Krieg in Israel – Tag 109

13. Shevat 5784

Bis gestern haben wir 195 Helden verloren, die Tag für Tag dafür kämpften, Israel sicherer zu machen und die grausamen Terror-Organisationen, allen voran die Hamas, auszuschalten. Heute ist der bisher traurigste Tagim nun schon 109 Tage andauernden Krieg. Insgesamt verloren gestern 24 Soldaten ihr Leben im Kampf für Israel und die freie westliche Welt. 21 von ihnen waren Reservisten, die hochmotiviert alles stehen und liegen liessen, um einzurücken. Natürlich ist es für die Hinterbliebenen völlig gleichgültig, welchen militärischen Status ihr Sohn hatte. Für jeden von ihnen, für die Familien und für die Freunde ist eine Welt zusammengebrochen. Bei jedem von ihnen ist eine Wunde entstanden, die zwar irgendwann weniger schmerzhaft sein wird, aber nie mehr völlig verheilen wird. 

Leider musste auch heute die IDF wieder der Verlust von drei Offizieren bekannt geben. Maj. David Nati Alfasi, 27, Maj. Ilay Levy, 24 und Cpt. Eyal Mevorach Twito, 22, s’’l, verloren ihr Leben bei einem Schusswechsel im südlichen Gazastreifen. Beim gleichen Vorfall wurde ein weiterer Soldat schwer verwundet. 

Bei einem tragischen Unglück kamen gestern 21 Soldaten ums Leben. Weitere, nicht bezifferte Soldaten wurden verletzt. Die genauen Umstände werden derzeit noch untersucht. Nach ersten Untersuchungsergebnissen fand das Unglück in einem Gebiet statt, in dem die IDF dabei war, durch gezielte Sprengungen von Häusern und Hamas-Infrastrukturen eine Pufferzone zu schaffen. Dadurch sollte es den Bewohnern der grenznahen israelischen Siedlungen ermöglicht werden, baldmöglichst in ihre Siedlungen zurückzukehren und mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Durch eine auf einen Panzer abgefeuerte Panzer-Abwehr-Rakete starben zwei Soldaten, zwei weitere wurden verletzt. Gleichzeitig kam es in den Gebäuden zu zwei Explosionen. Diese waren wahrscheinlich von Minen ausgelöst worden, die die Truppen für die gezielte Zerstörung vorbereitet hatten. Dort wurden sie wahrscheinlich durch Beschuss mit einer weiteren Panzer-Abwehr-Rakete durch die Hamas zur Explosion gebracht.

First Class (res.) Ahmad Abu Latif, 26, Cpt. (res.) Nir Binyamin, 29, Master Agt. (res,) Rabbi Elkana Vizel, 35, Sgt. First Class (res.)  Israel Socol, 23, Cpt. (res.) Ariel Mordechay Wollfstal, 28, St. Fist Class (res.) Sagi Idan, 24, Sgt. Maj. (res.)  Mark Kononovich, 35, Sgt. Maj. (res.) Matan Lazar, 32, Sgt. First Class (res.) Hadar Kapeluk, 23, Sgt. Maj. (res.) Sergey Gonthmaher, 37, Sgt. First Class (res.) Elkana Yehuda Sfez, 25, Sgt. First Class (res.) Yuval Lopez, 27, Master Sgt. (res.) Yoav Levi, 29, Sgt. First Class (res.) Nicholas Berger, 22, Sgt. First Class (res.) Cedrick Garin, 23, Sgt. Maj. (res.) Rafael Elias Mosheyoff, 33, Sgt. Maj. (res.) Barak Haim Ben Valid, 33, Sgt. Maj. (res.) Itamar Tal, 32, Sgt. Maj. (res.) Adam Bismut, 35, Sgt. Maj. (res.) Shay BitonHayun, 40, und Sgt. Maj. (res.) Daniel Kasau Zegeye, 38, s’’l.

Nachdem die beiden Gebäude zusammengebrochen sind, sah das Gelände aus, wie nach einem Erdbeben. Eine grosse Zahl an Soldaten war vor Ort und versuchte, unter den Trümmern Überlebende zu finden. Eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllte.

Für den rechtsextrem-nationalistischen Ben-Gvir sind die 21 gefallenen Soldaten der klare Grund dafür, dass«wir mit all unserer Kraft mit der Ausrottung, Zerstörung und Niederwerfung der Nazi-Feinde in Gaza weitermachen müssen. Ich hoffe, wir können das Testament unserer Söhne und Brüder, das in Blut geschrieben ist, erfüllen: die Hamas zu zermahlen und zu zerstören und die Geiseln zu befreien.» Wenn Ben-Gvir die Hamas als Nazis bezeichnet, was auch Netanyahu schon gemacht hat, dann soll das wohl abwertend klingen. Wenn er sich aber, wie in diesem Fall selbst der auffallendsten Nazi Blut- und Erde Terminologie bedient, dann hinterfrage ich doch sein eigenes Selbstbild. Für Oppositionsführer Yair Lapid sind die Gefallenen «Helden Israels, die das Land über alles geliebt und verteidigt haben.» Netanyahu sagte in einem ersten Statement: «Ich weiss, dass das Leben der betroffenen Familien nie mehr dasselbe sein wird. Im Namen unserer Helden sage ich: ‘Wir werden den Kampf bis zum absoluten Sieg weiterführen’!» 

Die IDF stürmte und zerstörte gestern eines der grössten Trainingslager der Hamas-Terror-Organisation im Norden des Gazastreifens. Die weitläufige Anlage umfasst nachgebaute Tunnelanlagen, einen Hindernisparcours, ein Schwimmbad, um Angriffe vom Meer aus zu simulieren, diverse Schiessanlagen und zahlreiche Verwaltungs- und Bürogebäude. Besonders aufallend ist ein nachgebautes Haus für den Häuserkampf.

Die IDF gab bekannt, dass Khan Younis völlig eingekreist ist und dass während der letzten Operationen dutzende Hamas-Terroristen eliminiert werden konnten. Khan Younis gilt als die grösste Hochburg der Hamas im Süden des Gazastreifens. Während ihres Vormarsches wurde die IDF immer wieder mit Hinterhalten, verminten Strassen und Gebäuden konfrontiert. 

Ein Misstrauensantrag, der von der Arbeiterpartei gegen den amtierenden PM eingebracht worden war, scheiterte mit bedauerlichen 18 Stimmen. Nicht an der Abstimmung teilgenommen hatte die gesamte Koalition. Sie hatten früher am Tag verlautbart: «Wir werden an keiner diesbezüglichen Abstimmung während des Krieges teilnehmen.» Die Parteivorsitzende Meirav Michaeli hätte sich diesen Vorstoss, der a priori zum Scheitern verurteilt war, schenken können. 

Der erste Entwurf der Insel aus dem Jahr 2017

Der britische, als typisch anti-israelisches Blatt verschriene ‘Guardian’ behauptete gestern, der neue israelische Aussenminister, Israel Katz, hätte vorgeschlagen, die Gazaner temporär auf eine künstlich zu erschaffende Insel vor der Küste Gazas zu evakuieren. Das habe der Minister während eines Treffens mit seinen EU-Kollegen während seines ersten Auslandbesuches als Aussenminister mitgeteilt. EU Aussenminister Joseph Borell hatte den israelischen Kollegen kritisiert, weil der sich nicht an das Thema des Treffens gehalten habe, sondern statt dessen über diese Insel im Mittelmeer und eine Bahnlinie zwischen Israel und Indien referiert habe. «Ich denke, der Minister hätte seine Zeit besser nutzen können, um sich um die Sicherheit seines Lands zu sorgen, über die hohe Zahl der Toten im Mittleren Osten und die hohe Todesrate in Gaza.» Katz hatte das Modell als Alternative zu einer Zwei-Staaten-Lösung in einem Video vorgestellt. Der Plan ist schon einige Jahren alt und stammt aus der Zeit, als er noch Transportminister war. Vorgestellt hatte er den Plan erstmals im Jahr 2017. Mit dem Festland sollte das ambitionierte Projekt durch eine Brücke verbunden werden. ‘Die Palme’ oder gar ‘die Erde’ in Dubai gleichen diesen Projekt gegenüber eher Sozialwohnungen. Wo allerdings da mehr als 2 Millionen Menschen wohnen sollen?????? Na ja, die anwesenden Minister waren nicht überzeugt und gingen zur Tagesordnung über. Aus dem Büro des FM war schnell zu hören, dass Katz nie etwas in dieser Art vorgeschlagen habe. Der erste Auslandseinsatz geriet zur Demonstration von mieser politischer Arbeit.

Die Hamas hat sich beklagt, dass die IDF erneut ein Spital in Khan Younis, das al-Khair-Spital gestürmt und das gesamte medizinische Personal festgenommen hat. Der palästinische Rote Halbmond hatte berichtet, dass auch ein anderes Spital mit Panzern umzingelt worden sei. Zu diesem Spital sei der Funkkontakt völlig abgerissen. 

Oppositionsführer Yair Lapid rief während seiner Fraktionssitzung Netanyahu dringend auf, sich an einen Tisch zu setzen und einen Termin für Neuwahlen festzulegen. «Es wird noch einen Monat dauern, noch zwei Monate. Am Ende wird es kommen. Es gibt genug Leute in Ihrer Koalition, die es nicht mehr aushalten.» Der Vorsitzende von Ysrael Beitenu, Avigdor Liberman übt sich in staatsmännischer Geduld. Das Vorpreschen der Arbeiterpartei mit einem Misstrauensantrag, sei derzeit nicht zielführend. «Das ist nicht die Zeit für jüdische Kriege und es ist unlogisch, eine Wahl mitten in einem Krieg abzuhalten. Sollen wir vielleicht eine Wahlbox in Khan Younis aufstellen?» Aber, so endete Liberman, jeder verantwortungsbewusste Politiker, wäre unmittelbar nach dem 7. Oktober zurückgetreten. Nur nicht Netanyahu.

Entgegen Netanyahus Ankündigungen, dass es einen eigenen Plan gebe, über den er aber nicht sprechen wolle, wurde gestern ein neuer Vorschlag Israels an die Hamas bekannt. Während einer zwei-monatigen Feuerpause sollen etappenweise alle noch in Gaza festgehaltenen Geiseln freigelassen und Leichname übergeben werden. Der Vorschlag sei über ägyptische und katarische Mediatoren an die Hamas übergeben worden. Im Prinzip hat sich an den bisherigen Vorschlägen nichts geändert. Einzig, dass die Zahl der freizulassenden palästinensischen Gefangenen und deren Namen im Vorfeld zwischen der Hamas und Israel genau abgesprochen werden müssen, ist eine Abänderung der bisherigen Prozedur. Eine weitere Änderung ist, dass nicht vorgesehen ist, alle 6.000 Gefangenen aus israelischen Gefängnissen freizulassen. 

Die Hamas hat gestern ein 16-Seiten Dokument veröffentlicht, in dem sie die Massaker vom 7. Oktober rechtfertigt. Sie selbst bezeichnet sich als ‘nationale Befreiungsgruppe’, die den ‘Kolonialismus’ Israels bekämpft und eine internationale Untersuchung der Vorfälle fordert. Das Dokument mit dem Titel ‘Our narrative: Operation al-Aqsa Flut’ richtet sich an ’arabische und islamische Nationen, sowie freie Völker weltweit’. In völliger Verdrehung und Verleugnung der Tatsachen stellt die Hamas die Geschichte der Palästinenser seit der Balfour Deklaration von 1917 dar. Die USA werden als Mitschuldige an allen ‘Vergehen Israels an den Palästinensern’ dargestellt. Die Massaker von 7. Oktober hätten nur darauf abgezielt, israelische Militäreinrichtungen zu zerstören und Soldaten festzunehmen. Weder von den mehr als 1.200 von den Hamas-Schlächtern ermordeten Israelis ist die Rede, noch von den 240 Verschleppten.  Es wird nur angedeutet, dass Israel die alleinige Schuld an den (nicht erwähnten) Opfern trägt. Von religiösen und moralischen Verpflichtungen der Hamas ist die Rede, von Verantwortung gegenüber Kindern, Frauen und älteren Menschen. Die Vertreibung der Juden aus islamischen Staaten im Jahr 1948 wird umgemünzt, dass dies das selbstverschuldete Ende eines jahrhundertelangen, sicheren Hafens für Juden gewesen sei. Das Schlusskapitel ist dem Aufruf gewidmet, den Widerstand zu unterstützen und zu erreichen, dass es keinerlei Waffenlieferungen oder andere Hilfe mehr für Israel geben soll. Das gesamte Dokument ist nichts als eine Aneinanderreihung von infamen Lügen, in der muslimischen Welt wird es aber sicher als Dokument des ‘palästinensischen Leides’ wahrgenommen werden und im Westen den Antisemitismus noch weiter befeuern. Auch die Hamas lebt von nützlichen Idioten.

Auch wenn es derzeit an der nördlichen Grenze zum Libanon gottseidank keine tödlichen Zusammenstösse gibt, so geht der Beschuss durch die Hisbollah doch ununterbrochen weiter. Täglich schrillen mehrfach die Sirenen in den Orten in Grenznähe. Die Bewohner dieser Orte sind weitgehend evakuiert. Ein Sprecher von ihnen sagte. «Wir werden so lange nicht zurückkehren, bis wir nicht sicher sein können, nicht das gleiche Schicksal wie die Bewohner aus der Umgebung des Gazastreifens erdulden müssen. Sie haben noch nicht einmal mehr Häuser, in die sie zurückkehren können.»

Anlässlich eines Hearings in der Knesset berichtete Aviva Sigel, 64, die gemeinsam mit ihrem Mann Keith, 62, am 7. Oktober nach Gaza verschleppt wurde, von ihren traumatischen Erfahrungen während der Geiselhaft. «Die Terroristen brachten Kleider für die Mädchen, die völlig unangemessen waren. Sie sahen alle aus wie Puppen und das war wohl auch beabsichtigt. So konnten sie mit ihnen machen, was sie wollten.» Sie fuhr fort: «Auch die Männer erlebten Ähnliches. Sie können nicht schwanger werden, das war der Unterschied. Irgendwas muss sich ändern. Ich würde am liebsten zurückgehen und die Mädchen schützen. So wie ich es auch gemacht habe, als ich bei ihnen war. Für mich waren sie wie meine Töchter.» Auch ihre Tochter Shir ergriff das Wort «Wo sind die Parlamentarier? Sie treffen die Entscheidungen, sie müssen die Geschichten hören. Haben sie Besseres zu tun, als hier zu sein? Die Mädchen werden vergewaltigt, in jeder Minute wird ein Mensch dort vergewaltigt. Es ist keine Zeit mehr, hier zu sitzen und nett miteinander zu plaudern. Was wäre, wenn das eure Tochter, euer Sohn wäre? Wie viel Leid können sie noch ertragen?» Shir war am Wochenende, an dem das Massaker stattfand, nicht in ihrem Heimatkibbutz Kfar Aza. Ihre Mutter wurde am 26. November freigelassen, ihr Vater befindet sich noch den Fängen der Terroristen. Von der stattgefundenen Entführung erfuhr sie, als die Terroristen auf Telegram ein Video hochluden, auf denen ihre Eltern in ihrem eigenen PKW nach Gaza verschleppt wurden. 

Die gute Nachricht: Zugegeben, heute fällt es schwer, eine gute Nachricht zu finden. Die jüdische Tradition hat mir auch hierbei geholfen. Morgen Abend beginnt der jüdische Feiertag ‘Tu biShevat’ (15. Shevat), auch bekannt als ‘Neujahrsfest der Bäume’. Dieser Feiertag geht zurück auf unseren grossen Rabbiner und Gelehrten Hillel, der ihn bereits im 1. Jahrhundert BCE benannte. Der Tag markierte früher das Ende der Regenzeit und damit den Beginn der idealen Pflanzzeit. Gemäss Halacha müssen Früchte die ersten drei Jahre nach der Pflanzung geschützt werden. Im vierten Jahr wurden sie als Opfer im Tempel dargebracht und dürfen erst im fünften Jahr geerntet werden. Man isst, wenn möglich, etwas von allen Früchten und Nüssen, die es in Israel gibt. Gerne werden auch die ersten Picknicks im Freien mit dem Pflanzen eines Baumes verbunden. 

Familienangehörige von Opfern des Musik-Festivals in Re’im, aber auch Schüler, Studenten, Mitglieder von religiösen Gemeinden, sowie Familien und Freunde der von der Hamas Ermordeten kommen an den Ort, wo das Festival stattfand, oder in andere Orte rund um den Gazastreifen. Sie pflanzen dort Bäume zur Erinnerung an ihre Liebsten. Sie pflanzen die Bäume aber auch, um aus der teils verbrannten Erde wieder neues Leben entstehen zu lassen. Sie wollen aber damit auch den Farmern ihre Unterstützung zeigen, die nach der Verwüstung ihrer Felder ihre Lebensgrundlage wieder völlig neu aufbauen müssen. 



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