Shmot, Shmot 1:1 – 6:1

Haftara: Jesaja 27:6 – 28:13

ב“ה

24./25. Tevet 3794                                                           5./6. Januar 2024

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:09

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                       17:29

Shabbateingang in Zürich:                                                                 16:31

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:42

Shabbateingang in Wien:                                                                  15:57

Shabbatausgang in Wien:                                                                 17:09

Heute beginnen wir mit dem Lesen des 2. Buches Mose. Der Name ist Programm. Nach vielen Jahren in Ägypten, die so angenehm begannen und dann zu einer Qual sondergleichen wurden, waren aus den siebzig Seelen, die zu ihrem Bruder Josef nach Ägypten gezogen waren, bereits recht ansehnliche, grosse Clans geworden. Die Brüder waren alle tot, der neue Pharao hatte Josef nicht mehr gekannt. Zwischen ihm und den Israeliten bestand kein Vertrauensverhältnis. Der Pharao hatte Angst, sie würden ihn ausbooten. Und so tat er das, was viele schwache Herrscher tun: Er unterdrückte sie und machte sie zu seinen Sklaven. Die Israeliten liessen sich aber nicht versklaven, sie wurden ganz so, wie Gott es versprochen hatte, immer grösser und selbstbewusster. Längst hatten sie sich im Land mehr ausgebreitet, als es ihnen eigentlich zustand. Pharao beschloss, dass nur weibliche Babys der Israelitinnen überleben dürfen, die Knaben, so befahl er den beiden israelischen Hebammen, Schifra und Pua, mussten sie töten. Jedoch sind die beiden gottesfürchtig und erzählen, dass sie bei jeder Geburt zu spät kämen, die Frauen, die sie betreuen, würden ihres Dienstes nicht bedürfen. Also befahl Pharao jedem, der einen israelitischen Knaben zu Gesicht bekam, diesen in den Nil zu werfen. Ein Ehepaar aus dem Hause Levi bekam ein Kind, einen wohlgeratenen Knaben, den die Mutter drei Monate lang versteckte. Dann legte sie ihn, die Geschichte ist bekannt, in ein Binsenkörbchen und übergab ihn dem Nil. Seine Schwester Mirjam hielt Wache, bis die Tochter des Pharaos kam und das Kind mit sich nahm. Mirjam wurde von der Tochter des Pharaos gebeten, eine israelitische Amme zu holen. So kam es, dass die leibliche Mutter den eigenen Sohn nährte, bis er gross genug war und sie ihn der Tochter des Pharaos zurückgeben musste. Diese nannte ihn Moses (Mussa) und zog ihn als ihr eigenes Kind auf. Als er älter war und den Arbeiten zusah, beobachtete er, wie ein Ägypter einen Israeliten schlug. Der Zorn kam über ihn und er tötete ihn. Er hoffte, dass diese Tat nicht bekannt wurde, doch schon am nächsten Tag hatte sie sich herumgesprochen. Moses fürchtete zu Recht die Rache des Pharaos und floh nach Midian. Vor dem Ort traf er auf die sieben Töchter des Oberpriesters Jitro, die von Hirten bedrängt wurden. Die Töchter berichteten dem Vater von der Hilfe und er blieb in dessen Haus, so lange, bis der Priester ihn mit seiner Tochter Zippora vermählte. 
Auch als dieser Pharo starb, wurde die Lage der Israeliten nicht besser. Gott erinnerte sich des alten Bundes und gab sich ihnen zu erkennen. Er gab sich auch Moses in der Gestalt eines brennenden Dornbusches zu erkennen, forderte ihn auf, näher zu kommen, und versprach ihm, das Volk aus der Sklaverei zu befreien und in das Land zu bringen, in dem Milch und Honig flossen. Moses erhielt den Auftrag, zu Pharao zu gehen und ihn zu bitten, sie alle freizulassen. Moses will den Auftrag zunächst gar nicht annehmen. Doch Gott weiss ihn zu überzeugen, mit konkreten Reaktionen auf die jeweiligen Weigerungen vertraut zu machen. Als er sein vermeintlich stärkstes Argument, sein Stottern anführt, weiss Gott Rat. Aaron, sein Bruder wird für ihn sprechen.

So überzeugt, kehrte Moses mit seiner Frau, seinem Sohn Gerschon und seinem Schwiegervater Jitro nach Ägypten zurück. Moses verhielt sich Pharao gegenüber genauso, wie Gott es ihn gelehrt hatte. Doch die Situation änderte sich nicht. Im Gegenteil.

In der Haftara lesen wir heute über Jakob. Aus der Sicht der Torahlesung ein Blick in die Vergangenheit, denn Jakob ist schon lange tot. In der Haftara aber ist es ein Blick in die Zukunft. „Die kommenden Geschlechter lassen Jakob wieder Wurzeln schlagen, als Israel blüht und gedeiht es und der Erdkreis wird sich mit Früchten füllen.“ Der Blick des Propheten geht hier eindeutig in die Zukunft, die für uns, die wir den Text heute lesen, schon lange Vergangenheit ist. Jakob wird die Wurzeln des Volkes Israel bilden, der Ertrag, der beschrieben wird, deutet an, dass es ein blühender, fruchttragender Baum sein wird. Also die Umsetzung der uralten Prophezeiung, die Umsetzung des Bundes, den Gott mit den Vorfahren Jakob geschlossen hat. „Ich werde euch zahlreich machen wie die Sterne“. Aber es schwingt auch etwas Bedrohliches in den Worten mit. Jesaja schaut an dieser Stelle wieder zurück und hinterfragt, ob Israel wohl auch das Schicksal seiner Peiniger hat erdulden müssen, das seine Feinde getroffen hat. Jesaja kann die Frage nicht beantworten, er kennt nur die Vergangenheit, nicht aber die Zukunft. Gott setzt alles daran, sein Volk nach seinen Wünschen zu prägen, und so lässt er manchmal Versuchungen, Hoffnungen und Strafen über sie kommen, damit sie an sich arbeiten. Erst wenn alle Altäre für falsche Götter zerstört sind, wird die Sühne Jakobs vollendet sein. Zurückkommend auf das Bild des tief in der Erde wurzelnden Baumes erkennt Jesaja, dass eine einmalige Missernte die Wurzeln nicht zwangsläufig zerstört. Aber der, der auf Grund der Missernte Hunger leiden muss, der Feind Israels, der wird sterben. Die Kinder Israels aber, die sich verirrt haben, wird er wieder zusammenbringen. Jesaja wendet den Blick im Folgenden zurück zu seiner Gegenwart. Efraim, den jüngeren Sohn Josefs, der von Jakob aber bewusst mit dem Vatersegen für den älteren Sohn bedacht worden war, und seine Freunde beschreibt er als ‚trunkene, vom Glauben abgefallene Hedonisten‘, die auch noch stolz auf ihre scheinbare Emanzipation sind. Gott jedoch straft sie, indem er alles Krankhafte an ihnen zerstört. Er formt aus denen, die nach wie vor zu ihm stehen ein starkes, ein gesundes Volk. Am Ende der Haftara dürfen wir aufatmend erfahren, dass nun Jakobs Sünde, die sich im vorübergehenden, verwirrten Verhalten von Efraim manifestiert hat, gesühnt ist.  „Nun braucht Jakob sich nicht mehr zu schämen und sein Gesicht muss nicht mehr erbleichen. Wenn das Volk sieht, was meine Hände in seiner Mitte vollbringen, wird es meinen Namen heilig halten.“

Wünschen wir uns, dass wir jederzeit Teil eines tief verwurzelten Volkes sein dürfen, welches reich blüht und zahlreiche Früchte reifen lässt. 

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel

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