Genesis, Toldot 25:19 – 28:9.                            Haftara: Maleachi 1:1 – 2:7

ב“ה

4./5. Kislew 5784                                                    17./18. November 2023

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         15:59

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        17:17

Shabbateingang in Zürich:                                                                16:30

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:37

Shabbateingang in Wien:                                                                   15:56

Shabbatausgang in Wien:                                                                  17:04

ּBlick auf Petra, die alte Stadt der Edomiter

Im heutigen Wochenabschnitt lesen wir zunächst von der Geburt der Zwillinge Esau und Jakob. Es sind die Kinder Isaaks und Rebeccas. Ähnlich wie bei Abraham und Sarah mussten auch sie lange auf ihre Kinder warten. Die Kinder im Mutterbauch waren unruhig und das irritierte Rebecca. Sie wandte sich an Gott, denn damals gab es noch keine pränatale Diagnostik. «Zwei Völker sind in deinem Leib, zwei Stämme trennen sich schon in deinem Schoss. Ein Stamm ist dem anderen überlegen, der ältere muss dem jüngeren dienen.“ Bei der Geburt erlebt sie, dass sie Zwillinge erwartet und nun geboren hat. Sie sind so unterschiedlich, wie Kinder nur sein können. Esau kommt als erster zur Welt, Jakob jedoch klammert sich an dessen Ferse, als wolle er versuchen, doch noch als erster das Licht der Welt zu erblicken. Immerhin hängt damit das Erstgeburtsrecht zusammen, das das eine oder andere Vorrecht für den Erben beinhaltet. Dass es ihm nicht gelingt, wird ihn zu zwei unrechten Taten veranlassen: Zuerst kauft er seinem Bruder das Erstgeburtsrecht mit einer Schale Linsen ab. 

Als eine neue Hungersnot das Land niederwirft, zieht Isaak mit seiner Familie in Richtung Ägypten, wird jedoch von Gott aufgefordert, in Gera zu bleiben, weil sich dort an ihm der alte Bund Gott mit Abraham erfüllen sollte. Wie einst Abraham Sarah in Ägypten verleugnet hatte, so verleugnete Isaak Rebecca beim König von Gera, Abimelech. Als der Betrug bekannt wurde, wurde er aus der Gesellschaft verstossen, durfte aber weiterhin im Land siedeln. Er wurde reicher und mächtiger, bis der König entschloss, dass er ihm gefährlich werden könnte, und vertrieb. Er siedelte in der Nähe des heutigen Rehovot. Als Isaak das Ende seiner Tage fühlte, erschlich sich Jakob mit einer zweiten List, an der auch seine Mutter Rebekka beteiligt war, von ihm den Segen des Erstgeborenen. Das war zunächst das Ende einer geschwisterlichen Beziehung, die von Anfang an unter keinem glücklichen Stern stand. 

Esau schwor, nach dem Ende der Trauerzeit, seinen Bruder umzubringen. Vater Isaak rief seinen Sohn Jakob und schickte ihn zu seinem Onkel Laban, um dort eine Frau zu suchen. Er entliess ihn mit der Prophezeiung, die Gott ihm gemacht hatte: Er würde zum Vater einer Schar von Völkern werden. 

Esau aber nahm als seine Nebenfrau Mahalat, aus dem Hause Ismaels, um seinen Vater zu versöhnen, der mit seiner zuerst gemachten Wahl, einer kanaanitischen Ehefrau nicht einverstanden war. 

Die Haftara dieser Woche ist nicht nur das letzte Prophetenbuch des Tanach, es ist auch mit nur drei Kapiteln das kürzeste. Es beschäftigt sich unmittelbar mit den Brüdern Esau und Jakob. Wir lesen zu Beginn, dass Gott, auch wenn Jakob und Esau Brüder sind, seine Liebe nur Jakob gilt. Kann, darf aber die Liebe eines Vaters, und als solchen sehen wir Gott immer, nur einem Kind gelten? Gott wird noch schärfer in seiner Aussage: „Esau aber hasse ich.“ Ist Gott überhaupt fähig, zu hassen? Die Berge und die Wüste, die im Süden des Toten Meers bis hinunter nach Eilat liegen, hat er Esau als Stammland zugewiesen. Esau wird dort der Stammvater der Edomiter werden. 

Zu seinen Lebzeiten wird das Land Edom es schwer haben, es wird verdorren und immer wieder zu Gunsten des von Gott bevorzugten Israel untergehen. Aber was hat Esau getan? Ja, er ist zweimal leichtfertig mit seinem Erstgeburtsrecht umgegangen, aber wir wissen doch, er wurde zweimal überlistet? Worin liegt seine Schuld? Es scheint, als würde Gott an diesem Land und an Esau seine Allmacht dokumentieren. 

Nach den ersten vier Versen bricht der Text ab und wendet sich den Priestern zu, und fordert von ihnen Respekt, Ehrerbietung und Furcht. Doch die Priester wehren sich und hinterfragen ihr Fehlverhalten. Bisher haben wir in der Torah Menschen kennengelernt, die, einmal von Gott ausgewählt, sich vertrauensvoll an alle seine Vorschriften hielten. Hier erfahren wir, dass es Menschen gibt, die sich nicht mehr bewusst sind, welche Fehlverhalten sie zeigen. War es auch so bei Jakob und Esau? Konnte Jakob nicht mehr erkennen, wie ungerecht sein Verhalten war? Ist ihnen, ist uns Gott so fremd geworden in seinem Verhalten, in seinen Vorgaben? Erkennen wir es nicht mehr, wenn unsere Opfer für ihn nicht mehr akzeptabel sind? Opfer stehen hier natürlich als unser Verhalten. Und es sind nicht nur die Priester, die hier angesprochen werden, wir alle sind es. Wir sind mit zu vielen Dingen beschäftigt, unsere Gedanken sind fokussiert auf anderes: Schneller Erfolg, gesellschaftliches Ansehen, materieller Reichtum …. Wo bliebe uns da noch die Zeit, einmal anzuhalten und uns zu fragen: Bin das noch ich? Wo habe ich meine guten Charaktereigenschaften abgelegt, wo habe damit begonnen, rücksichtslos gegenüber andern zu sein? Wann habe ich damit begonnen, nur noch auf meinen eigenen Vorteil zu schauen? 

Die Warnungen, die Gott im zweiten Kapitel gegenüber den Priestern ausspricht, bedeuten nichts anderes, als dass wir, wenn wir so weitermachen, eines Tages mit den Folgen unseres Tuns konfrontiert werden. 

Um uns selbst wieder zu finden und neu zu definieren, brauchen wir keine Selbsthilfegruppe, keine Psychotherapie und schon gar keine Psychopharmaka. Jakob gelang es, zu dieser Selbsteinsicht zu gelangen. Es braucht nur ein wenig Zeit und diese Zeit sollten wir uns nehmen. 

Shabbat Shalom!



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