Exodus, Tezawe 27:20 – 30:10

Haftara: Hesekiel 43:10 – 27

ב“ה

14./15. Adar I 5784                                                    23./24. Februar 2024 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:52

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:09

Shabbateingang in Zürich:                                                                17:43

Shabbatausgang in Zürich:                                                               18:48

Shabbateingang in Wien:                                                                  17:10

Shabbatausgang in Wien:                                                                 18:17

Die Auferweckungsvision des Propheten

In der vergangenen Woche haben wir die genaue Bauanleitung für das Stiftszelt, sozusagen den mobilen Tempel, erhalten und auch erfahren, wie dieses prächtige Zelt finanziert werden sollte. In dieser Torah-Lesung lernen wir zunächst, dass im Tempel ein ewiges Licht brennen soll, als ewige und ständige Erinnerung der Israeliten an den Vertrag, den Gott mit ihnen geschlossen hat. Wir nehmen das heute einfach so als selbstverständlich hin, frischgepresstes Olivenöl gibt es in jedem besseren Lebensmittelgeschäft auch in bester Qualität. Doch damals war es keine Selbstverständlichkeit, die Olivenbäume brauchen zwar nicht allzu viel Pflege, aber Gott verlangte nichts anderes als die beste Qualität. Viel später im Jahr, anlässlich des Chanukkafestes werden wir erneut und mehr zu diesem Thema hören.

Der nächste Absatz beschäftigt sich mit dem prachtvollen Gewand der Priester. Es sind nicht einfach Gewänder, die nur optisch etwas hergeben sollen. Nein, jeder Teil der Kleidung muss eine bestimmte Voraussetzung erfüllen. Und natürlich sind auch hier, wie beim Stiftszelt, die verwendeten Materialien nur vom Allerfeinsten. Jedes Detail hat eine Aufgabe, nichts wird dem Zufall überlassen. Von kleinen Goldglöckchen ist die Rede. Vor wenigen Jahren fand man tatsächlich ein solches Glöckchen in einem Entwässerungsgraben nahe der Altstadtmauer. Ein weiterer Beweis, wie lange unsere Anwesenheit, Kultur und Religion in Jerusalem verankert ist. Auch Purpur sollte für die Einfärbung der Stoffe verwendet werden. Gewonnen aus dem wertvollen Farbstoff der Purpurschnecke. 10.000 Schnecken wurden benötigt, um 1 kg Wolle einzufärben. Natürlich waren nur die Gewänder der Priester so prächtig!

Wie Aaron und seine Söhne zu Priestern eingesetzt wurden, welche Opfer für sie dargebracht wurden, das sind die Inhalte der nächsten Absätze unserer Torah-Lesung.

Die heutige Haftara ist in weiten Teilen eine detailgenaue Wiedergabe der Baupläne für den Tempelbau und die anschliessende Weihezeremonie des Altars. Nur die ersten drei Verse haben einen anderen Inhalt. Sie spiegelt die Prophetie, die Hesekiel von Gott erhielt. Hesekiel lebte im 6. Jahrhundert BCE im babylonischen Exil. Es ist eine der grossen Visionen, die den Propheten in die Zukunft blicken lassen.

Gleich zu Beginn im Vers 43:10 finden wir den Begriff «ben Adam», Menschensohn, den wir auch später, im Vers 43:18 noch einmal finden. Was könnte er mit dem Begriff meinen? Die Aufforderung: «Vergegenwärtige dem Haus das Haus, auf dass sie sich ihrer Sünden schämen.» wendet sich mit seiner dringenden Aufforderung nach Einsicht an die ‘Menschenpriester’, die dem Haus Israel das Haus [Gottes] als Sinnbild für den Tempel zeigen sollen. Sie sollen erkennen, wie oft sie sich gegen Gott versündigt haben. Nicht zuletzt trug dieser Unfrieden untereinander, der unbegründete Hass auf den anderen, sinat chinam, nicht unerheblich zur Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels bei. Der Prophet ist sich sicher, dass das Volk sich schämen wird. Und er fordert die Priester weiterhin auf, ihnen das Haus, also den Tempel, in all seinen baulichen Einzelheiten vor Augen zu führen. Natürlich meint er nicht das physische Gebäude damit, welchen Sinn würde es machen, sie aufzufordern, die Architektur zu verinnerlichen. Was er meint, ist die Struktur des Bundes, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Deshalb heisst es in Vers 40:11: « … und schreib es auf vor ihren Augen, auf dass sie seine ganze Gestalt und alle seine Gesetze bewahren und sie ausführen.» Im folgenden Vers fasst er die gesamte Lehre Gottes in einem fast jubelnden Satz zusammen: «Hinauf auf die Höhe des Berges, sein ganzes Gebiet. Nach allen Seiten, nach allen Seiten ist er das Heiligtum der Heiligtümer! Siehe, das ist die Lehre des Hauses!» Die Menschen sollen sich, nachdem sie alles verinnerlicht haben, dem höchsten Glück zuwenden, das Gott ihnen verspricht, wenn sie sich an seine Gebote und Satzungen halten. 

Erst wenn das alles zum Wohlgefallen Gottes geschehen ist, wenn alle Opfer von ihm angenommen wurden, oder wenn heute, nachdem es keine Tempelopfer mehr gibt, die Menschen durch Taten, Verhalten und Gebete den Weg zurückgefunden haben, dann wird Gott wieder in ihrer Mitte leben.

Sinat chinam, gibt es das auch heute? Welche Auswirkungen könnte heute grundloser Hass und Unfrieden untereinander haben? Es gibt keinen Tempel mehr, der zerstört werden könnte. Religion ist Privatsache geworden, die nicht-orthodoxen Synagogen und Lehrhäuser mutieren oft zu sozialen Clubs. Sinat chinam, gibt es das heute überhaupt noch? Leider  ist er wieder da, mehr denn je. Denken wir an den steigenden Antisemitismus, denken wir an Apartheid, denken wir aber auch an den ganz alltäglichen Neid.

Sie können unsere Gesellschaft nachhaltig zerstören.

Wir müssen dringend einhalten und auch wir müssen uns bemühen, zu verinnerlichen, was Moral und was Ethik ist.

Shabbat Shalom



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