Krieg in Israel – Tag VII

28. Tishri 5784

Nachdem die Nacht ab etwa 1:00 ruhig war, setzte vor einer Stunde wieder der ungebrochene Raketenbeschuss auf den Süden des Landes ein. Am Nachmittag musste die IDF die Zahl der gefallenen Soldaten auf 264 erhöhen. Die Zahl der Verletzten wurde auf mehr als 3.300, die der Toten auf mehr als 1.300 korrigiert. Die IDF hat bisher 120 Familien von nach Gaza verschleppten Menschen kontaktiert.

Bereits gestern reiste der US-amerikanische Aussenminister Antony Blinken zu einem Solidaritätsbesuch nach Israel. In seiner Begleitung reiste Steve Gillen, ein Spezialist für Geiselbefreiungen. Die seit der Regierungsübernahme durch PM Netanyahu deutlich abgekühlten Beziehungen zwischen den beiden Staaten erfahren seit Kriegsausbruch eine Wiederbelebung. Nicht nur, dass US-Präsident Joe Biden nahezu täglich mit dem PM telefoniert, auch der Besuch des US-Aussenministers zeigt, dass die USA nach wie vor klar hinter Israel stehen. Blinken betonte bei einer Pressekonferenz in Tel Aviv: «Ich stehe hier auch als Jude.» Sein Grossvater, so Blinken, sei vor den Pogromen aus Russland geflohen, sein Stiefvater habe die KZs der Nationalsozialisten überlebt. «Solange die USA existieren, muss sich Israel nie allein verteidigen, wir werden immer an eurer Seite stehen.» Zwischenzeitlich ist Blinken nach Doha weitergereist, wo er sich mit dem Emir von Katar trifft.

Heute werden auch die EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen und die Präsidentin des EU-Parlamentes, Roberta Metsola, in Israel erwartet. Das genaue Besuchsprogramm wird noch bekanntgegeben. 

Auch die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock, ihr italienischer Amtskollege Antonio Tajani, sowie US-Verteidigungsminister Lloyd Austin werden ebenfalls in Israel erwartet. 

Der israelische Aussenminister, Eli Cohen, absolvierte gemeinsam mit seinem italienischen Amtskollegen Antonio Tajani, einen Solidaritätsbesuch in Netivot. Unter den von der Hamas entführten Opfern sind auch zahlreiche italienische Staatsbürger. Stellvertretend für sie schilderte Yoni Asher, dessen Ehefrau Doron und seine beiden Töchter, Raz, 4 ½ und Aviv 2 ½, in den Gazastreifen verschleppt wurden, in einer sehr emotionalen Rede welche Gedanken ihnen allen ununterbrochen durch den Kopf gehen. 

Es war der erste Besuch eines Regierungsmitglieds bei den betroffenen Familien. Mit Ausnahme von VM Gallant, der einen Truppenbesuch im Süden absolvierte. Am Besuch in Netivot nahm auch die deutsche Aussenministerin teil. «Wir sind alle Israelis in diesen Tagen. Ich möchte unsere tiefste Solidarität seitens der deutschen Regierung, aber auch der deutschen Bevölkerung zum Ausdruck bringen.»

EU-Kommissionspräsidentin van der Leyen und EU-Ratspräsidentin Mesola besuchten mit einem ranghohen Offizier der IDF Kfar Aza.

© Mos Biederman

Wo versteckt sich zwischenzeitlich der PM???????? Der postet medienwirksame Bilder von sich selbst mit den Besuchern aus Europa und den USA. Das gibt mehr her, so mag er glauben und betont seine Bedeutung als Staatsmann. Der er nicht ist, nie war und nie sein wird. Er zeigt täglich mehr, wie wenig ihm «seine» Staatsbürger wert sind, nämlich gar nichts!

US-Präsident Joe Biden wird heute im Laufe des Tages mit den Familien der amerikanischen Geiseln sprechen. «Ich denke, sie müssen wissen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sich sehr um sie sorgt, sehr. Wir müssen der Welt vermitteln, dass dies von entscheidender Bedeutung ist. Das ist nicht einmal menschliches Verhalten. Es ist pure Barbarei, und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um sie nach Hause zu bringen – wenn wir sie finden können»

Mittlerweile hat Israel die deutsche Regierung um Verteidigungshilfe gebeten. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius gab dies am Rande eines NATO-Treffens in Brüssel bekannt. Neben Munition für die Kriegsschiffe bestehe auch eine grosse Nachfrage nach Blutkonserven und Schutzwesten. Zwar haben sich in den vergangenen Tagen unglaublich viele Menschen im ganzen Land an Blutspendeaktionen beteiligt, die Blutbanken können aber den Bedarf aufgrund der hohen Zahl von Verletzten nicht abdecken. Weiterhin werden zwei Kampfdrohnen, die Israel zu Ausbildungszwecken an Deutschland ausgeliehen hatte, sofort zurückgegeben. Angeblich ist die Anfrage nach Schiffsmunition nicht mehr relevant, teilte am frühen Nachmittag ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit. Auch von Deutschland angebotene Kapazitäten der Bundeswehr zum Verwundetentransport seien bisher von Israel nicht beantragt worden.

Aus den USA traf heute das zweite Flugzeug mit Munition für die IDF in Israel ein.

Israel hat die Bewohner des nördlichen Teils des Gazastreifens dringend aufgefordert, innerhalb von 24 Stunden das Gebiet Richtung Süden zu verlassen. Von dieser Aufforderung sind etwa 1.1 Millionen Menschen betroffen. Die Hamas-Terroristen haben die Aufforderung als «lächerlichen Propagandaversuch» verhöhnt und flüchtende Menschen auf dem Weg nach Süden gewaltsam zur Umkehr gezwungen. Im gesamten Gebiet macht sich Panik breit, es fehlt an klaren Anweisungen. Die WHO warnt, dass die Verlegung von schwerkranken Patienten aus den Krankenhäusern von Gaza in den Süden nicht zu verantworten sei. Die UNRWA hat ihr Einsatzzentrum bereits von Gaza City in den Süden des Landes verlegt. Das Weisse Haus bezeichnete die Aufforderung, die Gebiet im nördlichen Gazastreifen zu evakuieren, als «faire Warnung und als grosse Aufgabe». Seit zwei Tagen ist der Grenzübergang zwischen Gaza und Ägypten, Rafa, geschlossen. PA-Präsident Abbas hingegen bezeichnet die angeordnete Evakuierung eine «zweite Nakba». Der russische Präsident Putin vergleicht die Situation sogar mit der Belagerung Leningrads durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg.

Die Warnung an die Bewohner des nördlichen Gazastreifens deutet darauf hin, dass die Bodenoffensive näher rückt.

MK Galit Distel-Atbaryan, Likud, bis gestern Informationsministerin, trat am Abend von ihrem Amt zurück. Als Begründung gab sie an, dass in der derzeitigen Situation ihr Ministerium überflüssig sei und man die so eingesparten Kosten gut für andere Zwecke verwenden könne. 

Mitglieder der Shayetet 13, Spezialeinheit zum Einsatz bei asymmetrischer Kriegsführung, gelangs es, wie erst gestern bekanntwurde, am vergangenen Samstag bei gezielten Einsätzen in Kibbutz Be’eri, Sufa Outpost, Kfar Aza, Sa’ad, Mefalsim and Nir Oz 60 Hamas-Terroristen zu töten, 26 Terroristen festzunehmen und mehr als 250 Geiseln zu befreien. Bei der Operation verloren zwei Soldaten ihr Leben.

Zum Einsatz kamen sowohl reguläre Kräfte als auch Reservisten. Unterstützt wurden sie sowohl durch die Luftwaffe als auch durch Artillerie, die die Hamas-Terroristen in heftige Gefechte verwickelten, während die Spezialisten Haus um Haus nach festgehaltenen Geiseln durchsuchten. 

In der Nacht auf heute wurde eine Pizzeria in Huwara von der IDF zerstört. Der Grund für diese schnelle Aktion war eine Fotomontage, auf der eine Werbung für diese Pizzeria mit dem Bild der 90 Jahre alten Esther Konio kombiniert worden war. Es handelt sich dabei um die von den Hamas-Terroristen entführte Frau, der ein Hamas-Terrorist ein Maschinengewehr auf den Schoss gelegt hatte und sie zwang, mit der rechten Hand das Victory Zeichen zu machen. Das Bild wurde in den Sozialen Medien geteilt. Kurz nach Veröffentlichung des Bildes versammelten sich aufgebrachte Israelis vor der Pizzeria, um Selbstjustiz zu üben. Sie wurden von der IDF zerstreut. Die Pizzeria wurde ohne Vorwarnung zerstört, der Eigentümer, der vorgab, nichts davon zu wissen, wurde zur Befragung mitgenommen. 

Das Büro des PM hat als aktiven Beitrag zur Linderung der Traumata von Betroffenen beschlossen, unverpixelte Bilder der Toten, und hier wieder ganz besonders der Babys, zur Veröffentlichung freizugeben. Damit sollen «die Gräueltaten der Hamas zumindest teilweise der Welt bekanntgemacht werden.» US-Aussenminister Blinken musste die Bilder kurz nach seiner Ankunft in Israel betrachten: «Es ist schwer, Bilder von ermordeten und verbrannten Babys zu betrachten, die von den Monstern der Hamas-Terroristen getötet wurden. Hamas ist nicht menschlich. Hamas ist wie ISIS.» Bisher galt in Israel das ungeschriebene Gesetz, Bilder von ermordeten Opfern von Terroranschlägen nicht zu veröffentlichen. Eine Ausnahme wurde nur im Jahr 2011 gemacht, als fünf Mitglieder der Familie Fogel in Itamar von palästinensischen Terroristen grausam ermordet worden waren. Der PM hätte gut daran getan, sich an dieses ungeschriebene Gesetz zu halten. Er hätte vor allem an die überlebenden Familienangehörigen und Freunde denken müssen, deren absolutes Recht es ist, in mühsamer, langer Trauerarbeit die schrecklichen Traumata zu verarbeiten. 

Ich habe mich entschlossen, keine Bilder von verwundeten oder ermordeten Menschen zu zeigen, auch keine Bilder von Häusern und Zimmern, in denen die Massajer stattfanden. Stattdessen stelle ich hier gerne die Bilder von in den Gazastreifen verschleppten Menschen ein. Sie zeigen ebenso eindringlich, welche grausamen und menschenverachtenden Terroristen in Israel ihre Gräueltaten verübt haben.

In Sderot und Ashkelon gab es direkte Einschläge durch Raketenbeschuss, es entstand Sachschaden. Verletzte wurden nicht gemeldet. In der vergangenen Stunde wurde ein Raketenhagel auf in Richtung Tel Aviv und nördlich davon gelegene Orte aus Gaza abgeschossen. 

An der Grenze zum Libanon blieb es bisher heute relativ ruhig.

Die ersten Bodentruppen sind am späten Nachmittag nach Gaza hinein verlegt worden um einige potenzielle Verstecke von Geiseln von Terroristen zu säubern und zu versuchen die Geiseln zu lokalisieren. Beim. Vorrücken wurden einige Terroristen eleminiert.

Aufgrund des recht früh beginnenden Shabbats beende ich hier meine heutigen Berichte und melde mich morgen wieder. 

Shabbat Shalom, Am Israel Chai!



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