19. Shevat 5784
Wie zu erwarten, sind die Gespräche in Paris über eine erneute Vereinbarung zur Befreiung der Geiseln zunächst einmal ohne durchbrechenden Erfolg unterbrochen worden. Man zeigte sich aber nicht unzufrieden und bezeichnete den Verlauf als ‘konstruktiv’… Die Gespräche werden im Laufe der kommenden Tage fortgesetzt werden. Im Laufe des frühen Nachmittags wurde bereits bekannt, dass Israel den Vereinbarungen zugestimmt hat, die Zustimmung der Hamas aber noch aussteht. Das berichtete soeben Sky News.

Der israelische Präsident, Isaac Herzog, beklagte, dass der ICC mit der Anschuldigung des Genozids an Palästinensern Israel schwer diffamiert habe. Die Richter hätten seine Worte nach den Massakern vom 7. Oktober verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen. «Selbst auf persönlicher Ebene war ich empört über die Art und Weise, wie sie meine Worte verdrehten und sehr, sehr unvollständige und fragmentierte Zitate verwendeten, mit der Absicht, eine unbegründete rechtliche Behauptung zu untermauern.» Er bezog sich dabei vor allem auf eine falsch wiedergegebene Aussage, dass er alle Zivilisten im Gazastreifen als legitime Ziele der IDF ansehe. Im mit 15:2 angenommene Vorwurf, der nun weiter untersucht wird, wird behauptet, die Aussagen einiger Politiker, darunter auch von Herzog, könnten als ‘völkermörderische Absicht’ interpretiert werden. Die Kommentare wurden aus dem Text einer Pressekonferenz einfach zusammengeschnitten und kontextual umgedeutet. Da half es auch nichts, dass Herzog ebenfalls betonte: «Israel hält sich an das Völkerrecht und handelt nach dem Völkerrecht. Es gibt keine Entschuldigung dafür, unschuldige Zivilisten in irgendeiner Weise und in welchem Kontext auch immer zu ermorden.» Einige Tage später hatte Herzog den Journalisten mitgeteilt: «Aber ich fügte hinzu und betonte, dass für den Staat Israel und natürlich für mich persönlich unschuldige Zivilisten in keiner Weise als Ziele gelten. Es gibt auch unschuldige Palästinenser in Gaza. Es tut mir zutiefst leid für die Tragödie, die sie durchmachen. Vom ersten Kriegstag bis heute habe ich für sie humanitäre Hilfe angerufen und mich eingesetzt – und nur für sie. Dies ist Teil unserer Werte als Land.»

Die Sicherheitskonferenz in München, die heuer vom 16. – 18.02. stattfindet, gilt als eine der international wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art weltweit. Israel wurde in den vergangenen Jahren regelmässig eine zentrale Rolle bei den Vorträgen eingeräumt. In diesem Jahr wird das nicht so sein. Überraschenderweise wurde VM Yoav Gallant, der mit einer Delegation von Familien der Geiseln nach München reisen wird, angeboten, als Redner bei einer Podiumsdiskussion dabei zu sein. Auch den Familien wurde kein zentraler Platz eingeräumt. Ihnen wird nur die Möglichkeit eingeräumt, einen unbedeutenden eigenen Event zu organisieren, über den im Vorfeld praktisch nicht informiert wird. Wer trägt die Verantwortung für die Brüskierung der israelischen Delegation? Der Organisator der Konferenz und Deutschlands ehemaliger Botschafter bei der UN, Christoph Heusgen, identifiziert sich mit der Haltung von Antonio Guterres, der den Massakern der Hamas eine gewisse Legitimität zusprach. Heusgen verurteilt auch den Krieg Israel gegen die Hamas, weil «das Massaker Hamas nicht im luftleeren Raum verübt wurde.» Es ist hier leider nicht anders, wie in anderen Beziehungen, wer Freund ist und wer nicht, das zeigt sich in solchen Situationen.
Bei einem Drohnenanagriff der möglicherweise von radikalen, vom Iran unterstützten Gruppen, wurden drei US-Soldaten in Jordanien getötet und weitere 25 teils schwer verletzt. Dieser tragische Vorfall, von dem Jordanien festhält, er habe jenseits der jordanisch-syrischen Grenze stattgefunden, ist der erste seit Ausbruch des Krieges Israel gegen die Hamas. Die USA werden den Vorfall sehr genau untersuchen. US-Präsident Joe Biden erklärte: «Wir werden alle Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und zwar in einer uns entsprechenden Form.» Die USA haben eine stehende Truppe von 3.000 Soldaten in Jordanien. Sollte der Angriff tatsächlich auf jordanischem Territorium stattgefunden haben, so könnte sich daraus eine massgebliche Eskalation des status quo entwickeln. Bisher hatte es bis zu 150 Angriffe auf US-amerikanische Stellungen in Syrien und dem Irak gegeben.

Benny Gantz hat alle Hoffnungen auf ein rasches Ende des Krieges zerstört. Der Krieg, so betonte er, könne «zehn Jahre oder auch eine ganze Generation andauern.» Er hielt fest, dass «wir viel Zeit haben, die Hamas zu zerstören, aber die Zeit, die Geiseln zu befreien, läuft aus. Genau jetzt. Und das hat die höchste Priorität.» Gantz nimmt damit, völlig im Gegensatz zu Netanyahu, eine realistische Einschätzung vor. Er hofft, dass bis zum Sommer eine gewisse Ruhe und Sicherheit erreicht werden kann. Die Truppen, so betont er, werden in Kürze Rafah und damit die ägyptische Grenze erreichen. Der Kampf um den Philadelphia Korridor, einem strategisch wichtigen Streifen entlang der Grenze, wird nochmals ein sehr harter werden. Über diesen schmalen Landstreifen von 14 km Länge werden immer wieder Waffen in den Gazastreifen geschmuggelt.

Die IDF forderte heute am frühen Vormittag erneut die Bewohner einiger Gebiete in Gaza City auf, sich über die Küstenstrasse in den Süden des Gazastreifens zu evakuieren. Der Grund für die erneute Evakuierungsmassnahme ist, dass es erneut zu heftigen Kampfhandlungen im Stadtgebiet kommt. Um die Situation nicht noch weiter eskalieren zu lassen, werden wieder Kräfte der IDF in der Stadt stationiert werden. Währenddessen gehen die Kämpfe in Khan Younis ungehindert weiter. Einige Terrorzellen wurden mit Unterstützung der IAF eliminiert, Waffenlager und Raketenabschussrampen wurden zerstört. Nachdem am Wochenende die Aktivitäten der Hamas im nördlichen Gazastreifen wieder heftig zugenommen haben und der Beschuss von dort auf die Regionen nördlich der Grenze erneut verstärkt wurde, wurden auch wieder Truppenteile der IDF in diese Gebiete verlegt. Man geht davon aus, dass sich derzeit etwa 2.000 Terroristen dort befinden. Der für die kommenden Tage geplante Beginn der Rücksiedlung von evakuierten Bewohnern in den Norden des Gazastreifens verzögert sich deshalb bis auf Weiteres.
Ebenfalls heute Vormittag wurden die Bewohner in der Umgebung der beiden grossen Spitäler im Süden des Gazastreifens in Khan Younis aufgefordert, sich in die Sicherheitszone al-Mawasi zu begeben. Im Bereich der Spitäler haben sich die Kämpfe in den letzten Stunden verstärkt. Mitarbeiter des Roten Halbmonds haben beklagt, dass sie nicht in der Lage sind, verletzte Personen in dem Gebiet zu evakuieren, um sie zur Behandlung zu bringen oder auf Notrufe der Bevölkerung zu reagieren. Die IDF betonte, dass sie alle Massnahmen ergreifen wird, um die volle Funktionsfähigkeit beider Spitäler aufrecht zu erhalten und die Zivilbevölkerung zu schützen.
Auf Druck des US-Aussenministers Anthony Blinken hat Israel zugestimmt, einer UN-Delegation den Zutritt zum nördlichen Gazastreifen zu gestatten. Ziel des Besuches ist es, zu untersuchen, welche grundlegenden Bedürfnisse erfüllt werden müssen, bevor die Bevölkerung in den Norden zurückkehren kann. Aus Jerusalem kam die Zustimmung zu diesem Besuch, es wurden aber auch Bedingungen über den Verlauf gestellt. So muss die Delegation immer von einer offiziellen US-amerikanischen Begleitperson betreut werden. Ein Datum für die geplante Rückkehr dürfe daraus auch nicht abgeleitet werden.

Der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir forderte gestern auf der Versammlung ‘Siedlungen bringen Sicherheit’ in Jerusalem erneut, die ‘freiwillige’ Auswanderung der gazanischen Zivilbevölkerung zu unterstützen. Allerdings liess er es auch völlig offen, wohin sich die so Vertriebenen wenden sollten. Nur eine Wiederansiedlung Israels im ehemaligen Gush Katif Block könne Israel davor schützen, wieder mit erneutem und stärker werdendem Terrorismus konfrontiert zu werden, behauptete er. In seinen Ausführungen berief er sich, so wie es auch Netanyahu in den letzten Wochen vermehrt tut, auf die Torah. Das allerdings ist nicht beeindruckend, sondern eher der Ausdruck der Bigotterie dieser pseudo-religiösen Gruppe von israelischen Extremisten. Er wandte sich unter lauten Buh-Rufen seiner Freunde direkt an Netanyahu: «Es wäre eine Schande, wieder 15 Jahre zu warten, bevor wir nach Gush Katif zurückgehen. Jetzt ist die Zeit, nach Hause zurückzukehren, Siedlungen aufzubauen, die Todesstrafe für Terroristen einzuführen und unseren Sieg zu erringen.» An der Versammlung nahmen 12 Minister und 15 MKs der Koalitionsparteien teil. Busha! Shame on you!
Nach zahlreichen anderen Staaten haben sich gestern und heute auch Österreich, Estland, Rumänien und Japan entschlossen, die Gelder für die UN-Organisation UNRWA einzufrieren. Mittlerweile kommen die ersten Details zu den Vorwürfen gegen Mitarbeiter der UNRWA an die Öffentlichkeit. In einem Bericht, der in der New York Times veröffentlicht und der US-Regierung zur Verfügung gestellt wurde, kommen furchtbare Zusammenhänge ans Licht.

Die aktuell beschuldigten UNRWA Mitarbeiter wurden auf Grund der Überwachung ihrer Telefone identifiziert. In Textnachrichten wurden sie aufgefordert, sich am 7. Oktober an einem bestimmten Ort einzufinden und Handgranaten mitzubringen. 10 der Beschuldigten sind aktive Mitglieder der Hamas, einer gehört zum palästinensisch-islamischen Djihad, sieben arbeiteten als Lehrer für die Fächer Mathematik und Arabisch, zwei weitere hatten andere Funktionen an Schulen inne. Die restlichen drei waren je ein Angestellter, Sozialarbeiter und Lagerverwalter. Der Sozialarbeiter soll die Leiche eines Soldaten in den Gazastreifen gebracht haben, Munition verteilt und den Einsatz der Fahrzeuge koordiniert haben. Heute berichtet das Wall Street Journal (WSJ), dass von den etwa 12.000 Mitarbeitern der UNWRA allein im Gazastreifen wahrscheinlich 10% in irgendeiner Form mit der Hamas oder dem Palästinensisch Islamischen Djihad in Verbindung stehen. Insgesamt sollen etwa 50% aller Mitarbeiter Familienangehörigen mit engen Verbindungen zu den Terrororganisationen haben. Das WSJ beruft sich bei seiner Mitteilung auf Erklärungen verschiedener Sicherheitsdienste. «Das Problem ist nicht, dass es in der UNRWA ein paar ‘faule Äpfel’ gibt, die mit den Massakern vom 7. Oktober zu tun hatten. Die Organisation als Ganzes ist ein sicherer Hafen für die radikale Ideologie der Hamas.»
Die Islamischen Revolutionsgarden des Iran haben behauptet, ein Öl-Tanker mit zwei Millionen Liter Treibstoff an Bord im Persischen Golf gekapert zu haben. Das Schiff segelt unter der Flagge eines Landes Ozeaniens, wobei nicht klar wurde, um welchen Staat es sich handelt. Die Übernahme des Schiffes fand 100 km vor der Küste von Busheher im südwestlichen Iran statt. Die Revolutionsgarden behaupteten, der Transport sei illegal. Der erbeutete Treibstoff wurde der ‘National Petroleum Refining and Distribution Company’ übergeben.

Die Houthi-Rebellen gaben an, die USS Lewis B. Puller angegriffen zu haben. Das Schiff dient als schwimmende Landebasis für 4 Hubschrauber der US-Marine Spezialeinheit Navy Seals. Während eines Einsatzes gegen die Rebellen im Jemen verloren zwei der Seals ihr Leben.
Die Hisbollah beklagte gestern, dass drei ihrer Top-Mitglieder ‘auf der Strasse nach Jerusalem’ getötet worden sind. Dies ist eine Formulierung, dass sie während ihres Kampfes gegen Israel gefallen sind. Der Vorfall fand statt, als die IDF gezielt auf einen Beschuss aus dem südlichen Libanon reagierte und Stellungen der Terroreinheit zerstörte.
Am heutigen Vormittag wurden von der Hisbollah nach eigenen Angaben sogenannte Burkan Raketen R-17auf israelische Stellungen abgeschossen. Diese aus dem Iran stammenden Raketen, können bis zu 500 kg Sprengstoff transportieren, haben eine Reichweite von etwa 100 – 300 km und werden in der Regel von mobilen, auf LKWs montierten Rampen abgeschossen.
Auf Grund eines technischen Fehlers setzte in der Nacht eine abgestürzte Drohne der IDF ein Feld in Gedera, östlich von Ashkelon, in Brand.
Zum ersten Mal seit einem Monat gab es am Nachmittag wieder Raketenalarm in der Region um Tel Aviv und im Zentrum von Israel. Innerhalb weniger Minuten wurden 51 Alarme ausgelöst. In Rishon le Zion wurde ein Auto von Schrappnells getroffen und beschädigt, Personen kamen nicht zu Schaden.


Unterhalb eines Friedhofs in Khan Younis entdeckte die IDF einen gut ausgebauten Tunnel, der u.a. dem Kommandanten der Terror-Brigade ‘Khan Younis’ als Einsatzzentrale gedient hatte, von wo aus er die Massaker vom 7. Oktober geleitet hat. Der Tunnel verfügte über fliessendes Wasser, Strom, Belüftungsanlagen und sogar eine gut ausgestattete Küche. In anderen Teilen des Tunnels befanden sich Besprechungsräume und Schlafräume für Anführer der Terror-Organisation. Einige Terroristen, die sich im Tunnel befanden, wurden eliminiert, die Tunnelanlage anschliessend zerstört.

Die gute Nachricht: Wer von meinen kulturbewegten deutschen, österreichischen und schweizer Lesern bei der Erwähnung der ‘Schubertiade’ an Hohenems, den Bregenzerwald und Feldkirch denkt, muss ein bisschen umdenken. Seit 18 Jahren gibt es die ‘Israelische Schubertiade’, die seit vergangenem Freitag und noch bis zum 9. Februar an verschiedenen Orten in Israel stattfindet. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der vokalen Musik Schuberts. Aber auch Sonaten und instrumentale Gusto-Stücke der Kammermusik kommen zur Aufführung. Schubert verstarb jung, mit nur 31 Jahren. Wie bei so vielen jungen Männern damals, war eine nicht ausgeheilte Syphilis einer der Gründe für seinen frühen Tod. Hinzu kam eine akute Typhuserkrankung, die der Körper nicht mehr bewältigen konnte. Die Bedeutung seines umfassenden Werkes wurde erst nach seinem Tod anerkannt. Andere Vertreter der Romantik, wie Mendelssohn, Schuman, Liszt und Brahms, erkannten ihn neidlos als den bedeutendsten Künstler dieser Epoche an. Sein Leben allerdings verlief nicht sehr glanzvoll. Er verfügte über kein eigenes Einkommen und musste sich von seinem grossen Freundes- und Gönnerkreis unterhalten lassen. Mehrere angebotene Stellen als Musiklehrer schlug er aus. Erst nachdem er einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Gesellschaft und Kunstszene erreicht hatte, erhielt er ein regelmässiges, wenn auch bescheidenes Einkommen aus dem Verkauf seiner Kompositionen. Einen wichtigen Platz in seinen Werken nahm neben der weltlichen Musik die Kirchenmusik, mit Messen, Oratorien und Chormusik ein.
Mein persönliches Lieblingswerk von Schubert, die Winterreise, gesungen von Herman Prey (1928 bis 1998)
Kategorien:Israel
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