Genesis, Wajeshew 37:1 – 40:23

Haftara: Zacharia 2:14 – 4:14

ב׳׳ה

25./26. Kislew 5784                                                  8./9. Dezember 2023  

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         15:55

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        17:15

Shabbateingang in Zürich:                                                                 16:17

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:27

Shabbateingang in Wien:                                                                   15:43

Shabbatausgang in Wien:                                                                  16:54

Weiter geht es mit der Lebensgeschichte Jakobs. Josef, der zweitjüngste seiner 12 Söhne, tritt in den Mittelpunkt des Geschehens. Die Geschichte der Stammväter ist zu Ende erzählt. Hier beginnt sich die eigentliche Geschichte Israels zu entwickeln. Josef war jung, gerade 17 Jahre alt. Er war ein Träumer, im wahrsten Sinne des Wortes und der Liebling des Vaters. Seinen Brüdern war er ein Dorn im Auge. Sie erkannten, dass die Beziehung ihres Vaters zu diesem Sohn anders war als zu ihnen. Als der Vater ihm auch noch einen farbenprächtigen Rock schenkte, begann sich ihre Kritik ihm gegenüber in Hass zu wandeln. Josef der Träumer erzählte ihnen seine Träume, in denen er sich als über ihnen stehend präsentierte. In unseren Träumen führen wir Regie, gestalten die Ausstattung, führen das Casting durch und schreiben auch noch das Drehbuch. Träume haben zahlreiche Funktionen, ob diese Träume Wunscherfüllungen des jungen Mannes waren, Allmachtsphantasien, Tagesreste, wir wissen es nicht. Beliebt machte er sich jedenfalls damit nicht. Die Brüder waren unterwegs mit den Herden und Josef wurde ihnen vom Vater nachgeschickt, zu schauen, ob bei ihnen alles in Ordnung sei. Bei ihnen angekommen, wurde er Opfer ihres Racheplans. Sie zogen ihm den Mantel aus und warfen ihn selbst in eine Zisterne. Den eigentlichen Plan, ihn zu ermorden, konnte Ruben, einer seiner älteren Brüder, gerade noch verhindern. Vorbeiziehende Händler retteten ihn und nahmen ihn mit nach Ägypten und verkauften ihn an den Obersten der Leibgarde Pharaos, Potiphar. Die Brüder brachten den blutdurchtränkten Rock dem Vater als Beweis, dass sein Liebling tot sei. Josef, der unter dem Schutz Gottes stand, stieg bald in der Hierarchie des Hauses auf und wurde zum Verwalter ernannt. Ihm gelang alles, was er tat. Doch dann trat die Versuchung in Gestalt von Frau Potiphar auf ihn zu. Es gelang ihm viele Tage, ihren Verführungsversuchen zu widerstehen. Eines Tages jedoch überlistete sie ihn, entriss ihm das Gewand, so dass er nackt davonlaufen musste. Das Gewand in der Hand klagte sie Josef beim Hausstaat und bei ihrem Mann an. Welch infame Tat! Potiphar, der, verliebt in seine Frau, kein Misstrauen gegenüber ihren Worten verspürte, liess ihn ins Gefängnis werfen. Gott schützte Josef auch dort, der Gefängnisaufseher war ihm wohlgesonnen. Als zwei neue Gefangene eingeliefert wurden, der Mundschenk und der Hofbäcker des Pharaos, erklärte er ihre Träume. Genau wie er sie gedeutet hatte, geschah es, der Mundschenk wurde als unschuldig entlassen und wieder in Gnaden in den Dienst aufgenommen. Josef bat ihn, beim Pharao ein gutes Wort für ihn einzulegen. 

Die heutige Haftara ist weniger dem Wochenabschnitt zugeordnet, sondern dem ersten Shabbat des Chanukka-Festes. Zur Zeit des Propheten Zacharia lebten die meisten Juden noch im Exil in Babylon, wo auch das Buch des vorletzten der ‘kleinen Propheten’ entstand. Sein Name ist Programm ‘Gott hat sich erinnert’. Woran? An die Träume der Israeliten im Exil, deren Hoffnung nach der verlorenen Heimat, nach Zion, nie verloren ging. Jetzt gibt ihnen der Prophet Zacharias neue Hoffnung: «Juble und freue dich, Tochter Zion; denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte.“ Die Prophezeiungen gehen noch weiter, Gott verspricht, Judäa wieder in Besitz nehmen und Jerusalem wieder zur unangefochtenen Hauptstadt machen. Während Gott sich seinem Volk liebevoll wieder zuwendet, wird ein Engel neben Jeshua dem Hohen Priester stehen, der statt der Könige über Jerusalem regiert und wird Anklage erheben. Jeshua stand befleckt mit allen seinen Süden, mit all seiner Korruption vor dem Engel, bereit, seine Strafe anzunehmen. Doch Gott war gnädig, entband ihn von seiner Schuld und kleidete ihn neu ein. Gott versprach ihm, dass er, wenn er sich an seine Vorschriften halten würden, der Verwalter des irdischen göttlichen Hauses sein werde. Zu den sieben Früchten, die das Land Israel symbolisieren, gehören auch die Feige und die Traube. Nicht nur, dass der Feigenbaum dank seiner grossen Blätter ein hervorragender Schattenspender ist. Im ersten Buch der Könige lesen wir im Kapitel 4:25 „… so dass Juda und Israel sicher wohnten, ein jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, von Dan bis Be’er Sheva, solange Salomo lebte.“ Feige und Traube als Zeichen von Frieden und Gemeinsamkeit. So heisst es auch in Zacharia 3:10: „An jenem Tag werdet ihr einander einladen unter Weinstock und Feigenbaum.“ Zacharia erzählt in seiner Prophezeiung, wie der Engel, der während seines Traums neben ihm steht, und ihn dann wieder aufweckt, ihm die Bedeutung eines sieben-armigen Leuchters, einer Menorah erklärt. Es werden nicht Macht und nicht Kraft, sondern allein der Geist sein, der das Haus Juda und Israel begleitet und stärkt. Die nie verlöschende Flamme im Tempel, die nie erlöschende Flamme auch in uns. Am heutigen zweiten Tag von Chanukka dürfen wir uns auch einmal dem Traum hingeben, mit Freunden und Feinden eines Tages unter unserem Feigenbaum und neben unserem Weinstock zu sitzen. Die Zeit der korrupten Hohen Priester ist vorbei. Unsere Zeit wird eher bestimmt durch korrupte Politiker. Wir dürfen darauf vertrauen, dass sie vor das göttliche Gericht treten müssen. Und weil uns Gott damit ausgestattet hat, immer und in nahezu jeder Situation entscheiden zu können, wohin wir gehen wollen, können auch sie, die Götzen für viele in unserer Zeit, wählen, welchen Weg sie einschlagen wollen. Ich lade euch ein, liebe Freunde, jederzeit mit mir gemeinsam unter meinem Feigenbaum zu sitzen.

Shabbat Shalom und Chanukka sameach!



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