Krieg in Israel – Tag 99

3. Shevat 5784

In Adora, einer Siedlung in den Hügeln von Hebron, drangen gestern Abend drei Terroristen ein. Bei einem anschliessenden Schusswechsel mit den Sicherheitskräften wurden die drei eliminiert, ein Soldat wurde mittelschwer verletzt. Bei den Terroristen wurde ein M-16, Granaten, Molotowcocktails und Messer gefunden. Weitere Informationen gab es zunächst nicht. 

Die deutsche Bundesregierung wies am Freitag die vor dem ICC erhobenen Vorwürfe, Israel betreibe „Völkermord“ in Gaza, entschieden zurück und warnte vor einer „politischen Instrumentalisierung“ solcher Vorwürfe. Regierungssprecher Steffen Hebestreit stellte in einer Erklärung klar, dass Israel nach den „unmenschlichen“ Angriffen der Hamas am 7. Oktober in Notwehr handle. Hebestreit betont das Bekenntnis Deutschlands zur UN-Völkermordkonvention, die 1948 als Reaktion auf die Shoah unterzeichnet wurde, und berücksichtigte dabei die Geschichte Deutschlands und die damaligen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Deutschland überlegt, den Antrag zu stellen, als ‘dritte Partei’ in Den Haag zugelassen zu werden. Gemeinsam mit den USA und Kanada haben sie ihre starke Unterstützung für Israel beim ICC ausgesprochen. 

Trotz des heftigen Beschusses durch die USA und GB auf Houthi-Ziele im Jemen haben die Rebellen gestern erneut ein Schiff beschossen. Es handelt es sich dabei um einen mit russischem Oel beladenen Frachter. Der Angriff fand südöstlich von Aden statt, die Rakete landete etwa 400-500 m neben dem Schiff. Kurz darauf haben drei kleinere Raketen das Schiff touchiert, richteten aber keinen Schaden an. Die Reaktion der USA blieb nicht aus. Nachdem US-Präsident Biden, der die Houthi-Rebellen gestern erstmals offiziell als ‘Terroristen’ bezeichnet hat, betont hatte, den Druck auf sie zu erhöhen, wurde in der Nacht ein weiterer Angriff auf Infrastrukturen im Jemen geflogen. Dieser Angriff diente dazu, die Angriffsmöglichkeit auf Frachtschiffe durch die Rebellen zu schwächen. Der Iran warnte, dass die Angriffe auf die Houthis die Lage in der Region destabilisieren können. Ein Sprecher des iranischen Aussenministeriums, Nasser Kanaani beklagte sich: «Wir verurteilen zutiefst die militärischen Angriffe, die heute durch die USA und GB auf verschiedene Orte im Jemen ausgeführt wurden. Sie sind eine klare Verletzung der jemenitischen Selbstständigkeit und ein Bruch des internationalen Rechts.» Und was sind die Angriffe auf völlig unbeteiligte Frachtschiffe?

Die Menschen im Gazastreifen erhalten weiterhin Medikamente und medizinische Versorgung, sagte der ‘Palästinensische Rote Halbmond’ am Samstag in einem Beitrag auf X. «Mobile Einheiten erreichen diejenigen, die nicht in die Krankenhäuser gelangen können», sagte das Gesundheitsministerium und fügte hinzu, dass 4.800 Menschen regelmässig behandelt werden und lebenswichtige Medikamente erhalten. Demzufolge kann der Gesundheitszustand in Gaza bei Weitem nicht so dramatisch sein, wie von der UNO und dem IRK behauptet wird. Ich denke allerdings, dass dies reine Schönfärberei ist. Wenn nur 4.800 von mehr als 2 Millionen Menschen regelmässige medikamentöse Betreuung brauchen, so grenzt das an ein Wunder. Äusserst zynisch ist aber die folgende Aussage: «Auch die Geiseln würden Medikamente erhalten, wenn Gaza eine bessere medizinische Versorgung hätte.» Das allerdings würde voraussetzen, dass man ganz genau weiss, wo sich die noch lebenden Geiseln aufhalten. Was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Lüge ist. Im Übrigen würde mit dieser Versicherung auch die gestrige Vereinbarung zwischen Katar, der Hamas und Israel obsolet, die, wie das Büro des PM freudig mitteilte, die Lieferung von Medikamenten für die Gazaner in den kommenden Tagen ankündigte. 

Ein 30m langer, begehbarer Tunnel auf dem ‘Platz der Geiseln’ in Tel Aviv soll den Besuchern das Gefühl vermitteln, wie es sich anfühlt, gezwungen zu sein, 100 Tage in einem derartig beengten Tunnel zu überleben.

Avraham Munder, 79, der nach der Freilassung seiner Frau Ruth und seines Enkels Ohad und dessen Mutter Keren immer noch als Geisel gehalten wird, sagte, sie wüssten, wie schlecht die Bedingungen in einem Tunnel seien. Es gibt keine Luft, es ist furchtbar feucht, die Menschen müssen auf Matratzen auf dem Boden schlafen. Eine Frau, die in den hier aufgebauten Tunnel hineinging, verspürte schon nach wenigen Minuten Panik und Angst zu ersticken. «Ich denke an diejenigen, die unter solchen Bedingungen allein festgehalten werden. Wir gehen hier hinein und sind nicht allein, und trotzdem spüre ich sowohl die Einsamkeit als auch die Hilflosigkeit. Es spüre eine echte und metaphysische Angst, zu ersticken. Ich denke an diese schwierigen Bedingungen und daran, wie die Zeit knapper wird.»

Die IDF hat angekündigt, die Kontrolle über den ‘Philadelphi Corridor’ zurückerobern zu wollen. Über diesen schmalen Landstreifen, der entlang der Grenze zwischen den Gazastreifen und Ägypten verläuft, werden immer wieder Waffen nach Gaza geschmuggelt. Mit der Übernahme der Kontrolle durch die IDF soll die Grenze gesichert werden. Nachdem aber auch ägyptisches Territorium von der angekündigten Operation betroffen ist, könnte es zu Spannungen zwischen Kairo und Jerusalem kommen. 

Die gute Nachricht: 2023 war in Israel das Jahr der ‘kleinen grossen archäologischen Funde’. Wir erinnern uns des Getreidemörsers, diverser Münzen, Steine, die mit der Handschleuder auf die Feinde abgeschossen werden konnten, und anderem mehr. Die Steine zB. waren 8.000 Jahre alt. Jetzt wurden in der Hula Ebene winzig kleine Flöten gefunden. Sie sind aus den Flügelknochen von Krickenten und Blässhühnern gearbeitet und teils mit Ocker verziert. Die grösste Flöte ist nur 6.3 cm lang. Die Hula Ebene war einst ein Moskito verseuchtes Sumpf-Gebiet in Galiläa, bis es teilweise entwässert wurde. Heute ist die Ebene mit ihrem reichen Futtervorkommen ein beliebter Stop-over-Platz für Zugvögel auf dem Weg von und nach Afrika. (Mein hier verlinkter Bericht über die Hula stammt aus dem Jahr 2014). Die hier aufgefundenen Flöten sind etwa 12.000 Jahre alt und könnten die ältesten ihrer Art sein. Hergestellt wurden sie aus winzigen Knochen und dienten dazu, Vögel anzulocken. Wahrscheinlich waren die so angelockten Jagdopfer riesige Raubvögel. Aber auch Falken und Sperber wurden so angelockt. Die Wahl der kleinen Knochen scheint ein bewusste gewesen zu sein, um genau diese beabsichtigten Töne zu erreichen. In der Levante lebten damals Menschen der Natufien-Kultur, die am Beginn der sesshaften Lebensweise standen. 



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