Haftara: Könige I 5:26 – 6:13
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7./8. Adar I 5784 16:/17. Februar 2024
Shabbateingang in Jerusalem: 16:46
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:04
Shabbateingang in Zürich: 17:32
Shabbatausgang in Zürich: 18:38
Shabbateingang in Wien: 16:59
Shabbatausgang in Wien: 18:06

In der vergangenen Woche endete die Torah-Lesung damit, dass Moses für 40 Tage und Nächte zu Gott auf den Berg Horeb hinaufstieg, um dort die Bundestafeln zu erhalten. Heute beginnt die Lesung damit, dass Gott von jedem „den sein Sinn dazu bewegt“ eine Abgabe erbittet. Nicht fordert, wie es heute bei Gemeinden üblich ist. Er gibt klare Anweisungen, was er sich als Abgabe vorstellt und für was er sie verwenden wird. Nach einem genauen Plan soll eine Lade hergestellt werden. Eine Truhe, in denen die Gesetzestafeln ruhen sollen. Unter den Israeliten muss es wahre Künstler gegeben haben. Aus dem goldenen Deckel sollen sie zwei kunstvolle Figuren herausarbeiten: Zwei Cherubim, die, wenn man sie betrachtet, wohl ein leichtes Schwindelgefühl auslösen, so kompliziert ist die Darstellung. Zur Truhe passend soll auch ein Tisch gebaut werden, der als fester Unterbau dient, wenn die Truhe ruht und nicht mit dem Volk mitzieht. Leider sind beide Gegenstände nicht mehr auffindbar, es gibt Vermutungen, wo sie sich befinden könnten, aber wir wissen es nicht genau. Das gilt auch für das dritte Kunstwerk, die Menora. Dank der präzisen Anweisung können wir sie heute nachbauen. Der letzte Hinweis, wo sich das Original befindet, ist die Abbildung des Triumphzuges der Römer nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 CE am Titusbogen in Rom. Weiterhin gibt Gott genaue Anweisungen, wie sein ‚mobiles Haus‘, das Stiftszelt, aussehen und hergestellt werden soll. Dieses Zelt soll ihm als Heimat dienen, bis am Ende der Reise in Jerusalem der erste Tempel als fester Wohnsitz dienen soll. Eine genaue Replik, denn auch hier haben wir die exakten Bauvorschriften, findet man im Timna-Park in der Nähe von Eilat. Das letzte Detail gilt dem Altar, auf dem die Priester die Opfer darbringen sollen und den Geräten, die dafür vorgesehen werden. Nichts bleibt, wie wir erkennen, dem Zufall überlassen.
Die Haftara dieser Woche sieht die Israeliten bereits in Jerusalem. König Salomon war im 10. Jahrhundert BCE der Herrscher über das gesamte Gebiet vom Euphrat bis an die Küste und bis hinunter nach Ägypten. Er war nach Saul und David der dritte König und der Erbauer des ersten Tempels. Salomon, von Gott mit grosser Weisheit ausgestattet, trat das Erbe seines Vaters an. David hatte viele Kriege führen und deshalb den Bau des Tempels immer wieder verschieben müssen. Salomon jedoch lebte in einer friedlichen Zeit. Der Tempel sollte ein festes Bauwerk werden, dazu brauchte er viel Holz. Um das zu bekommen, schloss er mit Hiram, dem König des Libanon, einen Kaufvertrag über eine grosse Menge von Zedern- und Zypressenholz ab. Es war ein mündlich abgeschlossener Vertrag auf Gegenseitigkeit. Hiram lieferte Holz und erhielt von Salomon Weizen und Öl, um den Hof für ein Jahr zu versorgen. Wie wir wissen, war Salmon ein weiser Mann. Um das Holz zu schlagen, schickte er Arbeiter in den Libanon. Nach einem Monat harter Arbeit durften sie sich zwei Monate zu Hause erholen. Entsprechend ging er auch bei Lastträgern und Steinhauern vor. Seine Arbeiter wurden dabei von den Arbeitern Hirams unterstützt. Salomon stattete den Tempel prächtig aus, hielt sich an alle Vorgaben und benutzte nur die besten und wertvollsten Materialien.
Noch bevor das Gebäude fertig war, sprach Gott zu Salomon: „Dieses Haus, das du baust, – wenn du meinen Geboten gehorchst und auf meine Vorschriften achtest und alle meine Befehle ausführst und befolgst, dann werde ich an dir das Wort wahr machen, das ich zu deinem Vater David gesprochen habe. Dann werde ich inmitten der Israeliten wohnen und mein Volk Israel nicht verlassen.“ Es klingt kein Lob aus diesem Gotteswort, eher eine Mahnung, es ist wieder eine der „wenn…….dann“ Sätze, mit denen Gott die Israeliten auffordert, einzuhalten und sich genau zu überlegen, was zu tun ist.
Aber was ist es, was uns so befremdlich anmutet? Ist es nicht eine erfreuliche und wichtige Aufgabe, den Tempel für Gott zu bauen? Das Werk zu vollenden, was dem Vater vorher nicht gelang? In der Torah Lesung spüren wir Stolz und Freude, jeder will dazu beitragen, das Stiftszelt so prächtig wie möglich zu bauen. Die Beiträge sollen von Herzen kommen, niemand wird zu etwas gezwungen. Und jetzt? Salomon bestimmt Fronarbeiter, die nichts anderes tun können, als die Befehle zu befolgen. Auch wenn die Arbeitsbedingungen recht human sind, sie werden nichts verdienen können und müssen schauen, dass sie in den zwei Monaten daheim, die erlittenen Verluste wieder aufholen, damit ihre Familien überleben können. Nicht genug damit, Salomon bestimmt auch Aufseher und benannte sogar einen Fronvogt, den er über alle Arbeiter stellte, der sie kontrollierte und wenn nötig auch bestrafte. Diese Position übergab er an Adoniram, dem Steuereintreiber, der schon unter seinem Vater David gearbeitet hatte.
Traut Salomon seinem Volk so wenig, dass er glaubt, es könne keine Begeisterung zeigen und umsetzen, um sich die Liebe Gottes zu erringen? Oder traut er ihm nicht, aus Angst, er könne auf ihren Widerstand treffen, wenn er sie einladen würde, sich an den Arbeiten aktiv zu beteiligen? Oder ist das eine unbekannte Seite des Mannes, von dem wir wissen, dass er ‚weise‘ ist.?
Auf jeden Fall ist diese Einstellung befremdlich. So hat es wohl auch Gott gesehen. Denn erst, nachdem er Salomon ermahnt hat, wird der Tempel fertiggestellt.
Was lernen wir aus der Haftara? Wenn man die Wahl hat zwischen freiwilliger Mitarbeit und erzwungener Leistung, so führt allemal die Freiwilligkeit sicherer ans Ziel. Wenn auch vielleicht mit einigen Pausen, weil jeder gibt, was er kann, ohne sich dabei selbst aus den Augen zu verlieren. Und weil der Beschenkte aus einer freiwillig erbrachten Gabe grössere Freude schöpft als aus seiner erzwungenen.
Das galt nicht nur zur Zeit Salomons, sondern das gilt auch heute noch!
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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