Krieg in Israel – Tag 191

6. Nissan 5784

Nun ist es also passiert. Der Iran hat erstmals direkt Israel angegriffen. Mehr als 300 Raketen und Drohnen wurden auf Israel abgeschossen, 99% von ihnen wurden erfolgreich von den Abwehrsystemen Israels, der USA, Jordaniens, Grossbritanniens und Frankreichs abgefangen und zerstört. Die meisten davon über syrischem Gebiet. Einige Drohnen und Raketen wurden zusätzlich aus dem Irak und Jemen abgeschossen, gelangten aber nicht in den israelischen Luftraum.

Es gab einige Sachschäden durch herabfallende Trümmer, jedoch kaum nennenswerte direkte Treffer von Gebäuden. Die im Süden des Landes gelegene Luftwaffenbasis Nevatim wurde getroffen, ist aber nach wie vor völlig funktionsfähig.

Leider erlitt jedoch ein sieben Jahre altes Beduinenmädchen durch einen Trümmerteil eine schwere Kopfverletzung. Sie wurde im Soroka Medical Center operiert und befindet sich nun in der Kinder-Intensiv-Station des Krankenhauses. Ich wünsche ihr baldige und völlige Genesung, refua shle’ema!

Zahlreiche Staaten verurteilten die Angriffe auf das Schärfste, darunter die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada, Deutschland, Dänemark, Norwegen, die Tschechische Republik, Argentinien und Paraguay. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres und der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrel äusserten sich kritisch.

US-Präsident Joe Biden und sein Aussenminister Antony Blinken betonten erneut, dass ihr Engagement für die Sicherheit Israels ‘eisern’ sei. Allerdings hatte Biden auch angemerkt, die USA würden keinen israelischen Gegenangriff auf den Iran unterstützen und diesen auch nicht billigen. In einem Telefonat mit Netanyahu betonte Biden, die erfolgreiche Abwehr sei «ein sehr grosser strategischer Erfolg und ein Rückschlag nicht notwendig.» Daraufhin wurden bereits eingeleitete Schritte gestoppt.

Die deutsche Bundestags-Vizepräsidentin, Aydan Özoguz, schrieb auf ‘X’: «Zu viele Kriege, zu viele Menschen gefährdet, Geiseln nicht befreit, Menschen in Hungerkatastrophe. Mache mir um alle Menschen Sorgen in #Ukraine #Israel #Gaza. Warum musste diese Situation noch provoziert werden? Bombardierung der iran. Botschaft hat Nahost weiter gefährdet» und gab damit Israel die Mitschuld am iranischen Angriff.

Der britische PM Rishi Sunak hielt fest, dass GB weiterhin für die Sicherheit Israels eintreten werde. Der kanadische PM Justin Trudeau verurteilte die Luftangriffe des Irans und unterstützte das Recht Israels, sich und sein Volk gegen Angriffe zu verteidigen. Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock drückte ihre Solidarität mit Israel ebenso aus, wie der argentinische Präsident Javier Milei.

Aus anderen Staaten waren auch andere Kommentare zu hören. Das chinesische Aussenministerium forderte «beide Seiten dazu auf, von weiteren Eskalationen abzusehen.» Der chilenische Aussenminister verurteilte ‘jede Anwendung von Gewalt’ ohne dabei den Iran zu nennen. Auch Mexiko bezog sich in seiner Kritik nicht auf den Iran, sondern zeigte sich nur ‘äusserst besorgt’. Gänzlich bedeckt hielt sich der spanische PM Pedro Sanchez, der betonte, dass die Regierung «die Ereignisse im Nahen Osten mit grösster Sorge verfolgt». Der russische Aussenminister Sergei Lawrow zeigte sich besorgt wegen der Eskalation im Nahen Osten und gab dem Westen eine Mitschuld daran. Er zeigte durchaus Verständnis für den Iran, der sich auf Art 51 (Selbstverteidigung) der UN-Charta beruft. Kein Wunder, bezieht Russland doch seine Waffen für den Krieg gegen die Ukraine weitgehend vom Iran. Interessant nur, dass in den Augen Russlands Israel dieses Recht nicht zuerkannt wird.

Zustimmung und Glückwünsche kamen natürlich von der Hamas. «Wir, die Hamas betrachten die von der Islamischen Republik Iran durchgeführte Militäroperation als ein natürliches Recht und eine verdiente Reaktion auf das Verbrechen des Angriffs auf das iranische Konsulat in Damaskus und die Ermordung mehrerer Führer der Revolutionsgarden.»

Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei dem bombardierten Gebäude nicht um ein Botschaftsgebäude, sondern um ein militärisch genutztes Gebäude gehandelt hat.

Aus Teheran kamen heute Vormittag warnende Worte. Sollte Israel auf den Beschuss der vergangenen Stunden reagieren und dabei von den USA aktiv unterstützt werden, so «wird unsere Reaktion viel umfangreicher sein als die heutige Militäraktion» sagte der Stabschef der Streitkräfte, Generalmajor Mohammad Bagheri, gegenüber dem Staatsfernsehen und fügte hinzu, «Wir haben Washington gewarnt, dass jede Unterstützung israelischer Vergeltungsmassnahmen dazu führen wird, dass US-Stützpunkte angegriffen werden.»

Noch in der Nacht gingen in Teheran die Menschen auf die Strasse, um den Angriff auf Israel zu feiern. «Tod für Israel» und «Tod Amerika» schallte es allenthalben. Auf einem Platz wurde ein Wandgemälde enthüllt, auf dem in Hebräisch zu lesen ist: «Der nächste Schlag wird heftiger!»

Die Gesamtkosten zur Abwehr des gestrigen Angriffs auf Israel belaufen sich, so Brigade General Reem Aminoach auf US$ 1-2 Milliarden (!). «Eine Rakete des ‘Arrow-Abwehrsystems’ kostet US$ 3.5 Mio, um eine ballistische Rakete abzufangen.

Die Davids Sling, die wir gegen Marschflugkörper einsetzen, kostet US$ 1 Mio, die Flugzeuge, mit der wir die Drohnen abschiessen, kosten auch einiges.» Er betonte, diese Situation hätte gezeigt, dass das gesamte militärische Budget aus dem Jahr 2023 in Höhe von US$ 15 Milliarden, nicht in der Lage wäre, mehrere solche Angriffswellen zu verkraften.

Die meisten der vom ‘Homefront Command’ bekanntgegebenen Massnahmen, die bis Montagmittag 11 Uhr gelten sollten, wurden wieder aufgehoben. Nur die Schulen bleiben heute geschlossen, so dass die Pessach-Ferien für die Schüler bereits begonnen haben. Es bestehen weiterhin Versammlungsverbote entlang des Gazastreifens und in der Nähe der libanesischen Grenze. Die Maximalzahl für Indoor-Veranstaltungen liegt bei 300, im Freien dürfen sich 100, resp. 30 Personen treffen. Arbeitsplätze sind nur dort geöffnet, wo sich ein Sicherheitsraum in erreichbarer Nähe befindet.

Zahlreiche Fluglinien hatten in den vergangenen Tagen ihre Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman und Teheran storniert und die Fluggäste gebeten, erst dann zum Flughafen zu kommen, wenn die Flüge wieder bestätigt sein werden. Die meisten Staaten in der Region hatten ihren Luftraum für jeden zivilen Flugverkehr geschlossen. Nachdem sämtliche Beschränkungen zwischenzeitlich wieder aufgehoben wurden, erwartet man in Ben-Gurion heute ein Passagieraufkommen von mehr als 50.000 Personen, die auf 380 Flügen in die Pessach-Ferien abfliegen wollen. Sollten aber nicht alle Fluglinien wieder ihre Flüge aufnehmen, kann es sein, dass mehr als 30.000 Reisende am Flughafen stecken bleiben.

Die IDF gibt bekannt, dass die Rückkehr von in den Süden des Gazastreifens evakuierten Menschen in den Norden des Landes derzeit nicht möglich ist. Betroffen ist sowohl die Küstenstrasse als auch die direkte Süd-Nord-Verbindung. Als Grund für das erneute Verbot wird das Wiederaufflammen der Kämpfe im Norden angegeben. «Der Norden des Gazastreifens ist nach wie vor eine aktive Kampfzone.»

Der Mossad und das Büro des PM haben heute mitgeteilt, dass die Hamas erneut einen von Israel unterbreiteten Vorschlag zu einer Vereinbarung bezüglich der Geiselbefreiung abgelehnt hat. «Der neue Vorschlag umfasste Details, die die hohe Flexibilität Israels zeigten. Die erneute Ablehnung beweist, dass Yahya Sinwar keinerlei Interesse an einer humanitären Lösung und Freilassung der israelischen Geiseln hat.» Israel werde jedoch weiterhin daran arbeiten, eine Lösung zu finden. Deshalb befindet sich immer noch ein stark eingeschränktes Verhandlungsteam in Kairo.

14 Jahre nach der ‘Mavi Marma I – Flotilla for Gaza’ wird morgen eine Flotilla von 14 Schiffen von der Türkei lossegeln, um die ‘Blockade von Gaza’ zu brechen. Sie führen 5.500 t an Hilfsgütern mit sich, die hoffentlich nicht dem Schrott gleichen, den die erste Flotilla mit sich führte. Darunter befanden sich u.a. eine grosse Zahl von defekten Rollstühlen und Rollatoren. Organisiert wird die Flotilla von Fehmi Bulent Yildirim, einem türkischen Aktivisten und Präsident der IHH. IHH wurde in der Vergangenheit immer wieder in Zusammenhang mit verschiedenen Terror-Organisationen, wie al-Qaeda, Muslim-Bruderschaft, ISIS und Palästinensisch-Islamischer-Djihad gebracht. Es ist dies, wie bereits im Jahr 2010 eine rein provokative Aktion, die nicht den Zweck erfüllt, den Palästinensern zu helfen.



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