3. Tevet 5784

Wieder hat die IDF sterbliche Überreste von drei Geiseln im Gazastreifen gefunden und nach Israel zurückgebracht.
Sgt. Ron Sherman, 19, s’’l, wurde am 7. Oktober in der Nähe seiner Basis beim Personenübergang Erez von den Terroristen verschleppt. Videos zeigen, dass er lebend, aber gefesselt auf einem Lieferwagen Richtung Gazastreifen fortgefahren wurde.
Cpl. Nik Beizer, 19, s’’l, über die Umstände seiner Verschleppung ist nichts bekannt.
Der israelisch-französische Doppelbürger Elia Toledano, 28, s’’l, ist das dritte Opfer, das von den Hamas-Schlächtern während des Musik-Festivals in den Gazastreifen verschleppt und dort ermordet wurde. Er hatte das Festival gemeinsam mit seiner Freundin Mia Shem besucht, die am 1. Dezember aus der Geiselhaft befreit worden war.

Die IDF musste heute auch den Tod zweier Soldaten bekanntgeben. Sgt. Oz Shmuel Aradi, 19, s’’l, fiel bei Bodenkämpfen in Gaza. Bei der gleichen Operation wurden vier Reservisten schwer verletzt. Vor einer Stunde wurde der Tod von Sgt. First Class (res.) Shay Uriel Pizem, 23, s’’l, bekanntgegeben. Er verlor sein Leben bei einer Operation im südlichen Gazastreifen.
Minister Amihai Eliyahu, Otzma Yehudit fiel schon häufiger durch seine radikalen, mit nichts zu rechtfertigenden Äusserungen auf. Am 5. November hatte er vorgeschlagen, dass eine Atombombe auf Gaza abgeworfen, eine Möglichkeit sei, die Hamas zu eliminieren. Als der Radio-Sprecher ihn darauf hinwies, dass sich auch israelische Geiseln im Gazastreifen befinden, wischte der alle Bedenken vom Tisch: «Ich bete und hoffe auf ihre Rückkehr, aber ein Krieg hat seinen Preis. Warum ist das Leben der Entführten, deren Freilassung ich mir wirklich wünsche, wichtiger als das Leben der Soldaten und der Menschen, die später ermordet werden?» Heute teilt er seine neueste Vision mit: «Israel muss den ganzen Gazastreifen wieder besetzen. Die Palästinenser sind unfähig, das Gebiet zu kontrollieren, ohne es wieder in eine Terror-Region zu verwandeln. Es gibt keine unschuldigen Zivilisten. Ich will, dass wieder israelische Siedlungen dort gegründet werden, aber vielleicht ist die Zeit dafür noch nicht reif.» Von der Teilnahme an Kabinettssitzungen ist er seit November bereits gesperrt. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, ihn aus dem Kabinett zu entlassen. Unehrenhaft, ohne Ruhebezüge.

Die PA kann unmittelbar nach dem Ende des Krieges 3.500 ihrer 15.000 ehemaligen Sicherheitskräfte im Gazastreifen re-aktivieren. Das teilt ein Sprecher der PA mit. Die Zahl basiert auf Daten, die aus dem Jahr 2005 stammen. Damals hatte die Hamas die Wahlen im Gazastreifen gewonnen und in der Folge die PA aus dem Gebiet vertrieben. Er geht davon aus, dass die zur Verfügung stehenden Sicherheitskräfte mit weiteren aufgestockt werden könnten. Die neuen Kräfte müssten allerdings entsprechend ausgebildet und trainiert werden. Diese Ansicht teilt auch die Administration von US-Präsident Joe Biden. «Es gibt eine Reihe von Sicherheitskräften im Gazastreifen, die mit der Palästinensischen Autonomiebehörde in Verbindung stehen und von denen wir glauben, dass sie in den vielen Monaten, die auf die allgemeine Militärkampagne folgen, eine Art Kern bilden könnten.» Bis vor wenigen Jahren gab es eine ausgezeichnete Kooperation zwischen den israelischen und palästinensischen Sicherheitskräften.
Frankreich bemüht sich zu erreichen, dass Journalisten der Agence France Presse, die sich noch im Gazastreifen aufhalten, ausreisen dürfen. Christophe Lemoine, stv. Sprecher des französischen Aussenministeriums ist nicht allzu optimistisch: «Es handelt sich dabei um eine sehr komplexe Operation. Seit Oktober arbeiten wir daran, den französischen Staatsbürgern vor Ort und ihren Angehörigen die Ausreise aus dem Gazastreifen zu ermöglichen.» Die Bemühen wurden verstärkt, als eine Gruppe von Journalisten, darunter auch AFP-Mitarbeiter in der französischen Zeitung ‘Le Monde’ den französischen Präsidenten Emmanuel Macron dringend aufforderten, die Evakuierung von palästinensischen Journalisten, die für AFP arbeiten, zu unterstützen.
Es gibt Menschen, denen kann man immerhin einen guten Willen zugestehen, auch wenn das Ziel der Absicht nicht erreicht wurde. Bei IRK-Präsidentin Mirjana Spoljaric Egger kann man noch nicht mal das. Bei einem Treffen mit ihr erinnerte Netanyahu daran, dass das IRK seiner Verpflichtung, die Geiseln zu besuchen, sich um ihr Wohlergehen zu kümmern und den Kontakt mit den Familien herzustellen, immer noch nicht gefolgt ist. Netanyahu nutzte wieder einmal die Macht der Symbolik. Er zeigte auf eine versiegelte Kiste mit der Aufschrift «Medikamente und Erste Hilfe für die Geiseln» und betonte: «Sie haben jedes Recht, öffentlichen Druck auf die Hamas auszuüben, um Zugang zu den verbleibenden Geiseln im Gazastreifen zu erhalten.» Die IRK-Präsidentin winkte ab: «Es wird nicht funktionieren, denn je mehr öffentlichen Druck wir ausüben, desto mehr schliessen sie die Tür.» Darauf Netanyahu: «Da bin ich mir nicht sicher. Warum versuchen Sie es nicht?» Genau das ist es, sie plaudert in Katar, sie plaudert in Ägypten, sie antichambriert in Genf, aber sie versucht es nicht vor Ort. So kann sie immer die Schuld auf andere abwälzen. So wie es das IRK immer schon gemacht hat, wenn es um Juden ging.
Ein hochrangiger US-amerikanischer Beamter der Biden-Regierung, der an den diversen Treffen mit dem US-amerikanischen Sicherheitsberater Jake Sullivan in Israel teilgenommen hatte, sagte in seltener Offenheit, dass «die Tage von Hamas-Chef Sinwar gezählt sind. Ich denke auch, dass man mit Sicherheit sagen kann, dass, egal wie lange es dauert, der Gerechtigkeit Genüge getan wird. Sinwar hat amerikanisches Blut an seinen Händen.» 38 Amerikaner wurden während der Massaker am 7. Oktober getötet und acht weitere Geiseln mit dauerndem Wohnsitz in den USA wurden in den Gazastreifen verschleppt.
US-Sicherheitsberater Jake Sullivan hofft, dass die Ruhe im Norden des Landes auf diplomatischen Weg beigelegt werden kann und dass sich aus dem teilweisen heftigen Beschuss aus dem Südlibanon auf israelisches Gebiet kein neuer Krieg entwickeln wird. Gegenüber Medienvertretern verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck: «Es ist klar, dass die Bürger Israels, die aus dem Norden evakuiert wurden, wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Das muss einhergehen mit dem absoluten Gefühl der Sicherheit. Deshalb müssen wir uns mit der Bedrohung, die eindeutig von der anderen Seite der Grenze ausgeht, auseinandersetzen. Wir müssen eine klare Botschaft schicken, dass wir diese Bedrohungen und terroristischen Aktivitäten nicht dulden werden.»
Die Taktik der Hamas Terroristen im Gaza Streifen hingegen bezeichnete er als «eine unglaubliche Belastung für die IDF, eine Belastung, die für ein Militär in der heutigen Zeit ungewöhnlich ist, da sich die Hamas in ihrem Krieg gegen die israelischen Streitkräfte hinter Zivilisten versteckt.» Israel hätte in diesem asymmetrischen Krieg nicht die Möglichkeit, der Hamas auf einem Schlachtfeld zu begegnen, wo sie nur auf Kämpfer treffen und die Zivilisten unbeteiligt bleiben. Er hielt fest: «Israel hat die entscheidende Verantwortung, die Zivilbevölkerung zu schützen und humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung zu leisten, aber die letztendliche Verantwortung der Hamas für den Konflikt ist in dieser ganzen Debatte ein wenig untergegangen.» Es tut wohl, das endlich wieder einmal aus massgeblichem Munde öffentlich zu hören.

Die Houthi-Rebellen haben wieder ein Schiff beschossen. Diesmal handelt es sich um ein unter liberianischer Flagge segelndes Container-Schiff, der deutschen Hapag-Lloyd. Das Schiff, die Al-Jasrah, befand sich auf dem Weg von Port Said nach Singapore, wo es am 24. Dezember ankommen sollte. Durch den Treffer fiel ein Container von Bord. Das Feuer, welches an Bord ausbrach, verursachte grossen Sachschaden. Was dieses Schiff mit Israel zu tun hat, ist völlig unklar. Die einzige Verbindung besteht darin, dass Hapag-Lloyd Büros in Haifa und Ashdod betreibt. Ob der Angriff mit einer Rakete oder einer Drohne ausgeführt wurde, ist noch nicht bekannt. Verletzt wurde niemand.

Dr. Daniella Agaev, 27, hat seit Beginn der Bodenoffensive den Gazastreifen nur einmal für wenige Stunden verlassen. Ihre Männer würden sie auch nicht gehen lassen, nicht, weil sie die einzige Frau im Bataillon ist, sondern weil sie Ärztin und damit für sie unverzichtbar ist. Seit einer Woche halten sie die Stellung in Shujaiyeh, an dem Weg, den die Hamas-Schlächter am 7. Oktober auf dem Weg zu ihrem Massaker nahmen. Das Viertel ist nahezu zerstört, manchmal teilen sich die Soldaten ihre Schlafsäcke mit einem der herumstreunenden Hunde, sonst gibt es fast kein Leben mehr. Der Kibbutz Nahal Oz, derzeit militärisches Sperrgebiet, liegt in Sichtweite. Auch dort steht fast kein Gebäude mehr.
Agaev erlebt die tragischen Momente des Krieges hautnah mit. Am Dienstag wurden neun Soldaten in ihrer Nähe in einem Hinterhalt getötet, sie konnte nichts mehr für sie tun. Am gleichen Tag bereitete sie verletzte Soldaten auf den Transport nach Israel vor.
Die kurze Pause, in der die Waffen schwiegen, nutzte sie für zwei Telefonate mit ihrem Verlobten und ihrer Familie. Und, fast noch wichtiger: Sie genoss eine ausgiebige Dusche. Was sie in Gaza am meisten vermisst, wollte ein Journalist wissen. «Auf der Couch im Wohnzimmer zu sitzen mit einer Tasse heissem Tee, meinem Partner und meinem Hund.» Auf beides wird sie noch länger warten müssen, Militärexperten sind sicher, dass der Krieg noch Monate dauern wird. Vielleicht, so die Hoffnung, wird die Intensität der Kampfhandlungen im Januar etwas zurückgeschraubt.
Sie begann ihren Militärdienst 2014 als Technikerin, sattelte dann um und studierte Medizin. Das Studium schloss sie 2022 ab und beendete zeitgleich ihren Dienst in der IDF. Die Trennung war nur von kurzer Dauer, im April 23 wurde sie im Rahmen des Medizinprogramms der IDF in den Dienst zurückgerufen. Zuerst führte der Weg nach Norden zu einer weiteren Ausbildung, dann wurde ihr Bataillon in den Süden geschickt. Die Bodenoffensive machte sie vom ersten Tag mit. Von da an hiess es: Verwundete erstbehandeln, Leben retten. Oder Berichte schreiben, wenn ein Soldat fällt.
Zu Beginn waren sie noch zu zweit, doch die Sanitäterin, die gemeinsam mit ihr in Gaza war, liess sich in ein anderes Team versetzen. Am Anfang sei es vor allem für ihre Männer ungewohnt gewesen, eine Frau im Team zu haben.
Aber jetzt ist das für alle kein Thema mehr.
Kategorien:Israel
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