21. Kislev 5784

Jener Reservist, der verantwortlich zu sein scheint, den Tod von Yuval Doron Castleman, s’’l, verursacht zu haben, wurde gestern von der Militärpolizei in Untersuchungshaft genommen. Ihm wird zur Last gelegt, Castleman, nachdem der bereits seine Waffe abgelegt hatte, mit der er einen der Terroristen in Jerusalem neutralisiert hatte, erschossen zu haben. Dies, obwohl Castleman durch deutliche Zeichen zu verstehen gegeben hatte, er sei ein jüdischer Zivilist. Auf dem Video ist jedoch klar zu erkennen, dass zwischen dem eigentlichen Anschlag und den tödlichen Schüssen nur wenige Sekunden vergangen sind. Es wird nun Aufgabe des Militärgerichts sein, zu evaluieren, inwieweit ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen werden kann. Der israelische Präsident stattete heute der Familie einen Besuch ab. Herzog sagte zu, den tragischen Vorfall intensiv untersuchen zu lassen. Auch die derzeitige Politik des Waffenbesitzes müsse genau angeschaut werden. «Wir dürfen keine Angst davor haben, darüber zu sprechen, alle Aspekte müssen auf den Tisch gelegt werden.» Herzog drückte sein tiefes Bedauern aus und lobte das Verhalten des Getöteten: «Er ist aus dem Auto ausgestiegen, weil er dazu erzogen wurde, Mitmenschen, die er nie getroffen hatte, zu retten. Er bezahlte dafür auf grauenvolle Art mit seinem Leben. Ich bin hier, um meine übergrosse Wertschätzung für einen israelischen Helden auszudrücken.»
Heute zeigte sich der Ober-Rambo der israelischen Regierung, Minister Ben-Gvir, begeistert über die Annahme seines Waffenprogramms. Mehr als 260.000 Anträge auf einen Waffenschein sind seit dem 7. Oktober in seinem Ministerium eingetroffen. Das verkündete er heute stolz auf einem Parteitreffen. Der Vorsitzende der Registrierungsabteilung, Ysrael Avisar, trat heute aus seinem Amt zurück. Er musste eher beiläufig erfahren, dass Dutzende Personen vorübergehend, was manchmal auch so viel wie dauerhaft bedeutet, die Berechtigung erhalten hatten, entsprechende Anträge zu bewilligen. Darunter persönliche Mitarbeiter des Ministers, Knesset Angestellte und junge Frauen im Zivildienst. Als er sich darüber beschwerte, lautete die Antwort aus dem Büro des Ministers: «Jemand, der die Politik nicht in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Ministers fortsetzt … und durch Angriffe der Linken in verschiedenen Ausschüssen unter Druck gesetzt wird, kann nicht als Leiter der Schusswaffenabteilung weiterarbeiten. Eine Waffe rettet Leben, und die Politik des Ministers wird ausgeweitet und nicht eingeschränkt.» Klartext: Je mehr Waffen im Umlauf sind, desto besser ist es, desto sicherer wird das Land. Ich stelle mir meinen persönlichen Sicherheitsstatus vor, wenn gewisse Nachbarn eine Schusswaffe hätten. Avisar ist nicht der erste hochrangige Beamte, der seit der Übernahme das Ministerium verlässt. Im September hatte der Generaldirektor, Shlomo Ben Eliyahu, es ‘aus persönlichen Gründen’ verlassen.

Die Familie von Yonatan Samarno, 21, s’’l, die bisher davon ausging, er gehöre zu den nach Gaza verschleppten Opfern der Hamas, wurde gestern informiert, dass er von der Hamas bereits auf dem Musik-Festival erschossen worden war. Zunächst hatte die Familie gehört, er sei angeschossen worden und sein Zustand sei nicht bekannt. Seine sterblichen Überreste wurden in den Gazastreifen verschleppt und befinden sich immer dort.

Die IDF musste den Tod von drei weiteren Soldaten bekanntgeben. Damit erhöht sich die Zahl der seit dem 7. Oktober Gefallenen auf 401. Während der Bodenoffensive verloren 75 Soldaten ihr Leben bei Kämpfen im nördlichen Gazastreifen, 326 wurden bei den Massakern im Süden Israels ermordet. Die Namen der heutigen Opfer sind: Sgt. Maj. (res.) Neriya Shaer, 36, Sgt. First Class (res.) Ben Zussmann, 22 und Sgt. Binyamin Yehoshua Needham, 19, s’’l.

Nachdem der Ich.Bin.Immer.Noch.Der.PM das Verhandlungsteam unter Leitung von Mossad Chef David Barnea aus Katar zurückgerufen hat, sind die Verhandlungen über eine erneute humanitäre Feuerpause endgültig gescheitert. Für den Moment. Natürlich geben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld, aber es ist offensichtlich, dass, wie leider schon so oft, die Hamas die Schuld trifft. Weder hatten sie, wie vereinbart, eine neue Liste der freizulassenden Geiseln vorgelegt und noch dazu eine Stunde vor Ablauf der Feuerpause den Beschuss wieder aufgenommen. Jetzt möchten betroffene Familienangehörige dringend in Erfahrung bringen, ob die Befreiung ihrer Lieben immer noch die immer wieder betonte ‘höchste Priorität’ des Kriegskabinetts hat. Sie baten um ein Treffen mit den Politikern, dieses wurde ihnen aber bisher verwehrt. Nun haben sie eine Deadline bis heute 20 Uhr gesetzt. «Wenn ihr euch nicht bis heute Abend um acht Uhr mit uns trefft, müssen wir fragen, was wir tun können, um unsere Proteste zu verstärken. Wir versammeln uns am Eingang des IDF-Verteidigungsministeriums in Tel Aviv und bleiben dort.» Yocheved Lifshitz wurde freigelassen, ihr Mann Oded, 83, befindet sich immer noch in Geiselhaft. Ihr Enkel fordert: «Kehrt sofort an den Verhandlungstisch zurück und erzielt eine Einigung um jeden Preis. Das habt ihr uns versprochen!» Netanyahu behauptet indes, das Treffen sei für den kommenden Mittwoch vorgesehen, man werde aber schauen, ob die Möglichkeit bestünde, es vorzuziehen. Was, möchte ich ihm gerne zurufen, ist derzeit wichtiger als die Freilassung der Geiseln? Komm runter von deinem Thron als angeblicher Kriegsherr und finde endlich wieder den Kontakt zu deinen Mitbürgern! Auch wenn euch im Moment vielleicht die Hände gebunden sind, gebt den Menschen zumindest das Gefühl, hinter ihnen zu stehen und ihre grossen Sorgen und Ängste ernst zu nehmen.

Die Präsidentin des IRK, Mirjana Spoljaric Egger, wird heute in Ägypten erwartet, um Gespräche zu führen, ob es Vertretern des Roten Kreuzes erlaubt werden könnte, die Geiseln zu besuchen, die am 7. Oktober verschleppt wurden und sich seither in den Fängen der Hamas und anderer Terror-Organisationen befinden. Mit diesem Besuch wird klar, dass es bisher seitens des IRK überhaupt keine Bemühungen gegeben hat, diesen Punkt der Vereinbarungen zur humanitären Feuerpause zu erfüllen. Israel hatte immer wieder beklagt, dass es keine solchen Bemühungen gebe und, wie auch von Familienangehörigen der Geiseln bestätigt wurde, keine notwendigen Medikamente weitergegeben wurden. Noch befinden sich mehr als 150 Geiseln im Gazastreifen und es wäre die Aufgabe des IRK, sich um deren Gesundheitszustand und Wohlergehen zu kümmern. Keiner weiss, wie es ihnen geht, oder ob sie überhaupt noch leben. Für die Familienangehörigen ein unhaltbarer, grausamer Zustand. Am Nachmittag besuchte sie den Gazastreifen, und klagt die IDF an, «dass die Zivilbevölkerung in Gaza keinen sicheren Ort hat, an den sie gehen kann, und angesichts der militärischen Belagerung derzeit auch keine angemessene humanitäre Hilfe möglich ist.» In Richtung der Terror-Organisation Hamas ergeht die Aufforderung: «Alle Personen, die ihrer Freiheit beraubt sind, müssen menschlich behandelt werden. Die Geiseln müssen freigelassen werden, und das IKRK muss die Möglichkeit haben, sie sicher zu besuchen. Als neutraler Akteur ist das IKRK bereit, weitere humanitäre Vereinbarungen zu unterstützen, die das Leid und die Qualen verringern.»

Der arabisch sprechende IDF-Sprecher Lt. Col. Avichay Adraee erklärte die Nord-Süd-Achse, die Salah al-Din Strasse, im Gebiet von Khan Younis zur Kampfzone. Es sei ab sofort nicht gestattet, sie zu zivilen Zwecken zu nutzen. Eine sichere Umfahrungsstrasse wurde westlich von der Stadt eingerichtet. Die Passage von Rafah nach Khan Younis, sowie in die Flüchtlingslager im Zentrum des Gazastreifens ist über diese Strasse möglich. Gleichzeitig kündigte er an, dass zwischen 12 und 14 Uhr eine humanitäre Feuerpause stattfindet, um die Lieferung von Hilfsgütern zu ermöglichen. Augenzeugen berichteten, dass Dutzende von israelischen Panzern und Panzerwagen sich in Richtung Süden des Gazastreifens bewegten. Ein deutliches Zeichen, dass die Bodenoffensive nun in der Region um Khan Younis fortgesetzt wird.
US-Sicherheitsberater Phil Gordon wird mit einer hochrangigen Delegation nach Israel reisen, um dort Gespräche über verschiedene Szenarien zu führen, wie es mit dem Gazastreifen nach Beendigung des Krieges weitergehen soll. Begleitet wird er von Ilan Goldberg, dem Experten für den Mittleren Osten. Beide gehören zum engeren Team von US-Vizepräsidentin Kamala Harris. Die Gespräche werden auf israelischer Seite vom Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrates, Tzachi Hanegbi, und dem Minister für Strategische Fragen, Ron Dermer, geführt werden. Weitere Gespräche sind auch mit PA-Präsident Mahmoud Abbas geplant. US-Vizepräsidentin Kamala Harris hatte auf dem Rückflug von der Klimakonferenz in Dubai mit dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog telefoniert. Sie betonte dabei zwar einerseits das Recht Israels auf Selbstverteidigung, kritisierte aber gleichzeitig die Art, wie der Krieg derzeit geführt wird. Sie forderte Israel auf, mehr dafür zu tun, um die Zivilbevölkerung im Gazastreifen besser zu schützen. «Es sind zu viele unschuldige Palästinenser getötet worden. Offen gesagt, das Ausmass des zivilen Leids und die Bilder und Videos aus dem Gazastreifen sind verheerend.»

Gal Gadot, israelische Schauspielerin, die zuletzt in der Rolle der Linnet Ridgeway-Doyle in ‘Tod auf dem Nil’ (2022) international reüssierte, hat sich für die Anerkennung der Gräueltaten der Hamas-Terroristen vom 7. Oktober gegen Frauen, als das, was es ist, ausgesprochen: ein bisher nie dagewesener Notfall, der untersucht wird und aus dem Konsequenzen gezogen werden müssen. Sie beklagt zu Recht, dass die Welt diese Frauen im Stich gelassen hat. Nur wenige Stunden nach dem Massaker und den Massen-Vergewaltigungen tauchten Videos auf, die die Opfer der Schändungen als nochmalige Opfer zeigten, vorgeführt von den Terroristen als Trophäen ihres Tuns. Immer noch befinden sich einige der Frauen in der Gewalt der Hamas. Gadot fordert die UNO dringend auf, die sofortige Freilassung der Frauen, die sich noch im Gazastreifen befinden, zu verlangen.

Auch zu den schrecklichen Szenen, die die Überlebenden des Massakers vom 7. Oktober erdulden mussten, gibt es immer mehr Augenzeugenberichte. Ein 39 Jahre alter Mann überlebte nur deshalb, weil er sich stundenlang unter einigen Leichen versteckte. So wurde er Zeuge, wie «eine Frau von acht oder zehn Männern umzingelt war, die sie schlugen und der Reihe nach vergewaltigten. Als sie fertig waren, haben sie alle gelacht und sie anschliessend erschossen.» Das ist nicht die einzige Aussage. Die Polizei hat bisher schon mehr als 1.500 Protokolle erstellt, die dabei geschildete sexuelle Gewalt reicht von Gruppen-Vergewaltigungen bis zu Verstümmelungen nach dem Tod des Opfers. Eine Freiwillige, die zwei Wochen half, die weiblichen Opfer für ihre Beisetzung vorzubereiten, erzählt vom Grauen, das sie überkam, wenn sie die Leichensäcke öffneten. «Es gibt keinen Zweifel daran, was mit ihnen geschehen ist.» Auch Chajim Outmezgine, der Kommandant der ZAKA-Spezialeinheit geht davon aus, dass eines der Ziele der Terroristen war, möglichst viele Frauen zu vergewaltigen und anschliessend – oder auch schon vorher – grausamst zu ermorden. 57 Tage hat es gedauert, bis die UN-Frauen eine kurze Meldung veröffentlichten, die die ‘brutalen Angriffe der Hamas gegen Israel verübte’ anprangerte. «Wir sind alarmiert über die zahlreichen Berichte über geschlechtsspezifische Gräueltaten und sexuelle Gewalt während dieser Angriffe. Deshalb haben wir gefordert, dass alle Berichte über geschlechtsspezifische Gewalt ordnungsgemäss untersucht und strafrechtlich verfolgt werden, wobei die Rechte der Opfer im Mittelpunkt stehen müssen.» Ich verlinke die entsprechenden Artikel hier nicht, nicht weil ich sie nicht gefunden, sondern weil ich sie niemandem zumuten möchte.
Zwei Tage vor dem Massaker vom 7. Oktober sind, wie jetzt bekannt wurde, noch zwei Kompanien der IDF von der Grenze zum Gazastreifen nach Huwara in Samaria verlegt worden. Dies berichtete der öffentliche Sender ‘Kan’. Die Kompanien waren kein Teil der regulären Grenztruppen und wurden auf Befehl des operativen Direktorats der IDF verschoben. Bis dahin hatte die IDF behauptet, im Vorfeld der Massaker seien keine Truppen von der Grenze abgezogen worden. Sie gab aber zu, dass seit dem Beginn der Unruhen in Judäa und Samaria vermehrt zusätzliche Truppen dort zum Einsatz kamen. Warum und auf wessen Befehl die Grenze zu Gaza am 7. Oktober nahezu ohne militärischen Schutz war, wird die IDF nach eigenen Angaben nach dem Ende des Krieges untersuchen.
In der vergangenen Nacht hat die IDF über 200 Ziele der Hamas Terror-Organisation angegriffen. In Beit Hanoun, im nördlichen Gazastreifen, zerstörten sie innerhalb einer Schule eine terroristische Infrastruktur, die als Vorbereitungscamp für Angriffe genutzt wurde. Innerhalb der Schule fanden sie zwei Tunneleingänge, einer davon war vermint. Von der Marine wurden Beobachtungstürme entlang der Küste zerstört.
Aus dem südlichen Libanon wurden wieder zahlreiche Raketen und Drohnen auf Israel abgeschossen. Sie fielen auf unbewohntes Gebiet. Eine Rakete landete im Kibbutz Misgav Am. Drei Soldaten wurden von Granaten leicht verletzt. Die IDF reagierte mit gezieltem Beschuss auf die Region, von der aus geschossen worden war. Auch der Süden des Landes geriet wieder unter heftigen Beschuss. Auch Zentral-Israel und der Süden des Landes wurden wieder heftig beschossen. Es gelang jedoch, alle Raketen abzufangen.


In den vergangenen Tagen wurden zwei Feldkrankenhäuser im Süden des Gazastreifens errichtet und in Betrieb genommen. Sie sollen den Bewohnern aus der Region um Rafah und Khan Younis umfassende Gesundheitsdienste anbieten. Gespendet wurden die beiden Einrichtungen von Jordanien und den VAE. Etwa zeitgleich konnten 14 Ambulanzen in Dienst gestellt werden. Sie waren vor der Zulassung im israelischen Nitzana einem Sicherheitscheck unterzogen worden, um sicherzustellen, dass sie nicht für illegale Transporte genutzt würden. Das war in der Vergangenheit leider immer wieder der Fall. Die Ambulanzen wurden von Saudi-Arabien gespendet.
Kategorien:Israel
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