Haftara: Richter 4:4 – 5:31
ב“ה
16. /17. Shevat 5784 26./27. Januar 2024
Shabbateingang in Jerusalem: 16:27
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:46
Shabbateingang in Zürich: 16:59
Shabbatausgang in Zürich: 18:08
Shabbateingang in Wien: 16:25
Shabbatausgang in Wien: 17:35
Endlich sind die Israeliten am Schilfmeer angekommen. Es war nicht der direkte Weg, um in das versprochene Land zu kommen, aber der sicherste. Gott kannte seine Kinder, wenn sie unterwegs mit den Ägyptern in einen Kampf verwickelt würden, würden sie wohl zurückkehren und alle Mühe wäre umsonst gewesen. Gott hatte sich einen guten Plan ausgedacht, wie er ohne GPS immer bei ihnen bleiben und ihnen den Weg weisen könnte. Nachts zog er als Feuersäule vor ihnen her und tagsüber als Wolkensäule. So konnten sie sicher ihren Weg fortsetzen. Mit Pharao aber hatte Gott etwas anderes im Sinn. Als Pharao die Mitteilung erhielt, die Israeliten seien geflohen, liess er sein gesamtes Heer antreten und verfolgte sie. Zum ersten Mal mucken die Israeliten gegen Moses auf. Sie hatten Angst, hier sterben zu müssen. Doch Moses, fest auf Gott vertrauend, forderte sie auf, einfach abzuwarten, was passieren würde, Gott sei sicher bei ihnen. Dann folgt die Szene, die wohl jedes Kind fasziniert hat, wenn es sie zum ersten Mal hört: Moses erhielt den Auftrag, seinen Stab zu erheben und so das Meer zu teilen. Die Wasser teilten sich und die Israeliten konnten fast trockenen Fusses auf die andere Seite gelangen. Pharao in seinem Zorn setzt sich an die Spitze seines Heeres und folgte ihnen. Sobald die Ägypter sich alle inmitten des trocken gefallenen Meeres befanden, schlugen die Wasser über ihnen zusammen und sie ertranken. Das erste der schönen Lieder in der Torah beschreibt die Szene «Das Lied des Meeres». Selbst Mirjam, die Schwester Moses, sammelte die Frauen um sich und sang! Ein einmaliges Ereignis! Nachdem die Israeliten sicher der Gefahr entronnen waren, begann das grosse Abenteuer der Wüstenwanderung. Und damit der weiteren Gefahren. Zunächst neigte sich der Vorrat an Wasser dem Ende zu und weit und breit gab es keinen Nachschub. Es gab nur einen Brunnen mit bitterem Wasser. Das Volk murrte erneut. Gott liess durch Moses das Wasser trinkbar machen. Das Volk zog weiter und gelangte zu einer Oase mitten in der Wüste Zin, wo es ausreichend Schatten und Wasser gab. Wieder murrte das Volk, diesmal, weil das Essen knapp wurde. Gott schenkte ihnen Manna in so ausreichender Menge, dass sie immer satt wurden. Na ja, satt schon, aber geschmacklich vielleicht keine Offenbarung. Gott schickte ihnen Wachteln, und so hatten sie abends eine fleischige und morgens eine vegane Mahlzeit. Das sollte ihre Diät während der kommenden vierzig Jahre bleiben. Während das Problem gelöst war, litten sie bald darauf, am nächsten Rastplatz, wieder unter Durst. Offenbar war die Unruhe diesmal so gross, dass Moses Angst hatte, die Israeliten würden ihn lynchen. Gott aber forderte ihn auf, mit seinem Stock auf einen Felsen zu klopfen. Prompt sprudelte eine nicht versiegende Quelle hervor.
Doch die Ruhe hielt nicht lange. Amalek, der Enkel Esaus, forderte die Wüstenwanderer zum Kampf. Auch hier schickte Gott die Rettung. Er wies Moses an, sich auf den Berg zu begeben und den Arm mit seinem Stock zu heben. Solange der Arm oben war, siegten die Israeliten, fiel er vor Müdigkeit hinunter, nutzten die Amalekiter ihren Vorteil. Als Moses zu müde wurde, um fortzufahren, setzten sie ihn auf einen Felsbrocken und stützten seine Arme. Mit dieser kleinen List gelang es den Israeliten, Amalek zu besiegen. Der Krieg zwischen den beiden Völkern aber, der wurde nie endgültig beigelegt.

In der heutigen Haftara lesen wir die Geschichte von Deborah. So wie im Wochenabschnitt der Torah lesen wir auch davon, dass das Volk Israel, das von König Jabin, dem Kanaaniter beherrscht wurde, sich in einer grossen Schlacht aus der Unterdrückung retten kann. Eine massgebliche Rolle spielt dabei Deborah, die gleichzeitig Prophetin und Richterin war. Das ist eine weitere Verbindung zum Wochenabschnitt. Die dritte Verbindung ist das Lied, dass Deborah nach dem Sieg anstimmt.
Es sieht fast so aus, als hätte man hier zwei Texte miteinander verknüpft, die inhaltlich gleichzeitig sehr ähnlich und sehr unterschiedlich sind. Die Ähnlichkeiten habe ich benannt. Was aber sind die Unterschiede? Zum einen ist es der Grund, warum es zum jeweiligen Kampf kam. Am Schilfmeer war es eindeutig die Rachsucht Pharaos, der es nicht ertrug, seine ‘Fronarbeiter’ verloren zu haben. Gott strafte Pharao für sein Fehlverhalten und sorgte dafür, dass die Ägypten den Israeliten nicht mehr gefährlich werden konnten. In der Wüste Zin, als die Israeliten auf Amalek trafen, ist der Grund für den Kampf nicht klar. Vielleicht ist es die Notwendigkeit, um die Vorherrschaft in einem möglicherweise lebenswerten Gebiet zu kämpfen. Vielleicht ist es aber auch der alte Bruderstreit, der hier noch einmal durchbricht.
Amalek wird zwar besiegt, der Kampf bleibt aber unterschwellig bestehen. In diesem Kampf, in dem Deborah und Barak, ihr Kriegsführer, gegen Sisera, den Heerführer des kanaanitischen Königs Jabin, kämpft, wird Sisera mit dem Tod bestraft.
Bei wem liegt hier die Schuld? Sisera hatte die Israeliten jahrelang, wie es heisst ‘grausam unterdrückt’, ähnlich der Situation, die sie in Ägypten vorgefunden hatten. So wie das ägyptische Heer den Israeliten weitaus überlegen gewesen war, so sehr war auch das Heer Siseras ihnen überlegen. Es ist zunächst nicht unmittelbar das israelitische Heer, das den Sieg davonträgt. Sisera stirbt durch die Hand einer Kanaaniterin. Erst dann, als der eigentlich Böse in Kanaan, Sisera, tot ist, kann Israel gegen Jabin vorgehen und ihn besiegen.
Bleiben noch die singenden Prophetinnen. Es war nicht üblich, dass Frauen ihre Stimme erhoben. In Augenblicken der überbordenden Freude tun sie es trotzdem. Mirjam, die ihren Bruder Moses als Baby gerettet hat und die sich nun über einen Erfolg und Sieg freut und Deborah, die sich mit ihrem Heerführer über den Sieg freut.
Alle drei Kämpfe, die das Überleben der Israeliten sicherten, wurden nur dank Gottes Hilfe möglich. Das dürfen wir nie vergessen!
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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