Haftara: Könige I 7:51 – 8:21
ב“ה
5./6. Adar II 5784 15./16. März 2024
Shabbateingang in Jerusalem: 17:07
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:24
Shabbateingang in Zürich: 18:14
Shabbatausgang in Zürich: 19:19
Shabbateingang in Wien: 17:42
Shabbatausgang in Wien: 18:48
In der Torahlesung dieser Woche geht es weiter mit dem Innenausbau des Stiftszeltes. Heute sind es der Altar für die Brandopfer und alle Gerätschaften, die detailliert beschrieben werden. Dann mussten die Abrechnungen vorgenommen werden. Ordnung musste sein, auch schon zu dieser frühen Zeit. Niemand sollte überfordert und niemand vergessen werden.
Nachdem der irdische Wohnsitz Gottes zur allgemeinen Zufriedenheit und auch von Gott wohlwollend angenommen war, erhielten jetzt die Priester ihre prachtvollen Gewänder. Ähnlich prachtvoll, wenn auch nicht so farbenfroh sind heute nur mehr die Gewänder der sephardischen Oberrabbiner.
Was noch an abschliessenden Arbeiten durchzuführen war, wurde unter den gestrengen Augen von Moses durchgeführt, der darauf achtete, dass alle Wünsche Gottes wortgetreu umgesetzt wurden.
Moses wurde nun von Gott instruiert, den allerletzten Feinschliff durchzuführen und dann, quasi als Einweihungszeremonie, alles zu salben und heilig zu machen, um den Einzug von Gott vorzubereiten.
Anschliessend sollten Aaron und seine Söhne ihren Dienst im Stiftszelt antreten und Gott als Priester dienen.
Als alles vorbereitet war, senkte sich die Wolke des Herrn über das Zelt und Gott bezog seine irdische Wohnstatt. Diese Wolke wurde zur Kommunikation zwischen Gott und den Israeliten. Stieg sie morgens auf, so brachen die Israeliten auf, senkte sie sich herab, so wussten sie, dass es Zeit war, ihr Lager aufzubauen. Stieg sie einmal nicht auf, so wussten sie, dass ihnen ein Ruhetag bewilligt wurde. Leuchtete aber in der Nacht über ihnen ein Feuer, so konnten sie unbesorgt unter den schützenden Augen Gottes weiterwandern.
Mit dieser Torahlesung endet das zweite Buch Moses.

Auch die Haftara beschreibt die Fertigstellung eines Gotteshauses. Allerdings entstand das viel später in Jerusalem als Tempel des König Salomons. Salomon selbst bringt alle Tempelschätze und füllt damit die Schatzkammern. Das wertvollste Stück aber, die Bundeslade mit den von Gott diktierten Gesetzen, die auch für uns heute noch Gültigkeit haben und die als das erste bekannte Grundgesetz der Menschheit gelten können. Bisher hatte er sie in der Stadt Davids, am südlichen Ende des Tempelbergs aufbewahrt.
Salomon liess die Ältesten der zwölf Stämme zu sich rufen. Gemeinsam mit den Priestern und den Leviten trugen sie die Bundeslade, aber auch das nun überflüssig gewordene Stiftszelt und alles, was dazu gehört hatte, hinauf auf den Berg, wo der Tempel sich in seiner vollen Pracht erhob.
Anschliessend wurden Brand- und Dankopfer dargebracht, um diesen Tag so feierlich wie möglich zu begehen. Der Prophet Jesaja legte Gott in seinen Büchern Gott die Worte in den Mund: «Der Gestank eurer nutzlosen Gaben ist mir ein Gräuel!» Unverständlich, dass Gott, der diese Opfer selbst eingeführt hatte, so spricht. Es ist Gott, der in dem Moment unzufrieden mit seinem Volk ist. Das Volk, das er so geliebt hat, hat sich immer wieder gegen ihn aufgelehnt und sich gegen ihn versündigt. So ruft er sie auf, mit den bösen Taten aufzuhören, sich zu reinigen und zu ent-sündigen. Wenn sie das tun, so wird er sie wieder in Liebe annehmen.
Ja, Gott hat es nie leicht gehabt mit uns, recht schnell musste er erkennen, dass wir ein stures, verstocktes Volk sind. Trotzdem war er immer wieder bereit, in Liebe auf uns zuzugehen.
Doch zurück zu heutigen Haftara. Die Bundeslade und alles, was zum Stiftszelt gehört hatte, fand seinen Platz im Tempel. Als alles bereits war, senkte sich erneut die Wolke, die wir schon aus der Zeit der Wüstenwanderung kennen, auf den Tempel herab. In der Haftara sagt Salomon: «Der Herr hat die Sonne an den Himmel gesetzt, er selbst will aber im Dunkeln wohnen.» Ein seltsamer Satz, den der König an diesem frohen und glücklichen Tag spricht. Der Sinn dahinter erschliesst sich nur bei genauem Hinsehen. Es ist nicht das Dunkel, das Gott bevorzugt, sondern das Unsichtbare, Verborgene. So wie er für Moses im Dornbusch nicht sichtbar wurde und auch erst dann an ihm vorbeischritt, als sicher war, dass Moses ihn nicht sehen und erkennen würden. «Ich bin der ich bin.» Der vage, nicht greifbare und doch ständig präsente Gott.
Der, von dem wir im beliebten Lied Adon Olam singen:
«וְהוּא הָיָה, וְהוּא הֹוֶה, וְהוּא יִהְיֶה, בְּתִפְאָרָה. –
ER war – ER ist und ER wird sein in seiner Herrlichkeit! »
Das wollen wir nie vergessen, diese ewige liebende Präsenz Gottes, die uns einhüllt und schützt.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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