Krieg in Israel – Tag 200

15. Nissan 5784

Der iranische Aussenminister Hossein Amir-Abdollahian beklagte die von den EU-Staaten gegen den Iran geplanten Sanktionen als ‘bedauerlichen Fehler’. Der Iran habe nur in Selbstverteidigung gehandelt, als er in der vergangenen Woche mehr als 500 Drohnen und Raketen auf Israel abgeschossen habe. «Es ist bedauerlich zu sehen, wie schnell die EU beschliesst, weitere ungesetzliche Beschränkungen gegen den Iran zu verhängen, nur weil der Iran angesichts der rücksichtslosen Aggression Israels von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch gemacht hat.» Gleichzeitig forderte er die EU dringend auf, Sanktionen gegen Israel einzuleiten.

Sowohl vor der Villa der Netanyahus in Caesarea als auch auf dem ‘Platz der Geiseln’ in Tel Aviv fanden gestern Abend Demonstrationen statt, bei denen ein sofortiger Deal für die Freilassung der Geiseln gefordert wurde.

Während weltweit Juden den ersten Abend des Pessach-Festes begingen, verzichteten Familien und Freunde der Geiseln auf diesen in anderen Jahren beliebten Familienanlass. Vor der Villa in Caesarea wurde ein ‘Nicht-Seder-Tisch’ angezündet. «Wie ist es möglich, dass die Familie Netanyahu in einer schicken Villa feiert, wenn einige Israelis in Tunneln festgehalten werden, hungern, vergewaltigt, geschlagen und ermordet werden?», fragten die Demonstranten.

Bei den meisten privaten oder öffentlichen Seder-Abenden wurden die Geiseln und Opfer der Massaker thematisiert. Sei es durch einen ‘leeren Stuhl’, Poster mit den Bildern der immer noch in Gaza Festgehaltenen oder durch spezielle Draschot.

500 Mitglieder des am härtesten von den Massakern getroffenen Kibbutz Be’eri gedachten ihrer Lieben bei einem Seder auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv. Emily Hand, 9, die im November freigelassen wurde, sang mit anderen Mädchen des Kibbutz «Mah Nishtana?» (Was unterscheidet die heutige Nacht von anderen?) und stellte die traditionellen vier Fragen, die immer von den jüngsten Familienangehörigen gestellt werden. Die Veranstaltung, die nur für Mitglieder des Kibbuz Be’eri stattfand, beinhaltete einen klaren Aufruf an die Regierung, alles zu tun, um die Geiseln nach Hause zu bringen und die Verstorbenen zur Beerdigung nach Israel zurückzubringen.

Satellitenbilder zeigen, dass in der Nähe von Khan Younis, neben dem Tel-al Sultan Flüchtlingslager mit dem Aufbau einer grossen Zeltstadt begonnen wurde. Auch einfache Wohnhäuser werden erstellt. Nach den ersten, vor wenigen Tagen aufgenommenen Bildern erkennt man deutlich einen Baufortschritt. Die Tageszeitung Ha’aretz glaubt, dass die IDF das Auffanglager aufstellt, um auf die Evakuierung Rafahs vor dem Beginn der Bodenoffensive vorbereitet zu sein.

Die IDF hat die Bewohner einiger Viertel von Beit Lahiya dringend aufgefordert, sich in andere Stadtteile zu evakuieren. Demnach steht eine gross angelegte, wenn auch örtlich beschränkte Operation in diesen Gebieten bevor. Zu Beginn der Bodenoffensive waren alle Bewohner der Region aufgefordert worden, sich in den Süden des Gazastreifens zu begeben. 300.000 Menschen kamen der Aufforderung nicht nach und leben weiterhin im Norden des in den jetzt wieder umkämpften Gebieten. Es wird vermutet, dass sich in der Region noch einige Tausend Hamas-Terroristen aufhalten.

Die Hamas hat fälschlicherweise behauptet, ein Massengrab mit mehr als 200 Leichen in der Nähe eines Spitals in Khan Younis entdeckt zu haben. «Zivilschutzmannschaften bergen immer noch Leichen aus dem Inneren des ‘Nasser Medical Complex’. Seit Samstag wurden die Leichen von fast 200 Märtyrern geborgen. Mehrere Leichen sind bereits stark verwest.» Die Medienstelle der Hamas erhöhte die Zahl auf 283.

‘Geoconfirmed’ veröffentlichte Bilder, die zeigen, dass bereits am 3. Februar, also 12 Tage, bevor die IDF den Spital-Komplex betrat, Gazaner Massengräber ausheben. Die in al-Jazeera veröffentlichte Meldung wird als ‘Desinformation’ markiert.

Seitens der IDF wurde mittlerweile klargestellt: «Die Behauptung, die IDF hätten palästinensische Leichen vergraben, entbehrt jeglicher Grundlage. Die Leichen wurden in den letzten Wochen während unseres Einsatzes dahingehend untersucht, ob sich unter ihnen auch die sterblichen Überreste unserer Geiseln befinden. Die Untersuchungen fanden ausschliesslich dort statt, wo wir berechtigte Annahmen dazu hatten, dass dies möglich wäre.» Die Leichen wurden nach den Untersuchungen erneut beigesetzt.

Die UN veröffentlichte gestern einen Bericht, der sich mit den Vorwürfe Israels gegen die UNRWA befasst. Darin heisst es, dass Israel «keine stützenden Beweise für seine Behauptungen vorgelegt habe, dass eine beträchtliche Anzahl der Mitarbeiter der Agentur Mitglieder terroristischer Organisationen seien oder an den Massakern vom 7. Oktober aktiv beteiligt gewesen seien.»

Die ehemalige französische Aussenministerin Catherine Colonna war von der UNO mit der Untersuchung der Anklagen beauftragt worden. Israel hatte behauptet, 12 UNRWA -Mitarbeiter seien aktiv bei den Massakern beteiligt gewesen und 30 hätten die Massaker unterstützt und erleichtert. Bis zu 12% aller UNRWA-Mitarbeiter seien, so die Information aus Israel, eng mit der Terror-Organisation verbunden.

Israel stützt sich auf Aussagen von freigelassenen Geiseln, Body-Cam-Aufnahmen der Terroristen und Aussagen von festgenommenen Mitarbeitern. Welche Beweise muss man noch bringen????

UN-Generalsekretär Antonio Guterres wartete nicht bis zur offiziellen Veröffentlichung des Berichtes, sondern betonte bereits Stunden vorher, dass er den Bericht akzeptiere und forderte alle Staaten auf, die UNRWA, die die «Lebensader für Palästina-Flüchtlinge in der Region sei» auch weiterhin aktiv zu unterstützen.

Zwischen 2017 und 2022 gab es zwischen 7 und 55 Vorwürfe gegen die UNRWA, dass sie die in der UN-Charta vorgeschriebene Neutralität missachte, zwischen 2022 und 2024 indessen gab es mehr als 151 Anzeigen.

Die Israel zur Kontrolle und Identifizierung der UNRWA-Mitarbeiter vorgelegten Listen enthielten bis März 2024 keine ID-Nummern, so dass deren Identifizierung nicht vorgenommen werden konnte.

UN-Watch-Chef Hillel Neuer beklagte, dass «der Colonna-Bericht „eine völlige Schönfärberei ist, der Hunderte von Seiten und Tausende von Screenshots und Videos in unserem Beitrag zur Untersuchung ignoriert, die Beweise für die weitverbreitete Förderung des Terrorismus durch UNRWA-Mitarbeiter und deren systematische Weigerung enthielten. Ziel der Untersuchung ist es nicht gewesen, die Wahrheit herauszufinden, sondern die Spender zu beruhigen.»

Die UNO hätte sich die Untersuchung sparen können, alle Erkenntnisse und darauf folgenden Massnahmen sind nichts als Kosmetik.

Jene Menschen, die im Zuge der Angriffe von der Hisbollah aus ihren Orten evakuiert werden mussten, stehen vor dem wirtschaftlichen Ruin. Nicht allen wurden finanzielle und arbeitsrechtliche Vergünstigungen durch den Staat zugesagt. Viele von ihnen wurden zu Beginn des Krieges in den unbezahlten Urlaub geschickt. Zunächst erhielten sie die gesetzlich vorgeschrieben Arbeitslosenunterstützung. Doch die wird nicht unbeschränkt ausgezahlt. Einige sind bereits ausgezahlt, andere stehen kurz davor. Sie alle stehen nun ohne Einkommensquelle da. Und noch etwas ist ihnen gemeinsam: Der Staat bietet keine Lösungen an. Die Behörden schieben die Verantwortlichkeiten von A nach B, niemand ist zuständig. Die, die daheimbleiben mussten, leben in ständiger Angst. Auch sie können nicht mehr arbeiten, denn die Unternehmen wurden wegen Sicherheitsbedenken geschlossen. Wer Verwandte im Süden hat, schickt zumindest die Kinder während der Ferien dorthin, damit sie zur Ruhe kommen.

Schrillt der Alarm, so bleiben ihnen knapp 15 Sekunden (!), um einen Bunker zu erreichen.

Es ist ungerecht. Diejenigen, die vom Staat evakuiert wurden, erhalten aus Regierungsprogrammen die volle Entschädigung, die die nicht evakuiert wurden, weil die Sicherheitsbehörden das nicht für nötig hielten, bekommen nichts.

Eine Salve von 35 Raketen wurde unmittelbar vor dem Beginn des Pessach-Festes aus dem Süden des Libanon auf Israel abgeschossen. Im Gegenschlag wurden die Abschussrampen von der IDF zerstört. Die Raketen waren auf die Stadt Sfad ausgerichtet. Von der Hisbollah wurde fälschlicherweise bekanntgegeben: «Wir haben die Militärbasis Ein Zeitim in der Nähe von Sfad mit Dutzenden von Katyushas bombardiert.» Gestern hatte die Hisbollah mit einer Boden-Luft-Rakete eine israelische Drohne über dem südlichen Libanon abgeschossen, woraufhin die IDF Stellungen der Hisbollah zerstört hat.

Auch im Süden des Landes, in Sderot und Zekim wurde der Alarm ausgelöst. Die vier von Gaza aus abgeschossenen Raketen wurden von der IDF abgefangen und zerstört. Über Nacht wurden einige Abschussrampen der Hamas zerstört, bevor sie in Aktion treten konnten. Bereits vor zwei Stunden wurden zwei Raketen aus dem Gazastreifen abgeschossen, eine wurde abgefangen und zerstört, die zweite stürzte über dem Gazastreifen ab.

Die IDF fing ein verdächtiges Objekt ab, das sich vom Osten her auf die Region von Nahariya näherte. Zuvor waren die Sirenen ausgelöst worden. In den letzten Stunden flogen vermehrt Raketen und Drohnen auf die Region Akko, Nahariya, den Kibbutz Lochamej haGeta’ot und Bustad HaGalil. Bisher konnte die IDF die Angriffe erfolgreich abwehren.



Kategorien:Israel

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar