15. Shevat 5784

Gestern am Abend begann Tu bi’Shvat, das Neujahrsfest der Bäume. Es ist ein fröhliches Fest, ein Fest für Familien und Freunde. Überall im Land finden Picknicks statt und, falls das Wetter diese Pläne vereitelt, werden landein landaus in den Häusern feierliche Mahlzeiten serviert, bei denen die Früchte des Jahres genossen werden. Wer kann, pflanzt einen neuen Baum. Der Cartoonist Shlomo Cohen hat es thematisiert. «Abba, der ist für dich!» sagt der kleine Junge auf dem Bild, in dem er neben dem frischaufgeworfenen Grab seines gefallenen Vaters den kleinen Baumsetzling sorgfältig einpflanzt. Möge der kleine Steckling gross und kräftig werden und über dem Grab des auf ewig vermissten Vaters seine Zweige ausbreiten.

In Kerak, einer Stadt in Jordanien, wurde vor kurzem eine neue ‘Fressbeiz’ eröffnet. Der Name dieses Etablissements, in dem ausschliesslich Schwarma verkauft wird, lautet «October 7» Die überwiegend kindlichen und jugendlichen Kunden können wahrscheinlich noch nichts mit diesem Datum anfangen. Doch ich wette, es wird nur wenig Zeit vergehen, bis sie in den Schulbüchern lesen werden, dass die Hamas an diesem Datum einen nie dagewesenen Sieg über die verhassten Zionisten und Juden errungen hat. Und natürlich, dass sie im Prinzip selbst schuld waren, dass es überhaupt so weit kam. Das volle Programm der antijüdischen Propaganda wird auf sie einwirken. Nota bene: Wir sprechen hier nicht von Syrien, dem Irak, dem Iran, Gaza, dem Yemen, Pakistan oder dem Libanon. Nein, wir sprechen von Jordanien, einem Staat, der ein Friedensabkommen mit Israel geschlossen hat und davon sehr profitiert. So liefert Israel die doppelte Wassermenge, nämlich 100 Millionen Kubikmeter, als vertraglich vorgesehen, an das extrem trockene Land. Dafür liefert Jordanien Strom an Israel. Aufgrund der immer deutlicher werdenden Israel-kritischen Haltung überlegt Israel, welche Massnahmen es als Reaktion ergreifen soll.
Minister Smotrich hat Katar bezichtigt, Israels Bemühungen, die Hamas zu eliminieren, zu untergraben. Katar kooperiere mit der Hamas Terror-Organisation, um den Krieg möglichst schnell zu beenden und die Geiseln weiter als Druckmittel zu behalten. Beides soll dazu beitragen, dass die Hamas nach wie vor die Herrschaft über den Gazastreifen behält. «Katar ist das grösste Hindernis für die Rückgabe der Geiseln. Wir könnten morgen alle 136 Geiseln bekommen, wenn Katar der Hamas ein Ultimatum stellen würde, alle Geiseln zurückzubringen, und wenn der Westen Katar ein Ultimatum stellen würde, dies zu tun.»

Eine Tonbandaufnahme lässt den Verdacht aufkommen, dass Netanyahu mit voller Absicht die Verhandlungen mit Katar sabotiert. Entweder er selbst oder einer seiner Mitarbeiter hat ein Band, welches bei einem Gespräch in seinem Büro geführt wurde, weitergegeben. Dazu muss man wissen, dass sämtliche in seinem Büro stattfindenden Gespräche aufgezeichnet werden. Die Gesprächsteilnehmer der Treffen mit Familien der Geiseln hingegen mussten ihre Handys abgeben. Welche Teile der Gespräche weitergegeben werden, liegt einzig in der Entscheidung Netanyahus. Auf diesem Band ist zu hören, wie er Katar als ‘schwierige Gesprächspartner’ bezeichnet und sie zutiefst beleidigt. Einer der Sprecher der Familie, Chaim Rubinstein, betonte: «Es ist unverantwortlich, ein solches Band mit einem derartig brisanten Inhalt zu veröffentlichen. Wir fordern, dass die Mitglieder des Kabinetts den Wahnsinn stoppen und verantwortungsbewusst handeln, um das Leben von 136 Israelis zu retten, die entführt wurden. Alles andere deutet auf den Verlust des Urteilsvermögens hin.» Rubinstein hatte sich dazu erst geäussert, nachdem aus Katar eine harsche Reaktion kam. Die Kataris zeigten sich ‘entsetzt’ und nannten die Aussagen Netanyahus ‘unverantwortlich’. Das Aussenministerium postete in seinem X-Account: «Wir sind entsetzt über die angeblichen Äusserungen, die dem israelischen Premierminister in verschiedenen Medienberichten über die Vermittlungsrolle Katars zugeschrieben werden. Sollten sich die angeblichen Äusserungen als wahr herausstellen, würde der israelische Premierminister den Vermittlungsprozess nur aus Gründen behindern und untergraben, die seiner politischen Karriere zu dienen scheinen, anstatt der Rettung unschuldiger Menschen, einschliesslich israelischer Geiseln, Priorität einzuräumen.»
Der australische Unternehmen BHP leitet mittlerweile sämtliche Schiffe von Asien nach Europa auf die längere Strecke rund um Afrika um und vermeidet die Fahrt durch das Rote Meer und den Suez-Kanal. Die Houthis haben in den vergangenen Tagen, sowie auch heute, immer wieder Frachtschiffe, darunter mehrere US-amerikanische, angegriffen. Auch Frachtschiffe aus Katar leiden unter den andauernden Angriffen. Die Lieferungen des von ihnen geladenen Flüssiggas verzögern sich durch den Umweg über den Süden Afrikas erheblich.
Zwei Drohnen sind heute Vormittag aus dem Libanon kommend in offenem Gelände in etwa sechs km von der Grenze entfernt eingeschlagen. Schäden wurden nicht gemeldet.
Nachdem es während der vergangenen vier Tage ruhig an der Grenze zwischen Gaza und Israel geblieben war, schrillten heute erstmals wieder die Raketen in den Ortschaften in der Nähe des nördlichen Gazastreifens.
Eine kleine Gruppe von Demonstranten, darunter auch Familienangehörige von Geiseln, versuchte heute am zweiten Tag in Folge, die Durchfahrt von LKWs mit Hilfsgütern für Gaza am Warenübergang Kerem Shalom zu blockieren.
Um die geplante Pufferzone zwischen Israel und den bewohnten Gebieten des Gazastreifens einzurichten, hat die IDF bereits etwa 40% der 2.284 Häuser zerstört, die sich weniger als einem km bis zur Grenze befinden. Die Zerstörungen betreffen vor allem die Stadt Khan Younis, wo die Aussenbezirke Richtung Israel besonders dicht besiedelt sind. In diesem Gebiet wurden etwa 60% aller Gebäude zerstört.

Generalstabschef Herzi Halevi hat seine Bemühungen, eine externe Untersuchungsgruppe zu bilden, nach Kritik aus dem politischen Umfeld vorerst eingestellt. Dieses Team sollte das operative Versagen der IDF im Vorfeld der Massaker vom 7. Oktober analysieren. Der Fokus der Untersuchungen sollte ausschliesslich auf den militärischen und nicht auf politischen Fehlentscheidungen liegen. Jedoch rief die Ernennung des ehemaligen Generalstabschefs und Verteidigungsministers Shaul Mofaz vor allem bei rechten Politikern der Koalition scharfe Kritik hervor. Sie befürchteten wohl, dass die Ergebnisse auch der Politik eine Mitschuld zuweisen könnten. Was nicht von der Hand zu weisen ist und auch den Tatsachen entspricht. Dass Mofaz immer schon ein Kritiker von Netanyahu war, ist unbedeutend, nicht alle Politiker sind so korrupt, wie einige Mitglieder der aktuellen Nicht-Regierung.

Thomas White, einer der leitenden Mitarbeiter der UNRWA in Gaza gab bekannt, dass die Zahl der Todesopfer nach dem Brand von gestern von neun auf 12 angestiegen ist. 15 Verletzte befänden sich in kritischem Zustand. In ersten Berichten hatte er gestern von ‘mehreren 10.000’ Flüchtlingen gesprochen, die in den Gebäuden Zuflucht gesucht hätten. So hatte das die Jerusalem Post weitergegeben. Das war eine Lüge! Kurz darauf korrigierte er selbst die Zahl auf 800 Flüchtlinge. Die Gebäude hätten nach einem Beschuss durch israelische Panzer Feuer gefangen. Er beschuldigte Israel nicht direkt, die Verantwortung für diesen Vorfall zu tragen, betonte aber, dass die IDF in den letzten Tagen ‘Operationen in der Region ausgeführt’ hätten. Seitens der IDF wurde betont, dass die Gebäude von der Hamas selbst beschossen worden seien. Das war ein Vorfall mit ‘friendly fire’ der Hamas.
Ein israelischer Staatsanwalt stellte sich hinter eine von Ben-Gvir getroffene Entscheidung. In der vergangenen Woche hatte das IRK verlangt, dass Israel ihm Informationen über die im Zuge des Krieges festgenommenen und in Israel einsitzenden Hamas-Terroristen aushändigt. Ben-Gvir hatte sich mit der Begründung: «Meine klare Politik ist vom ersten Moment an: humanitäre Hilfe im Austausch für humanitäre Hilfe. Wenn die Hamas Details über ihre verfluchten Terroristen wollen, dann sollten sie Details über unsere heldenhaften Geiseln weitergeben. Das ist eine logische, normale, moralische und legale Forderung, jedes normale Land würde das verlangen.» Für einmal kann ich die Gedanken von Ben-Gvir gut nachvollziehen.


Die gute Nachricht: Sarah Jackson, 88, ist eine Überlebende der Shoa. Am 7. Oktober rettete sie drei Israelis vor einem grausamen Schicksal. «Ich wohne gleich im zweiten Haus neben dem Eingangstor unseres Kibbutz Sa’ad.» Zwei junge Männer und eine junge Frau hatten eine wunderbare Nacht beim Nova-Musik-Festival im nahegelegenen Re’im verbracht.
Gegen 06:30 morgens begann die Katastrophe. Ein Alarm folgte auf den nächsten, erste Schüsse fielen, erste Menschen wurden vergewaltigt, ermordet, verschleppt. «Die Schüsse kamen von überall her. Wir rannten zum Auto und fuhren los. Als wir losfuhren, sahen wir eine Granate, die buchstäblich mehrere Meter von uns entfernt einschlug, alles war in Rauch aufgelöst, und wir fuhren davon.» Irgendwie gelang es ihnen, vorbei an brennenden Autos und am Boden liegenden Leichen den nur 2 km entfernten Kibbutz zu erreichen. Sie sahen, dass das Tor offenstand, liessen das Auto stehen und rannten los. Sarah stand vor dem Haus, wollte schauen, was los war und entdeckte die drei. Sie rief sie zu sich in ihr Haus. Sie verriegelten die Türe von innen, verbarrikadierten sie zusätzlich mit einem grossen Sessel und begaben sich in den Schutzraum. Sie überlebten alle. Auch dank einer gut funktionierenden Kibbutz-eigenen Schutzmannschaft, die die eindringenden Terroristen aufhielten, bis sie Unterstützung von der IDF erhielten.
Man kann sagen, sie hatten einfach nur Glück. Ohne das mutige Verhalten der alten Dame hätte es für sie, Lala Levi, 27, Ilya Pisatzkov, 34, und Benel Fransis, 25, aber auch ganz anders ausgehen können.
Kategorien:Israel
Hinterlasse einen Kommentar