24. Nissan 5784

Osama Hamdan, ein ranghoher, im Libanon lebender Hamas-Terrorist, sagte gestern am späten Abend, dass der letzte von den Mediatoren vorgelegte Vorschlag negativ bewertet werde. Das ist allerdings noch keine offizielle Ablehnung, sondern nur eine inoffizielle Meinung!
«Die negative Position bedeutet nicht, dass die Verhandlungen gestoppt wurden. Es gibt noch unklare Positionen auf beiden Seiten.» Angeblich wird von der Hamas heute ein abgeändertes Konzept vorgelegt, dass in einigen Teilen dem der katarischen, ägyptischen und US-amerikanischen Mediatoren entspricht. Ob und inwieweit Israel allerdings zu weiteren Konzessionen bereit ist, bleibt abzuwarten. Hamdan warnte davor, dass die Hamas die Verhandlungen aufgeben werde, wenn Israel seine seit langem angekündigte Bodenoffensive gegen Rafah tatsächlich beginnen wird. Das ist es, was Netanyahu gestern dem US-Aussenminister Antony Blinken mitgeteilt hat. Die Operation gegen Rafah werde auf jeden Fall stattfinden, gleichgültig, ob es zu einer Vereinbarung kommt oder nicht.
Man darf es nicht vergessen: Es war die Hamas, die den Krieg begann, indem sie das seit 2021 bestehende Waffenstillstandsabkommen brach und das grausame Massaker vom 7. Oktober ausführte.
Aber: Es ist auch der starrköpfigen und egozentrischen Haltung von Netanyahu zu verdanken, dass es bisher zu keiner Vereinbarung gekommen ist. Um seinen Regierungsfauteuil zu behalten und seine Machtposition zu sichern, gibt er immer wieder den Forderungen seiner rechtsextremen Koalitionspartner nach. Die haben gedroht, wenn Rafah nicht stattfindet, die Regierung zu sprengen.
Das Kriegskabinett wird heute um 18:30 eine ausserordentliche Sitzung abhalten. Das einzige Thema: Wie geht es mit den Verhandlungen weiter? Anschliessend an die Sitzung im kleinen Kreis wird der gesamte Sicherheitsrat zusammentreffen.
Vor wenigen Minuten kam von Ägypten die erneute Einladung, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

US-Aussenminister Antony Blinken versucht nach wie vor, in der Öffentlichkeit Netanyahu in Schutz zu nehmen. Gegenüber NBC erklärte er, dass Israel bereit sei, ‘grosse Kompromisse’ einzugehen, um eine Freilassung der Geiseln zu erreichen. Die Verantwortung, so betonte er, liege nun bei der Hamas. «Es bringt einen sofortigen Waffenstillstand, es bringt die Geiseln nach Hause und es gibt uns etwas, auf dem wir aufbauen können.» Auf die Frage, ob die klare Aussage Netanyahus, dass die Bodenoffensive unabhängig von einer Vereinbarung stattfinden würde, die Chancen auf eine Einigung torpediert, antwortete er äusserst diplomatisch: «Menschen sagen Dinge; konzentrieren wir uns darauf, was sie tun und was wir tun.»
Wann wird er endlich auch in der Öffentlichkeit einmal ein deutliches Statement abgeben, dass neben der Hamas auch Netanyahu eine klare Mitschuld am Scheitern der Verhandlungen trägt. Welcher massgebliche Politiker wird Netanyahu die Rute ins Fenster stellen und insistieren, dass die Zeit seiner politischen Wankelmütigkeit vorbei ist?


Erste Untersuchungsergebnisse zeigen, dass fast alle Armeeposten entlang der Grenze zu Gaza eine Routineinspektion am 4. Oktober nicht bestanden haben. Die Untersuchung fand genau 72 Stunden vor dem Beginn des Massakers am 7. Oktober statt. Mehr als 1200 Menschen wurden grausam vergewaltigt, verstümmelt und ermordet, 253 wurden in den Gazastreifen verschleppt. Warum reagierte die IDF nicht sofort? Die Untersuchungen ergaben, dass die Armeestützpunkte einfach überrollt wurden und die Befehlsketten offensichtlich unterbrochen waren. So gelang es den Terroristen, Waffen und Munition zu stehlen, die Anlagen zu zerstören und Dutzende Soldaten zu ermorden.
Die Inspektionen seien, so die IDF, eine Routine gewesen, mit dem Ziel, die Sicherheit der Stützpunkte zu überprüfen. Es sei nicht das Ziel gewesen, einen plötzlichen Angriff zu simulieren.
Obwohl, auch das darf nicht vergessen werden, gerade die Soldatinnen vom Stützpunkt Nahal Oz in den vorgehenden Monaten immer wieder ihre Vorgesetzten auf auffallende Unregelmässigkeiten entlang der Grenze aufmerksam gemacht hatten. Ihre Beobachtungen wurden nicht nur ignoriert, sondern sie wurden sogar damit bedroht, vor ein Kriegsgericht gezerrt zu werden, wenn sie nicht aufhörende würden, die Offiziere damit zu belästigen. 15 Soldatinnen der Basis starben und sechs weitere wurden als Geiseln genommen.

Familienangehörige und Freunde haben heute Vormittag erneut den Ayalon, der die wichtigste Transversale durch Tel Aviv ist, blockiert. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift «Entweder Rafah oder die Geiseln – entscheidet euch für das Leben!»


Unter den Demonstranten auf dem Ayalon waren auch der Vater von Nimrod Cohen, 19, und der Neffe von Gadi Mozes, 79. Auch vor der derzeit im Umbau befindlichen Residenz des PM, wo sich seit Wochen Protestzelte befinden, fanden heute wieder Demonstrationen statt.

COGAT veröffentlichte erneut die Zahlen der gestrigen Hilfslieferungen nach Gaza.
- 406 LKWs wurden kontrolliert und für die Weiterfahrt freigegeben
- 88 LKWs brachten Hilfslieferungen für den Norden des Gazastreifens, 30 davon fuhren über den wiedereröffneten Übergang Erez
- 76 LKWs kamen aus Jordanien
- 173 Paletten mit Fertigmenüs wurden über dem Norden abgeworfen.
Kategorien:Israel
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