18. Nissan 5784


Was passiert, wenn man über eine rote Ampel fährt? Der Dienstwagen von Ben-Gvir krachte gestern Nachmittag bei der Rückfahrt von Ramle offenbar mit überhöhter Geschwindigkeit in ein entgegenkommendes Auto und überschlug sich anschliessend. Ben-Gvir wurde mittelschwer verletzt und über Nacht zur Beobachtung in ein Krankenhaus eingeliefert. Beim Unfall wurden insgesamt fünf Personen verletzt. Zu den Verletzten gehörten auch eine seiner Töchter, ein Wachmann und sein privater (!) Fahrer.
Das Überfahren von roten Ampeln gehört zu den regelmässigen Übertretungen, die nach Angaben seiner Mitarbeiter von Ben-Gvir befohlen werden. «Er fährt, als wäre er der Premierminister. Es besteht keine Chance, dass er im Stau herumsitzt. Das wird in einer Katastrophe enden.» Allein 79 (!) Verstösse sind von Ben-Gvir persönlich amtsbekannt.
Zwei Fragen: a.) Was macht seine Tochter im Auto, wenn das offensichtlich eine Dienstfahrt war und b.) Warum war der Kofferraum voll mit Lebensmittel(verpackungen), die auf einen vorhergegangenen Einkauf für den Shabbat hindeuten? Waren sie so schnell unterwegs, um noch vor Ladenschluss weiter einzukaufen?
Israel ist bereit, einen ‘letzten Versuch’ zu unternehmen, um doch noch eine Vereinbarung mit der Hamas bezüglich der Freilassung der Geiseln zu erreichen. Die letzte Runde der Verhandlungen endete am Freitag wieder ohne Ergebnis. Von israelischer Seite war man bereit, weitreichende, nicht näher benannte Zugeständnisse zu machen, hielt aber auch fest, dass die Bodenoffensive gegen Rafah beginnen werde, wenn es erneut zu keiner Einigung käme. Ein hochrangiger israelischer Beamter sagte gegenüber israelischen Medien, die Gespräche seien «sehr gut, konzentriert und in guter Stimmung verlaufen und haben in allen Parametern Fortschritte gemacht.» Bleibt abzuwarten, wie sich die Gespräche in den kommenden Tagen entwickeln. Die geplante Bodenoffensive gegen Rafah hat den internationalen Druck auf Israel verstärkt. Die Hamas hat die letzten Vorschläge Israels erhalten und wird sie, nach eigenen Angaben, jetzt prüfen.

Der Minister für ‘Nationale Unsicherheit’, der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir, hat wieder einmal unter Beweis gestellt, welch Geistes Kind er ist. Nach einem Briefing durch Generalstabschef Herz Halevi, in dem er berichtete, dass Hunderte Terroristen sich ergeben haben und festgenommen worden sind, fragte er: «Was sollen wir mit so vielen Gefangenen machen? Es ist gefährlich für die Soldaten. Kann man nicht einige von ihnen erschiessen?» Diese Frage wurde von Landwirtschaftsminister Avi Dichter kommentiert: «Ich höre Ihnen zu und bin mir nicht sicher, ob Sie ein Minister in Israel oder in einem anderen Land sind.» Halevi konterte: «Gefährlich für wen? Diejenigen, die sich ergeben, erschiessen wir nicht. Diejenigen, die uns angreifen, erschiessen wir. Es gibt kein Dilemma. Wir nehmen diejenigen, die ihre Hände heben, nur fest.» Ben-Gvir ist der Mann, der einst das Cadillac-Zeichen vom Dienstwagen des damaligen PM Jitzchak Rabin, s’’l, in der Hand hielt und sich brüstete: «Genauso wie wir es geschafft haben, dieses Zeichen zu bekommen, genauso können wir auch an Rabin herankommen.» Wenige Monate später wurde Rabin von einem Kumpanen Ben-Gvirs ermordet. Die IDF musterte ihn auf Grund seiner terroristischen Vergangenheit aus. Netanyahu nahm ihn in die Regierung, weil er ohne ihn und andere Extremisten keine Koalition bilden konnte und weil er ihm Dank für seine Unterstützung schuldete. Der Mann ist gefährlich für Israel!

Das Internationale Olympische Komitee unter Vorsitz von IOC-Chef Thomas Bach hat einige palästinensischen Athleten eingeladen, an den Olympischen Sommerspielen in Paris teilzunehmen. Die Sportler nehmen aus dem einen oder anderen Grund nicht an den Qualifikationswettkämpfen statt und sollen auch dann zugelassen werden, wenn sie sich nicht qualifiziert haben. So sehr ich mich für die Sportler freue, dass sie an der Olympiade mitmachen können, stellt sich doch die Frage: Gilt das gleiche Angebot auch für die Ukraine, für Uiguren, Rohingya, Kurden, Jesiden, und unzählige andere Volksgruppen? Warum erhält die PA immer wieder diese unglaubliche und ungerechtfertigte Bevorzugung?

Ein Schiff der britischen Marine, die ‘Cardigan Bay’, ist mit einigen Hundert US-Soldaten an Bord von Zypern losgesegelt. Die Soldaten sollen beim Bau des temporären Landestegs vor Gaza mithelfen, der bis Anfang Mai fertiggestellt werden wird. Zunächst werden dort täglich 90 LKW-Ladungen, die in Zypern kontrolliert und abgefertigt wurden, umgeladen, später sollen es bis zu 150 sein. Die Lieferungen werden alternierend über den Landesteg vor Gaza oder über den israelischen Hafen Ashdod in den Gazastreifen kommen. Ein Schiff, beladen mit Hilfsgütern der VAE, hat gestern den Hafen von Larnaca mit Ziel Gaza verlassen.
Drei Raketen wurden von den Houthi-Terroristen auf einen bisher nicht identifizierten Frachter etwa 15 sm süd-westlich von Mokha abgeschossen. Der Frachter war unterwegs von Pimorsk, Russland, nach Vadinar, Indien. Die erste Rakete verfehlte ihr Ziel und explodierte in der Nähe des Schiffes, die zweite und dritte trafen und richteten Schaden an Bord an. Diese Informationen kamen von ‘United Kingdom Maritime Trade Operations’ und beriefen sich auf Beobachtungen eines anderen, in der Nähe befindlichen Schiffes.
Die IAF flog heute einige Angriffe auf Khan Younis, das Gebiet um Rafah und das Flüchtlingslager Nuseirat. Nach Berichten der Hamas gab es Tote und Verletzte. Die IDF gab noch keine Kommentare ab.
Eine Salve von mehr als 30 Raketen wurde gestern Abend von der Hisbollah auf israelisches Gebiet abgeschossen. Das Ziel der meisten Raketen war das Gebiet um den Hermon. Es gab keine Berichte über Schäden. Am heutigen späten Nachmittag wurden in nahezu allen Orten im oberen Galil die Sirenen aktiviert. Auch hier gab es noch keine Schadensmeldungen.

Der stv. Generalsekretär der Hisbollah, Naim Qassem, warnt, dass ein grossangelegter Krieg gegen Israel die evakuierten Bewohner der Grenzregionen nicht zurückbringen wird, sondern, im Gegenteil, «ihre Anwesenheit dort ein für allemal beenden wird.» Er bezieht sich dabei u.a. auch auf die Regionen, auf die der Libanon Anspruch erhebt. Seit dem 8. Oktober finden regelmässig Angriffe der Hisbollah statt. Bisher waren auf israelischer Seite neun zivile Opfer und 11 Soldaten zu beklagen. Laut Angaben der Hisbollah wurden 289 ihrer Mitglieder, sowie weitere 56 Angehörige anderer Terrorgruppen getötet, dazu ein libanesischer Soldat und etwa 60 Zivilisten.



Die gute Nachricht: Lihi Lapid, Ehefrau von Oppositionsführer Yair Lapid, ist Mutter einer autistischen Tochter, Journalistin, Fotografin und Unterstützerin von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Seit dem 7. Oktober ist sie unermüdlich mit unglaublicher Präsenz bei den Familien der Geiseln, Überlebenden des Massakers, verletzten Soldaten und Zivilisten, traumatisierten Kindern, Hinterbliebenen von Opfern der Massaker und des Krieges unterwegs. Man glaubt ihr jede Emotion, die Erschütterung, die Trauer, die Hilflosigkeit und die Wut. Aber man glaubt ihr auch ihr herzlichen Lachen und das feine Lächeln, ihre Umarmungen.
Gerade erst wurde ihr Roman ‘On her own’ ins Englische übersetzt und damit als erstes ihrer Bücher im Ausland veröffentlicht.
Eine der Protagonisten, Carmela, eine ältere, an Demenz erkrankte Witwe, verlor ihren Sohn während des Militärdienstes. Vielleicht ist es der Teil des Buches, der die Frauen in Israel so stark angesprochen hat. Seit dem 7. Oktober haben 604 Mütter ihre Söhne durch das Massaker oder im Krieg verloren. Sie identifizieren sich oft mit Carmela, Lihi bedauert, ihnen nicht viel helfen zu können: «Wenn ich diese Mütter treffe, gibt es nichts, was ich ihnen wirklich sagen kann. Ich höre nur zu und umarme sie. Ein Kind zu verlieren, ist das Schrecklichste, was es gibt.»
‘On her own’, im Original ‘Die Fremde’, beleuchtet zahlreiche Aspekte der israelischen Gesellschaft, darunter auch schmerzhafte und hässliche.
Die zweite Protagonistin, Nina, ist ein russisch-israelischer Teenager. Sie ist vor dem bedrückenden Leben in einer Kleinstadt und erlebter sexueller Gewalt nach Tel Aviv geflohen.
Carmela und Nina treffen sich in einem Stiegenhaus. Carmela glaubt, ihre Enkelin Dana, die in den USA lebt, sei zu ihr zurückgekommen. Nina nutzt die Chance und zieht, um ihrem Peiniger zu entkommen, bei Carmela ein. Immer in der Hoffnung, dass Carmela in einem ihrer klaren Momente den Betrug nicht entdeckt.
Man spürt, dass Lihi ihre verschiedenen Fähigkeiten in das Buch einbringt. Sie verwebt Bilder zu intensiven Geschichten, die schlussendlich einen in sich abgerundeten Roman bilden.
Es war ein Gedicht eines trauernden Vaters, der seinen Sohn im Militär verloren hat. Als bei ihm Demenz im Anfangsstadium diagnostiziert wird, schreibt er: «Wenn ich alt bin und an Demenz leide, werde ich dich fragen: Wo ist er? Sag mir nicht, dass er vor langer Zeit gestorben ist. Sag mir, er ist gerade weggegangen und wird gleich wiederkommen.»
Dieses Gedicht hatte ihr Mann Yair ihr gezeigt. Es war der Anlass, statt der zunächst als Holocaust-Überlebenden angelegten Carmela, eine an Demenz erkrankte Witwe zu porträtieren.
Der Roman hat viele, wenn auch nicht offensichtliche autobiografische Züge.
Kol HaKavod, Lihi!
Kategorien:Israel
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