Krieg in Israel – Tag 162

6. Adar II 5784

Die gestern in Gaza angelandete erste Lieferung von Hilfsgütern, die vor einigen Tagen von Larnaca lossegelte, wurde komplett abgeladen und wird nun von ‘World Central Kitchen’ (WCK) zur Verteilung vorbereitet. Insgesamt handelt es sich bei diesem Pilotprojekt um fast 200 t Lebensmittel. Damit die Anlandung problemlos vor sich gehen konnte, wurde aus Bauschutt ein provisorischer Steg gebaut, an dem der Lastkahn, der neben dem Schiff angedockt war, problemlos festmachen konnte. Die zweite Lieferung hat am heutigen Nachmittag den Hafen von Larnaca verlassen.

Nicaragua hat beim ICC eine Anklage gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht, in der das Land beschuldigt wird, den ‘Völkermord’ gegen die Palästinenser zu erleichtern, indem sie Israel im Krieg gegen die Hamas unterstützen. Deutschland sei «…seiner Verpflichtung nicht nachgekommen, alles Mögliche zu tun, um den Völkermord zu verhindern.»Unter anderem wird der Bundesrepublik vorgeworfen, durch die Einstellungen der Zahlungen an die UNRWA dazu beigetragen zu haben. Der ICC gab bekannt, dass die Anhörungen dazu am 8. und 9. April stattfinden werden.

Bei einem der seltenen Treffen zwischen Hamas- und Houthi-Führern wurde besprochen, wie die Aktionen gegen Israel besser miteinander koordiniert werden können. Beide Terrororganisationen gehören zu den vom Iran unterstützten Gruppen, zu denen auch die libanesische Hisbollah und irakische Milizen gehören. Der Ort, an dem das Treffen stattfand, wurde nicht bekannt. Neben eigenen Massnahmen zur Stärkung des ‘Widerstandes’ wurden auch andere Probleme, wie die bevorstehende Offensive gegen Rafah diskutiert.

US-Präsident Joe Biden ging gestern auf die ‘gute Rede’ ein, die Chuck Schumer im Senat gehalten hatte und in der er den sofortigen Rücktritt von Netanyahu forderte. Schumer hatte Netanyahu als einen der vier Haupthindernisse für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern genannt. Die anderen drei Hindernisse sind laut Schumer: Die rechtsradikale israelische Regierung, PA-Präsident Dr. Mahmoud Abbas und die Hamas. «Er hat eine gute Rede gehalten. Er äusserte ernsthafte Bedenken, die nicht nur er, sondern viele Amerikaner teilten», sagte Biden und fügte hinzu, dass seine Mitarbeiter im Voraus von Schumers Büro über die Rede informiert worden seien. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats betonte jedoch, dass die Israelis selbst zu entscheiden hätten, ob Wahlen abgehalten werden sollen, oder nicht. Schumer, selbst jüdisch, hatte in seiner Rede auch betont: «Wir lieben Israel in unseren Herzen. Was Israel meiner Generation seit der lebendigen Erinnerung an den Holocaust bedeutet hat, lässt sich nicht ermessen. Das Aufblühen des jüdischen Volkes in der Wüste aus der Asche des Holocausts und die Erfüllung des Traums einer jüdischen Heimat – nach fast zweitausend Jahren des Betens und Wartens – ist eines der tiefsten Anliegen meines Lebens.» In Jerusalem und vor allem von Netanyahu war die Rede äusserst kritisch bewertet worden. 

© Amos Biderman, Haaretz. „Das Kriegskabinett tagt, Gantz lässt Sa’ar nicht in de Raum“

Die Verhandlungen für die Vereinbarungen zur Geiselfreigabe wird aller Wahrscheinlichkeit nach am Sonntag in Doha fortgesetzt. Das gaben ägyptische Nachrichtenquellen bekannt. Trotz der Ablehnung der bisherigen Vorschläge wurden die Verhandlungen zwar immer wieder unterbrochen, aber nie ganz stillgelegt. Man hofft daher, dass es doch noch zu einer gegenseitig akzeptierten Formulierung kommt. Das Kriegskabinett wird noch heute Abend nach Ausgang vom Shabbat zusammentreten, um zu beraten, mit welchen Kompetenzen der Chef des Mossad, David Barnea, ausgestattet werden soll. Anschliessend wird der ausgearbeitete Vorschlag dem Sicherheitskabinett vorgelegt.

Nachdem die Houthi-Terroristen über zumindest eine funktionsfähige Hyperschall-Rakete verfügen, planen sie, diese in ihr Waffenarsenal aufzunehmen. Sie haben die Rakete, die bis zu Mach 8 = 9878.4 m/h erreicht, bereits getestet. Mit der Rakete wollen sie den Radius ihrer Angriffe dramatisch vergrössern, und damit Schiffe angreifen, die den Umweg über das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas nehmen, um den Angriffen der Houthis auszuweichen. Der wirtschaftliche Schaden wird sich für die Frachtunternehmen, die den längeren Weg um Afrika herum in Kauf nehmen, nochmals dramatisch erhöhen. Der offizielle Slogan der Houthis lautet: «Allah ist der Grösste, Tod für Amerika, Tod für Israel, ein Fluch über die Juden, Sieg für den Islam.»

Die gute Nachricht: Softwaretechnik- und Informatik-Studenten der Ben-Gurion High School in Ness Ziona haben in intensiven internen Workshops Geräte entwickelt, die dazu beitragen werden, Israelis beim nächsten Angriff oder Krieg sicherer zu machen. U.a. entwickelten sie ein System zur Suche und Identifizierung von Entführten in Tunneln, ein Sicherheitsarmband und ein Kampfgerät, das feindliche Technologien neutralisiert. Die Direktorin der Schule freute sich: «Es ist wirklich schön, als Schulleiterin den Schülern zu helfen, nicht nur innovativ zu denken, sondern sich auch auf ein für den jeweiligen Zeitraum relevantes Projekt zu konzentrieren.» Gerade in diesen Zeiten, so fuhr sie fort, sei innovatives Denken und Forschen wesentlicher als Mathematik und Englisch. Die Studenten entwickelten ein Gesichts-Erkennungsprogramm, mit dessen Hilfe die Gesichter von Geiseln identifiziert werden können. Ebenso wichtig ist der «Tunnel-Roboter», der seine Bilder aus den Tunnels live an die Oberfläche zu den Soldaten sendet und so dazu beiträgt, dass die Soldaten sich beim Erforschen der Tunnelanlagen weniger exponieren müssen. Ein Armband, das von in der Landwirtschaft arbeitenden Personen getragen wird, reagiert bei jedem Alarm und führt den Träger automatisch in den nächstgelegenen Schutzraum.

Es sind genau die Erfindungen, die Israel seit jeher ausgezeichnet haben. Innovativ und sehr oft leider aus der Not geboren. Kol hakavod!



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