8. Shevat 5784

Leider musste die IDF auch heute wieder den Verlust eines Soldaten melden. Staff Sgt. Oriya Ayimalk Goshen, 21, s’’l, fiel in einem Kampf im Süden des Gazastreifens. Zwei weitere Soldaten wurden im gleichen Kampf schwer verletzt.
Die Jerusalem Post berichtete gestern von einem unglaublichen Vorgehen. Netanyahu soll in den vergangenen Tagen einseitig und ohne Absprache mit dem Kabinett die Bedingungen für die Freilassung der Geiseln derart verschärft haben, dass alle Vorbereitungen zu weiteren Verhandlungen verzögert wurden. Die vorbereitenden Gespräche wurden von VM Yoav Gallant, Benny Gantz und Gadi Eisenkot geführt. Immerhin war auch schon eine weitgehende Einigung darüber erzielt worden, was Israel als seinen Teil des Deals einbringen könne. Die Gespräche im Kriegskabinett galten intern bereits als abgeschlossen, als Netanyahu sie verzögerte. Es wurde verlautbart, dass «Netanjahu eine Gelegenheit verpasst, ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln voranzutreiben.» Oppositionsführer Yair Lapid nutzte die Situation erneut, um seinen Unmut zu äussern. «Die Berichte über die Wegweisung des VM von Sicherheitsentscheidungen, die die Fortsetzung der Kämpfe und das Leben der Geiseln betreffen, sind ein weiterer Beweis dafür, dass Israel einen inkompetenten Premierminister mit einer inkompetenten Regierung hat. Israel braucht jetzt einen Wechsel.» Warum tut das Netanyahu? Ich kann mir nur vorstellen, dass diese Verzögerung für ihn eine weitere Garantie darstellt, nicht aus dem Amt gejagt zu werden, solange die Geiseln nicht befreit und der Krieg zu Ende sein wird. Sollte ich damit richtig liegen, so muss ich seinen mentalen Status anzweifeln. Dann ist er nicht nur unfähig, sondern auch gefährlich.

Auch mehr als 100 Tage nach dem Massaker vom 7. Oktober suchen Freiwillige nach den kleinsten verwertbaren Spuren der Ermordeten. Was auf den Bildern aussieht, wie eine archäologische Grabung, ist in Wirklichkeit ein akribisches Untersuchen von kleinsten Teilchen: Auf Rüttelbrettern, am Boden und auch in den teils völlig zerstörten oder ausgebrannten Fahrzeugen. Jede noch so kleine DNA-Probe kann helfen, die immer noch als vermisst geltenden Opfer der Hamas-Schlächter zu identifizieren.
Die Medikamente für die israelischen Geiseln und die Zivilbevölkerung sind in Gaza angekommen. Bei aller Erleichterung, wenn und falls diese lebenswichtigen Medikamente bei den Empfängern ankommen, zeigen sich Fachärzte in Israel doch besorgt. «Der Beginn einer erneuten Einnahme nach einer so langen Zeit von Fehlernährung, dem Entzug von Sonnenlicht und Schlaf ist kritisch. Die Dosis muss nach einer eingehenden Untersuchung von einem Arzt neu berechnet und eingestellt werden. Ohne diese Vorbereitung können die Medikamente gefährlich für die Patienten sein», sagt Dr. Alon Hershko vom Hadassah Medical Center. Angeblich wird das IRK nun noch die Verteilung der Medikamente übernehmen. Wie das funktionieren soll, bleibt nach wie vor ein Rätsel. Mittlerweile hat das IRK auch bekanntgegeben, mit der Verteilung der Medikamente nichts zu tun zu haben.
Obwohl die Gefechte im Norden des Gazastreifens deutlich weniger geworden sind, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Ein mit Sprengstoff-Fallen bestücktes Fahrzeug, das voller Waffen war, wurde gesprengt. Eine Terrorzelle, die einen Hinterhalt für die Truppen vorbereitete, wurde eliminiert. Auch in Khan Younis wurden erneut einige Waffenlager ausgehoben und zerstört.




Am Nachmittag berichtete die IDF, dass sie die Zerstörung der grössten Waffenproduktionsstätte der Hamas in Bureij abgeschlossen und die darunterliegenden Tunnelanlangen zerstört habe. Die Anlagen befanden sich in der Nähe der Salah a-Din Strasse. Die Tunnel verbanden unterirdisch einige Hundert km (!) miteinander, einer der Tunneleingänge lag im Haus eines Hamas-Führers.
Die Hisbollah hat alle Versuche der US-Amerikaner abgelehnt, aktiv dazu beizutragen, die kritische Situation an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel zu entschärfen. «Hisbollah ist durchaus bereits zuzuhören. Aber die in der vergangenen Woche von Amos Hochstein (Mediator der USA) gemachten Vorschläge sind unrealistisch.» Ein Vorschlag ist die Umsetzung der Resolution 1701, die einen Rückzug der Nicht-Regierungs-Truppen im Libanon hinter eine festgelegte Grenze verlangt. Diese Resolution wurde nie umgesetzt. Die Hisbollah hat angekündigt, so lange mit dem Beschuss auf Israel weiterzumachen, bis es einen vollständigen Frieden zwischen Israel und der Hamas gibt. Der Iran sorgt dafür, dass die Hisbollah immer wieder aufs Neue mit modernsten Waffen versorgt wird.

Die Unruhen zwischen Pakistan und dem Iran gehen weiter. Nachdem Teheran Angriffe auf Islamabad ausgeführt hatte, reagierte Pakistan mit Raketenbeschuss einer grenznahen Region im Südosten des Iran. Dabei starben neun Personen, darunter vier Kinder und drei Frauen.

Die Houthi-Rebellen haben erneut ein US-amerikanisches Frachtschiff, die ‘Genco Picardy’, die unter der Flagge der Marshall Inseln segelt, angegriffen. Das Schiff wurde beschädigt, ist aber weiterhin seetüchtig und setzt seine Reise weiter fort. Es befindet sich auf dem Weg nach Tuticorin, Indien.
Bereits gestern ist Präsident Isaac Herzog zusammen mit seiner Frau Michal und zwei freigelassenen Geiseln, Nili Margalit, 41 und Moran Stela Yanai, 40, in Davos angekommen. Bei ihnen war auch Noam Perry, deren Vater Chaim, 80, immer noch in Gaza festgehalten wird.

Am Vormittag gab er ein Interview, in dem die Massaker vom 7. Oktober thematisiert wurden. Sein Gesprächspartner war der Präsident des WEF, Borga Brenda. Seine Frau Michal wird an einem Gespräch teilnehmen, das sich mit dem vermehrten Aufkommen von Antisemitismus beschäftigt. Herzog schilderte zunächst kurz die dramatischen Stunden vom 7. Oktober und schilderte das unbekannte Schicksal der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln. Neben ihm steht ein Bild von Kfir Bibas, der heute seinen 1. Geburtstag ‘feiert’. Herzog wies auf die Beteiligung des Irans an den Kämpfen hin, die bereits im Jahr 2007 begonnen haben. Er betonte, dass Israel sich nicht vor den Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza verschliesse, dass wir aber unser Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen müssen. Und das bedeutet: «Wir müssen jedes Haus, in dem wir terroristisches Material finden, uns das ist praktisch jedes Haus, säubern, die Terroristen entfernen und es später den eigentlichen Besitzern zurückzugeben.» Herzog betonte auch, dass es unbedingt notwendig sei, den Palästinensern in Gaza, aber auch in Judäa und Samaria eine Perspektive zu geben. Wir müssen sicherstellen, dass sie nie mehr den Terror glorifizieren, Kinder zum Hass erziehen und Juden am liebsten töten würden. Dazu brauchen wir starke regionale und internationale Kräfte. Herzog sprach auch die humanitäre Hilfe an, die Israel versucht, nach Gaza zu bringen. Durch die Wiederöffnung von Kerem Shalom können bis zu 400 LKWs, i.e. 20.000 t pro Tag abgefertigt und nach Gaza gebracht werden. Er fragt zu Recht, wie es sein kann, dass so viel nach Gaza hineinkommt, aber die Geiseln offensichtlich nach wie vor nichts davon erhalten. Offensichtlich liegt es in der Absicht eines ‘zynischen und sadistischen’ Feindes, nicht nur Israel, sondern vor allem die Geiseln mit einer grausamen psychologischen Kriegsführung zu überziehen.

Michal Herzog, die Ehefrau des israelischen Präsidenten, sprach heute bei einem Panel zum Thema Antisemitismus. Mit ihr sassen auf der Bühne Jonathan Greenblatt, CEO der Anti-Defamation-League, Douglas Emhoff, Ehemann von US-Vizepräsidentin Kamala Harris und David Rosen, britischer Rabbiner. Das Gespräch moderierte Timothy Snyder, US-amerikanischer Historiker. «Wir müssen verstehen, dass Juden nicht allein den Antisemitismus auslöschen können. Und vor allem, weil wir wissen, dass am 7.Oktober nicht nur Juden ermordet, vergewaltigt, verschleppt wurden, sondern Araber, Gastarbeiter anderer Religionen, die Angreifer machten keinen Unterschied. Das zeigt, dass wir alle gemeinsam einen weltweiten Kampf führen müssen.» Zum Thema geschlechterbezogene sexualisierte Gewalt forderte Michal, dass die offiziellen Stellen endlich aufwachen müssen, namentlich nannte sie die Organisation UN-Women. Acht Wochen habe es gedauert, bis eine erste winzige Stellungnahme kam. «Leider sind viele der Opfer tot, aber es gibt Überlebende. Wir müssen ihnen eine Stimme geben, wir müssen ihnen glauben. Sie müssen jederzeit sprechen dürfen.» Befeuert die Weltwirtschaft und das Internet den Antisemitismus? Allein schon die Tatsache, dass die Hamas-Schlächter Bodycams hatten, die Horrorvideos auf die Handys ihrer Opfer und deren Social-Media speicherten zeigt, dass die globale Welt ‘übervernetzt’ ist. Kryptowährungen ermöglichen es, Konten zu eröffnen, Gelder zu transferieren, ohne irgendwo persönlich zu erscheinen. Michal betonte, und das ist ganz wichtig, dass nach dem 7. Oktober zu beobachten war, dass alles, was in Israel geschieht auch die Juden weltweit betrifft. In einem Gespräch mit Ursula von der Leyen hat sie heute betont, dass dies auch ‘Gutes das aus Bösem erwächst’ bezeichnet werden kann.




Die beiden freigelassenen Geiseln und die Tochter von Chaim Perry trafen sich gestern mit UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. Guterres, der bisher in dröhnendem Schweigen zum Massaker der Hamas und dem Schicksal der Geiseln geschwiegen hatte, forderte bei dem Treffen nicht nur die sofortige Freilassung der Geiseln, sondern auch eine strafrechtliche Verfolgung der Hamas-Schlächter. Die hatten die Frauen und Mädchen sowohl schon während des Massakers, als auch später in der Geiselhaft aufs Brutalste vergewaltigt und geschändet, bevor sie sie ermordeten oder verschleppten. Guterres zog eine ‘Hundemarke’ aus der Tasche, die er angeblich ständig bei sich trägt, um «immer an das Schicksal der Geiseln erinnert zu werden.» Gestern Abend trafen sich die jungen Frau mit hochrangigen Vertretern der IT-Branche und Wirtschaft und berichteten über ihre traumatisierenden Erlebnisse. Nili erzählte: «Die meisten der Menschen, mit denen ich in den Tunneln war, sind immer noch tief unter der Erde. Sie sind verängstigt und verwundet… es gibt nicht genug Luft zum Atmen, nicht genug zu essen und keine grundlegende Hygiene. Der Körper ist so geschwächt, dass jede Krankheit tödlich sein kann.» Für Stela begann der Alptraum schon früher: «Als ich entführt wurde, habe ich alles verloren: die Kontrolle über mein Leben, meine Freiheit, meine Identität, mein Selbst… Ich wurde freigelassen, aber ich habe meinen Freunden, die ich in der Gefangenschaft zurückgelassen habe, versprochen, dass ich alles tun werde, um sie zurückzuholen.» Noam berichtete von einem Video, das vor vier Wochen veröffentlicht wurde. Darin waren drei ältere Männer zu sehen, einer davon war ihr Vater. «Das war vor vier Wochen, ich habe heute keine Ahnung, wie es ihm geht, und ob er noch lebt.»

Der iranische Aussenminister Hossein Amir Abdollahian zeigte beim WEF eine recht dumme Sicht der Dinge. So betonte er, dass vom Iran auf kurdisches Gebiet abgeschossene Raketen dem Hauptquartier des israelischen Mossad im Irak gegolten haben. Der Iran hatte in der Nacht vom Montag 11 Raketen auf die irakische Stadt Ebril abgeschossen. «Wir respektieren die Unabhängigkeit des Irak. Wir hatten geheimdienstliche Informationen über das Ziel, das wir angriffen und wussten, dass der Mossad von dort Angriff auf den Iran ausgeübt hat.» Er unterstützt auch die Aussagen von Hisbollah-Führer Nasrallah, der betont hatte, dass die Beteiligung am Krieg als Rache für den von Israel eliminierten Hamas Führer sei. Was natürlich Unsinn ist, weil die Hisbollah schon weitaus früher mit dem Beschuss auf Israel begonnen hatte. «Sobald Israel den Krieg beendet, werden auch die Angriffe aus dem Libanon aufhören.» Allerdings, so fuhr er fort, werden die Geiseln erst freigelassen, wenn der ‘Konflikt’ beendet sein wird.
Kategorien:Israel
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