7. Nissan 5784
Der rechtsextrem-nationalistische Smotrich übt heftige Kritik an der gestrigen Schliessung der Schulen in Israel. «Die Entscheidung, das Bildungssystem zu schliessen, war ein Fehler, sie hat zu Panik geführt und war nicht gerechtfertigt – der Finger war zu leicht am Abzug.» Die Entscheidung, die Pessach-Ferien bereits gestern beginnen zu lassen, war eine der Entscheidungen, die das ‘Home Front Commando’ angesichts der Bedrohung durch den Iran getroffen hatte. Von Panik allerdings war, im Gegensatz zu den markigen, aber überflüssigen Worten Smotrichs, nichts zu spüren. Die Familien, die gestern bereits in die Ferien flogen, waren froh, ihre Kinder problemlos mitnehmen zu können. Die, die daheim bleiben, machen sich eher Sorgen um die Tagesbetreuung für die Kinder, während sie ihrer Arbeit nachgingen. In Israel immer wieder ein Thema. Smotrich versprach weiterhin: «Ich werde dafür sorgen, dass es eine Antwort auf den iranischen Angriff gegen Israel am Wochenende gibt. Ich werde dafür sorgen, dass wir alles tun, was notwendig ist, um unsere Sicherheit zu gewährleisten.» Er hat schnell von Netanyahu gelernt, alle Entscheidungen als von ihm stammend zu verkaufen. Was die Zukunft von Gaza am ‘Tag danach’ betrifft, so fährt er eine extrem harte Schiene: «In Gaza gibt es 2 Millionen Nazis, die jeden Juden abschlachten, vergewaltigen und ermorden wollen. Wenn eine lokale Gruppe dort regiert, wird sie eine terroristische Organisation sein. Wir müssen dort derzeit operativ und militärisch regieren, bis wir gemässigte lokale Kräfte aufbauen können, die die Macht übernehmen.»
Sein ebenfalls rechtsextrem-nationaler Kollege Ben-Gvir forderte Netanyahu auf, VM Gallant sofort aus dem Amt zu entfernen. Als Grund gab er an, die geplante Auflösung des illegalen Siedlerpostens ‘Gal Yosef’ stelle «vor allem während der Shiva-Woche (Trauerwoche) schreckliche Stumpfsinnigkeit, moralische Verwirrung, Sicherheitsverrücktheit und einen Verstoss gegen das Gesetz dar. Darüber hinaus ist es eine Verletzung der Würde der Toten.» In Gal Yosef hatte der vorgestern tot aufgefundene Benjamin Achimeier gelebt. Nach seiner Ermordung überfielen hunderte radikaler Siedler einige palästinensische Dörfer und richteten dort grossen Sachschaden an. Bei den Ausschreitungen kam ein Mann ums Leben, zahlreiche weitere Personen wurden verletzt. «Anstatt mehr Farmen zu errichten und zu genehmigen und jüdische Siedlungen auszubauen, ergeben wir uns dem Feind» klagte Ben-Gvir.

Das Kriegskabinett beriet gestern Nachmittag ohne Ergebnis darüber, ob und falls ja, wie Israel auf den Angriff des Irans reagieren wird. Das Kabinett unterbrach die Sitzung, wird sie aber heute fortsetzen. Die Gratiszeitung ‘Israel Hayom’ zitierte eine ungenannte Quelle aus dem Büro des PM, dass es ‘eine Antwort geben wird’. Eine andere, ebenfalls anonyme Quelle betonte gegenüber dem Sender NBC, «…, dass eine Entscheidung noch ausstehe, die IDF aber Optionen präsentieren muss. Es ist klar, dass Israel reagieren wird.» Angeblich hätten Benny Gantz und Gadi Eisenkot noch während der laufenden Angriffe einen Gegenschlag befürwortet. Dieser Vorschlag sei jedoch u.a. von Netanyahu, VM Yoav Gallant und IDF-Chef Herzi Halevi dezidiert abgelehnt worden. Grund für die Ablehnung, so Kanal 12 war, die IDF nicht gleichzeitig mit der Abwehr der Angriffe und eigenen Angriffen zu belasten. Aus dem Büro des PM kam prompt ein Dementi, dass der Bericht nicht korrekt sei. Mich irritiert dabei zweierlei: warum kam es zu Verlautbarungen, wenn es keine einstimmige Entscheidung gab? Und warum belastet eine Abwehr mit zeitgleichen Angriffen die IDF? Beides wirft kein gutes Licht auf die Kompetenz der IDF. Und schon gar nicht auf die Entscheidungsfreudigkeit der Regierung.

Der UN-Sicherheitsrat befasste sich in der Nacht auf heute mit dem Angriff des Irans auf Israel. UN-Botschafter Gilad Erdan erklärte: «Die Maske der iranischen Unanfechtbarkeit ist gefallen. Kein Verstecken und kein Bluffen mehr. Kein Ausweichen vor der Verantwortung mehr. Der Iran hat Israel von seinem eigenen souveränen Territorium aus angegriffen, öffentlich und voller Stolz. Die Maske ist weg.» Erdan betonte weiterhin, dass der Iran sich nun als Sponsor des Terrors und Destabilisator in der gesamten Region erwiesen habe. Die UNO müsse den Iran aus alles Gremien verbannen und alle nur denkbaren Sanktionen gegen den Terrorstaat ergreifen.

Der Sprecher des iranischen Aussenministers, Nasser Kanani, zeigt sich von der iranischen Angriffspolitik auf Israel überzeugt: «Anstatt Vorwürfe gegen den Iran zu erheben, sollten westliche Länder sich selbst die Schuld geben und sich vor der öffentlichen Meinung für die Massnahmen verantworten, die sie gegen die Kriegsverbrechen ergriffen haben, die Israel im Krieg gegen die von Teheran unterstützte Hamas in Gaza begangen hat.» Im Brustton der Überzeugung heuchelt er: «Westliche Länder sollten die Zurückhaltung Irans in den letzten Monaten wertschätzen.» Teheran beruft sich Art 51 der UNO-Charta und das darin festgeschriebene Recht auf Selbstverteidigung.

Oppositionsführer Yair Lapid forderte erstmals die Minister der ‘Nationalen Einheit’, Benny Gantz und Gadi Eisenkot, dazu auf, gemeinsam die Regierung zu stürzen. In einer neuen Koalition verspricht Lapid mehr Einfluss der beiden erfahrenen Politiker und Ex-Generalstabschefs auf die Politik des Landes, als sie derzeit haben. «Der Weg, Einfluss zu nehmen, hilft uns, diese Regierung zu stürzen. Und wir werden eine Regierung bilden und in dieser Regierung werden sie viel mehr Einfluss haben. Benny Gantz könnte Premierminister werden. Es gibt keinen Bürger, der Eisenkot nicht als israelischen Verteidigungsminister begrüssen würde» zeigt Lapid sich überzeugt. Die derzeitige Nicht-Regierung ignoriere die politischen Fähigkeiten der beiden Spitzen-Politiker.
Während der Nachtstunden haben Kampfjets der IAF eine aus dem Osten auf Israel anfliegende Drohne abgeschossen. Ein Alarm wurde nicht ausgelöst, nachdem die Drohne während des ganzen Anfluges auf dem Radar der IAF war.

Es wird erwartet, dass die europäischen Aktienmärkte dem asiatischen Trend folgen und ihre Aktienkurse nach unten korrigieren werden. Während Gold und der US$ stabil blieben, rutschte der Yen gegenüber dem US$ deutlich ab und pendelt derzeit auf einem Wert, wie er zuletzt vor 30 Jahren markiert wurde.
An der libanesischen Grenze wurden in den Nachtstunden vier israelische Soldaten verletzt, einer von ihnen schwer. Die Hisbollah übernahm heute die Verantwortung dafür, Sprengsätze innerhalb des libanesischen Gebietes gegenüber vom Kibbutz Adamit platziert zu haben. Zum Zeitpunkt der Explosion wurden keine Kämpfe vermeldet, die IDF untersucht den Vorfall. Am Samstag wurde ein Soldat schwer verletzt, als eine Drohne unmittelbar in seiner Nähe explodierte.

Die gute Nachricht: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen! Der Iran hat sich mit seinem Angriff auf Israel gottseidank nicht als sehr erfolgreich erwiesen. Das Material, das in Richtung auf Israel abgeschossen wurde, war nicht das, was man auf Grund der grossartigen PR erwartet hätte. Modernes Kriegsgerät war es auf keinen Fall. Jetzt wird der schi’itische Iran genüsslich von den sunnitischen Staaten verspottet!
Innerhalb des Islam könnte der Unterschied zwischen den beiden Hauptrichtungen nicht grösser sein. Die Schiiten und Sunniten kämpfen seit dem frühen 7. Jahrhundert um die legitime Nachfolge von Mohammed, der 632 gestorben war. De facto übernahm zunächst ein Freund Mohammeds die Nachfolge, was von seiner Familie strikt abgelehnt wurde. Ali ibn Talib, Cousin und Schwiegersohn des Propheten wurde der vierte Kalif. Als er 661 starb, übernahm sein Widersacher die Macht. Jedoch verstand sich die ‘Shi’at Ali’, die Partei Alis, daher der Name Schi’iten, als einzig legitime Herrschaft über die Muslims. Die Reihe der Nachfahren Alis endete, als im Jahr 942 der ’12. Iman Muhammad al-Mahdi verschwand. Er wird erst am Ende der Welt wieder als Erlöser zurückkehren.
Um das Kommen zu beschleunigen, ist es erlaubt, ein grosses Chaos, auch eine Nuklearkatastrophe zu inszenieren.
Während der nächsten Jahrhunderte blieben die Schi’iten eine oft unterdrückte und verfolgte Minderheit, die eine von Ohnmacht und Hass geprägte Theorie entwickelten.
In anderen Reichen entwickelten sich zumeist sunnitische Dynastien, u.a. Abbasiden, Mameluken, Mogulen und Osmanen. Bei ihnen wechselten Zeiten zwischen friedlichem Zusammenleben und Konflikten regelmässig ab. Probleme traten zumeist dann auf, wenn Schi’iten in einem Gebiet die politische Macht übernahmen.
Der Iran ist eine von extremen fundamentalistischen ‘Chomeinismus’ geprägte Islamische-Republik. Sie wartet auf die Rückkehr des Madhi und legt Feuer, wo immer es geht. Israel ist dabei der grösste Feind, den sie bis aufs Blut bekämpfen.
Der Spiegel schreibt unter dem Titel: «Arabische Welt spottet mit Gurkenbildern und Tanz Memes über Irans Angriff auf Israel.» Hier nur zwei Cartoons, mehr gibt es im Artikel.


Kategorien:Israel
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