Krieg in Israel – Tag 97

01. Shevat 5784

Deutschland und Ungarn haben Reisepässe für die Geiseln vorbereitet, deren Vorfahren in einem der beiden Staaten geboren und deren Staatsangehörigkeit besessen hatten. Das ist weder eine Besonderheit noch eine Neuigkeit. Neben anderen Staaten, wie z.B. Österreich, können Nachfahren von Opfern der Shoa jederzeit die Staatsangehörigkeit beantragen. Warum die Ausstellung dieser Pässe zum jetzigen Zeitpunkt trotzdem von grosser Bedeutung sein könnte, ist, dass die Hamas-Terroristen bisher vor allem Geiseln mit Doppelbürgerschaft freigelassen haben. Diese ausländischen Pässe könnten sich als Schutz vor den Schlächtern der Hamas- oder anderer Terrorgruppen erweisen. Kommentare aus den entsprechenden Staaten gab es noch keine.

Am ICC in Den Haag haben heute Vormittag die Anhörungen im Gerichtsfall begonnen, mit denen Süd-Afrika Israel des Genozids gegen die Bevölkerung in Gaza angeklagt hat. Die Delegation aus Süd-Afrika ist die erst erste, die ihr Statement den 17 Richten präsentieren wird. Ihre Absicht ist es, dass Israel dazu verurteilt wird, sofort die Kämpfe in Gaza zu beenden.

Adial Hassim, die Chefrechtsanwältin der Kläger, beschrieb die Zustände in Gaza so, dass dort keinerlei Leben möglich und die völlige physische Zerstörung des Landes das Ziel des Krieges sei. Israel, so fuhr sie fort, würde das Volk absichtlich verhungern lassen und ihnen jegliche Medikamente verweigern. Auch von Geburten, die absichtlich unter Umständen stattfinden, die ein Überleben des Säuglings verhindern, ist die Rede. Damit solle die Bevölkerungszahl reduziert werden. Selbstverständlich wurden auch Bemerkungen israelischer Politiker, die sich klar gegen Gaza richteten (ich berichtete) zitiert. Spätestens jetzt ist klar, dass es sich dabei nicht nur um dumme, sondern auch im höchsten Grade schädliche Äusserungen handelt.

Vor dem Gebäude demonstrierten Familienangehörige der in Gaza festgehaltenen israelischen Geiseln, während gleichzeitig eine pro-palästinensische Demonstration geplant ist. Am späten Nachmittag wurde bekannt, dass auch eine grosse, durch christliche Gruppen organisierte pro-Israel Demonstration mit über 1.000 Teilnehmern vor dem Gerichtsgebäude stattfand. Die Polizei versuchte erfolgreich, zu Fuss, mit Fahrzeugen und Pferden die beiden Gruppen fern voneinander zu halten. 

Tief in der Erde unterhalb von Khan Younis entdeckte die IDF-Tunnel, in denen offensichtlich israelische Geiseln in Käfigen festgehalten worden waren. Diese Tunnel waren völlig von der Aussenwelt abgeschnitten. Sie sind Teil eines ausgedehnten Tunnelsystems, welches ausgestattet mit Belüftung, Stromschaltern, Elektrizität, Wasser und WC-Anlagen war. Journalisten von CNN durften als Erste die Tunnels betreten, die sich auf drei Ebenen unterhalb der Stadt hinziehen. Einer der Journalisten, Nic Robertson, hielt fest, dass die Baukosten dieser ausgeklügelten Anlage immens hoch gewesen sein müssen. 

St. Nikolaus, ein Öltanker, der unter der Flagge der Marshall Inseln segelt, wurde auf seinem Weg von Basrah, Irak, nach Aliaga, Türkei, in internationalen Gewässern vor der Küste Omans von ‘unautorisierten Männern in Uniform’ geentert. Bisher ist es dem britischen Militär nicht gelungen, Kontakt mit dem Schiff aufzunehmen. Die sechs Männer hätten, unmittelbar nachdem sie an Bord kamen, alle Überwachungskameras abgedeckt. Das Schiff gehört zu einer griechischen Reederei. Diese war bisher zu keiner Aussage zum Vorfall bereit.

Mindestens zehn Raketen sind am Nachmittag vom südlichen Libanon auf Israel abgeschossen worden. In einigen Städten, darunter auch Kiryat Shmone, kam es zu Stromausfällen. Die Stadt wurde von sieben Raketen getroffen, geringe Schäden wurden dabei an einer Schule und einem Wohnhaus verursacht. Auch in Metula wurde ein Haus leicht beschädigt. IDF und IAF nahmen als Reaktion ein militärisches Gebäude und weitere terroristische Infrastrukturen der Hisbollah unter Beschuss. 

Yuval Arad, die Tochter des 1986 nach seinem Flugzeugabsturz im Libanon vermissten IAF-Piloten Ron Arad schrieb auf ihrer Facebook Seite: «Es ist nicht nur so, dass die Geschichte sich selbst vor meinen Augen wiederholt, es ist auch so, dass die Menschheit sich geweigert hat, aus der Geschichte zu lernen.» Sie verglich die Versprechen, die ihrer Familie gemacht worden waren, mit denen, die die Politiker heute den Familien der Geiseln machen. «Uns wurde auch gesagt, ‘alle kommen nach Hause, das siehst du doch an den Piloten vom Yom-Kippur-Krieg’. Sie sagten uns auch: ‘Habt Geduld’. Wir haben die Tage, Nächte, Wochen, Monate und Jahre gezählt. Wir haben das IRK angebettelt, wir sind auch in der Welt herumgeflogen, um uns mit Politikern und Meinungsmacher zu treffen. Und da gab es überall gelbe Bänder und blaue Luftballons. Es gab Videos, Interviews…» Ihre Mutter fügt hinzu: «Alles, was wir erreicht haben, ist, dass das Schicksal von Ron sich in alle Herzen und Köpfe in Israel eingegraben hat.»

Die gute Nachricht: Ein Soldat in Gaza stiess auf ein altes hebräisches Namensschild, wie sie in Israel an fast jedem Haus zu finden sind. Dieses Zeichen gehört zum Haus einer Familie Yarhi, die offensichtlich im Jahr 2005 im Zuge des völligen Rückzuges aus Gaza ihr Haus in Gush Katif, einem jüdischen Siedlungsblock, verlassen hatte. Ein Soldat hatte das Schild mit der Aufschrift «Famlie Yarhi» gefunden und übergab es einem Freund, der in Gush Katif aufgewachsen war.  Der suchte nach der Familie und wurde tatsächlich fündig. Amiel Yarhi mittlerweile 27 Jahre alt, war acht Jahre alt, als er mit seiner Familie das alte Haus verliess. «Ich habe vor Aufregung geweint und war geschockt. Es war fast unwirklich. Ich hatte dieses Zeichen fast 19 Jahre lang nicht mehr gesehen, und ich habe einen Moment Zeit gebraucht, um zu verarbeiten. Es ist eine Erinnerung an ein Haus, das wir sehr geliebt haben.» Amiel und sein Bruder kämpfen derzeit in Gaza.



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