Krieg in Israel – Tag XXXX

2. Kislev 5784

Der IDF ist es in der Nacht gelungen, das Shifa – Krankenhaus zu erobern. Youssef Abul Reesh, ein leitender Angestellter berichtete: «Ich habe israelische Panzer im Komplex und Dutzende von Soldaten und Kommandos in den Notaufnahme- und Empfangsgebäuden gesehen.» Noch ist es nicht klar, wie viele Personen, Patienten, Mitarbeiter, Flüchtlinge sich bei der Übernahme durch die IDF tatsächlich im Gebäude befanden. Vielleicht hatten die Soldaten gehofft, in den von der Hamas Terror-Organisation genutzten Räumen, einige Geiseln zu finden. Darin wurden sie leider enttäuscht. Die Soldaten durchsuchen nun Stockwerk für Stockwerk und Zimmer für Zimmer. Während im Hintergrund noch Schüsse zu hören sind, bringen Soldaten Hilfsmittel und medizintechnische Geräte und Babynahrung zum Eingang des  Shifa – Spitals. Bei der akribischen Durchsuchung des Gebäudekomplexes fanden die Soldaten Waffenlager und Gegenstände, die der Hamas zugeordnet werden konnten und die ihre Anwesenheit dort belegen. Bei den Kämpfen um das Spital wurden im Eingangsbereich mindestens fünf Terroristen getötet, die sich den Soldaten entgegenstellten. Im Gebäude sind jetzt auch medizinische Teams und arabisch-sprechende Soldaten vor Ort, um sicherzustellen, dass die Lieferungen auch ihre Empfänger erreichen. Diese Teams wurden speziell auf ihre Aufgaben vorbereitet. Nach einer anfänglich auf das Zentrum des Spitals fokussierten Organisation wird diese wahrscheinlich auf andere Bereiche des Gebäudekomplexes ausgeweitet werden. Ein Sprecher der IDF hielt fest: «Die Entscheidung war, dass wir das Al-Shifa-Spital nur betreten, wenn wir genau wissen, was dort ist und wo es sich befindet, so wie wir es beim Rantisi-Krankenhaus getan haben, das erst betreten wurde, als wir genau wussten, was sich in seinem Keller befand. Wir führen präzise und gezielte Operationen gegen die Hamas in einem bestimmten Bereich der medizinischen Einrichtung in Gaza-Stadt durch.»

Wie schnell der Schaden in den Medien gemacht und kaum mehr zu korrigieren ist, zeigt eine Meldung, die BBC heute sinnentstellt und falsch wiedergab, ohne sich rückversichert zu haben, ob sie stimmen könne. Der Text, den die Nachrichtenagentur Reuters den internationalen Medien zur Verfügung gestellt hat, ist in einigen Passagen zumindest nicht das, was man sich unter objektivem, sorgsam recherchiertem und professionellem Journalismus vorstellen darf. BBC hat heute etwas falsch verstanden oder falsch verstehen wollen. Sie behauptete, dass «Israel bei seiner Operation im Al-Shifa-Krankenhaus in Gaza medizinisches Personal und arabischsprachige Menschen ins Visier genommen habe.» Kurz nach der Ausstrahlung entschuldigte man sich: «Wir hätten sagen sollen, dass bei den IDF-Kräften bei dieser Operation auch medizinisches Personal und Arabisch sprechende Personen beteiligt waren. Dieser Irrtum ist weit unter unserem Standard von Berichterstattungen.»

Einen schweren Missgriff journalistischer Natur gestattete sich die jordanische Zeitung al-Ghad. Auf der ersten Seite der Druckausgabe findet sich ein Text, der sich, in Hebräisch geschrieben, mit der Frage beschäftigt: «Was passiert nach Israel?» Leider ist das Bild recht klein, ich muss mich also auf das beschränken, was Times of Israel dazu schreibt. Im Text heisst es dementsprechend: «Die ganze Welt ist damit beschäftigt, darüber zu diskutieren, was nach der Hamas in Gaza kommen wird, aber niemand schaut auf die andere Seite und fragt: Was wird nach ‚Israel‘ kommen?» Offensichtlich geht der Verfasser des Artikels davon aus, dass Israel unter dem immer stärker werdenden inneren und äusseren Druck zusammenbrechen wird und sich der Beginn einer neuen Weltordnung ankündigt.

Zeitgleich zeigt sich das IRK «äusserst besorgt» über die IDF-Operationen im Shifa-Spital, in dem eine der Hauptkommando-Zentralen der Hamas-Terroristen untergebracht ist. Diese Annahme wird auch von den USA unterstützt, die mit Aufklärungsdrohnen seit Beginn der Boden-Offensive permanent über dem Gazastreifen, vor allem aber über Gaza City kreisen. «Wir sind äusserst besorgt über die Auswirkungen auf Kranke und Verwundete, das medizinische Personal und die Zivilbevölkerung. Es müssen alle Massnahmen ergriffen werden, um jegliche negativen Folgen für sie zu vermeiden.» Ausser grossen Worten hat das IRK noch nichts dazu beigetragen, die prekäre Situation der Patienten zu verbessern. Ganz abgesehen davon, dass sie noch keine Versuche unternommen haben, von der Hamas den Kontakt zu den Geiseln zu erzwingen, der völkerrechtlich verbindlich ist.

Auch die UN zeigt sich «entsetzt» über das Vorgehen der IDF im Shifa-Spital. Der Leiter der humanitären Hilfe, Martin Griffiths, äussert sich auf «X» «Ich bin entsetzt über die Berichte über die militärischen Angriffe auf das Al-Shifa Krankenhaus in Gaza! Der Schutz von Neugeborenen, Patienten, medizinischem Personal und allen Zivilisten muss Vorrang vor allen anderen Anliegen haben. Krankenhäuser sind keine Schlachtfelder.» Da hat er natürlich absolut Recht, aber sein Vorwurf geht in die falsche Richtung. Die Schlachtfelder, die fehlende Versorgung der Kranken, die ständige Bedrohung sind nicht Israel zuzuschreiben, sondern ausschliesslich den Terroristen, die sich nach unserem völligen Rückzug aus Gaza im Jahr 2005 dort festgesetzt und gewaltsam an die Macht gebracht haben. Mit Unterdrückung, Erpressung, Folter und menschenverachtender Gewalt. Sie sind es, die in Saus und Braus leben, während die Gazaner leiden. Über das Massaker am 7.Okrober verlor die UNO kein «entsetztes Wort».

Francesca Albanese, Sonderberichterstatterin der UN in allen Fragen der palästinensischen Gebiete, hat Israel das Recht auf Selbstverteidigung völlig abgesprochen. Diese verheerende wie falsche Aussage tätigte sie vor dem National Press Club in Canberra, Australien. «Israel kann nicht das Recht auf Selbstverteidigung gegen eine Bedrohung beanspruchen, die von einem von ihm besetzten Gebiet ausgeht, von einem Gebiet, das unter kriegerischer Besatzung steht.» Sie vergisst dabei völlig die Tatsache, dass sich Israel im Jahr 2005 völlig aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat. «Was Israel tun durfte, war, für Recht und Ordnung zu sorgen, den Angriff abzuwehren, denjenigen zu neutralisieren, der die Angriffe ausführte, und dann mit Massnahmen für Recht und Ordnung fortzufahren… keinen Krieg zu führen. Wie viele Menschen müssen noch sterben?» Peter Wertheim, stv. Vorsitzender des Rates des australischen Judentums, antwortete darauf, dass es „unglaublich“ sei, dass ein UN-Mitarbeiter Israel das Recht auf Selbstverteidigung oder auf die Verteidigung seiner Bürger nach dem Hamas-Massaker verweigern würde.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel als einen Terrorstaat, dessen Ziel es sei, den Gazastreifen mitsamt der gesamten Bevölkerung auszulöschen. Das hatte er in einer Rede vor den Mitgliedern seiner Partei erklärt. Die Türkei und er würden alle Möglichkeiten ausschöpfen, die politischen und militärischen Führer des Landes bei internationalen Gerichtshöfen anzuklagen. «Israel verfolgt eine Strategie der totalen Zerstörung einer Stadt und ihrer Bevölkerung. Ich sage ganz offen, dass Israel ein terroristischer Staat ist. Die Hamas hingegen sind Widerstandskämpfer, die versuchen, ihr Land ihr Volk zu schützen.» Oppositionsführer Yair Lapid verurteilte die Äusserungen Erdogans auf das Allerheftigste: «Wir werden keine Lektionen in Moral von Präsident Erdogan annehmen, einem Mann mit einer entsetzlichen Menschenrechtsbilanz. Israel verteidigt sich gegen brutale Terroristen von Hamas und ISIS, von denen einige unter Erdogans Dach operieren durften.» Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz, der Erdogan am Freitag zu einem Staatsbesuch in Berlin erwartet, wies die Vorwürfe Erdogans zurück: «Israel ist ein Land, das sich den Menschenrechten, das sich dem Völkerrecht verpflichtet fühlt und in seinen Aktionen auch dementsprechend handelt. Und deshalb sind die Vorwürfe, die gegen Israel da erhoben werden, absurd. Und daran kann es gar keinen Zweifel geben.»

In der Nacht gelang es der IDF, ein Trainingslager der Hamas-Terroristen zu finden und zu zerstören. In einem der Gebäude fanden sie Abschussrampen für Panzer-Abwehr-Raketen und grosse mit Sprengstoff gefüllte Beutel. Diese lagen unmittelbar neben einer von der IDF regelmässig benutzten Strasse. Zwei Terroristen, die gerade das Gebäude verlassen wollten, wurden getötet.

In Kriegszeiten ist es erlaubt, Sperma von gefallenen Soldaten von den sterblichen Überresten zu entnehmen. Dies ist eine mit dem Gesundheitsministerium abgesprochene, erleichtere Prozedur, um eine zukünftige IVF zu ermöglichen. Prinzipiell ist es auch in Friedenszeiten möglich, eine post-mortem Familienplanung vorzunehmen. Allerdings muss die Ehefrau (!) dazu einen entsprechenden Antrag beim Familiengericht einreichen. Aktuell wurde auf Wunsch der Familie Sperma von 39 Gefallenen entnommen.

Erneut muss die IDF den Tod von zwei Soldaten bekanntgeben: Cpt. Omri Yosef David, 27 und Cpt. Yedida Asher Lev, 26, s’’l. Damit erhöht sich die Zahl der Gefallenen seit Beginn der Bodenoffensive auf 48. Drei Soldaten wurden zeitgleich bei Kämpfen im nördlichen Gazastreifen schwer verletzt.

Total überspitzt wird in der Satiresendung «Eretz nehederet» ein Interview zwischen einer fiktiven BBC-Sprecherin und einem ebenfalls fiktiven Hamas-Führer Sinwar geführt. Darf man lachen in Zeiten des Krieges? Ja, man darf, man soll sogar, es hilft, das Grauen für wenige Minuten in einen anderen Kontext zu stellen. https://www.youtube.com/watch?v=rEMzTJjxJ5U

Erstmals wird wieder Diesel in den Gazastreifen geliefert. Das gab COGAT heute am frühen Morgen bekannt. Somit werden im Laufe des Tages mehrere Tankwagen über den Grenzübergang Rafah fahren. Die Erlaubnis ist die Reaktion auf eine dringende Bitte der USA. Auch wenn noch keine konkreten Zahlen bekanntgegeben wurden, spricht man von 24.000 Liter Treibstoff, die im Gazastreifen dringend erwartet werden. Mittlerweile ist der erste Tankwagen aus Ägypten angekommen und sollte der UN für die Verteilung übergeben werden. Dort kamen aber nur knapp 50% der Lieferung an, wie die UN beklagte. «Das entspricht einem halben Lastwagen! Das reicht bei weitem nicht aus. Es wird viel mehr benötigt. Treibstoff wird als Kriegswaffe eingesetzt, das muss aufhören.» Die erhaltene Menge von 23.027 Liter entspricht laut Aussage der UNRWA nur 9 % dessen, was sie zur Weiterführung ihrer Arbeit täglich benötigen. 

Prof. Shimon Shetreet äusserte sich in einem auf Arabisch geführten Interview mit Sky News zur Frage «Wer soll nach dem Krieg den Gazastreifen verwalten?» und machte dazu den Vorschlag, dass der Gazastreifen nach dem Ende des Krieges und der völligen Ausschaltung der Hamas Terror-Organisation von einer internationalen Zivilverwaltung in Zusammenarbeit mit der Palästinensischen Autonomiebehörde geführt werden solle. Der Zeitraum dieser Übergangsverwaltung solle auf zehn Jahre begrenzt sein und dann völlig der PA übergeben werden. Die Sicherheit der umliegenden israelischen Orte, Kibbuzim und Militärbasen müsse ebenso wie eine völlige Entmilitarisierung des Gazastreifens sichergestellt sein. Höchste Priorität müsse aber vor allen anderen Massnahmen die Befreiung der Geiseln haben. 

Nach einer relativ ruhigen Nacht begann der Beschuss aus Gaza auf Ashkelon und andere Orte entlang des Gazastreifens und auf die Orte Kiryat Shmona, Margaliot und Misgav Am im Norden. Es wurden zunächst keine Schäden gemeldet. Später wurde gemeldet, dass mehrere Autos beschädigt worden seien. 

Das ‘Parlamentsgebäude’, das vor zwei Tagen von der IDF erobert worden war, wurde heute gesprengt.

Der Leiter des Shin Bet, Ronen Bar, ist nach Ägypten gereist, um sich dort mit dem ägyptischen Geheimdienstminister Abbas Kamel zu treffen. Das Thema der Besprechungen sei gewesen, Rahmenbedingungen über die Freilassung von einigen Geiseln zu schaffen. Ein Teilnehmer an der Besprechung sagte dem israelischen Fernsehsender «KAN» man sei einer «Einigung so nah wie nie zuvor gekommen.» Der US-amerikanische Sender ABC gab sich heute hoffnungsfroh. «Es sind klare Fortschritte erzielt worden, ein Durchbruch kann innerhalb von 48 bis 72 Stunden stattfinden.» Aus dem Büro des PM war zu vernehmen: «Unsere Herzen sind bei allen Geiseln und ihren Familien. Seit Beginn des Krieges haben wir uns unablässig für die Freilassung unserer Gefangenen eingesetzt und seit Beginn der Bodenoperationen auch immer mehr Druck ausgeübt. Wenn und sobald es etwas Konkretes zu berichten gibt, werden wir das tun.» Diese Ankündigung steht im Gegensatz zu einer von US-Präsident Joe Binden am Ende einer Pressekonferenz veröffentlichten Aussage: «Haltet durch, wir kommen. Ich habe jeden Tag mit den betroffenen Menschen gesprochen. Ich glaube, dass es passieren wird, aber ich möchte nicht ins Detail gehen.» Aus israelischen Diplomatenkreisen werden Aussagen kolportiert, dass es sich bei den Verhandlungen um die Freilassung von 70 Frauen und Kindern aus der Geiselhaft im Gegenzug zu einer 5-tägigen Waffenruhe handelt.



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