Israel im Krieg – Tag 75

8. Tevet 5784

Heute gegen Mittag musste die IDF erneut den Tod zweier Soldaten melden. Master Sgt. (res.) Uriel Cohen, 33, und Cpt. (res.) Lior Sivan, 32 s’’l, fielen bei Kämpfen im südlichen Gazastreifen. 29 Soldaten wurden in den letzten 24 Stunden bei Kämpfen verletzt und in ein Spital evakuiert. Zwei befinden sich in lebensbedrohlichem Zustand.

Gestern hat der Palästinensisch-Islamische Djihad zwei Videos veröffentlicht, in denen zwei Geiseln, Gadi Moshe Mozes, 79, und Elad Katzir, 47, die israelische Regierung dringend aufrufen, für ihre Freilassung zu sorgen. Beide waren vom Kibbutz Nir Oz verschleppt worden. In den Videos geben sie ihrer Angst Ausdruck, dass sie jederzeit von israelischen Angriffen auf den Gazastreifen getötet werden könnten. Der Sohn von Gadi Mozes ist einerseits froh, ein Lebenszeichen von seinem Vater zu haben. Andererseits zeigt er sich sehr besorgt: «Er schaut völlig verändert aus, ist mager geworden und wirkt furchtbar gestresst. Es gibt keinen Zweifel, sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht.»

Mozes war der Lebenspartner von Efrat Katz, 69, s’’l, die beim Massaker ermordet wurde. Ihre Tochter Doron Katz-Asher und ihre zwei Töchter, Raz, 5, und Aviv, 2, wurden nach Gaza verschleppt und am 24. November befreit.

Der Vater von Elad Katzir, Rami, 79, s’’l, wurde am 7. Oktober in seinem Haus im Kibbutz Nir Oz ermordet. Seine Mutter, Hanna, 77, wurde in den Gazastreifen verschleppt, kam aber am 24. November frei.

Auf Antrag der IDF soll der Beginn des akademischen Jahres nochmals vom 31. Dezember auf Mitte Januar verschoben werden. Die Verwaltung der grossen israelischen Universitäten ist strikt gegen eine weitere Verzögerung. Sie sieht darin die Gefahr, das gesamte Jahr absagen zu müssen. Eine Chance könnte darin bestehen, grundsätzlich das Studienjahr heuer am 31. Dezember zu beginnen, den Start für Reservesoldaten aber auf den 20. Januar zu verschieben. Die Frage ist, wie das möglich gemacht werden soll. Es ist ganz klar, dass bis dahin der Krieg nicht beendet sein wird. Vielleicht noch nicht einmal reduziert, obwohl das von den USA erneut gefordert wird. 

Hamas Ober-Chef Ismail Haniyeh ist aus Katar kommend in Kairo eingetroffen. Er wird nach eigenen Aussagen begleitet von einer ‘hochrangigen Delegation’. In Kairo wird er sich mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Abbas Kamel und anderen Offiziellen treffen, um «die Lieferung humanitärer Hilfe, den Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen und die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Städte und Dörfer im Norden» zu besprechen. Derzeit wird diskutiert, welche palästinensischen Gefangenen gegen israelische Geiseln ausgetauscht werden sollen. Im Gegensatz zu den ersten freigelassenen Gefangenen könnten es diesmal auch solche sein, die aktiv an Terroranschlägen teilgenommen haben. Auf israelischer Seite geht es darum, noch im Gazastreifen festgehaltene Frauen und Kinder, alte und schwerkranke Männer, aber auch während der Verschleppung verletzte Geiseln zu befreien. 

Die IDF verlautbarte, dass es bei den Verhandlungen noch keinen Durchbruch gegeben habe. «Es gibt noch keine Ergebnisse, alles ist noch offen» wurde ein Sprecher der IDF zitiert. Palästinensische Stellen hingegen zeigen sich relativ sicher, dass es innerhalb weniger Tage zu einer Einigung kommen werdeDie Stellung der Hamas bleibt unverändert. Sie will keine humanitäre Feuerpause, sie besteht auf dem völligen Ende des Krieges. Gegen Mittag zeichnet sich die Bereitwilligkeit der Hamas ab, im Gegenzug zu einer einwöchigen Feuerpause 40 Geiseln freizulassen. Auch eine Verlängerung wurde als möglich dargestellt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.

Die Stimmen sind widersprüchlich. Die Hamas bekräftigte heute, dass sie ’dieses Spiel’ nicht mitmachen werden. Dies erklärte sie gegenüber dem katarischen Sender al-Jazeera. Sie hätten nicht die Absicht, zuerst Geiseln freizulassen, und sich anschliessend wieder bombardieren zu lassen. Sollte der Krieg aufhören, seien sie zu einem ‘grossen Kompromiss’ bereit, stellte der Sprecher in Aussicht, ohne diese zu definieren. Man habe mehrfach der Fatah die Hand gereicht, um gemeinsame Entscheidungen zu treffen. PA-Präsident Abbas habe sich aber nicht gemeldet. Er trage die Schuld daran, so die einhellige Meinung, dass zwischen den beiden Gruppen bisher keine Gespräche stattgefunden haben. «Wir sind bereit, uns mit ihm zusammenzusetzen, mit ihm und allen palästinensischen Gruppierungen zu sprechen, um zunächst die Aggression zu stoppen. Danach können wir darüber nachdenken, wie wir die Situation im Westjordanland oder im Gazastreifen regeln können, um das palästinensische Haus neu zu ordnen, um ein politisches System, eine palästinensische Behörde zu haben.» Das allerdings liegt weder im Interesse Israels noch der USA. Übrigens: Seit die Gespräche über eine mögliche Feuerpause begonnen haben, hat es keinen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen gegeben!

Der staatliche Rechnungsprüfer Matanyahu Englmann kündigt an, dass sein Büro nach dem Ende des Krieges intensiv untersuchen wird, wieso es am 7. Oktober zum ‘grossen Versagen und dem völligen Zusammenbruch der IDF’ kommen konnte. «Tausende von israelischen Bürgern wurden abgeschlachtet, vergewaltigt und entführt und an Simchat Tora ihrem Schicksal überlassen.» Er verurteilt auch das völlige Versagen der Regierung und der Sicherheitskräfte, der Zivilbevölkerung bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen. «Die Versäumnisse, die bei der Reaktion der Sicherheitsbehörden am Tag des Massakers zutage traten, setzten sich in einer Reihe von Mängeln bei der Reaktion auf die Hunderttausenden von Evakuierten infolge des Kriegsausbruchs fort.»

Zu einem ‘hit-an-run’ Angriff kam es heute Vormittag an der ‘Beit Aynoun’ Kreuzung südlich von Hebron. Die Kreuzung wurde von einem Reservebataillon der IDF bewacht. Die Soldaten eröffneten das Feuer auf den Fahrer eines Autos, der im Versuch in die Gruppe der Soldaten zu fahren, in den Zaun gefahren war. Der Fahrer wurde verletzt und wurde nach der Erstversorgung ins Spital evakuiert, wo er seinen Verletzungen erlag. 

In Khan Younis wurde ein Terrorist, der mit einem Scharfschützengewehr bewaffnet war, beim Verlassen eines Hauses beobachtet. Im Haus befanden sich Büros der Terror-Organisation. Die IDF forderte Hilfe durch die IAF ein, die mit einem gezielten Angriff den Terrorist eliminierte. In Jabaliya wurde heute eine mobile, auf einen LKW montierte Raketenabschussrampe gefunden. Vorbereitet war die Anlage mit Langstreckenraketen.

In einem der seltenen Präventivangriffe beschoss die IDF terroristische Infrastrukturen der Hisbollah. Der Grund für diese Massnahme war die Hoffnung, damit die Zahl der Raketen, Granaten und Drohnen zu reduzieren, die aus dem südlichen Libanon auf Israel abgeschossen werden.

Der «Heldenstatus» von Muhammad Deif hat Kratzer bekommen. Seit mehr als 20 Jahren hält sich das Gerücht, dass Deif, der Anführer des militärischen Flügels der Hamas, bei diversen israelischen Angriffen schwerst verletzt wurde. Er habe, so wird immer wieder berichtet, bei diesen beide Beine, einen Arm und ein Auge verloren. Seine drei Jahre alte Tochter Sara überlebte 2021 einen israelischen Luftangriff, bei dem ihre Mutter und ein Bruder ihr Leben verloren. Das letzte Bild von ihm stammt aus dem Jahr 2000. Nach wie vor weigert er sich, moderne Kommunikationsmittel zu nutzen, wird einmal ein Video veröffentlicht, dann versteckt er sich hinter einer Maske oder tritt als Schattenbild auf. Seinen Ruf als «Phantom der Hamas» pflegt er aus Angst, in die Hände der israelischen Geheimdienste zu fallen. Jetzt, nach dem 7. Oktober, ist die Gefahr durchaus real. Doch nun ist ein Video aufgetaucht, das ihn zeigt, wie er, offensichtlich im Besitz seiner Gliedmassen, an einem nicht identifizierbaren Ort herumgeht. Das Video wurde von der IDF bei einer Hausdurchsuchung entdeckt. 

Die IDF hat Flugzettel über dem Gazastreifen abgeworfen. Für Information über den Aufenthalt verschiedener hochstehender Terroristen werden Belohnungen in beträchtlicher Höhe ausgelobt. Yahya Sinwar ist der IDF US$ 400.000 wert, sein Buder Mohammed 300.000, und Muhammad Deif immerhin noch 100.000.



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