3. Cheshwan
Gestern Abend um 18:15 Ortszeit wurde eine Salve von mehreren Raketen aus dem südlichen Gazastreifen aus in Richtung Israel abgeschossen. Um exakt 18:59 folgte eine Salve von zehn weiteren Raketen, abgeschossen aus dem Gebiet eines Friedhofs neben dem Al-Ma’amadani Krankenhaus. Unmittelbar darauf war eine Explosion in der Nähe des Krankenhausgebäudes zu hören und zu sehen. Hamas machte sofort Israel für das, was sie als «mächtige Explosion im Krankenhaus» bezeichneten, verantwortlich.

Die Terror-Organisation begann sofort damit, den Vorfall zu analysieren und folgendes aufgezeichnete Gespräch zwischen zwei Terroristen fand statt. Das abgehörte Gespräch wurde mittlerweile in nahezu alle internationalen Zeitungen übernommen.

«Ich sage dir, wir haben noch nie eine solche Rakete fallen sehen.»
«Und deswegen behaupten wir, sie stammt vom Palästinensisch Islamischen Jihad?
« Hä?»
«Sie sagen, sie gehört zum Palästinensisch Islamischen Jihad.»
«Ist es von uns?»
«Sieht so aus.»
«Wer behauptet das?»
«Sie sagen, dass das Schrapnel von der Rakete ein lokales ist, und nicht wie ein israelische aussieht.»
«Was sagst du?»
«Himmel, hätte das Ding keinen anderen Platz finden können, um zu explodieren?»
«Macht nichts, ja, sie haben es vom Friedhof hinter dem Spital aus abgeschossen.»
«Hä?»
«Sie haben es vom Friedhof hinter dem Al-Ma’amadani Hospital abgeschossen, es gab eine Fehlzündung und es fiel ihnen auf den Kopf.»
«Gibt es da einen Friedhof?»
«Ja, Al-Ma’amadani liegt genau auf dem Gebiet.»
«Wo liegt es, wenn du das Gebiet betrittst?»
«Du betrittst das Gebiet und gehst dann nicht Richtung Stadt und dann liegt es auf der rechten Seite vom Al-Ma’amadani Hospital.»
«Ja, ich kenne es.»

In einem Presse-Statement von heute Vormittag schilderte IDF Pressesprecher Admiral Daniel Hargari den gestrigen Vorfall aus der Sicht der IDF. Nicht nur, dass die Hamas sofort einen weltweite Medien-Missinformation herausgab, sie blähte auch die Zahl der Opfer auf 500 auf. Bilder, die die IDF unmittelbar nach der Explosion analysierte und auch zur Verfügung stellte, zeigen, dass es keinen direkten Treffer auf das Gebäude gab, Zeichen von unmittelbaren Schäden gibt es nur auf dem nahen gelegenen Parkplatz. Auch die für diese Art von massiven Treffern typischen Schäden, wie Krater oder strukturelle Schäden an benachbarten Gebäuden fehlen. Dies bestätigen Infrarot-Aufnahmen.

Was nun geschehen müsste, aber nicht möglich sein wird, ist eine unabhängige Untersuchung, die u.a belegt, welche Art von Sprengstoff verwendet wurde. Daraus können Rückschlüsse auf den Hersteller und damit die Herkunft der Waffe gezogen werden. Hamas wird sich aber einer solchen Untersuchung vor Ort verweigern. Und selbst wenn klar wird, dass die IDF keine Schuld an diesem Beschuss trifft – der weltweite Schaden ist angerichtet, das in einem Moment, in dem die Sympathie für einmal auf der Seite Israels liegt. Die Opfer sind nichts anderes als nützliche Opfer einer gnadenlosen, barbarischen Terror-Organisation.

Middle East Monitor gibt weitere Informationen: Die mehr als 500 Toten seien nicht identifizierbar. Tausende Verletzte (lt. Arab News sind es etwa 300) müssten medizinisch betreut werden. Und, ich zitiere: «Nach dem Beschuss des Al-Ahli Baptist Hospital wendet sich Israel der Al-Nusrei Bäckerei zu. Diese Bäckerei versorgte bisher die Palästinenser, die langsam als eine Folge der völligen Abriegelung der Enklave verhungern. Das ist ein Genozid und der Versuch, die Palästinenser in Gaza verhungern zu lassen.»
Die Hamas kündigte für heute einen Tag der «nie dagewesenen Wut» an. Das palästinensische Gesundheitsministerium behauptet, dass 471 Personen dem, wie sie sagen, «absichtlichen Angriff Israels» zum Opfer gefallen sind. Und sie haben natürlich auch sofort ein passendes Bild dazu.

Als unmittelbare Reaktion auf die von der Hamas veröffentlichten niederträchtigen falschen Informationen nehmen die antisemitischen Vorfälle weltweit zu. So gab es in Berlin einen versuchten Brandanschlag auf eine Synagoge. Die Molotowcocktails fielen jedoch auf den Gehsteig und richteten keinen Schaden an. Die Flughäfen von Lille, Lyon und Toulouse wurden nach Bombendrohungen evakuiert. Vor der US-Botschaft und der französischen Botschaft in Beirut kam es zu Massendemonstrationen, bei denen auch Steine und andere Gegenstände auf die Gebäude geworfen wurde. Unruhen gab es auch in den palästinensischen Flüchtlingslagern im südlichen Libanon, Tyrus und Sidon. In Jordanien versuchten Demonstranten gewaltsam in die israelische Botschaft einzudringen. Auch vor dem israelischen Konsulat in Istanbul versammelten sich anti-israelische Demonstranten. Die israelischen Botschaften in Tunesien und Ägypten wurden nach Bedrohungen durch Demonstranten evakuiert.

Kurz vor dem Weiterflug in Richtung Kairo am gestrigen Abend musste die Maschine von Bundeskanzler Olaf Scholz evakuiert werden. Es gab Raketenalarm in Ben Gurion und die Gäste aus Deutschland mussten sich auf dem Rollfeld in Sicherheit bringen. Der Kanzler wurde in ein nahes Gebäude evakuiert. Nach wenigen Minuten gab es Entwarnung.
Netanyahu hatte in der vorhergegangenen Pressekonferenz den Satz gesagt «Hamas sind die neuen Nazis.»Mit schwarzem Hemd und schwarzer Hose – wer dabei an Wolodymyr Selenskyj denkt, wird Recht haben! – stand er neben seinem Gast. Ein klares Zeichen «Wir sind im Krieg und ihr müsste mit uns zusammenstehen, um den islamischen Terror zu besiegen. Um die Hamas zu zerstören.» Damit nimmt der PM den deutschen Kanzler in die Pflicht. Gerade Deutschland trägt Verantwortung, nennt die Sicherheit Israels Staatsräson.
Scholz hat es nicht leicht in Israel. Darf er als Deutscher Israel zur Mässigung auffordern, angesichts der Geschichte, aber auch und besonders angesichts der Massaker an der israelischen Bevölkerung vor zehn Tagen? Ein schmaler Grat, aber er darf und er muss ihn gehen. Er muss auf der einen Seite Israel die volle Unterstützung zusichern, aber andererseits auch leise anmahnen, dass man sich bemühen muss, die Zivilbevölkerung in Gaza weitgehend zu schützen. Aber das muss er eigentlich nicht, das ist sowieso schon das ethische Selbstverständnis der IDF.
Bei den Gräueltaten des Hamas-Terrors wurde bisher eine «einstellige Zahl» von deutschen Bürgern ermordet.
Ein etwa 20 Jahre alter Mann suchte gestern am frühen Abend Schutz vor einer Rakete, die die Hamas-Terroristen auf Holon abgeschossen hatten. Beim Aussteigen aus seinem Auto stolperte er und rutschte in einen Wassergraben neben der Strasse. Er musste schwerverletzt vom MDA geborgen und zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Personenübergang Erez im Norden des Gazastreifens, der bis zum Beginn der grausamen Hamas Terrorangriffe auf Israel, der moderne Grenzübergang, über den täglich bis zu 45.000 Menschen von Gaza nach Israel reisen konnten. Benutzt wurde er von Arbeitern, die in Israel ihrem Broterwerb nachgingen, Personen, die in Israel medizinische Hilfe in Anspruch nahmen, Studenten, die mit Bussen an die Universität von Amman gebracht wurden, Moslems, die zum Freitagsgebet auf den Tempelberg fuhren oder auch Personen, die ihre Familie in Judäa und Samaria besuchen wollten. Das war die tägliche Realität, unbeachtet von der Welt. Die reine Routine. Wer Erez besuchte, war erstaunt über die entspannte Atmosphäre. Zu Beginn des Überfalles auf Israel riss die Izz ad-Din al Qassam Brigade die Kontrolle an sich, zerstörte die Infrastruktur und ermöglichte es Hunderten von Terroristen ungehindert nach Israel zu gelangen. Ob und wann der Übergang wieder eröffnet werden kann, ist völlig ungewiss.
Gestern Nachmittag zerstörte die IDF bei einem gezielten Angriff das Haus von Hamas-Führer Ismael Haniyeh. Unter den dabei getöteten Familienmitgliedern sind u.a. sein Bruder und sein Neffe. Haniyeh selbst lebt schon seit Jahren in Qatar. Bereits am Montag gelang es der IDF, Osama al-Mazini mit einer gezielten Aktion zu eliminieren. Er gilt als der Drahtzieher hinter der Entführung von Gilat Shalit und war verantwortlich für die von der Hamas gefangenen Geiseln und organisierte Terror-Attacken gegen Israel.
Immer noch gibt es vereinzelt im Negev versteckte Hamas-Terroristen. Sie warten darauf, eine Gelegenheit zu finden, um Zivilisten zu ermorden oder zu entführen. Dies verlautbarte die IDF heute Vormittag.


Am frühen Vormittag landete US-Präsident Joe Biden in Ben Gurion. Dort wurde er von PM Benjamin Netanyahu und Präsident Isaac Herzog begrüsst. Zu Ehren des hochrangigen Gastes hatte der PM seine «Kriegskluft» abgelegt. Nur die Krawatte liess er weg. Joe Biden wird nach seinem Besuch in Israel wohl sofort wieder nach Hause zurückfliegen, nachdem das multilaterale Treffen in Amman abgesagt wurde.
Biden betonte zunächst den Grund seiner Reise: «Ich wollte heute aus einem einzigen simplen Grund sein. Ich will dem israelischen Volk und der Welt zeigen, wo wir stehen …. Ich wollte persönlich kommen und das klarmachen.»
In einem ersten Statement betonte Biden, dass er die israelische Version des Angriffs auf das Krankenhaus in Gaza annehme: «Der wurde durch ein anderes Team durchgeführt.» Ich finde des bewundernswert, wie Präsident Biden es auf sich nimmt, für nur wenige Stunden nach Israel zu kommen. Ich bin mir auch durchaus bewusst, dass der Präsident der USA viel mächtiger ist, als alle anderen Staatsmänner und -frauen, die in den letzten Tagen nach Israel gefunden haben. Aber ich finde es nahezu verachtenswert, wie der PM diesen Besuch zu SEINEM grossen Erfolg macht. Sogar die letzten Minuten des Landeanflugs waren es wert, vom Büro des PM in allen sozialen Medien veröffentlicht zu werden.
Nach dem Treffen im kleinen Kreis mit anschliessender Pressekonferenz begann vor einer Stunde das Treffen im grossen Rahmen mit der gesamten Notstandsregierung. Nach dem Ende dieses Treffens berät sich Präsident Biden jetzt mit seinem israelischen Kollegen.
Unmittelbar vor seinem Heimflug hielt Präsident Joe Biden noch eine eindrückliche Rede, die an jene anschloss, die er unmittelbar nach dem grausamen Überfall durch die Hamas-Terroristen auf Israel gehalten hat. Er warnte Israel aber auch, nicht den Fehler zu machen, der nach 9/11 von vielen Amerikanern gemacht wurde. Viele hätten sich damals von ihrer Wut und ihrem Zorn hinreissen lassen. «Während wir Unterstützung sahen und erhielten, haben wir trotzdem Fehler gemacht. Für mich als amerikanischer Präsident gibt es keine höhere Priorität, als die Geiseln sicher wieder heimzubringen. Israel wurde gegründet, um ein sicherer Platz für das Jüdische Volk zu sein. Israel muss wieder so ein sicherer Platz werden.»
Präsident Biden kündigte eine Soforthilfe in Höhe von US$ 100.Millioen für humanitäre Unterstützung an.
Die an der Grenze zwischen Ägypten und Gaza wartenden LKWs mit Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten und anderen humanitären Hilfsmitteln dürfen nun nach Gaza einfahren. Israel wird aber keine humanitäre Hilfe aus Israel nach Gaza bringen, bevor nicht alle Geiseln wieder daheim sind.
Staatskontrolleur Matanyahu Englmann stellte bei einem Besuch im Norden des Landes fest, dass die Bunker in einem bedenklichen Zustand seien und keinen ausreichenden Schutz bei Raketenbeschuss bieten. Zusätzlich fehlen auch freiwillige private Sicherheitsteams, um im Gefahrenfall der Bevölkerung helfen zu können. Ein dritter von ihm heftig kritisierter Punkt war das Fehlen von angemessenen Schutzräumen in älteren Gebäuden. Teilweise gebe es keinen Strom und keine Toiletten.
Kategorien:Israel
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