Genesis, Chaje Sarah 23:1 – 25:18

Haftara: Könige I, 1:1 – 31

ב“ה

26./27. Cheschwan 5784            10./11. November 2023  

Shabbateingang in Jerusalem:                                                           16:03

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                            17:20

Shabbateingang in Zürich:                                                                  16:39

Shabbatausgang in Zürich:                                                                 17:44

Shabbateingang in Wien:                                                                   16:05

Shabbatausgang in Wien:                                                                  17:11

Wir lesen in dieser Woche vom Tod Sarahs. Sie starb in Hebron und Abraham musste erst von seinem Wohnort kommen, um „die Totenklage über sie zu halten und sie zu beweinen.“  Dann ging er, um einen passenden Ort zur Beisetzung zu finden und wurde nach Verhandlungen mit den Eigentümern des Landes, den Hetitern, einig. Er wollte das Grundstück, auf dem sich die Höhle Machpela befindet, kaufen. Er zahlte den geringen, vom Eigentümer geforderten Betrag und fortan war die Höhle der Beisetzungsort nicht nur für Sarah, sondern auch für andere Stammväter und -mütter. Heute ist die Höhle der Zankapfel zwischen den Religionen und war leider auch der Platz eines grauenhaften Massakers, als der jüdische Terrorist Baruch Goldstein 1994 dort 29 Moslems hinterrücks ermordete, und mehr als 150 verletzte. Bei vielen rechtsradikalen Politikern gilt er heute noch als Held. Doch zurück zum Wochenabschnitt. Abraham schickte seinen Knecht, wohl ein enger Vertrauter, los, um in der alten Heimat eine Braut für seinen Sohn Isaak zu finden. Gott hatte Abraham gesagt, die Braut seines Sohnes werde aus seinem alten Heimatland stammen. Dort angekommen traf der Knecht auf Rebekka, die sich als Nichte Abraham erwies und bei deren Vater er mit seinen Mitreisenden einkehrte. Sowohl Rebekka, als auch ihre Eltern sind damit einverstanden, dass sie mit dem Knecht zurückkehrt, um die Braut Isaaks zu werden. Gott hatte es so geplant, warum sollten sie sich also dem widersetzen? Daheim angekommen, nahm Isaak sie sofort zur Frau, Abraham aber heiratete ein zweites Mal. Seine Frau Ketura, gebar ihm sechs weitere Kinder. Als Abraham im sehr hohen Alter starb, wurde er von seinen beiden ersten Söhnen, Ismael und Isaak, in der Höhle Machpela beigesetzt. Wie die beiden Halbbrüder miteinander umgingen, ob sie sich am Grab ihres Vaters die Hand reichten, oder ob sie sich weiterhin schweigend und zornig aufeinander wieder trennte, das wissen wir nicht.

In der heutigen Haftara sind die Parallelen zum Wochenabschnitt auffallend. Abraham, hochbetagt, sorgt sich um den Fortbestand seiner Familie und möchte dem Sohn, der seit dem Tod seiner Mutter immer noch trauert, eine gute Ehefrau suchen. Erst, als er sie gefunden und sie seinem Sohn zugeführt hat, kann dieser seinen Schmerz überwinden und „führt seine Braut in das Haus seiner Mutter“, in dem er bisher allein und in inniger, vielleicht sogar nahezu symbiotischer Verbindung in ihrem Andenken gelebt hat. Er liebt seine Braut unsäglich. Und führt mit ihr eine glückliche Ehe, wenn sie auch durch manche Ränkeschmiede, die Rebecca ausführt, ein wenig getrübt wird.  Auch König David, der Protagonist der Haftara, war hochbetagt. Doch er sucht zunächst keine Frau für seinen Sohn Salomon, es sind seine Sklaven, die eine Frau oder Gespielin für ihn suchen, um sein erkaltetes Herz zu wärmen. Während Abraham es verstanden hat, sein Haus mit Liebe und Fürsorge zu füllen, ist es im Palast in Jerusalem kalt. Man findet eine junge Frau, doch sie lässt ihn bei aller Schönheit kalt. Fast schien es, als würde der Thron nach seinem Tod verwaisen. Jedoch, der Sohn einer seiner Nebenfrauen, Adonijaa nutzte die Situation für sich aus, versorgte sich bereits mit einem Hofstaat, der ihm nicht zustand und liess jeden wissen, dass er der kommende König werden werde. Er war das, was man heute einen verzogenen Bengel nennen würde, der nie seine Grenzen kennenlernte, nie ein „Nein“ gehört und nie korrigiert worden war. Doch er war charmant und liebenswürdig und so gelang es ihm, einige Priester hinter sich zu versammeln. Aber da waren auch die anderen, die ihm ihre Gefolgschaft verweigerten,  darunter war sein Bruder Salomon, der Prophet Nathan  und einige Weise, die getreu zu David standen. Er lud sie nicht zu seinem Krönungsmahl und drückte damit seine volle Verachtung aus. Batsheba aber, die geliebte Frau Davids, die in Ungnade gefallen war, ging zu David und fordere für ihren Sohn Salomon, den ihm versprochenen Thron ein. Mehr als das, sie fordert ihren Mann auf, ganz Israel mitzuteilen, wer sein Nachfolger werden wird. Der Sohn, der ihn ausnutzt und betrügt, oder der Sohn, dem er einst den Thron versprochen hatte. David muss erleben, dass er von seinem eigenen Sohn betrogen wurde und macht diese schwere Schuld des Heissporns rückgängig, 

Ein Vater, zwei Brüder, zwei liebende Frauen. Die Geschichten sind so ähnlich und doch so verschieden. Abraham ist der Vater des grossen Volkes, das Gott ihm prophezeit hat, David ist der König eines Volkes in einem Staat, der sich erst finden muss. Beide Männer müssen ihre Nachfolge regeln und ihre Söhne machen es ihnen nicht leicht. Wir können nur annehmen, dass sich Ismael und Isaac am Grab ihres Vaters zumindest soweit versöhnten, dass sie in einer antiken Zwei-Staaten-Lösung nebeneinander leben konnten.  Adonijaa und Salomon aber werden nie Freunde und nie Partner im Leben werden. 


Wem sind wir heute näher? Den zwei Söhnen Davids oder den zwei Söhnen Abrahams? Es sind die Söhne Abrahams, die, so unterschiedlich sie auch sind, lernen müssen, miteinander zu leben. Oder zumindest nebeneinander. Ein schwerer Weg, wir erleben es jeden Tag.

Shabbat Shalom



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