4. Tevet 5784

Gestern, Nachmittag meldete die IDF, dass ein weiterer Soldat, Master Sgt. (res.) Tomer Shlomo Myara, 28, s’’l, im Kampf im nördlichen Gaza sein Leben verloren hat.

Zu einem sehr tragischen Ereignis kam es, als gestern drei Geiseln während einer Operation in Shejaiya irrtümlich von Soldaten als Terroristen eingeschätzt und erschossen wurden. Bei einem der Erschossenen handelt es sich um Yotam Haim, 28, s’’l. Er war Schlagzeugspieler einer Heavy Metall Band und wurde am 7. Oktober aus seinem Heimat-Kibbutz Kfar Aza entführt. Das zweite Opfer war Samar Talalka, 22, s’’l, ein Beduine, der im Geflügelhaus des Kibbutz Nir Am arbeitete, von wo aus er auch verschleppt wurde. Beim dritten Opfer, dessen Name zunächst nicht bekannt gegeben wurde, handelt es sich um Alon Lulu Shamriz, 26, s’’l, der im Kibbutz Kfar Aza lebte und von dort entführt wurde. Die drei Männer wollten aus ihrem Gefängnis fliehen und wurden auf der Flucht von den Soldaten der IDF erschossen. Die Familienangehörigen der noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln haben lautstark vor dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv geklagt, warum nach diesem tragischen Vorfall niemand vom Kriegskabinett es für nötig erachtet hätte, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. «Keiner von ihnen hat uns erklärt, wie man in der Zukunft solche Dramen verhindern wird. Es ist unerklärlich, warum wir um alles betteln müssen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.»
Erste Untersuchungsberichte ergaben, dass die IDF ein auf eine Wand aufgesprühtes ‘SOS’ und «Hilfe, 3 Geiseln» vorfanden, aber den Signalen keine Bedeutung beimassen. Die drei hätten keine Shirts getragen, wohl um zu zeigen, dass sie keine Sprengstoffgürtel trugen, und eine selbstgebastelte weisse Fahne bei sich gehabt. Die Soldaten waren sicher, dass es sich um eine von der Hamas angelegte Falle handeln würde. Ein durchaus berechtigter Verdacht, wie konnten sie glauben, dass sich drei Geiseln völlig frei und unbewacht im Haus bewegen könnten? Der Kommandant, der sich an einer anderen Stelle im Gebäude befand und erst später zu einem seiner Soldaten stiess, befahl ihm, sofort das Feuer einzustellen. Die dritte Geisel, dem es zunächst gelungen war, zu fliehen, rief laut auf Hebräisch «Hilfe!» wie andere Soldaten betätigten. Dann überkreuzten sich zwei tragische Entscheidungen: Ein weiterer Soldat, der immer noch an eine Falle glaubte, erschoss die dritte Geisel. Gleichzeitig wurde dem Kommandanten klar, dass sich vor seinen Augen ein Drama abspielte, in das er nicht mehr eingreifen konnte. Auch wenn die Soldaten möglicherweise gegen die Anweisungen, wann und wann nicht geschossen werden darf, verstossen haben, wer will es ihnen tatsächlich vorwerfen? Als Reaktion wurden von der IDF sofort neue Weisungen erlassen, die der Vermutung Rechnung tragen, dass Geiseln, die geflüchtet sind oder verlassen wurden, sich relativ frei bewegen können. Die Soldaten befinden sich derzeit in psychologischer Betreuung, die Familien wurden über die Untersuchungsergebnisse informiert.
MK Tali Gotliv, Likud, enge Vertraute von Netanyahu, beweist wieder einmal ‘grösstmögliches Feingefühl’. Nachdem die IDF, sicher im Bewusstsein, dass eine tragische Fehlentscheidung zum Tod von drei Geiseln geführt hat, sich entschlossen hat, die Namen der drei Opfer zu veröffentlichen, verurteilt sie die IDF- Sprecher: «Warum in aller Welt, warum musste der IDF-Sprecher dem unabsichtlich herbeigeführten Tod zu diesem Zeitpunkt bekanntgeben? Das hilft an diesem Punkt des Krieges niemandem. Wie soll das dazu beitragen, die Moral der Soldaten zu stärken? Welchem Zweck soll sie derzeit dienen? Keinem anderen, als die Kämpfe früher zu beenden, als es nötig wäre.» Gotliv gehört zu den Netanyahu-Hörigen, die jede Bodenhaftung verloren haben und seit Monaten nur mehr durch Schrei-Attacken in der Knesset auffallen. Eines ihrer drei Kinder ist autistisch. Ich wünsche diesem Kind von Herzen, dass es trotz der hysterischen Mutter seinen Platz im Leben findet. Und sollte ihm oder seinen Geschwistern irgendwann, was Gott behüten möge, etwas Schlimmes zustossen, dass sich Menschen finden, die ihre Erinnerung auch in der Öffentlichkeit erhalten.
Der israelische Präsident Isaac Herzog drängte bei einem Interview mit AP darauf, alle Forderungen nach einer Zwei-Staaten-Lösung bis nach dem Krieg zu verschieben. Damit stellt er sich gegen die klare Haltung der USA, die von der Idee einer solchen Lösung nicht abrücken und sie in den Fokus eines zeitnahen Handelns stellen. «Ich möchte dringend davon abraten, einfach nur ‚Zweistaatenlösung‘ zu sagen. Und warum? Weil es hier ein emotionales Kapitel gibt, das bewältigt werden muss. Mein Volk trauert. Mein Volk ist traumatisiert. Bevor wir über Landabtretungen reden, über Frieden verhandeln, müssen wir uns zuerst mit dem Trauma beschäftigen und den Menschen ihr Gefühl der Sicherheit wieder zurückgeben.» Bisher hat sich Israel erfolgreich jedem Aufruf zu einem langen Waffenstillstand entgegengestellt und erklärt, es werde so lange weiterkämpfen, bis alle Geiseln befreit sind und die militärischen und politischen Zweige der Terror-Organisation Hamas endgültig zerstört sind. «Ich denke, man kann im nördlichen Teil des Gazastreifens den Horizont sehen». Wir können dort das Ende dieser Kampagne nicht weit entfernt in den nächsten Wochen sehen.»
Mossad Chef David Barnea hat nun doch die Bewilligung von Netanyahu erhalten, sich um weitere Verhandlungen mit Katar zu bemühen. Er trifft sich, so wird berichtet, an diesem Wochenende mit dem PM von Katar, Mohammed bin Abdul Rahman al-Thani, in Norwegen. Es ist das erste Treffen nach dem Ende der Feuerpause. Diese war von der Hamas spontan beendet worden, indem sie sich weigerten, weitere Geiseln freizulassen und den Raketenbeschuss bereits eine Stunde vor Ablauf der Feuerpause wieder aufnahmen. Entsprechend einer Meldung von ‘Walla’ hat das Treffen bereits gestern Abend stattgefunden. Die Gespräche, so wird eine ungenannte Quelle zitiert, seien «erst der Anfang und würden sich lang, schwierig und kompliziert gestalten.»
Was der israelische Botschafter zur UNO, Gilad Erdan, vor wenigen Tagen der UN-Generalversammlung mitteilte, wurde gestern wieder hochaktuell. Eine Rakete aus Gaza schlug in der Nähe eines Spitals in Ramallah ein. Wie weit liegen die beiden Städte Jerusalem und Ramallah auseinander? Knapp mehr als 20km. Theoretisch hätte sie auch direkt auf dem Tempelberg einschlagen können. Und dabei die al-Aqsa-Moschee beschädigen oder gar zerstören. Klar, der Aufschrei gegen Israel aus der arabisch-muslimischen Welt wäre laut. Damit es erst gar nicht so weit kommt, bemühen wir uns, die al-Aqsa-Moschee mit unseren Möglichkeiten so gut es geht zu beschützen. Natürlich ist es zunächst Eigennutz, dass wir jede Rakete aus Gaza abfangen. Und deshalb ist es auch Schutz der Moscheen auf dem Tempelberg. Das Ziel der Hamas ist es, möglichst viele Juden zu ermorden. Zerstören sie dabei eine ihrer Moscheen, so ist ihnen das gleichgültig und wird in Kauf genommen. «Heute hat die Hamas bewiesen, dass die Ermordung von Israelis noch wichtiger, ist als die Erhaltung der heiligen islamischen Stätten, die sie zu schützen vorgibt.» hielt Erdan vor der UN fest.
Zum ersten Mal seit Wochen flogen gestern am späten Nachmittag wieder Raketen in Richtung Jerusalem. Während eine Rakete in der Gegend von Bet Shemesh auf freiem Feld niederging, landete eine in der Nähe eines Krankenhauses in Ramallah. Die anderen konnten abgefangen werden. Es gab keine Berichte über Schäden oder Verletzte.

Nach dem Beschuss eines ihrer Schiffe in der Nähe des Jemen hat die deutsche Gesellschaft Hapag-Lloyd beschlossen, ihre Fahrten durch das Rote Meer und den Suez-Kanal bis auf Weiteres zu sistieren. Damit folgen sie der grössten Schifffahrtsgesellschaft Maersk, die bereits heute am Vormittag einen ähnlichen Schritt angekündigt hatten. Heute hat sich das französische Cargo-Unternehmen CMA CGM diesem Entschluss angeschlossen. Allein heute wurden von US-amerikanischen Kriegsschiffen 14 (!) Drohnen über dem Roten Meer abgeschossen.
Die Lufthansa Gruppe, zu der u.a auch die Swiss und die Austrian Airlines gehören, gaben bekannt, dass sie ihre regelmässigen Flüge nach Tel Aviv ab dem 8. Januar wieder aufnehmen werden. Sie haben die Flüge nach dem Massaker vom 7. Oktober eingestellt. Es wurde jedoch nicht ausgeschlossen, dass es bei den Flugplänen leichte Anpassungen geben könnte.
Mitglieder der Grenzpolizei wurden gestern dabei gefilmt, wie sie den bekannten und angesehenen palästinensischen Photojournalisten Mustafa Haruf in Ost-Jerusalem grundlos zusammenschlugen. Haruf ist in ganz Jerusalem für seine seriöse journalistische Arbeit bekannt. Zuletzt hatte er unmittelbar nach den Massakern die grausamen Vorfälle sorgfältig dokumentiert. Nach völlig grundlosen und heftigen Angriffen musste er mit Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich ins Spital eingeliefert werden. Auch wenn es in der vergangenen Zeit immer wieder Vorfälle mit Journalisten gegeben hatte, die sich den Anweisungen der Grenzpolizei widersetzt hatten, so muss dieser Vorfall unbedingt genauestens untersucht und geahndet werden. Zwei Offiziere der Grenzpolizei wurden sofort vom Dienst suspendiert.
Die IDF-Militärpolizei untersucht derzeit einen Vorfall, der bereits am 8. Dezember im Flüchtlingscamp al-Faraa stattgefunden hat. Sicherheitskameras dokumentieren, wie die IDF mit einem Jeep zwei Palästinenser verfolgte, die vor ihnen flohen. Einer der beiden wurde aus dem Jeep heraus angeschossen. Offensichtlich, so zeigt es das Bild, hält er in der Hand einen Sprengsatz. Der Mann erlag am nächsten Tag seinen Verletzungen. Der zweite Mann versteckt sich hinter einem Auto, kommt dann aus der Deckung und wird ebenfalls aus dem Jeep heraus angeschossen. Auch er wurde in ein Krankenhaus evakuiert, wo er jedoch kurz darauf für tot erklärt wurde. Der Vorfall wird nun untersucht, da «der Verdacht besteht, dass während des Vorfalls illegal geschossen wurde.» Die Ergebnisse werden dem Militär Generalstaatsanwalt zur Prüfung vorgelegt werden.

In Jabaliya konnten IDF-Soldaten gottseidank einen Hinterhalt aufdecken, bevor er für sie zur tödlichen Falle wurde. Mehrere Puppen waren in einem Büro der UN Flüchtlingsagentur UNRWA aufgestellt worden. Sie war umgeben von Kinder-Rücksäcken, Stofftieren und anderen Spielsachen, in denen Lautsprecher versteckt waren. Aus diesen klangen abwechselnd hebräische Kinderlieder und das Weinen von Kindern. Die Soldaten sollten damit in die Irre geführt werden und in die tödliche Falle tappen. Es gelang den Soldaten die Gegenstände zu zerstören, bevor sie Unheil anrichten konnten.
Im ehemals noblen In-Viertel von Gaza City, Rimal, gelang es der IDF in einer von der Marineeinheit Shayetet 13 unterstützten Operation, zwei Schulen zu stürmen, die von der Hamas als Einsatzzentrale genutzt wurden. Während bei den Kämpfen einige Scharfschützen der Hamas eliminiert wurden, ergaben sich die in den Gebäuden versteckten Terroristen widerstandslos. In Jabaliya konnte ein Anschlag auf eine Gruppe von Soldaten frühzeitig verhindert werden. Auch in Khan Younis wurden einige Appartements, die von der Hamas genutzt wurden, gestürmt. Dabei wurden grosse Waffenlager und einige Tunneleingänge entdeckt und zerstört.
Im Norden wurden heute Vormittag erneut Alarme ausgelöst, als zwei mit Sprengstoff geladene Drohnen auf nordisraelisches Gebiet abgeschossen wurden. Eine der beiden konnte abgefangen werden, die zweite landete auf unbebautem Gebiet in der Nähe von Margaliot ohne Schaden anzurichten.
Auch der Süden Israels kam heute Vormittag wieder intensiv unter Beschuss aus Gaza. Dem Beschuss vorhergegangen war eine nahezu 14 Stunden dauernde Feuerpause. Am Mittag wurde ein Mann, in seinem Auto sitzend, durch eine starke Explosion schwer verletzt. Die Polizei untersucht derzeit die Hintergründe der Explosion, geht aber eher von einem kriminellen als von einem terroristischen Anschlag aus.
Seit Donnerstagabend ist der gesamte Gazastreifen ohne Telefon- und Internetkommunikation. Das ist der bisher längste Ausfall seit Beginn des Krieges. Zurückzuführen ist der Ausfall durch signifikante Schäden an den Leitungen im Süden des Landes.
Kategorien:Israel
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