Krieg in Israel – Tag 126

30. Shevat 5784

UN-Generalsekretär Antonio Guterres besteht darauf, dass es keine Organisation gibt, die die UNRWA im Gazastreifen ersetzen kann. Auch wenn es Anschuldigungen gegen zahlreiche Mitarbeiter der Flüchtlingsorganisation gibt, die intensiv mit der Hamas zusammengearbeitet haben. Man findet diese Mitarbeiter der UNRWA unter Lehrern, Sozialarbeitern, und in anderen Berufsgruppen. Bei mindestens zwölf Mitarbeitern wurde der Nachweis erbracht, dass sie aktiv an den Massakern vom 12. Oktober mitgemacht und sogar bei der Planung beteiligt waren. Eine freigelassene Geisel hat berichtet, dass sie im Haus eines UNRWA Lehrers festgehalten wurde. Die Beweise sind erdrückend. Trotzdem will Guterres an der Arbeit der UNWRA im Gazastreifen festhalten. Keine andere Organisation könne, so eines seiner Argumente, eine derartig positive Kosten-Nutzen Bilanz aufweisen. Den Beweis bleibt er schuldig, ein grosser Teil der Einnahmen geht direkt an die Hamas. «Jeder Versuch, sie zu ersetzen, ist also nicht möglich.»

US-Präsident Biden fand erstmals in der Öffentlichkeit klare Worte zum Krieg Israel gegen die Hamas. Am Ende einer Pressekonferenz wurde er mit Fragen zu ‘Gaza’ und ‘Netanyahu’ konfrontiert, die er ungewohnt kritisch beantwortete. «In Gaza sterben eine Menge unschuldiger Menschen und das muss aufhören» betonte er ebenso, wie «Die Reaktion in Gaza ist übertrieben.» Es war nicht ganz klar war, ob die Äusserungen des Präsidenten sich auf die militärische Reaktion der Israelis oder auf die Ablehnung der Vorschläge zur derzeit diskutierten Vereinbarung über die Freilassung der Geiseln durch die Hamas bezogen. Eine erklärende Reaktion aus dem Weissen Haus blieb bisher aus. 

Während israelische Offiziere angekündigt haben, dass die Operationen der IDF in Khan Younis weitgehend abgeschlossen sind und man kurz davor steht, die Kampfhandlungen weiter in den Süden in das Gebiet um Rafah zu verlegen, warnen die USA. Auf seiner Pressekonferenz von gestern Abend hatte Netanyahu kundgetan, er habe seine (!) Truppen angewiesen, den bevorstehenden Einsatz in Rafah vorzubereiten. Seit wann ist es die Aufgabe Netanyahus, dem Militär Befehle zu erteilen? In einer Demokratie liegt das ausschliesslich in der Kompetenz der militärischen Führung. Der stv. Sprecher des US-Aussenministeriums, Vedat Patel, warnte, dass Washington noch keine ernsthafte Planung einer solchen Operation gesehen hat. «Eine solche Operation in einem Gebiet, in dem eine Million Menschen Zuflucht suchen, ohne Planung und mit wenig Überlegung durchzuführen, wäre eine Katastrophe.» Hoffentlich gelingt es US-Aussenminister Blinken und Generalstabschef Herzi Halvei noch, die Vernunft sprechen zu lassen und entsprechend zu handeln, bevor das Drama seinen Lauf nimmt.  Auf Netanyahu wird wohl niemand mehr ernsthaft rechnen dürfen. 

Der meistgesuchte Mann im Gazastreifen, Yahya Sinwar, hatte während der vergangenen zehn Tage keinerlei Kontakt mehr zur Aussenwelt. Weder zu den Mediatoren von Katar, noch zu den Ägyptern versuchte er Kontakt aufzunehmen. Das wurde aus Sicherheitskreisen in Israel bekannt. Ob sein Schweigen daran liegt, dass er andauernd auf der Flucht von einem sicheren Aufenthaltsort zu einem anderen ist oder ob einfach die technischen Probleme mit den Telefonverbindungen in Gaza der Grund waren, ist unbekannt. Auf jeden Fall dürfte der Vorschlag zu einer neuen Vereinbarung zur Befreiung der Geiseln aus diesem Grund nie bei ihm angekommen sein. Möglicherweise lag darin auch die Ursache für die deutlich verzögerte Antwort der Hamas, die erklärt hatte, er müsse seine Meinung dazu abgeben. 

Im Haus eines IDF-Reservisten in Hadera wurden gestern Abend Waffen und Ausrüstungsgegenstände der Hamas entdeckt. Nicht nur, dass die Gegenstände der Hams zugeordnet werden konnten, sie gehörten offensichtlich auch zu jenen, die von der Hamas von den Nukhba-Terroristen beim Massaker vom 7. Oktober getragen wurden. Unter den aufgefundenen Gegenständen befanden sich eine Kalaschnikow, zwei Messer, eine Hamas-Flagge, ein Stirnband und anderes. Die Polizei untersuchte die Wohnung, nachdem sie einen entsprechenden Hinweis von den Sicherheitsbehörden erhalten hatten. Sie wurde bewohnt von einem 33 Jahren alten Mann, der als Direktor einer Schule arbeitete, zu deren Gebäuden auch die Wohnung gehörte. Einem Bericht von Arutz 7 zu Folge hatte der Mann die Gegenstände aus Gaza mitgebracht, nachdem er seinen Reservedienst dort beendet hatte. Er bezeichnet sie der Polizei gegenüber als ‘Kriegssouvenir’, welches er verkaufen wollte.

Am späten Abend gab es erneut einen Beschuss mit etwa 30 Raketen aus dem südlichen Libanon, die alle im freien Feld niederfielen. Die IDF reagierte sofort. Es gab keine Schadensmeldungen. Die vom Libanon abgeschossenen Raketen waren allesamt auf die Stadt Meron im nördlichen Galiläa gerichtet. 

Am heutigen Vormittag löste ein anfliegendes verdächtiges Flugobjekt den Alarm in Haifa aus. Die IDF konnte das Objekt über dem Meer neutralisieren. Haifa ist ein besonders sensibles Gebiet, wenn es durch Beschuss durch die Hisbollah Schaden nimmt. Einerseits sind es die Raffinerie- und Chemieanlagen, die im nördlichen Stadtgebiet liegen. Bei einem Beschuss und anschliessender Explosion wären zigtausende Menschen gefährdet, da der Norden von Haifa dicht besiedelt ist. Zum anderen ist es der Hafen, der grösste in Israel, der nicht nur Frachtschiffe abfertigt, sondern auch eine der bedeutenden Marine-Basen ist. Haifa ist auch der grösste zivile Hafen, in dem jährlich zahlreiche Kreuzfahrtschiffe für einen oder zwei Tage liegen. Ein Treffer eines solchen Schiffes mit einigen tausend Personen an Bord, wäre eine internationale Katastrophe. Seit 2021 wird im Hafen von Haifa der Container-Terminal von der «Shanghai International Port Group»betrieben. Der Hafen gehört seit der Übernahme durch die Chinesen, die auch der drittgrösste Handelspartner Israels sind, zu den umweltfreundlichsten ihrer Art. Teilweise durch die Hintertür hat sich China immer mehr im israelischen Binnenmarkt eingenistet. China gehört nicht zu den Freunden Israels. Es ist ein für den Markt interessanter Geschäftspartner, aber kein Garant für den Frieden. Seit dem 7. Oktober hat sich das Land konsequent auf die Seite der Palästinenser gestellt. Der Iran ist der wichtigste Geschäftspartner Chinas. China, traditionell und auf Grund seiner religiösen Struktur nicht antisemitisch, hat auch den Antisemitismus für sich entdeckt. Ist es also ein Wunder, dass die Vermutung naheliegt, dass die Mullahs schon lange jede genaue Koordinate der Industrieanlagen in Haifa kennen. Übrigens, der Vertrag mit China wurde von Netanyahu gegen die Sicherheitsbedenken des damaligen US-Präsidenten Trump abgeschlossen. In dem Fall wäre auch ein Referendum angebracht gewesen.

Nun muss ich für einmal Asterix zitieren: «Die spinnen, die Hamasniks!» Die Hamas-Führung in Gaza verlangt etwas, was logistisch nicht machbar ist und auch von den Spendern der Lieferungen nicht erfüllt werden wird. 1.000 (!) LKWs mit humanitären Hilfsgütern sollen ab sofort täglich (!) in den nördlichen Gazastreifen gelangen. Das gilt, bis alle Auswirkungen des Krieges auf die Zivilbevölkerung behoben sind. Im Hamas eigenen Medienbüro veröffentlichten sie: «Wir fordern sofort die Einfahrt von 1.000 Lastwagen pro Tag in den nördlichen Gazastreifen, bis er sich von der Hungersnot und ihren Auswirkungen erholt hat.» Zahlreiche neutrale Berichterstatter aus dem Gazastreifen haben immer wieder berichtet, dass die Bevölkerung zwar keine Produkte erhält, die in den Bereich der Luxus-Lebensmittel gehören, dass aber absolut keine Hungersnot droht oder gar schon herrscht. Trotz immer wieder erfolgten Evakuierungsaufforderungen durch die IDF leben derzeit noch geschätzte 350.000 Menschen im Norden des Gazastreifens. 

Der israelische VM Yoav Gallant hat einen Plan vorgelegt, mit dem verhindert werden soll, dass in den Gazastreifen gelieferte Waren von der Hamas konfisziert werden und nicht an Zivilbevölkerung verteilt werden. Die Lieferungen sollen unmittelbar an den Grenzübergängen Erez und Karni im Norden des Gazastreifens an gazanische Verteiler übergeben werden, die mit Bewilligung der IDF durch eigene, bewaffnete Kräfte geschützt werden. Bisher gab es noch keinen Widerspruch zu dem Plan. 

Die gute Nachricht: Die drei grossen Hamburger Ketten in Israel, McDonald, Burger-Ranch und Burgerim haben beschlossen, ihre Produkte nur mehr mit Fleisch entsprechend den Koscher Richtlinien, zu verkaufen. Nachdem das Militärrabbinat entsprechende Anfragen von zahlreichen Soldaten erhalten hat, die sich nur strikt koscher ernähren, haben die drei Ketten zugestimmt, ihr Angebot entsprechend anzupassen. Trotzdem werden nicht alle Filialen die Vorschriften erfüllen können, weil sie entweder am Shabbat geöffnet sind oder sowohl Milch- als auch Fleisch-Gerichte anbieten. Aber immerhin ist ein Anfang gemacht. Es sollte doch möglich sein, in Zukunft beiden Ansprüchen gerecht zu werden. Das sollte dann nur eine Frage des Standortes und der genauen Deklaration sein. 



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