2. Nissan 5784
Im zentralen Netzarim-Korridor, der faktisch den Norden des Gazastreifens vom Süden des Landes trennt, kämpft die Nahal-Brigade weiterhin gegen bewaffnete Hamas-Terroristen. Eine Terror-Zelle wurde in den letzten Tagen im Nahkampf unschädlich gemacht. Der Netzarim-Korridor ist der einzige Ort, wo sich noch IDF-Truppen aufhalten.
Dieser Korridor ist strategisch von grösster Bedeutung.
Die Truppen können von hier aus sowohl Lieferungen in den Norden des Gazastreifens über einen nahegelegenen Zugang überwachen und sichern, aber auch Razzien durchführen und kontrollieren, ob sich unter den zurückkehrenden Evakuierten Terroristen befinden, die versuchen wollen, den Norden wieder zurückzuerobern. Nicht betroffen vom fast völligen Rückzug aus Gaza ist die IAF, die regelmässig Angriffe auf terroristische Ziele mit Kampfjets und Drohnen durchführt und diese zerstört.
In Israel mehren sich die Stimmen, dass durch den weitgehenden Truppenabzug aus dem Gazastreifen und der starken Zunahme der humanitären Lieferungen für die Zivilbevölkerung der Hamas in die Hände gespielt werde. Die immer wieder stockenden Verhandlungen mit dem Ziel, eine Vereinbarung zur Befreiung der israelischen Geiseln zu erreichen, werden auch darauf zurückgeführt, dass die Hamas davon einseitig profitiert. «Wir haben unsere starken Verhandlungsboni umsonst aufgegeben. Jetzt ist die Position der Hamas noch schwieriger zu knacken. Die Hamas bleibt bei ihren Forderungen nach einem Ende des Krieges und einem Truppenabzug und ist entschlossen, die Vermittler auszutricksen.» Im Gegensatz dazu betonten VM Yoav Gallant und Generalstabschef Herzi Halevi, der Truppenabzug sei nur temporär, um den Soldaten die Möglichkeit einer Erholungsphase zu geben die sie nach dem langen und kräftezehrenden Kampf unbedingt brauchen. Anschliessend würde die Bodenoffensive gegen Rafah beginnen. VM Yoav Gallant betonte gegenüber seinem Amtskollegen Lloyd Austin, es gebe noch kein festgesetztes Datum für den Beginn der Offensive, wie es Netanyahu gestern grossmäulig verkündet hatte. Zunächst müssten die Evakuierungspläne für die etwa 1.5 Millionen Zivilisten ausgearbeitet werden. Gallant merkte an, dass Netanyahu oftmals Aussagen in der Öffentlichkeit machen würde, die nicht mit dem übereinstimmen, was er ihnen im kleinen Kreis mitteilt. Damit versuchte er abzuschwächen, dass sich die USA gestern nach den Äusserungen durch Netanyahu wieder einmal irritiert gefühlt hatten.
Ich weiss nicht mehr, wie oft in den letzten vier Monaten die Hoffnung aufkeimte, dass es doch zu einer Vereinbarung käme. Bisher war es immer so, dass das «Abgelehnt!» entweder von Israel oder von der Hamas kam. Auch heute kamen wieder durchaus widersprüchliche Aussagen über die libanesische Zeitung ‘al-Akhbar’. Einerseits wird erneut betont, dass die Hamas an ihren Forderungen: völliger Truppenabzug [der ja nun, wenn auch nur temporär, stattgefunden hat], Vereinbarung über den andauernden Waffenstillstand und freier Zugang aller Evakuierten in den Norden des Gazastreifens. Weiterhin eine ‘angemessene Freilassung’ der palästinensischen Gefangenen aus israelischen Gefängnissen. Wobei es undefiniert bleibt, was sie unter ‘angemessen’ verstehen. Sollte das nicht erfüllt werden, gebe es keine weiteren Verhandlungen.
Auf der anderen Seite keimt wieder leise Hoffnung auf, dass unsere Geiseln, tot oder lebendig, doch noch nach Israel zurückkehren können. Das soll in drei jeweils 42-tägigen Phasen geschehen.
- Phase: Ende aller Luftangriffe und Aufklärungsflüge, völliger Rückzug der IDF auch aus dem Netzarim-Korridor an die Küste – völlige Bewegungsfreiheit innerhalb des gesamten Gazastreifens für alle Bewohner [i.e. auch für die Terroristen!]. Freilassung von Frauen, Kindern, älteren und kranken Geiseln im Gegenzug für die gleiche Gruppe von Gefangenen im Verhältnis 30:1. Danach Freilassung der Soldatinnen gegen 50 Gefangene, darunter 30, die eine lebenslange Haftstrafe absitzen. Plus 20 von der Hamas ausgesuchte Gefangene je freigelassenen Soldaten. Alle 48 Gefangenen, die nach dem Gilad-Shalit-Deal erneut festgenommen wurden, müssen freigelassen werden.
- Phase: Alle Soldaten und die restlichen männlichen Geiseln werden wiederum gegen Gefangene freigelassen. Vorher muss Israel sich zu einem dauerhaften Waffenstillstand verpflichten und alle Truppen endgültig abziehen.
- Phase: Austausch von Leichen und der umfassende Wiederaufbau von Gaza – Beendigung der Blockade.
Mit sofortiger Wirkung müssen täglich 600 LKWs mit Hilfslieferungen, darunter 50 LKWs mit Treibstoffen und 300 LKW-Ladungen für den nördlichen Gazastreifen ankommen. Bereitstellung von schweren Maschinen für Aufräumarbeiten.
Ist das wirklich ein Lichtschein am Ende des Tunnels? Nein, es ist das schamlose Ausnutzen, dass wir unsere Geiseln, tot oder lebendig, zurückhaben wollen, dass wir niemanden zurücklassen. Das ist ihr Joker. Und für uns wieder, wie in allen Kriegen gegen die Hamas, Erfolg für sie und das Drama für uns. Es wird auch wieder völlig vergessen, wer durch das Massaker, das Brechen des Waffenstillstands und den Beginn des Beschusses auf Israel den Krieg begonnen hat!
Der Verlautbarung war eine Mitteilung Israels an die Hamas, dass in der ersten Phase 40 lebende Geiseln freigelassen werden müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch 40 lebende ältere, sowie Frauen, Kinder und Soldatinnen unter den Geiseln befinden, wird von der IDF als sehr niedrig eingestuft.
Einige hochrangige, aber ungenannte Minister des derzeitigen Sicherheits-Kabinetts wägen ab, ob dem ‘Geiseln-für-Feuerpause’ zustimmen sollen oder nicht. Als Begründung geben sie an, dass nicht alle Geiseln gleichzeitig freigelassen werden. Sie glauben, dass die aktuellen Verhandlungen die letzten sein könnten, weil Israel bei allen zukünftigen eine noch schwächere Position einnehmen wird. Deshalb sind sie gewillt, jetzt erhebliche Zugeständnisse zu machen, um doch noch die Freilassung aller Geiseln zu erreichen. Auch wenn die Namen der Zweifler nicht genannt werden, so vermuten doch MKs aus dem unmittelbaren Umfeld von Netanyahu, dass es sich um die Minister der beiden rechtsextrem-nationalistischen Parteien Religious Zionism und Otzmah Yehudit handelt. Diese werden jeden Plan ablehnen, aber scheinen derzeit nicht gewillt, die Koalition zu sprengen.

Ganz anders stellt sich der haredische MK Yitzhak Pindrus, Vereintes Torah Judentum, der Thematik. «Zu unserer Erleichterung sind wir keine Mitglieder des Kabinetts – weder des engen Kabinetts noch des erweiterten Kabinetts, und auch nicht in der Regierung.» Das ist falsch, denn immerhin ist seine Fraktion mit sieben Sitzen in der Regierung vertreten. Über die Proteste, die die Freilassung fordern, sagt er: «Die gleiche Gruppe, die während der [Justiz-]Reform dort war, die gleiche Gruppe, die zuvor dort war, die Black Flags, nutzt jetzt auch die Angelegenheit der Geiseln.» Auch mögliche Wahlen sieht er nicht als ultima ratio: «Werden die Wahlen Geiseln nach Hause bringen? Hat Netanyahu ein begründetes Interesse am Schicksal der Geiseln? Wer das glaubt, braucht eine psychische Behandlung.» Abschliessend beruft er sich auf ihre von Gott gegebene Pflicht des Torahstudiums: «Wir müssen alles tun, damit ein Jeschiwa-Schüler sitzen und die Torah lernen kann. Im Moment gibt es das nicht, und das ist es, was wir tun müssen.» In der Regierung haben solche weltabgewandten und lebensuntauglichen Pseudo-Politiker nichts verloren. Ich hoffe, die kommenden Wahlen werden sie aus der Knesset verbannen.
Sollte der Iran seine Drohung wahrmachen und als Rache auf den Beschuss ihrer Botschaft in Damaskus Israel angreifen, so bleibt abzuwarten, ob der Angriff unmittelbar aus dem Iran oder aus einem der ‘Stellvertreterländer’ kommt. Aussenminister Israel Katz betonte auf Hebräisch und Farsi «Sollte der Angriff direkt aus dem Iran kommen, so wird Israel auch den Iran direkt angreifen.» Kurz zuvor hatte Revolutionsführer Ali Chamenei mit erhobenem linkem Zeigefinger vor einer grossen Menschenmenge in Teheran gedroht, «…, dass das teuflische Regime einen Fehler gemacht hat und bestraft werden muss und wird.»

Das US-amerikanische Militär gab bekannt, eine Anti-Schiff-Rakete über dem Golf von Aden abgefangen und zerstört zu haben. Diese sei von den Houthi-Terroristen auf die MV Yorktown abgeschossen worden. Die Yorktown ist ein unter der Flagge der USA segelndes Containerschiff. Es war am 4. April von Djibouti mit nicht bekanntem Ziel gestartet. Schäden wurden nicht gemeldet.

Wie das Armeeradio schreibt, wird der nahezu zerstörte Personenübergang Erez als Warenübergang nicht geöffnet bleiben. Dieser ist für Demonstranten zu leicht zu erreichen und ermöglicht es, dass die Zufahrt zum Norden des Gazastreifens nachhaltig gestört wird. Nachdem der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir die Kontrolle über die Polizei hat, muss damit gerechnet werden, dass diese bei entsprechenden Störungen nicht oder nur zu wenig eingreift. Ähnliches hatten Demonstranten bereits beim Übergang Kerem Shalom organisiert. Die IDF ist jedoch besorgt, dass eine erneute Einstellung oder Verzögerung der Hilfslieferungen zu Beeinträchtigungen bei den Waffenlieferungen an Israel führen könnten. Ein sicherer, nicht ganz so einfach zu erreichender Übergang wird in kurzer Zeit eröffnet werden.
COGAT gab gestern die neuesten Zahlen der Hilfslieferungen nach Gaza bekannt.



Die VAE haben, so gab die staatliche Medienagentur ‘Emirates News Agency’ bekannt, einen Hilfskonvoi auf dem Landweg in den nördlichen Gazastreifen geschickt. Er besteht aus 17 LKWs mit insgesamt 370 Tonnen an Hilfsgütern. Die Khaleej Times berichtet, dass die Initiative für die Hilfslieferungen, die während des Ramadans insgesamt 2.102 Tonnen betrugen, von Scheich Mohamed bin Zayed al Nahyan ausgegangen sei. Die Lieferungen seien über Rafah und ‘Karam Abu Salem’ in den Gazastreifen gefahren. Bisher sind die Lieferungen auf dem Seeweg über Ashdod oder dem Luftweg erfolgt. Die Ankunft des Konvois in Jabalya wurde von Augenzeugen bestätigt.

Chaim Ramon, Kadima, kurzfristiger ehemaliger Justizminister, stv. PM unter Ehud Olmert und Mitglied des Sicherheitskabinetts äusserte in ‘Arutz Sheva’ interessante Überlegungen. So forderte er den Generalstabschef Herzi Halevi auf, sofort zurückzutreten, obwohl der Krieg noch nicht beendet sei. Halevi hatte unmittelbar nach dem 7. Oktober die Verantwortung für das Massaker übernommen «Die IDF ist für die Sicherheit des Landes und seiner Bürger verantwortlich, und an diesem Schabbat Morgen im Grenzgebiet zum Gazastreifen haben wir es nicht geschafft.» Damals hatte er angekündigt, die Konsequenzen zu ziehen, aber nicht ‘zur Zeit des Krieges’. Das sei damals, so Ramon, die absolut korrekte Einstellung gewesen. Aber heute kritisiert er: «Heute, ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn, haben fast alle in den Gazastreifen entsandten IDF-Streitkräfte ihn bereits verlassen. Die IDF befindet sich nicht mehr im Norden des Gazastreifens und die Eroberung von Rafah und dem Süden scheint in weiter Ferne zu liegen.» Ramon hält fest, dass Israel Leistung von Halevi über die langen Jahre hinweg sehr schätzt, aber nun sei es an der Zeit, der Verantwortung gerecht zu werden und zurückzutreten. Er hoffe, damit eine Kettenreaktion auszulösen, die nicht nur das gesamte Oberkommando der IDF betreffe, sondern auch die politische Spitze. Allen voran PM Netanyahu. Neuwahlen müssten, so seine Schlussfolgerung, so bald wie möglich durchgeführt werden. David Horowitz, Herausgeber der Times of Israel titelte heute ganz richtig. «Es ist nicht mehr die Frage, ob Netanyahu gehen muss, sondern wie!»

Al Jazeera berichtete vor wenigen Minuten, dass bei einem Angriff auf das Shati Lager in Gaza City drei Söhne des Hamas Anführers Ismail Haniyeh und einige ihrer Kinder getötet worden sind. Es gibt noch keine Stellungnahme der IDF. Kurz darauf kam eine Stellungnahme durch Haniyeh: «Ich danke Gott, dass er uns die Ehre ihres Märtyrertodes zuteilwerden liess. Ihr reines Blut ist für die Befreiung Jerusalems und der Al Aqsa, und wir werden weiter auf unserem Weg marschieren und nicht zögern und nicht zaudern. Mit ihrem Blut schaffen wir Hoffnung, eine Zukunft und Freiheit für unser Volk und unsere Sache.» war in einemvon Al Jazeera ausgestrahltem Telefoninterview zu hören.

Die drei Männer waren mit dem Auto unterwegs, um mit der Familie und Freunden das muslimische Fest ‘Eid Fitr’ zu feiern, als sie von einer Drohne getroffen wurde.
Haniyeh hatte hinzugefügt, dass er fast 60 Familienmitglieder durch den ‘Märtyrertod’ verloren hätte, also den gleichen Preis wie jeder andere Palästinenser gezahlt hätte.
Haniyeh ist nicht nur Anführer einer Terror-Organisation, sondern auch Anhänger eines Blut- und Todeskultes.
So sieht ein liebender Vater aus, der gerade vom Tod seiner Söhne und Enkel erfährt. Hier das Video.
Kategorien:Israel
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