Krieg in Israel – Tag 217

 2. Ijar 5784

United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO) gab heute bekannt, dass es etwa 195 km östlich von Aden einen misslungenen Entführungsversuch gegeben hat. Der Kapitän des noch nicht näher bezeichneten Schiffes erklärte, ein kleineres Boot mit fünf oder sechs Bewaffneten an Bord, die auch Leitern bei sich trugen, hätten sich dem Frachter genähert. Nachdem die Piraten einige Schüssen abgegeben hatten, mussten sie ihr Unterfangen abbrechen, weil das Sicherheitsteam an Bord des Frachters das Gegenfeuer auf sie eröffnete. Der Frachter konnte unbeschädigt weiter zu seinem Zielhafen segeln. 

Bei der Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts wurde in den späten Abendstunden auch über den hirnlosen und infamen Kommentar des rechtsextremen Ben-Gvir gegen US-Präsident Joe Biden diskutiert. Obwohl die Sitzung wie immer ohne Publikum stattfand, sickerten einige Kommentare durch. Ben-Gvir selbst rechtfertigte seinen Kommentar: «Er ist sanft im Vergleich zu dem, was die meisten Israelis denken. Wir müssen mit den Amerikanern mit Respekt sprechen – aber deutlich machen, dass es weniger humanitäre Hilfe für die Palästinenser in Gaza geben wird, wenn Sanktionen gegen uns verhängt werden.» 

Netanyahu soll in schallendes Gelächter ausgebrochen sein, als Geheimdienst-Ministerin Gila Gamliel, Likud, einwarf: «Er [Ben-Gvir] ist ein Romantiker – er hat sogar ein Herz-Emoji hinzugefügt.» Kindisch, geschmacklos und absolut unpassend.Ben-Gvir, angefeuert durch diese Aussage, doppelte nach: «Solche Tweets werden sich vermehren. Ich erwarte von allen Ministern, dass sie sich mir anschliessen. Wir sollten eine Botschaft senden, dass es sogar in den USA eine Mehrheit gegen Biden gibt.» Gadi Eisenkot, Minister im Kriegskabinett antwortete: «Sie sollten tief durchatmen und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten grossen Respekt zollen.» Ähnliches forderte auch Avigdor Lieberman: «Wir sollten den Dialog mit unserem strategischen Verbündeten hinter verschlossenen Türen führen. Was ich auch schon im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit der Hamas gesagt habe: Ich empfehle bestimmten Politikern hier, den Mund zu halten.» 

Das Sicherheitskabinett stimmte gestern dafür, die IDF-Operationen in Rafah weiter auszudehnen. Allerdings soll die Ausdehnung in einem limitierten, massvollen Rahmen geschehen, um nicht die von den USA benannte ‘rote Linie’ zu überschreiten. Allerdings sind sich die politischen US-amerikanischen Beobachter nicht einig, ob die Einschränkung wirklich weitgehend genug ist.Die Gruppe stimmte weiterhin dafür, die Verhandlungen zum Geiselabkommen weiter fortzuführen. Die beiden rechtsextremen Minister Smotrich und Ben-Gvir stimmten gegen die Beschlüsse, wurden aber überstimmt. 

Der ehemalige PM und leider aus der Politik zurückgezogene Naftali Bennett äusserte sich ebenfalls zu den Vorwürfen aus den USA und den Reaktionen darauf in Israel. Die Entscheidung des US-amerikanischen Präsidenten Joe Binden, noch ausstehende Waffenlieferungen einzufrieren, bezeichnete er als ‘zutiefst fehlgeleitet.’ Bennett bestreitet vehement, dass Israel, wie von Biden unterstellt, ‘absichtlich Bomben auf Zivilisten abwirft’. «Auf keinen Fall. Never. Wir zielen niemals auf Zivilisten. Tatsächlich haben wir die geringste Quote an Kollateralschäden in der Geschichte der urbanen Kriegsführung. Wir tun alles, um unnötige Todesfälle zu vermeiden. Sonst hätten wir das Ganze innerhalb von drei Tagen hinter uns gebracht, wenn es uns egal wäre.» Auf die Frage nach der unsäglichen Aussage von Ben-Gvir antwortet er: «Das ist eine kindische und dümmliche Antwort, und ich werde sicherlich nicht jede Dummheit verteidigen, die irgendein Minister sagt.» 

Die IDF hat mit vorrückenden Panzern eine Grenze zwischen dem dicht besiedelten West- und dem kaum besiedelten Ost-Rafah bezogen. Sie hatte zunächst bereits am Montag, zu Beginn der noch limitierten Bodenoffensive einen Teil der Sala a-Dinh Road, die zeitweilig als Evakuierungsroute diente, erobert. Bewohner der noch nicht evakuierten Stadtteile berichteten von anhaltenden Schusswechseln und Explosionen. Die palästinensische Terror-Organisation Hamas gab bekannt, erfolgreich einige Hinterhalte gegen die IDF gelegt zu haben. 

Am frühen Nachmittag wurden erneut zahlreiche Alarme im oberen Galil ausgelöst. Die meisten der Alarme standen für heranfliegende Drohnen. Raketen wurden auf den Kibbutz Misgav Am unmittelbar an der libanesischen Grenze abgefeuert, es gab keine Meldungen über Verletzte. Ein Gebäude wurde von einer Rakete getroffen, die dort Sachschaden in unbekannter Höhe verursachte. 

Die Hilfsorganisation der UNO beklagte, dass durch den über mehrere Tage hinweg geschlossenen Warenübergang Kerem Shalom keine Hilfsgüter, Treibstoffe und sonstige humanitäre Hilfe in den Gazastreifen gelangt sei. Der leitende UNICEF-Koordinator für den Gazastreifen betonte: «Dies ist bereits jetzt ein grosses Problem für die Bevölkerung und alle humanitären Akteure, aber in wenigen Tagen könnte der Mangel an Treibstoff die humanitären Massnahmen zum Erliegen bringen, wenn er nicht behoben wird.» Was er ‘vergass’ zu erwähnen und damit befindet er sich im besten Einvernehmen mit der gesamten UNO, die Ursache der Schliessung war nicht Israel, sondern der fortgesetzte Beschuss durch die Hamas, der auch heute weiterging.



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