Krieg in Israel – Tag 95

28. Tevet 5784

Leider musste die IDF den Tod von neun Soldaten bekanntgeben. Sgt. Roi Tal, 19, Sgt. First Class (res.) David Schwartz, 26, Sgt. First Class (res.) Yakir Hexter, 26, Sgt. First. Class (res.) Gavriel Bloom, 27, Master Sgt. (res,) Amit Moshe Shahar, 25, Cpt. (res.) Denis Krokmalov Veksler, 32, Cpt. (res.) Ron Efrimi, 25, Mast. Sgt. (res.) Roi Avraham Maimon, 24, und Sgt. Maj. (res.)  Akiva Yasinski, 35, s’’l, verloren bei verschiedenen Operationen im nördlichen und südlichen Gazastreifen ihr Leben. Bei den Vorfällen wurden acht weitere Offiziere und Soldaten teilweise schwer verletzt.  Allein sechs Soldaten starben bei einer Explosion in einem Tunnel im zentralen Gazastreifen. Die IDF vermutet, dass die Sprengstoffe vorbereitet waren, um die unterirdischen Anlagen zu zerstören. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.

In der Nähe der Hauptstrasse ‘Salah a-Din’ die bisher als sicherste Nord-Süd Evakuierungsstrecke entlang der Küste vom nördlichen in den südlichen Teil des Gazastreifens galt, hat die IDF die bisher grösste Waffenproduktionsstätte ausgehoben. Hier wurden die Langstreckenraketen hergestellt, mit denen das Zentrum und der Norden Israels in den letzten Jahren immer wieder beschossen worden waren. Die Produktionsstätte zieht sich über mehr als 1.5 km hin und ist die bisher grösste, die im Gazastreifen gefunden wurde. Von unterirdischen Maschinenhallen, über die Herstellungs-Hallen für die Hülsen der Sprengköpfe, bis zu Lagerhäusern wurde alles aufgedeckt. Dazu gab es mehr als ein Dutzend Tunneleingänge, Wohnräume, Sanitäranlagen, Büros, alles war da, um das Leben der Terroristen zu vereinfachen. Der Tunnel führt über ein breites Treppenhaus bis hinunter auf mehr als 20 m unter der Erde. Entdeckt wurde auch ein grosses Chemielabor, um die Sprengstoffe für die Raketen herzustellen. Einige der Treppenhäuser verfügen auch über Liftanlagen. 

Die Berufung des ehemaligen Präsidenten des OGH, Aharon Barak, an den ICC ist nicht nur fachlich, sondern auch politisch eine sehr gute Entscheidung. Während der Demonstrationen gegen die Regierung Netanyahu VI im vergangenen Jahr wurde Barak mehr und mehr zum Feindbild der Mitte-Rechts Bevölkerung, während sich Netanyahu zu dem der Mitte-Links Gesellschaft entwickelte. Die Rechten warfen Barak vor, während seiner Amtszeit von 1995 bis 2006 am OGH das Justizsystem in Israel ‘zerstört’ zu haben, indem er dem Gericht die Möglichkeit einräumte, sich aktiv an der Gesetzgebung zu beteiligen. Minister Dudi Ansalem hatte im August gegiftet: «Barak und der ehemalige IDF-Stabschef Dan Halutz sollten für den Rest ihres Lebens im Gefängnis verrotten.» Was Netanyahu mit dieser Wahl signalisieren will, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht, dass er aus Fehlern gelernt hat? Vielleicht, dass er sich wieder auf seine eigentliche Aufgabe besinnt, das Regieren? Wunschdenken!

Wegen des fortgesetzten Beschusses durch Houthi-Rebellen hat die deutsche Hapag-Lloyd alle Fahrten durch das Rote Meer ausgesetzt. Eine neue Entscheidung wird für die kommende Woche erwartet.

Die Hisbollah setzt die Angriffe auf Kommandozentralen der IDF im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon fort. Eingesetzt werden nun vermehrt die für den Einmal-Einsatz vorgesehenen ‘Kamikaze-Drohnen’. «Wir suchen keine Eskalation im Krieg, aber wenn Israel sich dazu entschliesst, wird unsere Antwort unvermeidbar sein», war aus dem Kreis der Hisbollah Führung zu hören. Das können wir auch! Heute wurde eine Militärbasis in Sfad getroffen, es entstand ein kleinerer Schaden. Weitere vom südlichen Libanon aus abgeschossenen Raketen landeten entweder noch im Libanon oder in unbebautem Gebiet in Israel.

IDF-Sprecher Daniel Hagari hat angekündigt, dass die IDF ihre Aktivitäten auf ein niedrigeres Niveau zurückschrauben und damit in das nächste Stadium des Krieges eintreten wird. Die Operationen werden von «intensiv» auf «speziell» zurückgestuft. 

Die IDF gab bekannt, dass ihnen der Aufenthaltsort von Yahya Sinwar bekannt ist. Sie wird aber nach eigenen Angaben von einer gezielten Tötung derzeit absehen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden. Es wird angenommen, dass er Schutz hinter einer unbezifferten Gruppe von noch lebenden Geiseln genommen hat, die für ihn eine Lebensversicherung darstellen. Diese Ansicht vertreten auch mehrere weitere gut informierte Kreise, wie der öffentliche Sender ‘KAN’ bekanntgab. Schon kurz nach der Verschleppung hatte er sich in perfektem Ivrith an einige Geiseln gewandt und ihnen mitgeteilt: «Ihr seid hier die bestbewachte und geschützte Gruppe.» Das wurde auch von Yocheved Lifschitz, 85, bestätigt, die am 7. Oktober verschleppt, aber mit der ersten Gruppe von Geiseln freigelassen worden war.

Oppositionsführer Yair Lapid riet gestern dringend dazu, dass Benny Gantz, Gadi Eisenkot, und Gideon Sa’ar den sog. Kriegsrat so schnell wie möglich verlassen. Netanyahu sei nicht (mehr) fit, ein solches Gremium zu führen. «Das ist keine Einheitsregierung, das ist keine Notfallregierung. Das ist nichts, was dem Staat Israel hilft, es hilft nur Netanyahu. Und der ist nicht mehr fit, einen Krieg zu managen, der ist nicht mehr fit, ein Land zu führen.» Er fügte hinzu: «Ihr alle seid dem Gremium beigetreten, in der festen Absicht, so die Interessen des Staates am besten zu vertreten. Das mag vor drei Monaten der Fall gewesen sein, das ist es aber heute nicht mehr. Ich werde mit Yesh Atid 24 Stimmen bringen, um eine neue Regierung oder Neuwahlen zu unterstützen.»

Entsprechend Berichten von freigelassenen Geiseln leiden etwa ein Drittel der noch in Gaza festgehaltenen Menschen unter Krankheiten, die eine Dauermedikation erfordern. Werden diese Medikamente nicht verabreicht, kann es zu schwerwiegenden Problemen bis hin zum Tod führen.  Die freigelassenen Geiseln berichteten von sexualisierter Gewalt, auch gegen Männer, Folter, Licht- und Nahrungsentzug und Dehydration. Auch die fehlende Betreuung durch das IRK, die zwar vertraglich zugesichert wurde, aber bisher nicht stattfand, trage zur Verschlechterung der Situation bei.



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