21. Adar II 5784


Gestern Abend haben Familienangehörige und Freunde der Geiseln und Regierungsgegner sich zu den ersten gemeinsamen landesweiten Demonstrationen zusammengefunden. Über 200 der grössten Unternehmen in Israel stellten ihren Angestellten frei, ohne arbeitsrechtliche Folgen an den Demonstrationen teilnehmen zu können. Im Laufe des Tages wird vor der Knesset eine Zeltstadt aufgebaut werden, die vier Tage lang für diverse Protestaktionen genutzt wird. An jedem Abend wird mindestens ein Sprecher das Wort ergreifen, heute wird es Oppositionsführer Yair Lapid sein.
Ab sofort, so der Plan, wird es keine getrennten Demonstrationen mehr geben. Auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv forderte ein riesiger Bildschirm auf: «Kommt zu uns in die Begin- und Dizengoff-Strasse. Unsere Stimmen werden noch lauter werden. Kommt alle zu uns!»

Na’ama Levy, 19, wurde am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt und befindet sich heute noch dort. Ihre Mutter, Ayelet Levy, ist voller Hoffnung. Vor Wochen habe sie die ‘offizielle’ Mitteilung erhalten, dass ihre Tochter am Leben sei. Wer diese offizielle Stelle ist, sagt sie nicht. Von freigelassenen Geiseln hat sie Ende November gehört, dass «sie eine Heldin ist und es bewundernswert sei, wie sie alles Schwierige überlebt hat. Sie habe eine Verletzung an den Beinen, könne aber laufen. Lange Zeit sei sie allein mit ihren Entführern gewesen. Seit sie mit anderen zusammen war, hätte sie geredet und geredet…» Daraus hat die Mutter auf den Geisteszustand ihrer Tochter rückgeschlossen, daraus schöpft sie ihre Kraft und Hoffnung.
Die letzte echte Information ist also vier Monate alt.
Derzeit trifft sich Netanyahu, wie immer sekundiert von Sarah, mit den Familien von Soldatinnen, die während der Massaker vom 7. Oktober verschleppt wurden. Dazu gehört auch Na’ama. Sie hatte kurz zuvor ihren Dienst bei der IDF begonnen. Ayelet hat viele Fragen an Netanyahu. «Die Situation, in der wir als Familien den Premierminister, das Kabinett und den Staat davon überzeugen müssen, dass es ihre Aufgabe ist, sich um die verlassenen Mädchen, um alle Geiseln, zu kümmern, ist unvorstellbar. Vielleicht sollte man Netanyahu Folgendes sagen: ‚Wir sind nicht diejenigen, die Sie überzeugen müssen, das ist Ihre Aufgabe’.»
Kanal 12 berichtet, dass die beiden rechtsextrem-nationalistischen Minister Smotrich und Ben-Gvir, sowie Netanyahu selbst sich bisher strikt gegen eine grössere Flexibilität bei den Gesprächen über eine neue Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln ausgesprochen haben. Gleichzeitig hatte Mossad-Chef David Barnea das Kriegskabinett darüber informiert, dass ein Deal immer noch möglich sei. Die Voraussetzung dazu ist allerdings, dass Israel der von der Hamas geforderten Rückkehr der Evakuierten in den nördlichen Gazastreifen zustimmt. Smotrich hielt dagegen: «Die Forderung nach flexiblen Positionen unsererseits in den Verhandlungen – wie sich immer wieder gezeigt hat – führt nur dazu, dass Sinwar seine Positionen noch mehr verhärtet und die Rückkehr der Geiseln in noch weitere Ferne rückt. Ich fordere den PM auf, standhaft zu bleiben.»
Nach den landesweiten Demonstrationen von gestern Abend haben heute Vormittag einige Minister und MKs der Regierung ihren Unmut in teils unglaublicher Art über die diversen Radiosender verbreitet. Oppositionsführer Yair Lapid kritisierte dies auf das Schärfste: «Ihr habt den Verstand verloren. Junge Frauen, ältere Menschen, Kinder wurden unter eurer Aufsicht entführt. Ein halbes Jahr lang habt ihr es nicht geschafft, sie nach Hause zu bringen, und dann gebt ihr ihren Familien die Schuld? Diese zerstörerische Regierung muss abtreten. Wahlen jetzt!»

Die IDF teilte mit, dass einige der bisher als militärisches Sperrgebiet geltenden Zonen im Grenzgebiet zum Gazastreifen wieder freigegeben werden konnten. Dazu gehören weite Teile des Re’im Waldes, wo das Nova Musik-Festival stattgefunden hatte. Allein dort wurden mehr als 360 Menschen von den Hamas-Schlächtern grausam ermordet. Auch landwirtschaftliche Flächen der Kibbutzim Yad Mordechai und Mefalsim wurden freigegeben.

In der Entbindungsstation des Shifa-Spitals haben IDF-Soldaten Mörser, Sprengsätze, Scharfschützengewehre, Sturmgewehre, Handfeuerwaffen, sowie weitere militärische Ausrüstungsgegenstände gefunden. Sie waren versteckt in Kissen und Decken der Patientinnen, sowie in Zwischendecken und Wänden des Gebäudes. 350 Patienten und medizinisches Personal wurden in der vergangenen Woche in einen anderen Teil des Gebäudekomplexes evakuiert, wo die IDF ein Feldlazarett aufgebaut und ausgestattet hat. In der Entbindungsstation kam es zu einer Verfolgungsjagd, in deren Folge zwei hochrangige Hamas-Terroristen eliminiert werden konnten.
Die IDF informierte darüber, dass eine Kommandozentrale des Palästinensisch-Islamischen-Djihads im Innenhof des al-Aqsa-Spitals in Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens zerstört wurde. Offenbar befanden sich einige der Terroristen während des Angriffs innerhalb der Zentrale. Die IDF betonte, die Operation sei äusserst präzise geplant und durchgeführt worden, um unbeteiligte Zivilisten nicht zu gefährden. Auch das Spital selbst blieb unbeschädigt.

Bereits am Freitag besuchte Generalstabschef Herzi Halevi das Shifa-Spital und gab gemeinsam mit den Kommandanten der dort operierenden Kräfte eine Erklärung ab. «Während der letzten zwei Wochen haben wir eine erfolgreiche Operation durchgeführt. Eine Operation dieses Ausmasses während eines Krieges durchzuführen, ist sehr komplex.
Wir tun alles, was möglich ist, um Schaden von Patienten und medizinischen Teams abzuwenden. Die Tatsache, dass bei dieser Operation niemand vom medizinischen Personal und kein einziger Patient zu Schaden kam, wir aber viele, viele Terroristen töten und gefangen nehmen konnten, ist ein sehr bedeutender Erfolg.»


Der Direktor des israelischen Koordinators für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT), Generalmajor Ghassan Alian, hat heute einen Bericht veröffentlicht, in dem er Behauptungen der Uno zurückweist, dass Israel eine Hungersnot im Gazastreifen zulassen und fördern würde. «Der Untersuchungsbericht der UNO weist sachliche und methodische Fehler auf.» Dieser Bericht stützt sich auf den IPC-Index, ein 2004 für Somalia von der ‘Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO’ entwickeltes Bewertungsprogramm. Dieser Bericht hält fest, dass unter der Annahme, dass der Krieg weitergeht, 50 % der Bevölkerung des Gazastreifens (1,1 Millionen Einwohner) von einer Hungersnot betroffen sein werden (Phase 5). Für 38 % der Bevölkerung wird mit einer Notlage gerechnet (Phase 4) und für 12 % der Bevölkerung mit einer Krise (Phase 3).
COGAT widerspricht dem Bericht und betont, dass täglich zwischen 150 und 200 LKWs in den Gazastreifen fahren, was einer Steigerung um mehr als 80% gegenüber der Zeit vor dem 7. Oktober entspricht. Gleichzeitig weist COGAT darauf hin, dass in Zusammenarbeit mit mehreren Ländern neue Transportwege und Warenübergänge, die bis anhin nie existierten geschaffen wurden. Allerdings, so wurde beklagt, seien UNO- und andere Hilfsorganisationen nicht in der Lage, den per LKW angelieferten Warenfluss zu bewältigen, sodass es immer wieder zu langen Staus in Kerem Shalom käme.
COGAT betont, dass die der UNO zur Verfügung gestellten Daten ausschliesslich von den palästinensischen Gesundheitsbehörden zur Verfügung gestellt wurden. Die haben, das ist auch aus anderen Statistiken klar erkennbar, ein grosses Interesse daran, die Daten ganz nach ihren Vorstellungen zu manipulieren.





Auf Grund der verstärkten Lieferungen nach Gaza erreichen so viele Lebensmittel den Markt in Gaza, dass die Hamas die Steuern drastisch senkte. Bilder und Videos hatten während der letzten Monate immer wieder gezeigt, wie gross das Angebot an Waren im gesamten Gazastreifen auf den Märkten war. Die Hamas hatte ihrerseits das Narrativ der drohenden Hungersnot weltweit geschickt mit Bildern und Texten in Szene gesetzt.
Die Preise, die zu Beginn der Bodenoffensive dramatisch angehoben wurden, befinden sich nun wieder auf dem ‘alten’ Niveau: Beispielsweise kostete ein Kilo Mehl, das früher 30 Schekel kostete, jetzt 10 Schekel. Konserven werden für fünf statt zehn Schekel verkauft, und eine vorgekochte Mahlzeit kostet zehn Schekel. Für eine durchschnittliche Familie ist daher jetzt wieder der Kauf einer nahrhaften Mahlzeit möglich. Insgesamt wurden bis heute 240.000 t (!) Lebensmittel und 27 t Wasser nach Gaza gebracht. Dazu werden über zwei grosse Wasserleitungen im zentralen und südlichen Gazastreifen Millionen Liter Wasser in die Systeme eingespeist.
Am heutigen Abend wird sich Netanyahu einer Operation eines zufällig entdeckten Leistenbruchs unterziehen. Bis dahin wird er die für heute geplanten Aktivitäten durchführen. Nach dem Treffen mit den Familien von in den Gazastreifen verschleppten Soldatinnen wird er noch einer Sitzung des Kriegskabinetts vorsitzen. Während der Vollnarkose übernimmt JM Yariv Levin seine Funktion.
Kategorien:Israel
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