Haftara: Ezechiel 37:15 – 28
ב“ה
10./11.Tevet 5784 22./23. Dezember 2023
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Shabbatausgang in Jerusalem: 17:20
Shabbateingang in Zürich: 16:20
Shabbatausgang in Zürich: 17:31
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Shabbatausgang in Wien: 16:57

Der letzte Wochenabschnitt endet mit einer dramatischen Ankündigung. Derjenige, in dessen Sack der Silberbecher Josefs gefunden werden würde, der sollte als Sklave bei ihm bleiben, die anderen aber sollten heimreiten. Wir wissen, wen der Schuldspruch trifft, Benjamin, den jüngsten der Brüder. Juda erzählt Josef, in welchen Gram der Vater stürzen würde, wenn sie ohne seinen Lieblingssohn zurückkämen. Der Vater hatte schon den ersten Liebling, Josef, verloren, so glaubte er jedenfalls und würde einen erneuten Verlust, die letzte Erinnerung an seine geliebte Frau nicht verkraften. Juda bietet an, an Benjamins Stelle bei Josef zu bleiben. Da endlich gibt sich Josef seinen Brüdern zu erkennen. Sie schämen sich, doch er richtet sie auf: „Das alles war Gottes Wille, um Leben zu retten, hat er mich hierhergebracht.“ Er forderte sie auf, zurück zum Vater zu gehen und sich dann mit der ganzen Familie und allem Vieh nach Ägypten zu begeben und in Goschen anzusiedeln. Er verspricht, während der kommenden fünf Jahre, die die Hungersnot noch andauern wird, für sie zu sorgen. Auch Pharao, der eine sehr hohe Meinung von Josef hat, verspricht, für das Wohl des ganzen Clans sorgen zu wollen. Auf dem Rückweg nach Ägypten brachte Jakob Gott ein Schlachtopfer im Gedenken an seinen Vater Isaak dar. Da rief ihm Gott zu: „Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn zu einem großen Volk mache ich dich dort. Ich selbst ziehe mit dir hinunter nach Ägypten und ich führe dich auch selbst wieder herauf. Josef wird dir die Augen zudrücken.“ Es waren etwa 80 Personen, die in Ägypten ankamen. Josef kam ihnen entgegen, alle seine Brüder waren Viehhirten. Das war der Grund, warum sie in Goschen siedeln mussten. Goschen liegt im Gebiet des Nildeltas, einem der fruchtbarsten Gebiete des Landes. Dort erhielten sie Siedlungsland von Pharao. Im Laufe der Jahre verkauften sie ihr Vieh an Pharao und wurden mit der Zeit zu Getreidebauern, was nach dem Ende der Hungersnot eine weise Entscheidung war.
Ezechiel gehört zu den sogenannten ‚Grossen Propheten‘. Sein Buch wurde im 6. Jhd. BCE im babylonischen Exil geschrieben. Nach seiner Verschleppung ins Exil wirkte er 20 Jahre als Prophet. Seine Schriften gelten als authentisch. Ezechiel gilt als Vater der priesterlichen Theologie. Die Haftara, die wir heute lesen, beschreibt die Wiedervereinigung der Königreiche Juda und Israels. Ezechiel wird von Gott aufgefordert, zwei Holzscheite zu nehmen. Auf den einen soll er schreiben: Juda und die mit ihm verbündeten Israeliten. Auf das Zweite soll er schreiben: Josef und der Stamm Efraim und die mit ihm verbündeten Israeliten. Dann soll er die Hölzer so in seine Hand legen, dass sie symbolisch wieder zu einem einzigen werden, so wie die Brüder Juda und Josef eine besondere Beziehung zueinander haben, wie wir heute im Wochenabschnitt gelesen haben. Hier fällt eine kleine Besonderheit auf. Ebenso wie wir Gott im Schma Israel als einzig, einzigartig אחד – echad bezeichnen und damit die ultimative Grundlage des Judentums benennen, wird auch hier dem zusammengefügten Holz dieses Adjektiv zugeordnet. Übrigens, damit es zu keinerlei Verwechslung kommt, wird der letzte Buchstabe, das Dalet, besonders betont. Das vereinte Königreich ist, als diese Worte geschrieben werden, schon lange Geschichte. Ezechiel erhält hier den Auftrag, zumindest symbolisch die Israeliten aus der Diaspora wieder zurückzuholen und erneut zu einem Königreich zu vereinen. Nie mehr sollen sie getrennt werden, nie mehr zerfallen in zwei Reiche. Gegen Ende der Prophetie gibt es noch eine kleine, aber bedeutende sprachliche Besonderheit. In der Torah haben wir immer wieder gehört, Gott schloss mit Noah, Abraham, Jakob einen Bund. Sein Anteil war, dass er sie gross machen wolle und ihnen ein Reich schenken wolle, wo Milch und Honig fliessen. Die Bedingung an die Menschen war, dass sie sich an seine Vorgaben halten sollten, ohne sie zu hinterfragen. Hier aber heisst es im Text „Ich errichte ihnen einen Bund des Friedens. Es wird ein ewiger Bund sein, ich gebe sie dahin und mehre sie und ich gebe meine Heiligkeit in ihre Mitte auf ewig.“ Kein Wort mehr zu irgendwelchen Bedingungen. Gott wird seinerseits alles tun, damit sie sich seiner Liebe und Gunst würdig erweisen. König David, der aus dem Haus Juda stammt und der um 1.000 Jerusalem zur ersten gemeinsamen Hauptstadt des vereinigten Königreiches gemacht hat, wird als der virtueller ewiger Herrscher prophezeit. Es ist ein gewaltiger Zeitsprung, der von tief in der Vergangenheit der Geschichte Israels bis in die Zukunft greift. „Wenn mein Heiligtum für alle Zeit in ihrer Mitte ist, dann werden die Völker erkennen, dass ich der Herr bin, der Israel heiligt.“ Bis es so weit sein wird, vergeht noch einige Zeit.
Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
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