Krieg in Israel – Tag 62

24. Kislew 5784

Heute Abend beginnt das 8 Tage dauernde Chanukka Fest. Im Jahr 3597 (164 BCE) wurde am 25. Kislew der zweite jüdische Tempel in Jerusalem wieder eingeweiht. Chanukka feiert den Sieg der Makkabäer gegen das Seleukidenreich, das sich nach dem Tod Alexander des Grossen gebildet hatte und sich vom Osten bis ans Mittelmeer hinzog. Josephus Flavius schildert den Aufstand allerdings auch als innerjüdischen Bürgerkrieg. Seit der Eroberung von Jerusalem 586/587 BCE gab es keine jüdischen Könige mehr, die Macht lag in den Händen der Hohen Priester, die das Amt zu einem Erbamt degradierten und äusserst korrupt waren. Nach zähen Kämpfen gelang es Jehuda Maccabi, Jerusalem und damit auch den Tempel wieder einzunehmen. Der sieben-armige Leuchter, die Menorah, sollte niemals erlöschen. Es gab aber nur mehr einen Krug Öl, der für einen Tag reichte. Das Herstellen von neuem Öl dauert acht Tage. Doch ein Wunder geschah und das Öl brannte acht Tage, bis es wieder neues gab. Wir zünden täglich eine Kerze mehr an, bis am Abend des achten Tages alle Kerzen hell erstrahlen. Wie so oft waren sich die grossen Rabbiner Hillel und Schammai wieder einmal uneinig. Schammai schlug vor, mit einer Kerze zu beginnen, während Hillel darauf beharrte, mit acht Kerzen zu beginnen und dann am Abend des achten Tages nur mehr ein Licht zu haben. (Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat, Kapitel 2, Seite 21b) Ich bin eine Anhängerin der Lehren von Hillel, aber in diesem Fall folge ich gerne Schammai, obwohl er der ‘strengere’ der beiden in der Auslegung der Torah ist.

Auch heute musste die IDF wieder mitteilen, dass sie drei Soldaten im Kampf in Gaza verloren haben. Staff Sgt. Amit Bonzl, 22, Sgt. First Class (res.) Maor Gershoni, 24, und Staff Sgt. Alemnew Emanuel Feleke, 22, s’’l. Feleke wurde am 5. Dezember im Kampf schwer verwundet und erlag gestern seinen Verletzungen. Am Abend musst die IDF den Tod von zwei weiteren Soldaten bekanntgeben: Master. Sgt. (res.) Gal Meir Eisenkot, 25 und Sgt. Maj. (res.) Jonathan David Deitch, 34, s“l. Meir Eisenkot ist der Sohn des ehemaligen Generalstabschefs Gadi Eisenkot. Er wurde durch eine in einem Tunneleingang explodierende Bombe getötet. Deitch fiel bei einem Bodenkampf.

Mohammad Alatrash, 40, der seit dem 7.Oktober als vermisst galt, wird nun nach gesicherten Erkenntnissen der IDF zu den von der Hamas verschleppten Geiseln gezählt. Mohammad stammt aus dem Beduinen-Ort Sawa und ist Vater von 13 Kindern. 

Nach den USA hat jetzt auch Belgien eine Einreisesperre gegen rechtsextrem-nationalistische Siedler und Mitglieder der Hamas Terror-Organisation verhängt. Von Deutschland gehen jetzt Bemühungen aus, dass die gesamte EU sich diesen Sanktionen anschliesst.

Die israelische Börsenaufsicht gab bekannt, dass sie in den Wochen und Tagen vor dem 7. Oktober keine Auffälligkeiten im Handel an der Börse in Tel Aviv beobachten konnte. Die Studie ‘Trading on Terror’ die am Sonntag von US-amerikanischen Universitäten publiziert worden war, nährte den Verdacht, dass im fraglichen Zeitraum mit gezielten, umfangreichen Wetten gegen israelische Papiere Milliarden Schekel verdient worden waren. Die Behörde erklärte, dass ein spezielles Programm den gesamten Börsenhandel auf Auffälligkeiten hin permanent überwacht. Sie hätten den Bericht, der ihnen schon länger vorlag, nochmals mit den Überwachungsdaten verglichen. Der Fehler der Studie, so erklärten sie mit hochgezogenen Augenbrauen, liege darin, dass die Forscher übersehen hätten, dass die Aktienkurse in Agorot und nicht in Schekel angegeben werden. Sie hätten einfach vergessen, ihre Ergebnisse durch 100 zu teilen. Nachdem die Forscher ihre Ergebnisse entsprechend korrigiert haben, beträgt der Gewinn nur mehr rund 30 Millionen Schekel. 

Die Gruppe der arabischen Staaten bei der UNO arbeitet derzeit einen Resolutionsvorschlag aus, der einen Waffenstillstand im Krieg Israel gegen die Hamas fordert. Riyad Mansour, der palästinensische UN-Botschafter bei der UNO, begrüsste diesen Schritt. «Es ist wichtig, dass das mächtigste Gremium der UNO, der Sicherheitsrat, jetzt den sofortigen Stopp des Krieges fordert.» Eine Ministerdelegation der ‘Organisation für Islamische Zusammenarbeit’ unter Leitung des saudi-arabischen Aussenministers wird heute in Washington mit Vertretern der USA zusammentreffen und das Thema diskutieren. Nota eben: Israel keine Lobby bei den UN. Keine Lobby haben auch die Kurden, Yesiden … 

Beliebte Wanderwege, die teils durch militärisches Sperrgebiet führen und in der Regel während der Feiertagsferien für die Öffentlichkeit geöffnet werden, bleiben in diesem Jahr geschlossen. Die IDF gab bekannt, dass es jederzeit möglich ist, dort Trainingseinheiten zu absolvieren und dass ein Betreten der Gebiete daher lebensgefährlich sein kann. Gleichzeitig wurde die Bevölkerung in den entsprechenden Regionen gewarnt, dass Geräusche von Schusswechseln und Explosionen zu hören sein könnten. 

Oppositionsführer Benny Gantz hat es nicht leicht als Minister im Kriegskabinett. Wie wir in den letzten Tagen beobachten konnten, befindet sich der immer-noch-PM schon wieder im Wahlkampfmodus. Alles, was er derzeit unternimmt, hat nur das eine Ziel: Ihm seine verlorengegangene Gunst der Wähler wieder zurückzuholen. Ob ihm das auch nur im Entferntesten gelingt, steht auf einem anderen Blatt und soll hier nicht diskutiert werden. Die Brüche zwischen ihm und seinem ehemaligen VM Benny Gantz werden immer offensichtlicher. Jetzt haben Parteifreunde aus der Partei von Gantz, der ‘National Unity Party’, ihm dringend angeraten, das Kriegskabinett zu verlassen. Der stv. Parteivorsitzende Ze’ev Elkin warnte jedoch, dass «es ein Fehler sei, jetzt während des Krieges dort auszusteigen.» Dieser Meinung schloss sich auch Benny Gantz selbst an. «Ich stelle derzeit keine politischen Überlegungen an. Ich tue, was gut für Israel ist. Ich stehe nicht auf und gehe. Und überhaupt, wenn man das tut, was für Israel gut ist, dann hat man auch die politische Unterstützung der Nation.» Das allerdings ist vielleicht die politischste aller Überlegungen, die man angesichts der sicher stattfindenden Wahlen nach Ende des Krieges anstellen kann. 

Das Kriegskabinett hat entsprechend den Aufforderungen der USA die Diesel-Lieferungen in den Gazastreifen aufgestockt. Die USA hat betont, dass die derzeitigen 60.000 Liter bei Weitem nicht ausreichen, um den humanitären Zusammenbruch und den Ausbruch von Epidemien zu verhindern. Dazu sei es notwendig, die Menge zu verdoppeln, oder noch besser, zu verdreifachen. Es ist klar, dass die beiden rechtsextrem-nationalistischen Minister Ben-Gvir und Smotrich dagegen stimmten. Auch dem Büro des PM kam nur eingeschränkte Zustimmung: «Einer minimalen Erhöhung der täglichen Liefermenge, über die wir Tag für Tag neu bestimmen, wird entsprechend der humanitären Situation und der Bedrohung durch Seuchen im Gazastreifen zugestimmt.» VM Yoav Gallant stimmte dieser Vorgabe vollinhaltlich zu, schlug aber vor, man könne sie auch an den Besuch der Geiseln durch das Rote Kreuz koppeln.

Israel hat erstmals seit Beginn des Krieges den Übergang für Transporte, Kerem Shalom, im Süden des Gazastreifens wieder geöffnet. Mit der Wiedereröffnung wird die Überprüfung der Lieferungen, die derzeit in Nitzana, einem kleinen Grenzübergang zwischen Ägypten und Israel stattfindet, deutlich erleichtert. Der Übergang von Ägypten nach Gaza muss aber weiterhin über Rafah abgewickelt werden. Damit kann die Zahl der LKWs, die in den Gazastreifen fahren, von derzeit 250 auf weitaus höhere Zahlen ausgedehnt werden.

Was hat Yair Netanyahu, der ältere Sohn des immer-noch-PM für den Staat Israel getan, das es rechtfertigt, ihm einen Diplomatenpass zuzubilligen? Seit dem Frühjahr geniesst er das dolce-far-niente in Florida. Als zahlreiche seiner Altersgenossen zum Reservedienst einberufen wurden, und deshalb Studien, Ferien und in einigen Fällen sogar ihre Hochzeitsreisen im Ausland abbrechen mussten, sass er immer noch in der warmen Sonne des Urlaubsparadieses. Irgendwann, als wieder halbwegs regelmässige Flüge möglich waren, kehrte er zurück nach Tel Aviv. Medienwirksam liess er sich im Call-Center von ‘United Hatzalah’ ablichten. Für was leistete er den Freiwilligendienst? Er sammelte Spenden, genug für zwei Ambulanzen, jede zum Preis von US$ 250.000. Bei guten Freunden in den USA. Ist das ein ausreichender Grund für den Diplomatenstatus? FM Eli Cohen begründet seine Entscheidung damit, dass dem jungen notorischen Nichtsnutz, obwohl schon 32 Jahre alt, immer noch der Personenschutz des Shin Bet zusteht. Und dessen Mitarbeiter haben nun einmal allesamt den begehrten Diplomatenpass…

Die IDF will sich offenbar nicht vom rechtsradikal-nationalistischen Minister Ben-Gvir das Heft aus der Hand nehmen lassen. Dessen Absicht ist es, zivile Schlägertruppen, vor allem im Bereich Judäa und Samaria, aber auch in ganz Israel umfassend zu bewaffnen. Sein Credo: «Waffen retten Leben!» Die IDF hat nun damit begonnen, bestehende zivile Verteidigungsteams mit besseren Ausrüstungen zu versehen. Diese Teams sind die ersten, die auf Angriffe und feindliches Eindringen in die Kibbuzim und Dörfer, vor allem entlang der Grenze zu Gaza reagieren müssen. Am 7. Oktober gelang es einigen Teams, eindringende Hamas-Terroristen aufzuhalten oder zu eliminieren. Und das, obwohl sie nur unzureichend bewaffnet waren.  Vorgesehen ist, pro Woche 12 Teams zu neu auszurüsten. 

Die Raketensalven, die gestern gegen 16 Uhr aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgeschossen wurden, kamen nachweisbar aus dem Gebiet, das zuvor von der IDF als humanitäres Rückzugsgebiet definiert worden war. Auf dem weitläufigen Areal stehen viele Zelte, wie Luftaufnahmen der IDF zeigen. Zwei Stunden vorher war bereits eine Rakete von innerhalb des Gebietes abgeschossen worden, fiel aber unmittelbar nach dem Abschuss zu Boden und explodierte in der Nähe der Zelte. Es ist ein Wunder, dass keine Menschen zu Schaden kamen. 

Eine aus dem südlichen Libanon abgeschossene Panzer-Abwehr-Rakete tötete heute einen Zivilisten in der nordisraelischen Stadt Mattat. Bereits früher am Nachmittag war es immer wieder zum Beschuss auf israelisches Gebiet gekommen. Israel reagierte mit gezieltem Beschuss und zerstörte dabei einige terroristische Infrastrukturen der Hisbollah. 

Dutzende Gazaner haben sich heute der IDF ergeben. Die anschliessende Festnahme der zumeist jungen Männer fand in der Stadt Jabaliya und anderen Orten im Norden des Gazastreifens statt. Ein Bild zeigt, wie sie auf Militärtransportern fortgefahren werden. Die IDF gab noch keine weiteren Einzelheiten bekannt. 

Gil Troy, Historiker, Zionist und Fachmann zu Fragen der israelischen Zukunft, hat in der Jerusalem Post von gestern einen Artikel mit dem Titel: «Wo sind die rechtschaffenen Palästinenser» veröffentlicht. Er zitiert zu Beginn US-Vizepräsidentin Kamala Harris, die bei der Klima-Konferenz in Dubai festhielt: «Wir dürfen die Hamas nicht mit dem palästinensischen Volk in einen Topf werfen,» und fortfuhr, «das müssen wir auch nicht, die Palästinenser machen das schon selbst, indem sie die Hamas idealisieren.» Die Welt hat jahrzehntelang die Palästinenser von jeder Verantwortung für die Gewalt freigesprochen, zu der sie immer wieder aufrufen. 75% von ihnen unterstützen die Hamas. 

Ärzte und Lehrer der UNRWA, nicht zwangsläufig Hamasmitglieder, aber Palästinenser, hielten oder halten noch immer israelische Geiseln fest. Unterstützt werden sie von der Hamas. 75%, das bedeutet, die breite Mehrheit der Palästinenser steht hinter den Gräueltaten während des Massakers. Und auch hinter den unmenschlichen Zuständen, in denen die Geiseln dahinvegetieren müssen. Es gibt nahezu keinen palästinensischen Widerstand gegen die Hamas Terror-Organisation, es gibt nur weltweite anti-israelische, anti-jüdische Demonstrationen von pro-palästinensischen Organisationen, bei denen auch Palästinenser en masse mitmachen. 

Freigelassene Geiseln berichteten, dass Gazaner sie auf dem Weg in die Freiheit lynchen wollten. Wie sehr die Gazaner die Terrorbanden der Hamas unterstützen, das erlebte die russisch-israelische Geisel, Roni Krivoi, 25, der mittlerweile aus der Geiselhaft freigelassen wurde, am eigenen Leibe. Er wurde vom Musik-Festival verschleppt. Während des Chaos, das nach einem Luftangriff der IAF ausbrach, gelang es ihm zu fliehen. Vier Tage konnte er sich verstecken, dann spürten ihn gazanische Zivilisten auf und … übergaben ihn wieder an die Hamas. Unglaublich. Jeder normaldenkende Mensch hätte doch alles versucht, ihn zurück nach Israel zu bringen oder zu verstecken. Nicht so die Zivilisten, die am meisten unter den Schergen der Hamas leiden. 

Neben den mit Bodycams aufgenommenen Videos der Hamas-Terroristen, gibt es auch solche, die von zivilen Gazanern aufgenommen wurden. Sie zeigen sehr ähnliche Bilder, Terror, Vergewaltigungen, Morde … die Gazaner standen den Hamas-Schergen in nichts nach. Sie liefen ihnen hinterher wie die Lemminge und sie suhlten sich genauso in ihrem unmenschlichen Tun.

In vielen Kibbuzim erkannte man auf den Videos Arbeiter, die noch wenige Tage zuvor auf ihren Feldern gearbeitet hatten, mit ihnen am Tisch gesessen, mit ihnen geplaudert hatten. Jetzt mussten sie erkennen, dass sie auch die Örtlichkeiten ausspioniert hatten, vielleicht sogar Karten gezeichnet und Fotos gemacht. Wir müssen umdenken, es war nicht nur die Hamas Terror-Organisation, die Israel am 7. Oktober mit dem grausamsten Verbrechen seit der Shoa überzog. Während die Weltöffentlichkeit schnell begann, Israel zum Mitschuldigen zu machen, rechtfertigte sie gleichzeitig das Tun der Palästinenser. 

Und als die Hamas sogar noch die Lüge in die Welt hinausposaunte, dass Israel die Massaker selbst inszeniert hätte, um einen Grund für den Krieg zu haben, da gab es keinen lauten Aufschrei! Wenn wir es wagen, dann werden wir verurteilt. Schon Shakespeare beschrieb das Phänomen, unter dem wir heute leiden. Shylock im Kaufmann von Venedig fragte: «Wenn ihr uns stecht, bluten wir dann nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir dann nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir dann nicht? Und wenn ihr uns Unrecht tut, sollen wir uns nicht rächen?» Es sind nicht nur die Frauen, die mit ihren Qualen, Demütigungen und Schmerzen alleingelassen aufschreien. «Wenn ihr leugnet, dass ihr uns vergewaltigt habt, leiden wir dann nicht?» Wenn wir sehen, wie die freigelassenen Geiseln unter Drogen ihre Peiniger anlächeln, ihnen zum Abschied zuwinken, wenn also die Hamas und der Palästinensische Djihad mit schönen Bildern beweisen will, wie gut sie ihre ‘temporären Gäste’ behandelt hat, haben sie dann weniger gelitten unter der Verschleppung und ihren Folgen? Wenn Journalisten verschleppte Geiseln mit rechtmässig verurteilten Gefangenen gleichsetzen, wenn die nächste Gruppe der Freizulassenden als ‘Tranche’ bezeichnet wird, was ist das dann für eine Sprache?

Israel ist immer der Sündenbock. Als die US-Army dabei half, Mosul von der ISIS zu befreien, als sie gemeinsam mit den Alliierten Deutschland von den Nazis und Japan von den Faschisten zu befreien, da wurden die dabei getöteten Zivilisten zwar betrauert, aber niemand warf den Befreiern ‘ungemessenes Vorgehen’ vor. Dieser traf nur Marshall Arthur Harris, der als Kommandant der britischen Luftflotte Dresden noch dem Erdboden gleichmachte, als die Stadt schon voller Flüchtlinge aus dem Osten war. Verglichen damit wird Israels Bemühen, die Zivilisten so gut wie möglich zu schützen, immer offensichtlicher. 

Den Krieg hat die Hamas begonnen, sie müssen die Konsequenzen tragen. Der fehlende Widerstand der Palästinenser gegen die Hamas, der fehlende Druck auf sie, die Geiseln freizulassen, der verlängert ihr eigenes Leiden. 



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