Krieg in Israel – Tag IX

30. Tishrei 5784

Die heutige Ausgabe der deutschen Tageszeitung «Die Welt» hat die Frontseite ihrer Sonntagsausgabe mit den Namen von Hunderten von gefallenen Israelis bedruckt. Sie schreibt, dass der Platz für alle mehr als 1.300 ermordeten Zivilisten und Soldaten nicht ausgereicht hätte. Während die online Ausgabe die Ereignisse in Israel fortlaufend aktualisiert, widmet die Printausgabe dem Thema 5 grossformatige Seiten. Eine wohltuend andere «Berichterstattung» aus dem Haus Axel Springer! Danke!

Während die Hamas mit Strassensperren und Checkpoints die Bewohner des nördlichen Gazastreifens daran hindert, sich im Süden des Landes in Sicherheit zu bringen, hat die IDF nochmals einen Zeitrahmen zur Flucht eingeräumt. Zwischen 10:00 und 13:00 wurde zugesagt, dass die beiden Fluchtrouten im Gefahrengebiet nicht angegriffen werden. Die Hamas hatte Falschmeldungen verbreitet, dass Flüchtlingskonvois gezielt beschossen worden seien. Israel dementierte dies sofort. Die IDF liess auch verlautbaren: «Nutzt die Chance zur Flucht und seid sicher, die Hamas Führung hat schon für die Sicherheit von sich selbst und ihren Familien gesorgt.»

Nachdem in den letzten Tagen und auch heute Sderot, gelegen in unmittelbarer Nähe zum Gazastreifen, immer wieder unter heftigen Beschuss geriet und auch zahlreiche direkte Treffer verzeichnete, wird die Stadt evakuiert. Die Evakuierung ist nicht für jeden verpflichtend, wird aber dringend empfohlen. Für die Bewohner der etwa 7.000 Haushalte wird die Möglichkeit angeboten, entweder in Hotels in Jerusalem oder Eilat oder auch in Tel Aviv zu ziehen. Schon evakuiert wurden die Orte: Nahal Oz, Erez, Nir Am, Mefalsim, Kfar Aza, Gevim, Or Haner, Ibim, Netiv Ha’asara, Yad Mordechai, Karmia, Zikim, Kerem Shalom, Kissufim, Holit, Sufa, Nirim, Nir Oz, Ein Hashlosha, Nir Yitzhak, Be’eri, Magen, Re’im, Sa’ad and Alumim. Diese Orte in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Gaza gleichen jetzt Geisterstädten.

Nachdem der Beschuss aus dem südlichen Libanon sich mehr und mehr intensiviert hat, hat die IDF entlang der Grenze einen vier Kilometer breiten Sicherheitsstreifen eingerichtet. Für dieses Gebiet besteht ein striktes Zugangsverbot für Zivilisten. Bewohner innerhalb von zwei Kilometern entlang der Grenze wurden aufgefordert, in den Häusern oder Schutzräumen zu bleiben. Nachdem Störsender gegen die GPS-Systeme der Hisbollah aktiviert wurden, kann es zu Störungen bei ziviler Nutzung kommen. Durch Beschuss mit gelenkten Panzerabwehrraketen wurde heute in der Nähe der libanesischen Grenze ein Zivilist getötet und drei weitere verletzt. Israel belegte die Region, aus der die Raketen gekommen waren, flächendeckend mit Artilleriebeschuss. Hisbollah und Hamas übernahmen gleichermassen die Verantwortung für den tödlichen Beschuss als «Antwort auf die Besatzung und die Verbrechen an unseren Bürgern in Gaza.» Der Beschuss setzte sich während des Nachmittags fort. Die Sirenen schrillten in Kiryat Shmona und Metula sowie in Nahariya. Zahlreiche Menschen sind aus den Gebieten bereits ins Zentrum des Landes geflohen.

Die USA werden am Montag damit beginnen, alle Mitglieder der diplomatischen Vertretungen und ausreisewillige Bürger aus Israel zu evakuieren. Sie werden entweder auf dem Seeweg nach Zypern gebracht oder direkt ausgeflogen. Von der US-amerikanischen Botschaft wurde ein ausführliches Ausreisepapierveröffentlicht. Von der Botschaft wurden die im Gazastreifen lebenden US-Amerikaner aufgefordert, Gaza City zu verlassen und sich ebenfalls in den Süden der Region zu begeben. Auf dem Formular befindet sich auch ein Antrag um Unterstützung. Mit dem ausgefüllten Antrag soll sichergestellt werden, dass US-amerikanische Bürger notfalls schnell erreicht werden können. Natürlich vorausgesetzt, dass es dann noch funktionierende WLAN-Verbindungen gibt….

Bei den Evakuierungen dürfen keine Haustiere mitgenommen werden. Auch die Tiere von vermissten, entführten oder getöteten Zivilisten streunen jetzt auf der Suche nach Nahrung durch die immer leerer werdenden Strassen. Zahlreiche Tiere sind in Panik davongelaufen und finden nun ihre Eigentümer nicht mehr, weil diese möglicherweise evakuiert wurden. Der Verein «Let the animals live» ist mit Hunde- und Katzenfutter, Tierärzten und freiwilligen Helfern im Süden unterwegs. Das Ziel ist es, die Tiere in ein Tierheim zu bringen und von dort aus entweder den Eigentümern zurückzubringen oder an neue Eigentümer zu vermitteln. Aufgefunden und betreut werden auch Fische, Vögel und ein Esel.

Heute besuchte die französische Aussenministerin Catherine Colonna gemeinsam mit ihrem israelischen Kollegen Eli Cohen Ashkelon. Er hielt fest: «Unser Sieg wird sicherstellen, dass der radikal-islamistische Terrorismus Paris, London und New York nicht erreichen wird. Dies ist ein globaler Krieg gegen den kriminellen Terrorismus. Wie Präsident Biden sagte, ist die Hamas schlimmer als ISIS, und sie werden einen Preis dafür zahlen.» Cohen bezog sich damit auch auf die Bombendrohungen, die gestern den Louvre und Schloss Versailles zwangen, die Besucher zu evakuieren und für den Rest des Tages zu schliessen. Die französische Aussenministerin betonte bei einem Besuch bei der Französin Sabine Tasa, die durch die Massaker der Hamas ihren Ehemann und ihren Sohn verloren hat: «Die Reise hierher ist natürlich ein Zeichen der Solidarität Frankreichs mit dem israelischen Volk, das einen ungeheuerlichen Terroranschlag erlitten hat. Es ist auch eine Art zu sagen, dass Frankreich den Schmerz des israelischen Volkes teilt. Es teilt die Trauer Israels, weil auch es den Preis des islamistischen Terrorismus kennt und weil es hier 17 Bürger verloren hat, 17 Franzosen, die bei den Anschlägen der Hamas, einer terroristischen Organisation, ihr Leben verloren haben.» Frankreich wird, so kündigte sie an, medizinisches Material für eine mobile Notfallstation liefern. PM Netanyahu kündigte unterdessen an, er werde sich heute mit einer Abordnung von Familien treffen, deren Angehörige nach Gaza verschleppt wurden. Privat, so wurde aus seinem Büro betont, hätte er natürlich schon einige Telefonate mit Betroffenen geführt.

Für berechtigte Aufregung sorgte heute ein Interview mit dem ehemaligen politischen Chefreporter John Sergeant und dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in GB Gary Mond. Grundsätzlich sollte die Frage diskutiert werden, ob der BBC bei seiner Appeasement-Politik bleiben soll, die wir schon aus dem Zweiten Weltkrieg kennen. Damals wurden die Nazis möglichst wertfrei und neutral als «Feinde» bezeichnet. Oder soll die BBC heute, oder mehr, ist sie nicht sogar dazu verpflichtet, die Hamas als das zu bezeichnen, was sie sind: Terroristen. Offensichtlich gilt das Recht der freien Meinungsäusserung immer noch nicht in dem erzkonservativen Nationalsender des Königreiches. Gefragt, ob der BBC Recht daran tun, eine Terror-Organisation eine Terror-Organisation zu nennen, holte er weit aus und versuchte, eine nichtssagende Antwort zu geben. «Kommt das daher, dass sie Babys die Kehle durchschneiden?» provozierte der Moderator. Und der alternde Journalist tappte prompt, immer noch gefangen in seiner internalisierten Linientreue, in die Falle. «Natürlich nicht, das ist eine Gräueltat.» Der Moderator fragte erneut nach: «Ist das nicht ein terroristischer Akt?» Die entlarvende Antwort «Nein, das ist eine andere Sache. Sie versuchen… Wenn Sie mich fragen, was ich darüber denke, richtig? Eine ganz einfache Frage. Ich habe die BBC vor mehr als 20 Jahren verlassen, was denke ich über die Hamas? Terrorismus, richtig? Das ist ein terroristischer Akt, das ist ganz klar. Wenn ich als BBC-Korrespondent zur BBC zurückkehre, fragen Sie mich, was die BBC tun sollte: Das ist natürlich etwas ganz anderes.»

Nun, jetzt wissen wir wenigstens, woran wir mit GB sind. Nach wie vor anti-jüdisch und  anti-israelisch und nicht in der Lage, objektiv über die Grausamkeit der Hamas-Terroristen zu berichten. Wenn eines der Rösser aus dem königlichen Tattersall laut pupst, so wird darüber besser und ausführlicher berichtet. 

Schade, gerade erst hatte ich gehofft, es hätte sich etwas in GB verändert. Immerhin hat doch King Charles es für angebracht gehalten, ein ausführliches Gespräch mit dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog zu führen….

Am Sonntagnachmittag intensivierte die Hamas den Beschuss von Tel Aviv und Herzliya. Die Raketen konnten von den Abwehrsystemen abgefangen werden.

Zentausende Soldaten bereiten sich auf den Beginn der Bodenoffensive vor. Nach unbestätigten Meldungen wurde jedoch der Beginn des Einmarsches verschoben, bis sich die Wetterbedingungen gebessert haben. Derzeit ist der Himmel stark bewölkt, so dass die Piloten der Kampfflieger keinen optimalen Blickkontakt mit den Bodentruppen haben.  Es wird erwartet, dass die Bodenoffensive die grösste seit dem zweiten Libanon-Krieg im Jahr 2006 werden wird.

Avigdor Liberman wird der Notstandsregierung beitreten. Allerdings wird er nicht im kleinen Kreis des Kabinetts seinen Einsitz nehmen, sondern im erweiterten Sicherheitskabinett zusammen mit einem zweiten Parteimitglied seiner Partei Israel Beitenu vertreten sein. Eine seiner Bedingungen, der Notstandsregierung beizutreten, war, dass die beiden rechts-extremen Pseudopolitker Ben-Gvir und Smotrich keinen Einfluss mehr auf die politischen Entscheidungen haben dürfen. Sollte das nun tatsächlich der Fall sein, so wäre es mehr als wünschenswert, wenn Oppositionsführer Yair Lapid den für ihn freigehaltenen Platz am Kabinetttisch einnehmen würde. 

«USS Gerald Ford», ein grosser Flugzeugträger der US-amerikanische Marine ist in Israel angekommen. An Bord befinden sich 4.539 Soldaten, mehr als 75 Kampfjets, zahlreiche andere militärische Flugzeuge. Verstärkt wird er durch die «USS Dwight D. Eisenhower» mit  4.539 Soldaten und bis zu 90 Kampfjets an Bord. Das Schiff befindet sich derzeit auf dem Weg nach Israel. Die Schiffe sind nicht dazu vorgesehen, sich unmittelbar am Krieg in Gaza zu beteiligen. Ihre Anwesenheit soll als starkes Signal an die Hisbollah und vor allem den Iran verstanden werden. Das machte John Kirby, Koordinator für strategische Kommunikation, klar. «Wir nehmen unsere nationalen Sicherheitsinteressen in der Region sehr ernst», sagte er und wies darauf hin, dass der Zweck der verstärkten Streitkräfteposition darin bestehe, «als Abschreckung für jeden anderen Akteur, einschliesslich der Hisbollah, zu dienen, der denken könnte, dass eine Ausweitung dieses Konflikts eine gute Idee ist.»

Das Verteidigungsministerium muss die Beschwerden der Reservisten sehr ernst genommen haben. Jedenfalls kündigte es gestern noch spät am Abend an, dass 50.000 Keramikplatten und 20.000 Helme unterwegs seien, um die Ausrüstung der Reservisten zu komplettieren. Insgesamt seien bereits mehrere 100.000 Ausrüstungsgegenstände kontrolliert und registriert worden und würden in den kommenden Tagen verteilt. Dazu ist es auch die allerhöchste Zeit! Der Mitteilung beigefügt war der dringende Aufruf, mit Geldspenden weitere Ankäufe zu ermöglichen. Jetzt wird es aber bedenklich, es wird offensichtlich, dass die israelische Regierung nicht mehr in der Lage ist, die elementare Bedürfnisse seiner Soldaten zu befriedigen!

Am frühen Samstagmorgen wurde die israelische Marine informiert, dass es einen Versuch von Hamas-Terroristen gab, über das Meer nach Israel einzudringen. Die für den Schutz der Häfen von Haifa und Ashkelon verantwortliche Truppe ortete die Boote und konnte sie mit gezieltem Beschuss versenken. Die Terroristen, die sich auf den Booten befunden hatten, wurden dabei eliminiert. Zwei Terroristen, die versuchten, sich schwimmend an Land zu bringen, wurden ebenfalls erschossen. 

Die Wasserversorgung im Gazastreifen, welche seit dem späten Nachmittag vom 7. Oktober, dem Tag, an dem die Hamas mit ihrem grausamen Überfall auf Israel begann, unterbrochen war, wurde heute Nachmittag wieder gestartet. Israel hat den USA zugesagt, auch die Lieferungen von Lebensmitteln und Medikamenten wieder zuzulassen. Weiterhin gestoppt bleiben die Lieferungen von Strom und Treibstoffen. 

Das Internationale Rote Kreuz hat von den Hamas-Terroristen den sofortigen ungehinderten Zugang zu den im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln verlangt. «Wir sind im persönlichen Kontakt mit der Hamas auf der allerhöchsten Ebene. Wir fordern den sofortigen Zugang zu den Geiseln, damit wir ihren Gesundheitszustand und ihr Befinden prüfen können. Nur dann können wir die Familien kontaktieren, die verzweifelt auf Neuigkeiten warten. Wir werden nichts unversucht lassen, die Geiseln zu befreien.» Der Ruf wird ungehört verhallen, so war es noch immer. Israelische Geiseln in den Händen der Terroristen erhalten nie «Besuch» vom IRK, die palästinensischen Häftlinge in israelischen Gefängnissen hingegen werden regelmässig besucht. Sollte sich Israel sich jemals weigern, dies zu verhindern, wir würden sofort an den öffentlichen Pranger gestellt.

Nicht nur, dass die israelischen Eisenbahnen erstmals einen, wenn auch reduzierten Fahrplan am Shabbat anboten hat, um die Transporte zwischen den mit der Bahn erreichbaren Orten sicherzustellen. Nein, jetzt haben sich mehr als 100 nicht-koschere Restaurants in einem einzigartigen Schritt entschlossen, die Küchen koscher zu machen. Statt der beliebten Sea-food oder Spareribs werden nun mehr als 20.000 Mahlzeiten für Soldaten, Patienten in Krankenhäusern und Evakuierten zubereitet. In enger Zusammenarbeit mit der durch die Demonstrationen bekannt gewordenen Gruppe «Brothers in Arms» und anderen Gruppen werden die Lieferungen organisiert und durchgeführt. Auch wenn nur etwa 2/3 der so Versorgten koscher ist, müssen doch alle Lebensmittel koscher sein, um angenommen werden zu können. So haben sich sogar orthodoxe Rabbinate bereiterklärt, sich spontan in den Dienst dieser Hilfsaktion zu stellen. Durch die Vermittlung zwischen Präsident Isaac Herzog und dem ehemaligen Chefrabbiner Ysrael Lau konnte erreicht werden, ein altes Gesetz heran zu ziehen, dass in Zeiten von extremer Gefährdung auch nicht koschere Küchen ein Koscher-Zertifikat erhalten können. Welch Sprung über den eigenen Schatten.

Der israelische Präsident Isaac Herzog besuchte heute mit seiner Frau Michal den Kibbutz Be’eri. Ich lasse hier seine Worte und die Bilder für sich sprechen: „Es ist schwer zu atmen hier in Be’eri und jeder anderen Siedlung, die zerstört wurde. Ein Paradies, das zur Hölle wurde. Die Mahnmale des Schreckens, der Geruch des Todes. Die zerstörten und verbrannten Häuser, die Mauern, die Juden die hier abgeschlachtet wurden. Und doch in den Tiefen des Abgrunds, ist die Stimme laut und deutlich: Wir werden gewinnen. Wir werden die Realität verändern. Wir werden wieder aufbauen und wieder aufbauen und aus den Ruinen erheben.“



Kategorien:Israel

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