Krieg in Israel – Tag 83

16. Tevet 5784

Leider muss auch heute die IDF wieder den Tod von drei Soldaten bekanntgeben. Sgt. First Class (res.) Asaf Pinhas Tubul, 22, Cpt. (res.) Neriya Zisk, 24, und Maj. Dvir David Fima, 32, s’’l, fielen in Kämpfen im südlichen und zentralen Gazastreifen, zwei weitere Soldaten wurden schwer verletzt.

Eine Woche, nachdem vom Kibbutz Nir Oz der Tod von Gadi Haggai bekanntgegeben werden musste, wurde heute klar, dass auch seine Frau, Judith Weinstein, bereits während des Massakers am 7. Oktober ermordet wurde. Ihre sterblichen Überreste wurden von den Hamas-Schlächtern nach Gaza verschleppt und befinden sich dort in den Fängen der Terror-Gruppe. 

Am Sonntagabend bombardierte die IAF mehrere Häuser im Flüchtlingslager al-Maghazi. Etwa 100 Menschen wurden dabei getötet. Die IDF sagte zu, den schrecklichen Vorfall zu untersuchen. Heute musste sie zugeben, dass eine für die Art des Beschusses ungeeignete Munition den hohen Verlust von Menschenleben verursacht hat. Das berichtete der öffentliche Sender ‘Kan’. Ein IDF-Sprecher fügte hinzu:«Die IDF bedauert den Schaden, der unbeteiligten Personen zugefügt wurde. Wir sind bemüht, aus diesem Vorfall zu lernen.»

Die Bewohner von Kochav Yair-Tzur Yigal, einer kleinen Stadt unmittelbar an der Grenze zu Samaria gelegen, können seit Wochen nachts nicht mehr ruhig schlafen. Sie hören Bohr- und Grabungsgeräusche und spüren ein leichtes Zittern im Boden. Im Gegensatz zu den Orten um den Gazastreifen, die weitgehend auf Sand gebaut sind, der die unterirdischen Arbeitsgeräusche schluckt, sind die Orte im Landesinneren eher auf felsigem Untergrund errichtet. Dort setzen sich die Geräusche wellenförmig fort und werden sogar verstärkt. Die Bewohner haben die durchaus berechtigte Angst, dass es sich bei den Geräuschen um Arbeiten an Tunneln handelt, über die Terroristen ungehindert nach Israel infiltrieren können. Die Geräusche setzten bereits vor zwei Jahren ein, wurden aber in den letzten Monaten intensiviert. Die IDF untersucht die Berichte, wurde aber, wie in einem anderen Fall in Bat Hefer auch, bisher nicht fündig. 

Bereits lange vor dem 7. Oktober erhielt der Shin Bet eine Information über eine bevorstehende grosse Operation der Hamas. Die Information enthielt sogar den genauen Zeitpunkt, an dem das Massaker dann auch tatsächlich stattfand. Sie wurde aber als unbedeutend abgetan. Das wurde gestern Abend im Kanal 12 bekannt. Die Information kam direkt aus dem Gazastreifen. Als Termin wurde eine Woche nach Yom Kippur genannt. Das Massaker fand 12 Tage nach Yom Kippur statt. Der Informant aus dem Gazastreifen hatte die Daten von einer anderen Person erhalten und gab sie an den Shin Bet weiter. Dort wurde sie mit der Bemerkung «Wenn etwas Wahres dran ist, werden wir es noch von anderen hören» abgelegt. Sie blieb irgendwo in den unteren Chargen des Shin Bet hängen und wurde nicht einmal weitergeleitet. Der im Libanon lebende Hamas-Führer Saleh al-Arouni erhielt eine Stunde vor Beginn des Massakers am 7. Oktober einen Anruf, in dem ihm der Beginn ‘eines grossen Anschlages auf Israel’ mitgeteilt wurde und er gebeten wurde, diese Information an den Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, weiterzugeben. Das berichtet heute der französische ‘Le Figaro’.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist mit seinen letzten Äusserungen zur israelischen Politik weit über das Ziel aller Kommentare hinausgeschossen. Am Mittwoch erklärte er auf einer Veranstaltung in Ankara, dass «Netanyahu schlimmer als Naziführer Adolf Hitler ist und selbst des Völkermords schuldig ist.»Er betonte, die systematische Abschlachtung von sechs Millionen Juden im Holocaust sei nicht so schlimm wie Israels Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen, und verglich Israels Behandlung der Palästinenser im Gazastreifen mit der von Juden, die in Konzentrations- und Todeslagern zusammengetrieben wurden. Der Mann, der Völkermord an Kurden begeht, der Andersdenkende und Journalisten festhält, der dürfe Israel keine Moral predigen, forderte Netanyahu den türkischen Präsidenten auf. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind derzeit wieder ausgesetzt.

Auch wenn es nicht zum Kriegsverlauf gehört, muss es doch erwähnt werden. Der OGH hat gestern bekannt gegeben, dass er das sogenannte «Angemessenheits-Gesetz», das die Regierung früher im Jahr verabschiedet hat, mit 8:7 Stimmen aufheben wird. Mit dieser Entscheidung schafft das OGH einen Präzedenzfall. Das Gesetz galt als Änderung der ‘Basic laws’ und liegt nach der Rechtsauffassung der rechten Politiker keiner gerichtlichen Überprüfung. Das Gesetz gilt als erster Schritt in Richtung der Abschaffung der Gewaltenteilung.

Ihr Ministerium gehört zu jenen, die als Sparmassnahme aufgelöst werden sollen. Doch um den Worten auch Taten folgen zu lassen, müssten sich sowohl die Ministerin für ‘Siedlungen und Nationale Projekte’, Orit Stork, als auch Finanzminister Smotrich etwas anderes einfallen lassen. Statt den Budgetposten zu streichen, suchen beide um weitere NIS 200 Millionen an. Finanziert werden sollen damit ‘Sicherheitskomponenten’ für illegale Siedlungen und längerfristige Infrastrukturprojekte. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen Budgetgelder für illegale Siedlungen! Beide Minister standen für Kommentare und Erklärungen nicht zur Verfügung. 

Ist er es, oder ist er es nicht? Diese Frage stellt sich heute, nachdem das Bild eines Mannes veröffentlicht wurde, von dem man annimmt, dass es sich dabei um den Anführer des militärischen Flügels der Terror-Organisation Hamas, Muhammed Deif handelt. Von Deif gab es seit Jahren keine Bilder mehr. Wenn er irgendwo auftrat, dann immer so, dass sein Gesicht nie abgebildet wurde. Man glaubte lange, er habe bei diversen Anschlägen beide Beine, einen Arm und ein Auge verloren. Letzte Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass er sich, wenn auch humpelnd, selbstständig bewegen kann. Deif gehört zu den am meisten gesuchten Männern im Gazastreifen. 

Nachdem die Hisbollah ihre Angriffe auf israelische Stellungen deutlich intensiviert hat, betonte Generalstabschef Herzi Halevi, dass die IDF sich in sehr hoher Alarmbereitschaft befindet, um allfällige Angriffe scharf zu beantworten. «Bisher haben wir auf die Situation korrekt und gezielt reagiert. Wir sind aber auch bereit, anzugreifen, wenn man uns keine andere Wahl lässt. Die Bewohner sollen in ihre Orte im Norden Israels zurückkehren, aber erst, wenn sie das in einem Gefühl der absoluten Sicherheit tun können.»

Im bisher schwersten Angriff auf Israel hat die Hisbollah gestern mindestens 34 Raketen abgeschossen. In Rosh HaNikra und Kiryat Shmona wurden immer wieder Alarme ausgelöst. Die drastische Verstärkung der Angriffe kam als Reaktion auf einen gestern von Israel durchgeführten gezielten Rückschlag auf Stellungen der Hisbollah, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Auch der Tod eines Offiziers der iranischen Revolutionsgarde, der bei einem Luftschlag auf Syrien tödlich getroffen wurde, wurde von der Hisbollah als Grund für den verstärkten Beschuss angegeben. Wobei unbewiesen ist, ob der Angriff von Israel erfolgte.

Im Zuge der Bodenoffensive hat die IDF mehr als 65 Millionen (!) digitalisierte Dateien und 500.000 nicht digitalisierte Dokumente gefunden, die Aufschluss über die Lage der terroristischen Infrastruktur geben. Die Information reichen von einfachen Skizzen bis zu ausgetüftelten Informationen, die natürlich nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden. Teilweise sind die Dokumente und die dazugehörenden Erklärungen auch an unterschiedlichen Orten gefunden worden. So wurde wiederum ein Tunneleingang innerhalb einer Moschee aufgefunden. Neben dem Tunnel befanden sich Abschussrampen und Spionageausrüstungen. 

In der vergangenen Nacht wurden in einer aufeinander abgestimmten Aktion 21 Personen im Zusammenhang mit Geldwäsche und Geldtransfer an die Hamas und den Palästinensisch Islamischen Djihad festgenommen. Bei Überprüfungen von fünf Wechselstuben in Ramallah, Jenin, Hebron, Tulkarem, Attil und Al-Bireh wurden NIS 10 Millionen beschlagnahmt. Zusätzlich wurden Dokumente, Telefone, Aufnahmegeräte und Safes sichergestellt. 

Mia Shem, die vor einem knappen Monat aus der Geiselhaft freigelassen wurde, berichtete in einem Interview mit Kanal 13: «Ich wurde während der ganzen Zeit bei einer Familie festgehalten. Alle waren mit der Hamas verbunden, sogar die Frauen und Kinder. Jeder, der in Gaza lebt, ist ein Terrorist.» Sie habe die Hölle durchgemacht, die sie an den Holocaust erinnert hätte. Mias verletzter Arm wurde angeblich von einem Veterinär in Gaza operiert.

Die dänische Frachtfirma Maersk, die vorübergehend die Schifffahrt im Roten Meer und durch den Suez-Kanal eingestellt hatte, wird den Betrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen. Für 50 Containerschiffe wurde bereits der Plan bekanntgegeben. 

Die gute Nachricht des Tages: Während einer Patrouille entlang des Grenzzauns zum Gazastreifen fanden zwei Reservisten eine Öllampe. Sie übergaben sie der Israel Antiquities Authority. Die Fachleute schätzen die Lampe auf 1.500 Jahre und somit aus der Zeit der Byzantinischen Herrschaft. Die Lampe wird als Duftkerze eingeschätzt, die damals gerne genutzt wurden. Erstaunlich ist, dass das fragile tönerne Artefakt die vielen Jahre im immer wieder umgegrabenen Sand unversehrt überstanden hat. 



Kategorien:Israel

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