23. Adar II 5784



In der Nacht von gestern auf heute kam es in Gaza zu einem furchtbaren, irrtümlichen Angriff der IAF. Wie die NGO ‘World Central Kitchen’ (WCK) am Morgen bestätigte, kamen sieben Mitarbeiter bei ihrem Einsatz im Norden des Gazastreifens ums Leben. Ihre zwei gepanzerten Fahrzeuge, deutlich markiert als Teil der Hilfsorganisation, waren beladen mit Lebensmitteln und Hilfsgütern, die sie im nördlichen Teil des Gazastreifens verteilen wollten. Ein von palästinensischen Medien verbreitetes Video zeigt ein Fahrzeug mit einem Einschlag in Höhe des Beifahrersitzes und ein zweites, völlig ausgebranntes Fahrzeug.
In einem ersten Statement berichtet WCK, dass zwei Fahrzeuge in Absprache mit der IDF unterwegs waren. Erin Gore, CEO von WCK beklagte: «Dies ist nicht nur ein Angriff auf das WCK, sondern auch auf humanitäre Organisationen, die in den schlimmsten Situationen, in denen Lebensmittel als Kriegswaffe eingesetzt werden, zum Einsatz kommen. Das ist unverzeihlich.» Die IDF sicherte zu, den tragischen Vorfall auf ‘höchster Ebene’ zu untersuchen.
WCK sistierte als Reaktion sofort alle Hilfseinsätze im Gazastreifen. Erin Gore betonte: «Wir werden die Entscheidungen über das weitere Vorgehen in Kürze treffen.» Ein Schiff, das sich bereits auf dem Weg von Zypern nach Gaza befand, wurde zurückgeschickt.
Die sieben Mitarbeiter, die bei dem tragischen Vorfall ihr Leben verloren, sind Bürger von Polen, Australien, Grossbritannien und den USA. Betroffen sind auch zwei palästinensische Fahrer Das polnische Aussenministerium spricht nicht nur den betroffenen Familien ihr Beileid aus, sondern «protestiert gegen die Missachtung des humanitären Völkerrechts und den Schutz der Zivilbevölkerung, einschliesslich der humanitären Helfer.»
EU-Aussenminister Josep Borell, ein notorischer Israel-Gegner, verurteilte den Angriff scharf und forderte eine sofortige umfassende Untersuchung. «Trotz aller dringenden Aufforderungen, das Leben der Zivilbevölkerung und von Hilfskräften zu schützen, sehen wir schon wieder unschuldige Opfer.»
Der britische Aussenminister David Cameron bezeichnete den Angriff als ‘zutiefst erschütternd’. «Es handelt sich um Menschen, die lebensrettende Hilfe zu den Menschen bringen wollten, die sie dringend benötigen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die humanitären Helfer geschützt werden und in der Lage sind, ihre Arbeit zu verrichten.» GB forderte Israel auf, die Vorfälle sofort zu untersuchen und eine vollständige und transparente Erklärung abzugeben.
IDF-Sprecher Daniel Hagari erklärte in einem englisch-sprachigen Video: «Gestern Abend ereignete sich in Gaza ein Zwischenfall, der zum tragischen Tod von World Central Kitchen-Mitarbeitern führte, die ihrer lebenswichtigen Aufgabe nachkamen, Menschen in Not mit Lebensmitteln zu versorgen.» Er dankte allen beteiligten Nationen, die bisher und auch weiterhin so viel tun, um den Bedürftigen in Gaza zu helfen. «In den letzten Monaten hat die IDF eng mit der World Central Kitchen (WCK) zusammengearbeitet, um sie bei der Erfüllung ihrer edlen Mission zu unterstützen, den Menschen in Gaza Lebensmittel und humanitäre Hilfe zu bringen. Die WCK kam auch, um den Israelis nach dem Massaker vom 7. Oktober zu helfen; sie war eine der ersten NGOs hier», so Hagari weiter. «Die Arbeit des WCK ist von entscheidender Bedeutung; sie stehen an der vordersten Front.»

Gegen Mittag gab die IDF zu, den Angriff auf die zwei Fahrzeuge von WCK ‘irrtümlich’ ausgeführt zu haben. Wie es dazu hat kommen können, ist noch nicht bekannt, jedoch sei klar, dass er nie und nimmer hätte passieren dürfen. Die Hintergründe, die dazu geführt hatten, werden weiterhin untersucht. Ein Grund für den Angriff könnte gewesen sein, dass die IDF davon ausging, ein lange gesuchter Terrorist würde mit dem Konvoi zusammen in den Norden fahren. Das erste Ziel der Fahrt war ein Lebensmittellager in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen.
Ein auf dem Dach eines LKWs sitzender, bewaffneter Mann wurde gesichtet und irrtümlich für den Terroristen gehalten. Die beiden später beschossenen PKWs und der LKW fuhren in das Gebiet des Lagerhauses, der LKW fuhr aber anschliessend nicht weiter. Zwischen Ein- und Ausfahrt gab es eine Kommunikationslücke, so dass der geplante Angriff stattfand.
Von einer Kampfdrohne wurden nacheinander drei Raketen auf den kleinen Konvoi gefeuert, der als Schutzeskorte für einen Hilfstransport diente. Zwischen den drei Raketenbeschüssen gelang es den Insassen der Fahrzeuge zunächst noch, Verletzte in andere Fahrzeuge umzulagern und an die Leitstelle zu melden, dass sie angegriffen wurden.
Netanyahu, sonst ein Mann geschliffener Worte, kommentierte höchst ungebührlich. «Leider kam es am letzten Tag zu einem tragischen Fall, bei dem unsere Streitkräfte unbeabsichtigt unschuldige Menschen im Gazastreifen trafen. So etwas passiert eben im Krieg, wir werden es untersuchen.» Netanyahu wurde am Nachmittag aus dem Hadassah-Spital entlassen, wo er sich einer Leistenbruch-OP unterzogen hat.
Die israelische Delegation von hochrangigen Vertreten bei den Verhandlungen zu einer Vereinbarung über die Geiselbefreiung wird heute Nachmittag von Kairo nach Israel zurückkehren. Es wurde ein erneuter Vorschlag ausgearbeitet, der der Hamas zur Prüfung vorgelegt wurde. Israel erwartet, dass die vor Ort anwesenden Mediatoren einen stärkeren Einfluss auf die Hamas nehmen werden, um sie zur Annahme des Vorschlags zu bringen.
Spanien hat bekanntgegeben, bis spätestens Juli einen palästinensischen Staat anerkennen zu wollen. Dies gab der spanische PM Pedro Sánchez anlässlich eines Gesprächs mit Pressevertretern, die ihn auf seiner Reise nach Jordanien, Saudi-Arabien und Katar begleiten. Er werde auch versuchen, jene arabischen Staaten, die Israel bisher nicht anerkannt haben, zu überzeugen, dies schnellstmöglich zu tun. Andererseits wird er auch versuchen, weitere europäische Staaten von der Notwendigkeit, Palästina anzuerkennen, zu überzeugen. Er sieht dafür ein optimales Zeitfenster zwischen dem Ende des Krieges und den US-Wahlen im November.
Kurz vor seinem Eintritt ins Hadassah-Spital gab Netanyahu ein kurzes Pressestatement ab. Als echter Profi sollte er keine ‘Generalprobe’ benötigen, bestenfalls eine kurze Einstellung von Licht und Ton. Wer diesen kurzen Clip, der wohl irrtümlich übertragen wurde, allerdings zuerst in die sozialen Medien gebracht hat, weiss ich nicht. Auch wer kein Hebräisch versteht, merkt, dass dieser Auftritt von Netanyahu keine gute Idee war. So konfus hat man ihn noch nie gesehen…

Eine Drohne mit unbekannter Herkunft schlug in jordanischem Gebiet etwa 200 m vor der jordanisch-israelischen Grenze in der Nähe des Ramon Flughafens ein. In den letzten Tagen hatte es immer wieder Drohnenangriffe aus Syrien gegeben. Von dort operiert eine vom Iran unterstützte Terrorgruppe. Gestern hatte eine solche Drohne Schaden an einem militärisch genutzten Gebäude im Hafen von Eilat verursacht.
Kategorien:Israel
Hinterlasse einen Kommentar