7. Shevat 5784

Auch heute musste die IDF leider wieder den Tod zweier Soldaten bekanntgeben. Mast. Sgt. (res.) Zechariah Pesach Haber, 32, und Sgt. Maj. (res.) Yair Katz, 34, s’’l, fielen im Kampf im nördlichen Gazastreifen. Zwei weitere Soldaten wurden im nördlichen Gaza und an der Grenze zwischen Israel und Gaza schwerst verletzt.

Auch die Soldaten im Gazastreifen sind auf Versorgung aus der Luft angewiesen. Gestern wurden 16 t Waren von C-130 Transportflugzeugen in der Nähe von Khan Younis abgeworfen. Geliefert wurden: Wasser, Lebensmittel, Bekleidung, Treibstoff, Munition. Bisher wurden so insgesamt etwa 60 t geliefert. Eine Lieferung mit LKWs stellt einerseits ein logistisches Problem dar und ist auch zu gefährlich.
Was Netanyahu alles so für Israel tut! «Erklärung des Büros des Premierministers:Auf Anweisung von Premierminister Benjamin Netanyahu und gemäss der Vereinbarung des Mossad-Direktors mit Katar über die Versorgung der israelischen Geiseln mit Medikamenten werden morgen zwei Flugzeuge der katarischen Luftwaffe mit in Frankreich gekauften Medikamenten nach Ägypten fliegen, und zwar entsprechend einer in Israel erstellten Liste, die den medizinischen Bedürfnissen der Geiseln entspricht. Nach der Ankunft der Flugzeuge in Ägypten werden die Medikamente von katarischen Vertretern an ihren endgültigen Bestimmungsort innerhalb des Gazastreifens gebracht. Premierminister Netanyahu dankt allen, die an dieser Aktion mitgewirkt haben. Israel besteht darauf, dass alle Medikamente ihren Bestimmungsort erreichen.» Wie diese Abwicklung dann tatsächlich umgesetzt werden soll, darauf bin ich gespannt. Um kurz nach 10 Uhr Ortszeit landete das erste der beiden Flugzeuge bereits in al-Arish auf dem Sinai. Das zweite Flugzeug wird im Laufe des Nachmittags erwartet. Derzeit wird die erste Lieferung von fünf LKWs am Warenübergang von Kerem Shalom untersucht. Netanyahu hatte zunächst auf eine Untersuchung verzichtet, die Durchführung aber dann doch wieder in die Hände der IDF gelegt.

Die Hamas war schnell bemüht, weitere Einzelheiten zur Lieferung von Medikamenten zu kommunizieren. Für jedes Paket mit Medikamenten für die Geiseln werden 1.000 (!) Pakete für die gazanische Zivilbevölkerung geliefert. Moussa Abu Marzouk, ein ranghoher Hamas-Führer, betonte, dass alle Lieferungen ausnahmslos an Krankenhäuser im gesamten Gazastreifen verteilt werden, und dass Israel keinerlei Möglichkeit erhalten werde, die tatsächliche Lieferung zu überwachen. «Wir haben darauf bestanden, die Lieferungen von Katar und nicht von Frankreich zu erhalten, weil dieses Land Israel unterstützt.» Das IRK wird wieder einmal nicht an der Aktion beteiligt sein. Das klingt leider alles so, wie ich befürchtet habe, die noch lebenden Geiseln werden keine Medikamente erhalten, sie werden alle in die Hände der Hamas fallen.
Jede israelische Geisel, so wurde nun bekannt, hat Anspruch auf ein Entgelt in der gleichen Höhe, wie es Reservesoldaten erhalten. Der errechnete Betrag wird ohne Abzug von Steuern oder Sozialversicherungen auf das Konto überwiesen. Die Entscheidung, den Geiseln für die Dauer der Geiselhaft Zahlungen zukommen zu lassen, fiel auf einer Sondersitzung an der Vertreter verschiedener Ministerien teilnahmen. Die Zahlung beginnt sofort und wird rückwirkend bis zum 7. Oktober berechnet. Auch bereits freigelassene Geiseln erhalten rückwirkend einen aliquotierten Betrag. Interessant ist, dass sich das Gremium auf diese Vorgangsweise einigte und erst jetzt versucht, den rechtlichen Rahmen dafür zu schaffen. «Die Botschaft, die wir hier vermitteln wollen, ist unser Engagement und unsere Bemühungen, den Familien der Entführten Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.» Wie wichtig ein solches Vorgehen ist, wird deutlich, wenn man sich bewusst macht, dass finanzielle Verpflichtungen, wie Hypotheken, Kredite, Darlehen weiterlaufen, auch wenn es kein Einkommen gibt. Es ist klar, dass Arbeitgeber die Lohnzahlungen eingestellt haben, weil sie diese für Ersatzarbeitskräfte zahlen müssen.
Ein Reservist, Gal Anav, der seit neun Jahren in Jaffa das Möbelgeschäft ‘Indonesia Jaffa’ betrieb, musste nun auf Grund seiner finanziellen Situation das Geschäft schliessen. Er bot dort aus Wurzelhölzern gefertigte Möbel und Dekorationen an. Bisher lief das Geschäft gut, jetzt haben sich aber Verpflichtungen in Höhe von mehreren Millionen angesammelt. Freunde haben versucht, das Geschäft aufrecht zu erhalten, blieben aber erfolglos. Gal ist leider nicht der einzige kleine Unternehmer, der sich mit diesem Problem konfrontiert sieht. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv bezeichnet sich als nicht zuständig und verweist auf den Staat, der «hoffentlich bald eine Lösung für die Reservisten finden wird.» Sollte der Finanzminister also noch nicht verschleuderte Gelder in seinem Geldschrank haben, statt sie an alle möglichen Freunde in diversen Ministerien zu vergeuden: Hier gäbe es nahezu 300.000 Reservisten, die das Geld dringend benötigen! Zinsfrei und à-fonds-perdu für den Staat!

Die IDF hat jene Abschussrampen, von denen aus gestern der heftige Beschuss auf den Süden Israels, vor allem auf die Stadt Netivot abgeschossen wurden, entdeckt und zerstört. Die Anlagen sind so konstruiert, dass immer zehn Raketen gleichzeitig abgeschossen werden können. Im Zuge der Operation konnte auch eine Gruppe von sechs Terroristen eliminiert werden. Unter den Terroristen war auch der, der immer wieder Befragungen von angeblichen oder tatsächlichen gazanischen Spionen gegen die Hamas vornahm und der als ‘Spy catcher’ bekannt war. Dazu entwickelte er eine spezielle Technik, die von der gesamten Hamas übernommen wurde und die in der Regel mit dem Tod des Befragten endete.

Bei einer gemeinsamen Aktion von IDF und Shin Bet wurde in der Nacht ein hochrangiger Terrorist in der Nähe des Flüchtlingslagers Balata in Nablus, Samaria, mit einem gezielten Drohnenangriff eliminiert. Abdallah Abu Shala war verantwortlich für eine Reihe von Anschlägen in Israel. Die Namen der zwei gemeinsam mit ihm eliminierten Terroristen sind noch nicht bekannt gegeben worden. Im Auto befanden sich Waffen, so dass man davon ausgeht, dass ein weiterer Anschlag geplant war. Finanziert wurde die Terrorzelle vom Iran und anderen in Gaza operierenden Terror-Gruppen. Von dort seien auch die Instruktionen für die Anschläge gekommen.
Nachdem einige bekannte Reedereien die Fahrten durch den Suez-Kanal eingestellt haben, hat sich jetzt auch die japanische Reederei ‘Nippon Yusen’ (NYK Line) zu diesem Schritt entschlossen. Bereits in den Tagen zuvor hatten die beiden anderen japanischen Reedereien ‘Kawasaki Kisen’ und ‘Mitsui O.S.K Lines’ ihre Routen geändert. Normalerweise werden durch den Suez-Kanal 12% des maritimen Frachtverkehrs abgewickelt. Der Umweg über den Süden Afrikas dauert erheblich länger und ist weitaus kostenintensiver. Wenn man bedenkt, dass schlimmstenfalls durch einen Angriff der Houthis ein ganzes Schiff verloren wird, ist das allerdings ein Aufwand, der sich durchaus rechnet.

Der Iran setzt derzeit alles daran, aus einem regional beschränkten Krieg zwischen Israel und der Hamas einen Flächenbrand anzufachen. In der Nacht flog Teheran einen Luftangriff gegen Islamabad, Pakistan. Bei dem Angriff wurden zwei Kinder getötet. Die chinesische Regierungssprecherin, Mao Ning, forderte beide Staaten auf, sich zurückzuhalten. Sowohl der Iran als auch Pakistan sind Nachbarn und enge Partner Chinas. Pakistan hatte, völlig zu Recht, den Angriff als ‘völlig inakzeptabel’ bezeichnet und festgehalten, dass keinerlei Provokation vorgelegen habe. Aus dem Iran kam noch keine offizielle Stellungnahme, jedoch die Feststellung, dass bei dem Angriff das Hauptquartier der Jihadisten-Gruppe ‘Jaish al-Adl’ (Armee der Gerechten) zerstört worden sei. Die vorangestellte Karte soll helfen, die involvierten Staaten zu lokalisieren.


Die gute Nachricht: Inmitten der grössten Verwüstung, die Israel jemals erlebt hat, zeigen die ersten Frühlingsboten zaghaft ihre roten Blüten. Das, was als ‘darom adom’, roter Süden, jedes Jahr Tausende von staunenden Touristen anlockt, schien in diesem Jahr nicht möglich zu sein. Der Eshkol Nationalpark im Süden des Landes wurde mehrfach verwüstet: Zuerst kamen die Terroristen am 7. Oktober, dann fuhren die Panzer durch die Felder, dann kamen die Mitarbeiter von Rettungstruppen auf der Suche nach kleinsten Überresten der Ermordeten. Jetzt schieben sich langsam die Blütenköpfe der roten Anemonen, die dem Naturschauspiel ihren Namen geben, durch die verbrannte Erde. Die Hauptblütezeit ist von Ende Januar bis Mitte Februar. Ofir Libstein, das erste namentlich bekannt gewordene Opfer des Massakers, hat das Festival der roten Anemonen im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Er wurde mit seinem Sohn Nitzan ermordet, während sie ihren Heimatkibbutz Kfar Aza verteidigten. Und nun sind sie wieder da, die roten Blüten, die sein Vermächtnis darstellen.
Kategorien:Israel
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