16. Kislev 5784






Die gestern freigelassenen Geiseln befinden sich, entsprechend Aussagen der behandelnden Ärzte, in recht gutem Zustand. Bei einigen gebe es chronische Erkrankungen, die eine weitere Behandlung notwendig machten. Andere seien entweder während der eigentlichen Verschleppung oder in der Gefangenschaft verletzt worden. Ein junges Mädchen, müsste sich einigen orthopädischen Operationen unterziehen. «Das medizinische Zustandsbild ist komplex, aber nicht gesundheitsbedrohlich.» Auch Bella, der Hund von Mia wurde einer eingehenden Untersuchung unterzogen und darf während des gesamten Aufenthaltes im Sheba Krankenhaus bleiben.
Die Liste jener Geiseln, die heute freigelassen werden, ist im Büro des PM angekommen. Die Familien wurden bereits über die bevorstehende Freilassung ihrer Lieben informiert. Als Zeichen des guten Willens gegenüber Putin sollen zwei russische Staatsbürger zusätzlich zu den zehn israelischen Geiseln freigelassen werden, teilte die Hamas mit.

Bei der gestrigen Übergabe der freigelassenen Geiseln an das IRK war eine Änderung zu beobachten. Neben den Terroristen der Hamas, erkennbar an den grünen Stirnbinden, nahmen auch erstmals Terroristen des Palästinensischen Islamischen Djihad, erkennbar an den schwarzen Stirnbinden teil. Die ‘Parade’ der Geiseln war eine letzte Erniedrigung vor der Freilassung und die Demonstration von Sadismus und menschenverachtendem Verhalten. Hier das Video.
Die Polizei löste eine Demonstration von Familienangehörigen der ermordeten Opfer des Massakers vom 7. Oktober vor der Knesset auf. Sie demonstrierten dort gegen die Regierung: «Warum habt ihr meine Eltern nicht beschützt?» klagte Maoz Ionin, dessen Eltern Bilha, 75 und Yakovi, 78, s’’l, in Netiv Ha’asara ermordet worden waren. Einige der Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen. Wer mag wohl dazu den Befehl gegeben, diese Trauernden dermassen zu schikanieren? In Frage kommt eigentlich nur Minister Ben-Gvir.
Seitens der Hamas Terror-Organisation kamen deutliche Zeichen, dass sie einer Verlängerung der Feuerpause um weitere vier Tage zustimmen möchten. In der Vereinbarung zur Feuerpause und dem Austausch von israelischen Geiseln und palästinensischen Gefangenen im Verhältnis 1:3 wurde die Möglichkeit eingeräumt, die Feuerpause auf insgesamt zehn Tage auszudehnen. Hamas teilte ihre Bereitschaft den Mediatoren in Katar mit und betonte, sie seien in der Lage, alle möglichen Geiseln, auch wenn sie sich in den Händen anderer Terrorgruppen befinden, freizulassen.
Während die Übergabe der Geiseln noch nicht beendet war, eröffnet die Hamas Feuer auf IDF-Truppen, die daraufhin zurückschossen und drei Terroristen eliminierten.
Der PM wollte ein Treffen mit einigen Familien aus den am stärksten von den Massakern vom 7. Oktober betroffenen Kibbutzim organisieren. Doch nicht alle waren begierig darauf, sich mit ihm zu treffen. Einige Kibbutzim haben es daher abgelehnt, an dem Treffen teilzunehmen. Der Grund für die rigide Ablehnung: Netanyahu wollte selbst und bereits im Vorfeld bestimmen, Mitglieder welcher Familien daran teilnehmen dürfen. Vor allem die Mitglieder des Kibbutz Be’eri teilten dem Büro des PM mit, seine Mitglieder hätten sich geweigert, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen. Er sei eingeladen, sie alle in Be’eri zu treffen. Nach vorheriger Absprache und, so wird betont, ohne grosse Medienbeteiligung. Auch aus dem ebenfalls stark betroffenen Kibbutz Nir Oz kommen ähnliche Worte. «Er soll sich mit allen treffen, mit den Kindern, den Eltern und den Familien, eben mit allen. Überlebenden.» Auch eine klare Absage kam aus dem Kibbutz Kfar Aza, mit der Begründung, der Termin sei zu kurzfristig anberaumt worden. Nach dem Besuch des PM gemeinsam mit Elon Musk war Netanyahu noch mehr in die Kritik der Kibbutznikim geraten.


In den letzten Tagen verdichteten sich immer mehr Gerüchte, dass die Hamas Terror-Organisation im Gazastreifen die Gebäude vom Kibutz Be’eri nachgebaut hatten und dort den Überfall trainierten. Ein ‘Scheindorf’ befand sich nur wenige km entfernt vom Personenübergang ‘Eretz’. Der Zugang zum Scheindorf ist, wie in der Realität mit einem gelben Rolltor markiert. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass von Offizierinnen der Aufklärungseinheit ‘8200’ immer wieder gewarnt wurde, dass es entlang des Grenzzauns zu bedeutenden Auffälligkeiten kam. Die Mitteilungen an die Vorgesetzten, bis hinauf zum Kommandanten wurden harsch, im Wiederholungsfall sogar mit dem Hinweis «Wenn du nochmal damit zu mir kommst, dann wirst du vor Gericht gestellt» zurückgewiesen. Laut Nachrichtensendung ‘Uvda’ (Kanal 12) schickte eine der Offizierinnen am 6. Juli eine Mail an ihren Vorgesetzten. Der Betreff der Mail lautete: «Tod im Kibbutz um jeden Preis.» Der Text war eindeutig: «Ende Mai hat eine ausnehmend grosse Übung von zwei Nukhba-Kompanien stattgefunden, an der eine Reihe hochrangiger Hamas-Führer teilnahmen.» Sie schreib weiterhin, bei der ganztägigen Übung hätten Terroristen auf Jeeps und Motorrädern geübt, israelische Flugzeuge und Hubschrauber abzuschiessen. Israel wusste offensichtlich sogar, dass es solche Dörfer gab. Die dort stattfindenden Trainings deuteten auf einen Grossangriff hin, eines wurde sogar mit den Worten «Wir haben die Tötung aller Bewohner des Kibbutz abgeschlossen» beendet. Aber niemand nahm die heraufziehende Bedrohung ernst. BBC war sicher glücklich, einen Grund gefunden zu haben, Israel wieder in ein schlechtes Licht zu stellen. Sie veröffentlichte gestern eine Untersuchung, mit Bildern und Videos, die in den sozialen Medien veröffentlicht worden waren. Sie belegen, wie seit drei Jahren für den Einsatz trainiert wurde und welche zehn (!) verschiedenen Terror-Gruppen teilnahmen. Bereits Ende Dezember 2020 übten Terroristen eine Anlandung auf israelisches Gebiet mit Schlauchbooten. Eine Offizierin beschrieb ihre Beobachtungen in einer Mail: «Ich weise die Möglichkeit, dass es sich um ein Fantasie-Szenario handelt, kategorisch zurück. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies nur dazu dient, eine imaginäre Situation zu üben und die Moral zu heben. Ich glaube, dass dieses Szenario sehr real ist, vor allem weil die Hamas über die militärischen Fähigkeiten verfügt. Es handelt sich um einen Operationsplan ohne konkreten Zeitplan. Mit anderen Worten – wir werden nicht in der Lage sein, rechtzeitig eine Warnung auszusprechen.» Und gibt es sofortige Konsequenzen? Nein! «Wenn der Krieg beendet ist, wird eine detaillierte und gründliche Untersuchung durchgeführt werden, die jedes einzelne Detail klären wird.»

Als erster hochrangiger Offizier hat Kommandant Aharon Haliva zugegeben, dass er weiss, dass seine Zeit in dieser Position nur mehr eine ‘geliehene Zeit’ ist. «Schon am Morgen des 7. Oktober habe ich verstanden, dass es vorbei ist. Wenn der Krieg vorbei ist, werde ich zurücktreten müssen.» Jetzt bleibt ihm nur mehr eines, selbst zu entscheiden, welchen Zeitpunkt er für seinen Rücktritt wählt. Welchen auch immer er wählt, innerhalb des Aufklärungsdienstes ist er nur mehr das, was man als ‘lame duck’ bezeichnet. Der Kampf um seinen Nachfolger hat bereits begonnen.

Captain Emma war in Paris auf Besuch bei ihrer Familie, als am 7. Oktober der Anruf eines Freundes sie über die grausamen Massaker im Süden Israels informierte. Nur wenig später rief der Anruf ihres Kommandanten sie zurück in den Reservedienst. Noch in der Nacht kam sie in Israel an und wurde nur wenige Stunden später in die ‘Shura’ Militärbasis in der Nähe von Ramle. Normalerweise ist dieser Ort einer der ruhigsten in ganz Israel.
Shura beherbergt das Logistik-Zentrum der IDF und ist der Standort des Militär-Rabbinats. Doch nach dem 7. Oktober war alles anders. Die sterblichen Überreste von über 1.300 Menschen, darunter mindestens 300 Soldaten und, wie wir heute wissen, zahlreicher Terroristen, wurden zur Identifizierung hierhergebracht.
Shura verfügt über zahlreiche Kühlräume und Kühlcontainer, um die sterblichen Überreste nicht der damals noch herrschenden Hitze aussetzen zu müssen. Die möglichst schnelle Identifizierung war nicht nur notwendig, um die Ermordeten möglichst rasch beisetzen zu können, sondern auch, um den Familienangehörigen Gewissheit über das Schicksal ihrer Lieben zu geben. Immer mehr Menschen trafen ein, und mussten vor Ort respektvoll und empathisch betreut werden. Es war die Aufgabe der Polizeibeamten, gemeinsam mit Soldaten und Mitarbeitern der Freiwilligen-Organisation ZAKA die Identifizierungen so schnell und umfassend wie möglich vorzunehmen. Emmas Aufgabe bestand darin, die Familienangehörigen ab dem Moment ihrer Ankunft in Shura zu begleiten. Eine schwere Aufgabe. Immer wieder musste sie Fragen beantworten, den verzweifelten Menschen die Mitteilung überbringen, dass sich ihre Lieben unter den Opfern befanden. Oder ihnen mitteilen, dass es noch keine Informationen über deren Verbleib gab. In enger Zusammenarbeit mit den anderen Hilfsteams bemühte sie sich, Tag für Tag administratorische Aufgaben für die Familien zu erledigen, ihnen Gegenstände zu übergeben, die bei den sterblichen Überresten gefunden worden waren.
Für Emma, im Zivilberuf Rechtsanwältin, bleibt die Erfahrung, die sie während ihrer zwei Wochen auf der Basis machte, fest im Kopf verankert. Sie hat die Opfer vor sich gesehen, geschändete Menschen, brutal abgeschlachtet, bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Menschen. Erwachsene, Jugendliche, Babys.
Emma bleibt optimistisch: «Von hier aus werde ich wachsen, mehr über mich selbst lernen und hoffen, dass es in unserem schönen Land bessere Tage geben wird. Wir haben kein anderes Land.»

Efrat Nursi, die Leiterin des weiblichen Gerichtsmediziner-Teams des Militär-Rabbinats, arbeitet ebenfalls seit dem 7. Oktober in Shura. Über ihre Erfahrungen sprach sie mit Radio ‘Kan Moreschet’. «Ab dem Moment, in dem die sterblichen Überreste einer Frau zu uns gebracht wurden, wird der gesamte Prozess der Identifizierung ausschliesslich von Frauen durchgeführt.» Auch für sie, als Mitglied des Militärrabbinats, steht im Vordergrund, dass neben einer sicheren Identifizierung die Beisetzung so schnell als möglich erfolgen kann. Erst danach kann der Trauerprozess der Familienangehörigen beginnen. «Deshalb arbeiten wir 24 Stunden am Tag, auch am Shabbat. Die Betreuung der Hinterbliebenen ist auch am Shabbat halachisch möglich.» Auch sie spürt die Auswirkungen ihrer Arbeit auf ihr Leben. «Der 7. Oktober war ein lebensveränderndes Ereignis. Wir haben viel mehr Toleranz und mehr Kameradschaft entwickelt.»

Nach einer Meldung der al-Qassam Brigaden der Hamas-Terror Organisation sollen Shiri, 32, und ihre beiden Söhne, Ariel, 4 und Baby Kfir, 10 Monate, nicht mehr am Leben sein. Sie seien die Opfer eines israelischen Luftangriffes geworden. Die IDF versucht, nähere Einzelheiten und Hintergründe zu dieser Ankündigung zu erhalten. Auch wenn der Wahrheitsgehalt dieser dramatischen Entwicklung durch keine Fakten gestützt ist, wurde die Familie Bibas darüber informiert. Seitens der Hamas gab es keine Hinweise über den Verbleib des ebenfalls verschleppten Vaters. Noch vor wenigen Tagen hatte die Hamas behauptet, die gesamte Familie unmittelbar nach der Verschleppung nach Gaza einer anderen Terror-Fraktion übergeben zu haben und deshalb nichts über den aktuellen Aufenthaltsort zu wissen. Familie Bibas wird von der IDF engmaschig betreut.

Um 19:30 wurden die zehn heute freigelassenen Geiseln dem IRK übergeben. Das teilten sowohl die Hamas, als auch der Palästinische Islamische Djihad hat. Demnach befinden sich unter den freigelassenen Geiseln, die von beiden Terror-Organisationen festgehalten worden waren. Die Gruppe soll fünf der neun noch im Gazastreifen festgehaltenen Kinder und sieben Frauen, sowie zwei russische Staatsbürger umfassen. Gegen 21 Uhr bestätigte IDF-Sprecher Daniel Hagari, dass der Prozess der Übergabe noch nicht abgeschlossen sei.
Um 23:20 wird endlich bekanntgegeben, dass die heute Freigelassenen sich nun wirklich dem IRD übergeben wurden und sich auf dem Weg nach Israel befinden. Die Hamas hatte die erneute unglaubliche Verzögerung mit ‘logistischen Problemen’ erklärt.
Die Namen der Freigelassenen sind:
Yelena Trupanov, 50 und ihrem Mutter Irena Tati, 73,
Gali Tarshansky, 13
Ofir Engel, 17
Amit Shani, 16
Liam Or, 18
Itay Regev, 18, der Bruder der bereits freigelassen Maya
Raya Rotem, 54, die Mutter der bereits mit den ersten Geiseln freigelassenen Hila.
Raz Ben Ami, 57
Yarden Raman Gat, 36
Marona Stela Yanai, 40
Es gibt noch keine weiteren Vereinbarungen über eine Verlängerung der humanitären Feuerpause, mittlerweile ist das Kriegskabinett zu eine Sitzung zusammengekommen.
Kategorien:Israel
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