Krieg in Israel – Tag 92

25. Tevet 5784

Die Giftmaschinerie von Netanyahu, die für einige Tage nach dem 7. Oktober verstummt war, ist wieder voll auf Touren gekommen. Er ist wieder dabei, alles zu tun, um seinen Sessel in der Knesset zu behaupten und sich vor drohenden Gerichtsurteilen und daraus resultierenden Gefängnisstrafen zu schützen. Sein Katzbuckler, JM Yariv Levin, verbreitet weiterhin Lügen, Hetzen und Halbwahrheiten. Derzeit geht es um den ‘Tag danach’. Die rechtsextrem-nationalistischen Vertreter in der Regierung, allen voran Smotrich und Ben-Gvir, möchten aus Gaza ein palästinenserfreies israelisches Resort machen. Solange die Hamas dort weiterhin existiert, funktioniert das natürlich nicht. Das wiederum heisst: Wir sind vom Erreichen des Ziels, die Hamas zu neutralisieren, so weit entfernt wie vor dem 7. Oktober. Auch das zweite Ziel, die Befreiung aller Geiseln, ist noch nicht erreicht. Im Gegenteil. Mehr als 130 leben nach wie vor in Geiselhaft. Wenn sie denn noch leben. Und das wird mit jedem Tag unwahrscheinlicher. Wie konnte das passieren? Die Regierung hat jahrelang geschlafen. Unter ihren Augen, oder hier besser unter ihren Füssen, wurden Tunnelsysteme gebaut, Verteidigungsanlagen aufgebaut, Waffenlager aufgestockt, Waffenproduktionsstätten gebaut. Israel hat geholfen, sie zu finanzieren, angeblich, um sie ruhig zu halten. Und dabei übersehend, was hinter den Kulissen lief. Die Hamas hatte ihren Plan A. Wir haben noch nicht einmal den Ansatz davon. Was macht Netanyahu? Er lässt weiter Benny Gantz gegen Ben-Gvir kämpfen, spendiert diesem hier und jenem dort ein Stückchen Seelennahrung. Er vermeidet alles, um sich zu positionieren. Er ist nichts anderes mehr als ein unfähiger Ex-Führer, der sich krampfhaft an einen brüchigen Strohhalm klammert. 

Daniel Mazevich, der Fahrer des Panzerfahrzeuges, das am 31. Oktober, an einem der ersten Tage der Bodenoffensive unter Beschuss kam und völlig ausbrannte, ist der einzige Überlebende dieses Dramas. Elf Mitglieder seines Teams verloren dabei ihr Leben. Mazevich kehrte nun zurück, um zu verstehen, was damals geschah. «Es passierte am 5. Tag, nachdem wir nach Gaza hineingefahren waren. Ich habe schon einen Monat später Bilder gemacht. Es war der erste Tag, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Ich war sediert und wurde beatmet. Ich musste es anschauen. Das Fahrzeug war mein Zuhause. Ich habe im letzten Jahr mehr da drinnen geschlafen, als daheim. Ich habe mir alles vorstellen können, als wir in den Krieg zogen, Verletzte, auch Tote, aber nicht das.«

Das Blue Beach Hotel im Norden von Gaza City ist ein 5*-Hotels, das seinen Gästen jeglichen Luxus anbietet. 162 Zimmer, ein Pool mit Olympiamassen (Na ja, das dürfte leicht übertrieben sein!), öffnete 2015 seine Tore. Selbstverständlich mit getrennten Schwimmzeiten für Männer und Frauen, offiziell gibt es keinen Alkohol, obwohl in den Lounges des Hotels immer Schnaps, Bier oder Wein oder auch Champagner angeboten werden. In jedem Zimmer liegen ein Gebetsteppich und eine Kopie des Korans bereit. Der all-inclusive-Preis war mit US$ 500 pro Nacht akzeptabel für die Gäste aus der Türkei oder Ägypten. Wenn wirklich einmal etwas nicht ganz halal war, drückte die Hamas schon mal ein Auge zu. Jetzt entdeckte die IDF ein weitläufiges Tunnelsystem unterhalb des Hotels. Es umfasste geräumige Zimmer für die Terroristen, Überwachungssysteme und Waffendepots, eine ausgeklügelte Infrastruktur und Schutzmechanismen. Offensichtlich diente das strandnahe System als Schutz- und Rückzugsraum für die Terroristen. Während der Operation verbarrikadierten sich Dutzende Terroristen in den Tunnels und versuchten Panzer-Abwehr-Raketen auf die IDF abzufeuern. Die Tunnels und Teile des Hotels wurden zerstört.

Im Laufe des Abends hat die Hisbollah fünfzehn Raketen aus dem südlichen Libanon auf israelische Stellungen abgeschossen. Vier wurden abgefangen, sechs schlugen in unbebautem Gebiet ein und eine landete im Libanon. Die IDF reagierte mit gezieltem Beschuss auf die Abschussrampen und konnte diese zerstören. VM Yoav Gallant hat betont, dass die Zeit für diplomatische Lösungen im Spannungsfeld zwischen Israel und der Hisbollah bald abläuft.

Jordanien und Frankreich haben Pakete mit humanitärer Hilfe über Gaza abgeworfen. Insgesamt wurden so 7 Tonnen Hilfsmittel für Zivilisten nach Gaza gebracht. Auf dem Bild erkennt man Fallschirmspringer, die diese extrem herausfordernde Operation ausführten. Der französische Präsident Macron betonte, dies sei nur durch sehr gute Beziehungen zwischen dem jordanischen und dem französischen Militär möglich gewesen. Beide Nationen schickten je eine C-130 Frachtmaschine mit binationaler Besatzung. Die Fallschirmspringer wurden zu einem jordanischen Feldlazarett geleitet, wo sie ungehindert landen konnten. 

Die Hisbollah hat heute am frühen Vormittag mehr als 62 Raketen nach Israel abgeschossen. In 90 (!) Gemeinden im Norden Israels schrillten die Sirenen. Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für den Beschuss. Als Grund gab sie Rache für den Tod von al-Arouri an, der vor wenigen Tagen in Beirut eliminiert wurde. Sie kündigte weiterhin an, dass dies nur der Beginn einer Racheaktion sei.

Der hochmoderne Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower ist vom Mittelmeer kommend im Roten Meer angekommen. Er ist das Flaggschiff der Dwight D. Eisenhower Kampftruppe, die im Roten Meer die Angriffe der Houthi-Rebellen auf Frachtschiffe verhindern soll. Die USS Gerald R. Ford ist unterdessen auf dem Weg vom Mittelmeer zu seinem Heimathafen in Virginia, USA.

Nachdem die IDF von Drohnen beschossen wurde, die von den Hamas-Terroristen auf sie abgeschossen worden waren, reagierte sie ebenfalls mit einem Drohnen-Angriff und eliminierten die Terror-Zelle. Bei verschiedenen Operationen in einer kleinen medizinischen Praxis in Gaza City entdeckte die IDF wiederum Waffen, die in und unter Säcken mit der Aufschrift UNRWA gekennzeichnet, versteckt waren. Dutzende Kalashnikovs, AK-47, Handgranaten und andere Waffen wurden am gleichen Ort entdeckt. In Khan Younis wurden in einer gemeinsamen Aktion von IAF und IDF zahlreiche Tunneleingänge entdeckt und zerstört. In einer Waffenfabrik wurden Sprengstoffsätze mit Zeitzündern, schusssichere Westen mit zahlreichen Magazinen und anderen Waffen entdeckt.

Die gute Nachricht: Die Massaker vom 7. Oktober könnten für die arabische Bevölkerung Israels einen Anreiz darstellen, sich weiter in die Gesellschaft zu integrieren. Es ist jetzt notwendig, den Arabern zu ermöglichen, eine positive Identität gegenüber Israel aufzubauen, die nicht länger von der tendenziellen Ablehnung des Staates geprägt ist. Dazu ist es aber auch und durchaus im gleichen Umfang notwendig, dass wir, die jüdische Bevölkerung, uns mehr mit der arabischen Kultur, zu der auch die Sprache gehört, auseinandersetzen. In den vergangenen Jahren geriet dieser Blickwinkel auf beiden Seiten aus dem Fokus. So konnten palästinensische Hardliner auf der einen und ultra-nationalistische Hardliner auf der einen Seite jeweils ihre Anhänger mobilisieren, um die problematischen Anteile der jeweils anderen Seite zu stärken. Jetzt besteht die Chance, dass das gemeinsame Feindbild Hamas und Palästinensisch Islamischer Djihad eine Bedrohung darstellt, die für beide Seiten gefährlich ist. Wird diese Lage gut genutzt, kann die arabische Bevölkerung sich von ihnen emanzipieren und damit zu einer höheren Anerkennung in Israel kommen. 



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