Krieg in Israel – Tag 143

 17. Adar I 5784                                                                                    

Netanyahu ist der dienstälteste Politiker in Israel. Allein als PM hat er 16 Jahre versucht, der Knesset vorzustehen. Vor allem in den letzten Monaten, seit Beginn seiner jetzigen Amtszeit bläst ihm heftiger Gegenwind ins Gesicht. Dann kam der 7. Oktober. Netanyahu war mit Sarah in den Ferien im Panda Hotel in Neve Ativ, als er die Nachricht vom Überfall der Hamas auf den Süden des Landes erhielt. Er war, so wie auch Geheimdienst, Militär und Sicherheitskräfte, überrascht und ratlos. Nach und nach übernahmen einzelne hochrangige Personen ihren Teil der Verantwortung und kündigten an, sofort nach dem Ende des Krieges zurücktreten zu wollen. Nur Netanyahu schwieg und schweigt bis heute. Er verschob jede Stellungnahme auf ‘den Tag danach’.Tami Elashvili, die Entwicklerin einer Methode zur Analyse von Menschen anhand ihrer Gesichtszüge, sagt zu zwei ihm vorgelegten Aufnahmen vom 28. September 23 und vom 31. Januar 24: «Seine Augenbrauen sind so dünn, dass sie praktisch nicht mehr vorhanden sind. Dies deutet auf die Folgen eines schweren Traumas hin. Die Augen sind nach oben gehoben, der untere Teil ist weiss, was auf den starken Druck hinweist, unter dem er derzeit steht. Die Seiten der Lippen zeigen einen grundsätzlichen Pessimismus. Die Augen hängen herab und verengen sich. Emotional ist er zerrüttet. Das breite und kantige Kinn, das vor dem Krieg für Menschen mit wichtigen Führungsaufgaben charakteristisch war, ist geschrumpft.» Er hat drastisch an Gewicht verloren, auch seine Haare sind stark ausgedünnt. «Das Bild zeigt, dass er emotional und geistig sehr zerstreut ist und nicht weiss, wie er die Dinge angehen soll, und dass er sich in einem Strudel befindet. Er ist emotional, technisch und geistig in einem schlechten Zustand.» Genau diesen Eindruck vermittelt Netanyahu überall, was zeigt, dass er nicht mehr geeignet ist, das Land zu führen. 

Das Kriegskabinett hat gestern Abend einen Evakuierungsplan für die palästinensische Zivilbevölkerung aus den südlichen Kampfgebieten im Gazastreifen vorgelegt. Der zweite vorgelegte Plan betrifft die künftige operative Strategie für die Offensive auf Rafah. Ein dritter Punkt ist die Sicherstellung der humanitären Hilfe für den südlichen Gazastreifen mit der Notwendigkeit, dass Plünderungen, wie sie derzeit im Norden an der Tagesordnung sind, unterbunden werden. Demzufolge treibt Israel die Offensive gegen Rafah voran, versucht aber, auf Druck der USA sie so lange zu verzögern, bis die Sicherheit der Zivilisten gewährleistet ist. 

Nachdem es bereits gestern hiess, die Delegation zur Teilnahme an den weiteren Verhandlungen sei bereits nach Katar abgereist, wurde die Abreise spät am gestrigen Abend wieder dementiert. Sie werde, so die letzte Nachricht, erst im Laufe des heutigen Montags abreisen. Gleichzeitig wurde auch widerrufen, dass sie mit deutlich mehr Verhandlungskompetenzen ausgestattet seien. Sie sollen wieder, wie bereits in der letzten Runde, nur als Beobachter am Tisch sitzen. Netanyahu hat unterdessen neue Bedingungen gestellt. So sollen alle entlassenen palästinensischen Gefangenen nach Katar deportiert werden. Zusätzlich verlangt er vor weiteren Verhandlungen eine aktuelle Liste, welche Geiseln noch am Leben sind. Das klingt ganz danach, als hätte er sich in seiner Hexenküche wieder neue Finten ausgedacht, wie er jeden Fortschritt torpedieren kann. Im Kriegskabinett scheint er aber mit dieser Taktik allein da zu stehen. Die restlichen Mitglieder drückten ihre Zustimmung aus. Senior-Mitglieder der Hamas-Terrorgruppe, Sami Abu Zuhri, bezweifelt in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass «die Aussagen von Netanyahu Zweifel aufkommen lassen, ob Israel überhaupt an einem Deal zur Freilassung der Geiseln interessiert ist. Er ist jedenfalls nicht daran interessiert, ein solches zu erreichen.» 

IDF-Sprecher Daniel Hagari gab im Wall Street Journal eines seiner beeindruckend aufrichtigen Statements ab. Er sagte, wie wir alle wissen, dass die Hamas und andere Terrorgruppen sich so tief in die zivile Gesellschaft eingegraben haben, dass der Krieg ein aussergewöhnlich komplexer ist, und dass die Soldaten ihn ‘schweren Herzens’ führen. Sie sind sich der hohen Opferzahlen, Zivilisten auf der einen und Soldaten auf der eigenen Seite bewusst. «Die Armee hat während der vier Monate seit Beginn der Bodeninvasion in Gaza festgestellt, dass die Hamas ihre Terrorinfrastruktur als Teil ihres menschlichen Schutzschildes systematisch innerhalb und unter zivilen Gebieten in Gaza eingebettet hat. Sie operiert daher nur gezielt in zivilen Gebieten und sichere Zonen, um Angriffe zu verüben.» Er beklagte auch, dass Schulen, Moscheen, Krankenhäuser und internationale Institutionen konsequent von der Hamas für ihre terroristischen Aktivitäten missbraucht werden. Von der IDF als sichere Gebiete deklarierte Zonen werden umgehend von der Hamas infiltriert und zu einer neuen Kampfzone gemacht. Die Terroristen tragen meist Zivilkleidung, so dass sie von der tatsächlichen Zivilbevölkerung optisch nicht zu unterscheiden sind. Das Ziel der IDF sei klar umrissen: sicherstellen, dass der 7. Oktober sich nie mehr wiederholt, unsere Geiseln heimzuholen und die Hamas zu zerschlagen. Es sei nicht das Ziel, den Gazastreifen zu zerstören und die Bevölkerung zu vertreiben. 

UNWRA-Chef Philippe Lazzarini beklagte, dass «die drohende Hungersnot in Gaza eine absichtlich herbeigeführte ist und diese noch abgewehrt werden kann, wenn grössere Mengen an Lebensmitteln in den Gazastreifen gelangen könnten.» Die UNRWA, so Lazzarini, sei am 23. Januar das letzte Mal in der Lage gewesen, Nahrungsmittel in den nördlichen Gazastreifen zu liefern. Er lügt wieder einmal wie gedruckt, verdreht Tatsachen und erfindet neue ‘Realitäten’. 

Auch das ‘Gesundheitsministerium’ der Hamas warnt vor einer humanitären Katastrophe im nördlichen Gazastreifen. Zwar hat die IDF die Bewohner immer wieder dringend aufgerufen, in den Süden zu gehen, aber es leben immer noch Tausende Menschen im nördlichen Gaza.  Den Krankenhäusern sollen die notwendigen Treibstoffe ausgehen, um medizinische Kühlschränke und Generatoren zu versorgen. Auch der Treibstoff für die Ambulanzen nähere sich seinem Ende. Im Süden des Gazastreifens ist die Versorgungslage etwas besser, weil dort der Zugang zu den Hilfslieferungen geringfügig einfacher ist. Auch die Unterbringung der Evakuierten in Zelten trägt zur Verschlechterung der Lage bei. Nachdem der nördliche Grenzübergang Karin kurz vor der Wiedereröffnung steht, sollte die Versorgung im Norden sich deutlich verbessern. 

COGAT hat heute bestätigt, dass ein grosser Konvoi von LKWs mit humanitären Hilfsgütern für den nördlichen Gazastreifen über das südliche Israel unterwegs ist. «Es gibt keinerlei Beschränkungen, wie viele Güter an die Zivilbevölkerung geliefert werden können.» 

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Cpl. Ori Megidish wurde am 7. Oktober von den Hamas-Terroristen in den Gazastreifen verschleppt und später in einer leider bisher einzigartigen Operation von einer Spezialeinheit der IDF befreit. Sie gehört zu den Aufklärungseinheiten im Militärstützpunkt Nahal Oz. Heute wird sie auf eigenen Wunsch wieder in den aktiven Dienst zurückkehren, allerdings nicht mehr zu ihrer alten Einheit. Sie wird in der Direktion des militärischen Nachrichtendienstes eingesetzt werden. Yishar koach! Heute Vormittag gab es

Raketenalarm in der Industriezone der Stadt von Afula. Afula liegt etwa 50 südlich der Grenze zum Libanon und ist damit das am weitesten entfernte Ziel, das unter Beschuss der Hisbollah geriet. Auch in den Drusendörfern auf dem Golan wurden Alarme ausgelöst. Als Gegenschlag beschoss die IAF die Luftverteidigungsgruppe der Hisbollah, die etwa 100 km nördlich der Grenze, in Baalbeck, stationiert ist. Neben dem Beschuss auf Afula gab es heute noch einen weiteren Angriff auf ein im Inneren des Landes gelegenes Ziel, eine Boden-Luft-Rakete konnte vom Abfangsystem ‘Davids Sling’ erfolgreich neutralisiert werden, Teil der Abfangraketen schlugen in der Nähe einer Synagoge in Kfar Tabor ein. 

Das rabiate und äusserst aggressive Vorgehen gegen friedliche Demonstranten am Samstagabend wirft ein sehr negatives Bild auf die israelische Polizei. 21 Demonstranten wurden vorübergehend grundlos festgenommen und im Laufe der Nacht wieder freigelassen. Mindestens vier Personen wurden verletzt. Und nicht etwa, weil sie im Gedränge gestolpert waren.Nein, ein Mann wurde von einem berittenen Polizisten mit dem Zügel so heftig geschlagen, dass er zu Boden ging, eine Frau wurde beim Überqueren der Strasse von einem Pferd verletzt. Zwei weitere erlitten durch den gezielten ad hominem Einsatz mit Wasserwerfern Augenverletzungen. Die Pferde wurden von ihren Reitern gewaltsam auf die Gehsteige und gegen die Demonstranten gelenkt, an Mauern gedrängt und so am Weitergehen behindert.Es war nicht nur ein Polizist, der unnötige Gewalt anwendete, die Gewalt war flächendeckend zu beobachten.An der Demonstration nahmen auch freigelassene Geiseln und Familien von noch in Gaza festgehaltenen Geiseln teil. Halten wir den Beamten zugute, dass sie einzelne Personen nicht erkannten. Jedoch die völlig fehlende Zurückhaltung und offensichtliche Inkompetenz, oder muss man schon sagen, der offensichtliche Unwille, die Demonstration, die bewilligt war, ohne Gewalt in ruhige Bahnen zu lenken, spricht Bände.Der Zorn der Bevölkerung auf die schlechteste Regierung aller Zeiten, ich nenne sie Nicht-Regierung, ist berechtigt. Das Schicksal der seit 143 Tagen in Geiselhaft vegetierenden Menschen kennt niemand. Die Regierung hat offensichtlich auch das Interesse daran verloren, sich für eine schnelle Freilassung einzulassen. Statt sich endlich ihrer Verantwortung zu stellen, kleben sie an ihren Sesseln in der Knesset und in den erstaunlich wohldotierten Kommissionen.Den berechtigten Zorn kann dieser rabiate Polizeieinsatz nicht eindämmen. Im Gegenteil. Die Demonstrationen werden immer grösser werden.Doch warum ist aus einer ehemals gut funktionierenden und geschulten Sicherheitsorganisation ein völlig aus den Fugen geratenes Monster geworden? Wer hat es geschafft, aus dem ehemals korrekten und kompetenten Polizeichef Kobi Shabtei einen Hampelmann zu machen, der sich den völlig irren Vorstellungen seines Chefs, des rechtsextrem-nationalistischen Ben-Gvir kritiklos unterwirft?Der Mann, der Chaos propagiert, weil er glaubt, damit Stimmen zu gewinnen, der das Chaos schon nach Judäa und Samaria gebracht hat und auch vor der Altstadt von Jerusalem nicht Halt gemacht hat, der plant jetzt, Tel Aviv mit Chaos und innerjüdischem Terror zu überziehen. Und das darf nicht geschehen.Ben-Gvir hat von Netanyahu viel Geld bekommen, um sich eine private Schlägertruppe aufzubauen, die vor allem in Judäa und Samaria, aber auch im Zentrum von Israel als schnelle Eingreiftruppe immer für seine Kommandos bereitsteht. Die Polizei von Israel darf dazu nicht verkommen!Ben-Gvir muss so schnell als möglich nicht nur als der derzeitigen Knesset, sondern komplett aus der Politik ausgeschlossen werden. Ganz so, wie sein grosses Vorbild Meir Kahane, der 1988 wegen ‘Aufstacheln zum Rassismus’ aus der Politik entfernt wurde. Der Mann richtet nur Schaden an! 

Die gute Nachricht: Seit dem 7. Oktober hat es zahlreiche ‘Kriegstrauungen’ gegeben. Trauungen, die schon lange für ein bestimmtes Datum geplant waren und solche, die sich eher spontan ergaben. Bei den meisten Brautpaaren sind beide derzeit in der IDF aktiv, als reguläre Soldaten oder als Reservisten. Die Chuppa findet meist auf einer Militärbasis statt. Die Kollegen gestalten die Feier liebevoll, mit Musik, einem feinen Essen und allem, was dazugehört. Mit dabei sind neben den Kollegen selbstverständlich Freunde und die Familien und, wie man sieht, auch das Gewehr! Ich wünsche diesem und allen anderen jungen Paaren, dass der Krieg bald vorbei ist und sie dann gemeinsam in ein langes, gesundes und frohes Leben starten können! Mazal tov!



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