Krieg in Israel – Tag 90

21. Tevet 5784

Tag 90 und kein Ende in Sicht,© Guy Morad, screenshot Facebook

Sahar Baruch, 25, s’’l, wurde am 8. Dezember im Zuge einer misslungenen Befreiungsaktion durch die IDF getötet. Die IDF hat bisher nicht bekanntgegeben, unter welchen Bedingungen der Tod der Geisel der Hamas-Schlächter eintrat. Ob er unter bisher ungeklärten Umständen im Zuge der Befreiungsaktion selbst ums Leben kam, oder ob sogenanntes ‘friendly fire’ schuld an seinem Tod war. Bisher wurde nur bekanntgegeben, dass die Hamas ihn innerhalb eines Tages nach dem Versuch, ihn zu befreien, ermordet hatte. Sein Tod wurde am 9. Dezember der Familie mitgeteilt.

Ben-Gvir hat sich nun doch entschlossen, die Amtszeit von Polizeipräsident Kobi Shabtai bis zum 17. Juli 2024 zu verlängern. Der Grund für diesen Meinungsumschwung ist die Zufriedenheit, die der Minister für Nationale Sicherheit mit der Art der Amtsausübung von Shabtai nun verspürt. Das war nicht immer so. Aus seinem Umfeld war zu hören: «Im Gegensatz zur Kommissarin für die Gefängnisse, Katy Perry,  führt Shabtai alle Anweisungen des Ministers genau aus. Ihre Verbindung hat sich während der letzten Monate deutlich verbessert. Der Minister ist damit sehr zufrieden.» Schade, dass aus einem guten, gerechten und zuverlässigen Mann ein Bückling des rechtsextrem-nationalistischen Möchte-Gern-Politikers Ben-Gvir geworden ist.

Jordanien, einst treuer Verbündeter Israels und mit König Hussein persönlicher Freund einiger PMs, sieht sich jetzt unter Druck gesetzt, in Den Haag beim ICC auszusagen. Spiritus Rector dieser Kampagne ist die Muslim-Bruderschaft, die auch in Jordanien fest verankert ist.  Die Sprecherin der Bruderschaft, Dima Tahbove, pries den Mehrfachmörder Saleh al-Arouri, der bei einem gezielten Anschlag der IAF eliminiert wurde, als ‘Märtyrer’ und forderte weitere Terrorakte gegen und Morde von Juden. Die Hamas in Jordanien ist als eine Gruppe der Muslim-Bruderschaft.

Den ganzen Tag über schrillten die Sirenen sowohl im südlichen Israel als auch an der Grenze zum südlichen Libanon. Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.

Nachdem man sich schon lange Gedanken über den mentalen Zustand von Benjamin Netanyahu machen muss, muss jetzt auch angezweifelt werden, ob Sara, seine Ehefrau, noch wirklich genau weiss, was sie sagt. Während eines Treffens ihres Mannes mit Familienangehörigen von immer noch in Gaza festgehaltenen Geiseln, gab sie ein seltsames Statement ab. Gemäss Kanal 12 erklärte sie den tief betroffenen Menschen, dass ihre Statements in den Medien Hamas-Führer Yahya Sinwar stärken würden. Ihre Äusserung wurde mit ärgerlichen Antworten und Protesten seitens der Familienangehörigen beantwortet. Einige von ihnen erwiderten, dass sie erst durch die Medien über freigelassene Geiseln von ihren Lieben hören würden, was ihnen in diesen schweren Zeiten helfen würde. Netanyahu versuchte, zu Gunsten seiner Frau zu intervenieren. Aber er musste den Familien auch zugeben, dass die Freilassung von Gefangenen als Gegenleistung für die Freiheit der Geiseln zwar derzeit nicht auf der Tagesordnung stehe, Israel aber „überlegt, die Deportation von Sinwar aus Gaza zu erlauben“. Das ist ein wahrscheinlicher Hinweis auf Berichte, dass Israel Hamas-Führern erlauben könnte, den Streifen zu verlassen und ihr Leben zu verschonen, als Gegenleistung für die Freilassung aller noch festgehaltenen Geiseln, die den Krieg beenden würden. Auch Sara ist gegenüber dem israelischen Volk völlig emotionslos, ganz so wie ihr Mann.

Tourismusminister Haim Katz plant für die ‘Zeit danach’ ein ebenso wahnwitziges, wie zynisches Projekt in der nächsten Umgebung des Gazastreifens. Innerhalb von nur fünf Jahren ab jetzt, soll dort, wo Hunderte Menschen ermordet, geschändet und verschleppt und Tausende verletzt wurden, ein Luna-Park entstehen. Die gesamte Anlage soll Hotels, Restaurants, und einen Vergnügungspark mit einem gigantischen Riesenrad umfassen. Um doch irgendwie dem Ort des Massakers vom 7. Oktober zu gedenken, soll auch eine Gedenkstätte eingerichtet werden. Sie soll in etwa das Ausmass von Yad VaShem in Jerusalem haben. Katz geht davon aus, dass dieses Projekt die Gemeinde wiederbeleben und den Tourismus fördern würde. Als Ort für dieses schändliche Projekt hat er Re’im ausgewählt, an dem das Massaker beim Musik-Festival seinen Anfang nahm. «Wir planen, am selben Ort des Nova-Festivals in der Nähe von Re’im eine Touristenattraktion zu errichten, die der verrückteste Partyclub der Welt sein wird. Ich möchte diesen Ort in einen glücklichen Ort verwandeln, einen Ort für Auftritte, einen Ort für Feierlichkeiten, während wir gedenken, was dort passiert ist.» Katz ist der nächste Minister, dessen Wahn und Distanz zur Realität ihn zum Kandidaten für eine sofortige Entfernung aus der Regierung machen. Auch er, wie in dieser Regierung üblich, zeigt gegenüber dem israelischen Volk, keinerlei Emotionen. Buscha!

Die indische Marine wird nun mit mehreren Schiffen im Arabischen Meer vor Anker gehen, nachdem ein indischer Frachter von den Houthis angegriffen worden war. Es entstand kein Schaden. Die Schiffe werden mit Raketenabwehrsystemen ausgestattet werden. 

Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden warten derzeit mehr als 5.300 Patienten darauf, aus dem Gazastreifen evakuiert zu werden. Bei diesen handelt es sich überwiegend um Verwundete, die vor Ort, so das UNO Nothilfebüro OTCHA, nicht ausreichend versorgt werden können. Die WHO hingegen behauptet, sie würden eher verhungern und verdursten, als dass sie an ihren nicht versorgten Wunden sterben würden. Die deutsche Partei ‘Die Linke’ fordert, dass Palästinenser nach Deutschland und anderen EU-Staaten gebracht werden müssen. «Nach dem brutalen Angriff der Terrororganisation Hamas auf den Staat Israel und seine Menschen am 7. Oktober 2023 leidet die Zivilbevölkerung in Gaza heute in unerträglichem Ausmass unter den Folgen des Terrors der Hamas und der militärischen Antwort des Staates Israel.»

Die gute Nachricht: Als letzte Amtshandlung hat der ehemalige Aussenminister Eli Cohen den Hilfskorridor zwischen Zypern und dem Gazastreifen vorbereitet. Ankommenden Schiffe sollen demnach im Hafen von Larnaka die Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen und dann nach Gaza segeln. Damit würde eine weitere Liefermöglichkeit von humanitären Hilfsgütern geschaffen und der Umweg über Ägypten würde wegfallen. Damit wäre erstmals seit dem Jahr 2007 die de facto Seeblockade des Gazastreifens beendet. Die Waren sollen mit Schiffen aus Grossbritannien, Frankreich, Griechenland und den Niederlanden direkt vor der Küste Gazas anlanden. Gaza selbst besitzt derzeit keinen Tiefseehafen. Am 1. Januar fand die erste Lieferung mit 87 Tonnen via Port Said statt.



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