lange nicht für das anspruchsvolle Ehepaar Netanyahu.

Angeblich ist für sie die «Ambassador Suite» gebucht, Luxus auf 75 m2 zum bescheidenen Tagespreis von CHF 3.000, die «Nobel Suite» mit 150 m2 schlägt ebenso mit CHF 4.400 zu Buche, wie die «Palace Suite» mit 190 m2 . Nur ein Zimmer auf Staatskosten im Gefängnis, wo er über kurz oder lang landen wird, ist preiswerter!



Für welche Suite sich die Netaynahus entschiedenen haben, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, das ist vielleicht auch besser so.
Ich erinnere mich daran, dass Präsident Peres, s’’l, für einige Zeit aus der Präsidentenresidenz ausziehen musste. Er logierte damals in einem der Appartements im noch nicht fertiggestellten Mamilla Block, schräg gegenüber des Waldorf Astoria. Man hatte ihm das Musterappartement zur Verfügung gestellt….
Kategorien:Israel
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