Krieg in Israel – Tag 127

01. Adar I 5784

Die IDF musste gestern zugeben, dass Yossi Sharabi, 53, s’’l, der als Geisel in Gaza festgehalten wurde und dessen Tod bereits im Januar bekannt wurde, wahrscheinlich durch einen tragischen Unfall sein Leben verlor. Eine intensive Überprüfung seiner Todesursache ergab, dass die IAF ein Gebäude angriff, ohne zu wissen, dass er im Nachbarhaus festgehalten wurde. Das Gebäude kollabierte als Folge des Beschusses. Im gleichen Gebäude befanden sich auch Itay Svirsky, 38, s’’l, und Noa Argamani, 26. Nach vorliegenden Untersuchungsergebnissen wurde Svirksy jedoch von Hamas-Schlächtern ermordet. Argamani soll, so die letzten Informationen, noch leben. 

Die Hamas erklärte am heutigen Vormittag, dass eine Stürmung und Einnahme von Rafah Tausende von zivilen Opfern, Tote und Verletzte, fordern werde. Die Stadt ist derzeit überfüllt mit Evakuierten, die aus dem Norden und dem zentralen Gazastreifen nach Süden evakuiert wurden. Hamas betonte, dass sie die USA, die internationale Gesellschaft und natürlich Israel dafür verantwortlich machen werden. Saudi-Arabien, derzeit noch nicht ganz sicher, unter welchen Bedingungen sie Gesprächen mit Israel zustimmen sollen, hat gestern eindringlich ‘vor den äusserst gefährlichen Folgen eines Angriffs auf die Stadt Rafah im Gazastreifen’ gewarnt: «Rafah ist der letzte Zufluchtsort für Hunderttausende von Menschen.»

Seit Beginn der Bodenoffensive wurden von der IDF die sterblichen Überreste von mehr als 350 Toten aus dem Gazastreifen, die während der Kriegshandlungen ihr Leben verloren, nach Israel gebracht. Im ‘Nationalen Zentrum für Forensische Medizin’ in Abu Kabir, nahe Jaffa, wurden die Leichen untersucht, um festzustellen, ob sich unter ihnen die sterblichen Überreste von israelischen Geiseln befanden. Die Leichen wurden von der IDF im Januar in verschiedenen Friedhöfen exhumiert. Ob sich bei dem aufwändigen Identifizierungsprozess verstorbene Geiseln befanden, wurde nicht bekannt. Die sterblichen Überreste wurden anschliessend wieder nach Gaza zurückgebracht, um sie dort erneut beisetzen zu lassen. 

Falls die Geschichte stimmt, die derzeit vom Palästinensischen Roten Halbmond verbreitet und von ausländischen Medien begeistert aufgegriffen wird, so wird die IDF ein tragisches Fehlverhalten erklären müssen. Hind, ein sechsjähriges Mädchen, sei gemeinsam mit ihrem Onkel und ihrer Tante, sowie deren drei Kindern in einem Auto im südlichen Gaza City unterwegs gewesen. Dort seien sie unter Beschuss durch Panzer der IDF geraten. Warum sie die Fahrt nicht fortsetzten, oder sich als Zivilisten zu erkennen gaben, ist nicht bekannt. Die offizielle palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa berichtete, dass der Vorfall bereits vor zwei Wochen stattgefunden habe. Dem Bericht zu Folge habe Hind, sowie auch ihre ältere Cousine, stundenlang versucht, beim Rettungsdienst Hilfe anzufordern. Während der Telefonate seien Schüsse zu hören gewesen. Die Ambulanz hätte erst nach Stunden losfahren können, weil angeblich das Gebiet unter andauerndem Beschuss lag. Als das Rettungsfahrzeug sich bis auf wenige Meter dem Fahrzeug hätte nähern können, sei es selbst gezielt beschossen und die beiden Rettungskräfte dabei erschossen worden. Erst jetzt sei es der Familie gelungen, sich auf die Suche nach dem Verbleib des Autos zu machen, nachdem die IDF das Gebiet verlassen hat. Sie fanden das mit zahlreichen Einschusslöchern übersäte Fahrzeug und darin sechs Leichen. In unmittelbarer Nähe befand sich angeblich auch der völlig ausgebrannte Rettungswagen. Die Story wirft wieder einmal mehr Fragen auf, als dass sie einem sachlichen Bericht gleicht. Die IDF hat bisher noch keine Stellung abgegeben, ich bin aber sicher, dass es sich um eine ‘gut verpackte’ wenn auch sehr traurige PR-Meldung der Hamas handelt.

Netanyahu hat seinem Kriegskabinett mitgeteilt, dass ihm auf Grund des internationalen Drucks nur ein Monat Zeit bleibt, um den Militäreinsatz in Rafah durchzuführen und zu beenden. Rafah gilt als die letzte Hochburg der Hamas-Terroristen im Gazastreifen. Auch die letzten vier, nach Aussagen Netanyahus noch handlungsfähigen Bataillone, dürften sich im Stadtgebiet aufhalten. Seiner Meinung nach muss die Operation vor Beginn des Ramadans, der in diesem Jahr am 10. März beginnt, abgeschlossen sein. IDF Generalstabschef Herzi Halevi stellte klar, dass die IDF bereit sei, mit der Operation zu beginnen, aber dass es zunächst eine Regierungsentscheidung brauche, welche Lösungen es für die Menschen gibt, die dort Schutz gesucht haben. Eine weitere Regierungsentscheidung sei notwendig, was genau für den Philadelphi Korridor geplant ist. Ägypten wartet voller Bedenken auf die weiteren Pläne Israels. Sie wollen auf jeden Fall vermeiden, dass Gazaner über Rafah nach Ägypten und von da in den Sinai fliehen könnten. Pläne für die Evakuierung der Zivilbevölkerung aus Rafah gibt es, sie wurden aber bisher nicht veröffentlicht.

Fast 80% der 132 Familien, die nach dem Massaker den Moshav Shokeda verlassen hatten, sind am Donnerstag in ihre Heimat zurückgekehrt. Bei aller Freude zeigte sich der Bürgermeister, Efraim Luzon, besorgt. «Einerseits war die Rückkehr nach Hause eine grosse Freude, andererseits wissen wir, dass dieser schicksalhafte Krieg noch nicht vorbei und noch nicht gewonnen ist, mit allem, was das für den Staat Israel und das Volk Israel bedeutet.» Zunächst wurde eine verspätete Feier zu Tu Bishavt abgehalten, es wurden Bäume als Symbol des Neubeginns gepflanzt. Dann wurde in den Gärten der Rasen gemäht und verwelkte Blumen abgeschnitten. Einige Familien mussten noch ihre Laubhütten abbauen. Das Massaker hatte am letzten Tag des Laubhüttenfestes stattgefunden, man war schnellstmöglich evakuiert worden, hatte sprichwörtlich alles stehen und liegen lassen.  Shokeda liegt mehr als vier km von der Grenze zu Gaza entfernt. Deshalb plant die Regierung die Kosten für die Notunterbringung in Hotels im kommenden Monat nicht mehr zu übernehmen. Truppen sichern den fragilen Frieden, Schulen und Kindergärten in der Region sind bereits geöffnet.

Die gute Nachricht: Mia Mazur, 21, ist einfach nur stolz. Soeben hat sie sich ihren grössten Wunsch erfüllt. Sie hat die Qualifikation für die Winter-Weltspiele von Special Olympics in Turin im Jahr 2025 geschafft! 

Am 2. Februar gewann sie den Riesenslalom bei den Winterspielen in Thüringen. Diese werden von Special Olympics Deutschland durchgeführt. Neben dem Gastgeberland starten immer bis zu fünf weitere Nationen als Gäste. In diesem Jahr kamen die Athleten aus Österreich, den Niederlanden und Israel. Israel ist ja nun nicht das Wintersport Land per se.

Natürlich wir sind stolz auf unser kleines, aber feines Skigebiet am Hermon im Golan. Obwohl ausgerechnet in diesem Jahr die Wetterbedingungen hervorragend sind und es so viel Schnee gibt, wie schon lange nicht mehr, ist das Resort auf Grund der Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah geschlossen. Auf der Webseite des Resorts heisst es ganz einfach: «Due to security reasons the resort is closed». Auch wenn die Israelis gerne Skifahren, Wintersportwettbewerbe gibt es hier keine. Mia hat das Skifahren schon mit zehn Jahren für sich entdeckt, als sie mit ihrem Vater und den drei Brüdern regelmässig nach Europa in den Skiurlaub flog. 

Der Aufenthalt in Deutschland war nicht nur aus sportlicher Sicht sehr erfolgreich für Vater und Tochter. Am 7. Oktober war einer ihrer Brüder in einem der Kibbuzim, als das Massaker der Hamas so viele Menschenleben kostete. Er konnte sich verstecken und überlebte. Dieses Trauma hat natürlich auch Auswirkungen auf Mia. 

Mia ist Autistin, mit anderen zu kommunizieren fällt ihr schwer, vor allem, wenn es um Gefühle geht. 

In der Gruppe der Athleten, in der sie in Thüringen lebt, verursachte ihre kommunikative Einschränkung keine Sonderstellung. Hier war sie einfach eine der Sportler, die ihr Bestes geben und siegen wollen. 

Und das ist ihr geglückt! Kol HaKavod!

Im vergangenen Jahr hat Mia die Highschool abgeschlossen. Jetzt kehrte sie für einen Tag an ihre alte Schule zurück, um von ihrem Aufenthalt in Deutschland und von den Wettkämpfen zu berichten. Ihre ehemalige Lehrerin, meine Nichte Dana, erzählte, dass sie sehr stolz ihre Goldmedaille um den Hals trug. Dana erzählte auch, dass Mia für ihren Sport lebt, wenn sie davon erzählt, so tut sie das voller Enthusiasmus.

Derzeit absolviert Mia ihren Zivildienst im nahegelegenen Kibbutz Ma’agan Michael. Was sie nach den Olympischen Spielen machen wird, weiss sie noch nicht. Bis dahin wird sie jede freie Minute nutzen, um sich darauf vorzubereiten. Auch ohne Schnee gibt es genug Trainingsmöglichkeiten. Ich wünsche ihr schon heute viel Erfolg in Turin!



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