Krieg in Israel – Tag 210

24. Nissan 5784

Aus dem Kibbutz Be’eri wurde heute berichtet, dass Dror Or, 49, s’’l, nicht wie zunächst vermutet, am 7. Oktober mit zwei seiner drei Kinder in den Gazastreifen verschleppt wurde. Neueste forensische Erkenntnisse ergaben, dass er noch im Kibbutz von den Hamas-Schlächtern ermordet wurde und seine sterblichen Überreste in Gaza zurückgehalten werden. Die beiden Kinder wurden im November freigelassen. Erst bei der Ankunft daheim erfuhren sie, dass ihre Mutter Yonat, 50, s’’l, beim Massaker ermordet worden war.

Elyakim Libman, 24, s’’l, der als Ordner am Nova -Musik-Festival tätig war, galt bis heute ebenfalls als in den Gazastreifen verschleppt. Noch während des Massakers hatte Libman zahlreichen Teilnehmern geholfen, sich vor den Hamas-Schlächtern in Sicherheit zu bringen. Nach monatelangen forensischen Untersuchungen musste heute seine Familie informiert werden, dass auch er ein Opfer der Hamas-Schlächter wurde. Seine sterblichen Überreste wurden in einem nochmals geöffneten Grab gefunden.

Die erste Lieferung von Hilfsgütern und Lebensmitteln, die von Jordanien aus über den wiedereröffneten Warenübergang Erez in den Gazastreifen kam, wurde von der Hamas gestohlen. Dieser Vorfall ereignete sich am 1. Mai und war der erste, der von den USA offiziell bestätigt wurde. Am Tag zuvor hatte US-Aussenminister Antony Blinken den Konvoi noch in Amman besichtigt. Unmittelbar hinter der Grenze wurden die LKWs von jordanischen Soldaten entladen und einer humanitären Organisation übergeben, die die Verteilung vornehmen sollte. Die Ladung wurde jedoch von der Hamas abgefangen. Ein Sprecher des US-Aussenministeriums, Matthew Miller, stellte fest, «…, dass die Hamas die Lieferungen von Hilfsgütern gefährdet, indem sie die Lieferungen abfängt und für ihre eigenen Zwecke nutzt, statt sie der zivilen Bevölkerung zukommen zu lassen. Es ist dies der erste Fall, den wir selbst beobachten konnten.» Bisher waren die zahlreichen entsprechenden Berichte aus Israel immer geleugnet worden, obwohl sie mit Drohnenaufnahmen klar belegt werden konnten. Jene israelischen Aktivisten der Gruppe Tzav 9, die den Konvoi zuvor an der Allenby Bridge gestoppt hatten, wurden gestern israelischen Gerichten vorgestellt.

Die Feierlichkeiten zum israelischen Unabhängigkeitstag, der in diesem Jahr am Abend des 13. Mai beginnt, wird dem Krieg angepasst, in einem anderen Format stattfinden. Die traditionellen Fly-Over der Luftwaffe und die Parade der Marine vor der Küste und vor Eilat wurden ebenfalls abgesagt.

Die Veranstaltung wird ohne Publikum im Vorfeld aufgezeichnet und am Abend des Unabhängigkeitstages im TV ausgestrahlt.

Die Zeremonie des Fackel-Anzündens, steht in diesem Jahr ganz im Fokus des 7. Oktobers. Tausende von Sicherheitskräften und Personen, die sich durch heldenhaften Einsatz während des Massakers ausgezeichnet haben, wurden nominiert.

Um dem gerecht zu werden, wird jeweils eine Gruppe die Fackeln anzünden. Es gibt Fackeln für die Sicherheitskräfte (IDF, Shin Bet, Mossad und Polizei), die Retter (Zivilisten), lokale Sicherheitsteams (Kibbutzim und evakuierte Orte im Norden), Rettungskräfte (Sanitäter, United Hatzalah, Magen David Adom, Zaka, Feuerwehr), ‘Hasbara’ (Yosef Haddad, arabisch-israelischer Influencer und Ella Keinan, die als Influencerin #hamasisisis kreierte).

Die traditionellen Fackeln, von denen jede für einen der 12 Stämme steht, werden in den Grenzgemeinden um den Gazastreifen angezündet, die während der Massaker schwer beschädigt wurden und schwere Verluste erlitten.

Die Sicherheitskräfte werden bei allen Zeremonien der Feiertage, die ausserhalb von Militärbasen abgehalten werden, auf das Tragen ihrer Paradeuniform verzichten. Der Grund für diese Entscheidung sind operative Überlegungen angesichts des Krieges.

Bei der gestrigen Sitzung des Kriegskabinetts wurden die Möglichkeiten einer Bodenoffensive gegen Rafah diskutiert, nachdem man davon ausgeht, dass die Hamas das auf dem Tisch liegende Angebot zur Befreiung der Geiseln ablehnen wird. Das Wall Street Journal schrieb unter Berufung auf eine anonyme arabische Quelle, dass Hamas-Ober-Terrorist Yahya Sinwar sicher ist, die Militäraktion gegen Rafah überleben zu können. «Von Sinwar wird erwartet, dass er jedes Abkommen ablehnt, das keinen glaubwürdigen Weg zur Beendigung des Krieges vorsieht. Sinwar glaubt, dass er den Krieg bereits gewonnen hat, ob er ihn überlebt oder nicht, indem er der Welt die Augen für das Leid der Palästinenser öffnet und den Konflikt in den Vordergrund der globalen Angelegenheiten rückt.» Israel hat mittlerweile die Hamas aufgefordert, innerhalb einer Woche ein Abkommen zu akzeptieren. Sollte das bis dahin nicht der Fall sein, werde man mit der Bodenoffensive gegen Rafah beginnen.

Wenn es nicht so dramatisch wäre, müsste man lachen. Alle Umfragewerte zeigen deutlich, dass eine Mehrheit der Israelis den Tag herbeiwünscht, an dem der PM nicht mehr Netanyahu heisst. Nur er selbst ist offensichtlich davon überzeugt, dass er, und nur er, in der Lage ist, sich der Herausforderung als Kriegs-PM zu stellen. Er steht für ihn zweifelsfrei fest, dass er die nächsten Wahlen, wann auch immer sie stattfinden, gewinnen wird. Deshalb wird er auch selbstverständlich wieder kandidieren. Er sieht diese Annahme als natürliche Folge, wenn, und von dem geht er aus, ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln unterzeichnet wird. In dem Fall haben die rechtsextremen Minister Smotrich und Ben-Gvir angekündigt, die Koalition zu verlassen. Das würde die Koalition stürzen und Neuwahlen erfordern. Das berichtet heute der politische Analyst Shalom Yerushalmi im Times of Israel

Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, hatte noch vor wenigen Wochen gefordert, dass Netanyahu zurücktreten und Neuwahlen einleiten solle. Jetzt hat er ihn eingeladen, vor dem gesamten Kongress eine Rede zu halten. Die Initiative ging allerdings nicht von Schumer aus. Den Antrag stellte bereits im vergangenen Monat der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Ein Termin steht noch nicht fest.

Schumer hatte am 14. März gesagt: «Netanyahu hat sich gerirrt und sich in eine Koalition mit rechtsextremen Extremisten wie Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir begeben. Die Netanyahu-Koalition entspricht nach dem 7. Oktober nicht mehr den Bedürfnissen Israels. Die Welt hat sich seitdem radikal verändert, und das israelische Volk wird derzeit von einer Regierungsvision erstickt, die in der Vergangenheit feststeckt.»

Der ehemalige stv. Generalstabschef der US-Army, Jack Keane, sagte in einem Interview mit Sky News, dass Sinwar und seine Familie ununterbrochen von 15 bis 20 israelischen Geiseln umgeben sind. Die Geiseln dienen ihnen als menschliche Schutzschilde, sie sind ihre Lebensversicherung. Keane betonte auch, Israel sei mit den aktuellen Militäraktionen gegen die Hamas völlig im Recht, um die Freilassung der Geiseln zu erzwingen. Diese Aussagen entsprechen der bereits im Februar veröffentlichten Vermutung, dass sich Sinwar mit seiner Familie im Tunnelsystem verstecke und immer von Geiseln umgeben sei.

Eine 43 Jahre alte Frau wurde in Yarka, im oberen Galil durch ein herabstürzendes Schrapnell leicht verwundet. Eine aus dem Südlibanon heranfliegende Drohne war zuvor von der IDF abgefangen und zerstört worden. Während der gleichen Angriffswelle fiel ein Schrapnell auf ein Gebäude in Julis und richtete dort geringen Schaden an. Kurze Zeit nach dem Drohnenangriff wurden mindestens 10 Raketen aus dem Libanon auf israelisches Gebiet abgeschossen, richteten aber keinen Schaden an.



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