Krieg in Israel – Tag 190

5. Nissan 5784

Leider kam es gestern erneut zu gewaltsamen Angriffen von radikalen Siedlern auf das arabische Dorf al-Mughyyir in der Nähe von Ramallah. Hunderte bewaffnete radikale Siedler stürmten das Dorf und setzten Häuser und Autos in Brand. Dabei wurde mindestens ein Palästinenser erschossen, weitere 25 wurden verletzt.

Erinnerungen an die beiden gewaltsamen Überfälle auf Tumursayya und Huwara im Jahr 2023 wurden wach. Der Ortsvorsitzende Amin Abu-Alia berichtete, dass um die Mittagszeit mehr als 1.000 Siedler das Dorf abriegelten, während weitere 500 es stürmten. Die IDF sei erst gegen 15 Uhr vor Ort erschienen. Anders als zu erwarten gewesen wäre, liessen sie die Siedler in Ruhe und behinderten stattdessen die Rettungswagen daran, die Verletzten zu erreichen. Die Siedler hätten etwa 70 Schafe aus dem Dorf mitgenommen.

In welchem Zusammengang mit den auch an anderen Orten aufgeflammten Unruhen zwischen Siedlern und Palästinensern das Verschwinden des 14 Jahre alten, aus Jerusalem stammenden Benjamin Achimeir steht, ist noch völlig unklar. Seit gestern sind hunderte, teils freiwillige Helfer an der Suche beteiligt. Achimeir arbeitete als Hilfsschäfer in der Nähe des von Siedlern angegriffenen Dorfes. Gestern hatte er wie immer mit seinen Schafen am frühen Morgen die Siedlung verlassen, dann verläuft sich seine Spur. Auf sein Verschwinden wurde man aufmerksam, als die Schafe unbeaufsichtigt nach Hause zurückkehrten. Heute gegen Mittag fand man die sterblichen Überreste des Vermissten. Shin Bet und IDF gegen davon aus, dass er Opfer eines Terroranschlags wurde. Der Vorfall wird weiterhin untersucht.

Innerhalb nur einer Stunde wurde im Norden entlang der libanesischen Grenze zum zweiten Mal Drohnenalarm ausgelöst. Gestern waren am frühen Abend Dutzende mit Sprengstoff beladene Drohnen und Raketen auf die nördlichen Gebiete abgeschossen worden. Die IDF sprach von etwa 40 Raketen, die entweder angefangen und zerstört werden konnten, auf libanesischem Gebiet oder auf unbebautes Gebiet in Israel abstürzten. Es gab keine Schäden. Als Reaktion auf den gestern erfolgten starken Beschuss zerstörte die IDF eine grosse Stellung der Hisbollah in Rihan, im Süden des Libanon. Die Stellung umfasste mehrere Gebäude. Am frühen Nachmittag wurden erneut die Sirenen entlang der Grenzregion zum Libanon ausgelöst. Bei einem weiteren Beschuss auf den Norden des Landes schossen die Hisbollah-Terroristen sprengstoffbeladene Drohnen in Richtung des evakuierten Kibbutz Hanita. Ein Kibbutzmitglied, das zur Aufrechterhaltung der Landwirtschaft anwesend war, wurde schwer verletzt. Die Hisbollah behauptete, dort eine Militärbasis getroffen zu haben. Drei weitere Raketen schlug in der Nähe des Kibbutz auf unbebautem Gebiet ein.

Das britische Militär erklärte, dass es in der strategisch bedeutsamen Strasse von Hormus zu einem Akt der Piraterie gekommen ist. Die Strasse von Hormus ist eine Meerenge, die zwischen dem Iran und der Enklave des Oman an der Spitze der VAE liegt. Sie markiert den Übergang zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

Die Warnung enthielt zunächst keine weiteren Details, auch aus dem Iran kam kein Kommentar. Vor wenigen Minuten hat der Iran bestätigt, dass das portugiesische Container-Schiff ‘MSC Aries’ geentert wurde. MSC gehört dem israelischen Milliardär Eyal Ofer. An Bord befinden sich 25 philippinische Matrosen. Es war unterwegs von Khalifa, VAE, wo es am 12. April lossegelte und am 15. April den indischen Hafen Nhava Sheva erreichen sollte.

Die IDF konnte während der Nachtstunden Raketenabschussrampen zerstören, die mit mehr als 20 Raketen, alle schussbereit auf Israel gerichtet, bestückt waren. Kurz zuvor hatte der Palästinensisch-Islamisch-Djihad Raketen auf die süd-israelische Stadt Sderot geschossen. Weitere gezielte Operationen werden derzeit in Nuseirat und Bei Hanoun durchgeführt.

Die USA gehen davon aus, dass der Iran mehrere Ziele in Israel und in der Region gleichzeitig angreifen wird. Sie haben die Zusage erneuert, Israel bei Abfangmanövern zu unterstützen. US-amerikanische Quellen, die geheimdienstliche Kontakte mit dem Iran haben, teilten CNN mit, dass auch iranische Stellvertreter, wie Hisbollah, Hamas und Houthis an den Angriffen beteiligt sein könnten. Beobachtete Verschiebungen von Drohnen und bis zu 100 Marschflugkörpern innerhalb des Irans könnten ein Hinweis sein, dass ein Angriff auch direkt vom Iran aus stattfinden wird.

Nach nur einer Stunde wurde der gestern begonnene und für die Dauern von drei Tagen vorgesehene ‘Palästina Kongress’ in Berlin unterbrochen und nach einer weiteren Stunde beendet. Polizei und Feuerwehr unterbrachen die Stromversorgung und forderten die Teilnehmer auf, das Haus zu verlassen und sich zu zerstreuen. Eine junge Frau, beteuerte noch vor dem Einlass: «Es geht gar nicht um Palästina, es geht um die Demokratie in Deutschland.» Sie fuhr fort, dass in Diskussionen immer nur die israelische Seite Gehör erhielte. Sie will anonym bleiben. Der Grund für das Beenden des Kongresses war die online Zuschaltung eines Redners, für den in Deutschland ein ‘politisches Betätigungsverbot’ gilt und der sich in der Vergangenheit bereits mehrmals antisemitisch und gewaltverherrlichend geäussert hatte. Mehrere Einreiseverbote waren bereits im Vorfeld ausgesprochen worden, andere wurden im Vorfeld des ‘Kongresses’ noch geprüft. Für heute 14 Uhr war als Reaktion für die Absage des Kongresses eine Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz angemeldet, an der bis zu 1.500 Menschen teilnehmen wollten. 1.200 begannen die Demonstration zunächst friedlich, bis kurz vor dem Erreichen des Zielpunktes ‘Unter den Linden’ Demonstranten Sicherheitskräfte angriffen. Drei Personen wurden daraufhin festgenommen.

Die gute Nachricht:  Prof. Mona Meron wurde am Donnerstag von der Universität Haifa zur Rektorin ernannt. Sie ist die erste israelisch-arabische Akademikerin, die an einer israelischen Universität eine solche Position einnimmt. Meron ist weltweit anerkannte Forscherin auf dem Gebiet der Neurowissenschaften und post-traumatischen Belastungs-Störungen. Sie löst Prof. Gur Alroey ab, der zu Beginn des nächsten akademischen Jahres als Universitätspräsident fungieren wird. «Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir von den Mitgliedern des Universitätssenats entgegengebracht wurde, und freue mich auf die Übernahme der Position. In erster Linie ist die Universität Haifa für mich ein Zuhause. Ein Zuhause, das mich vor mehr als 30 Jahren in seine Reihen aufgenommen hat, als Studentin im Grundstudium, dann als Fakultätsmitglied in der Abteilung für Neurobiologie und jetzt mit der Rolle der Rektorin.» Eines ihrer nicht akademische Ziele ist es, das Alltagsleben als ‘echtes und gemeinsames Leben’ aller Religionen und Ethnien’ zu fördern.

Maron ist maronitische Christin aus dem überwiegend von Drusen bewohnten Dorf Usfiya im Karmel Gebirge südöstlich von Haifa. Sie war die erste arabische Frau in ihrem Dorf, die ihr Studium mit einem Doktorat abschloss und sie ist die erste arabische Professorin für Neurowissenschaften in ganz Israel.

Nach dem Studium in Haifa promovierte sie an der Sorbonne in Paris.  Herzlichen Glückwunsch und mazal tov!



Kategorien:Israel

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar