Krieg in Israel – Tag 220

5. Ijar 5784

Präsident Isaac Herzog äusserte sich bei der nationalen Gedenkstunde auf dem Militärfriedhof am Mt. Herzl: «Bei dieser für uns alle – als Nation und als Land – notwendigen Erholung geht es nicht nur darum, in die Zukunft zu blicken und unser ‘Haus’ wieder zu errichten, sondern auch darum, die Gegenwart zu reparieren. Und unsere Gegenwart wird nicht ganz sein, und unsere Wunde wird nicht heilen, bis alle Geiseln zurückkehren – unsere geliebten Brüder und Schwestern, die in Not und Gefangenschaft sind.» Zu den anwesenden Familien der Opfer des Massakers vom 7. Oktober sagte er: «Niemand kann das Ausmass der Leere, die sich in Ihrem Leben aufgetan hat, wirklich verstehen. Unsere Rolle, die Rolle des gesamten israelischen Volkes, ist es, Sie zu unterstützen.»

VM Yoav Gallant hält fest, und er hat leider Recht mit dem, was er sagt: «Die Auswirkungen des Krieges werden in der Bevölkerung noch jahrelang nachklingen. Der Krieg wird unser Leben noch für die nächsten Jahrzehnte prägen.» Die Massaker vom 7. Oktober verursachten den tragischsten Angriff auf Israel und die Juden seit der Shoa. Die psychischen Folgen der Shoa sind heute noch bei vielen nachfolgenden Familienangehörigen von Überlebenden spürbar. «Der Krieg wird weitergehen, bis alle Geiseln befreit sind, wir die Herrschaft der Hamas und ihre militärischen Fähigkeiten zerschlagen haben und wir dem Staat Israel Wohlstand und Kreativität und seinen Bürgern ein Lächeln ins Gesicht zurückbringen.»

Netanyahu nahm ebenfalls an der Zeremonie teil. «Der Kampf in Gaza ist eine Entscheidung zwischen Freiheit und Wohlstand oder Verzweiflung, Mord und Gewalt. Entweder siegen wir oder die Monster der Hamas. Und wir sind entschlossen, den Kampf zu gewinnen.» Er versprach: «Wir werden die Ziele des Sieges erreichen und vor allem alle unsere Geiseln nach Hause bringen.» Im Publikum befanden sich Minister, Oberrabbiner, der Stabschef der IDF und Hinterbliebene. Gegen Ende seiner Rede konnte man laute Stimmen hören, diese riefen: «Müll, du erzählst nur Müll!» und «Er hat mir meine Kinder genommen!»

Der Chef des Shin Bet, Ronen Bar, beteuert bei einer Veranstaltung im Hauptquartier in Tel Aviv, dass der Sicherheitsdienst aus den Fehlern im Vorfeld des Terrorangriffes der Hamas am 7. Oktober lernen wird. «Es ist ein schwieriger Tag für jede trauernde Familie, ein schwieriger Tag für jeden Bürger, ein schwieriger Tag für jeden Mitarbeiter des Shin Bet und auch ein schwieriger Tag für mich persönlich.» Der Shin Bet, so versprach er, werde eine gründliche Untersuchung unternehmen, welche Rolle er an den Fehlern vom 7. Oktober gespielt hat. Ronen zeigte auch klar den Unterschied zwischen Israel und den palästinensischen Hamas-Terroristen auf: «Das ist der wahre Unterschied zwischen uns und ihnen: Wir opfern unser Leben für die Bürger, sie opfern das Leben der Bürger für sich selbst.»

Erneut kam es am heutigen Vormittag zu einem Beschuss aus dem Gazastreifen auf Gemeinden in der Nähe des Gazastreifens. Zwei Raketen stürzten auf unbebautem Gebiet ab, es gab keine Schäden.

Schnell gelöschte Feuer brachen in der Nähe von Beit Hillel aus, nachdem zwei mit Sprengstoff beladene Drohnen der Hisbollah auf freiem Gelände niedergingen. Sie verursachten keinen weiteren Schaden. Die Hisbollah hingegen behauptete, beide Drohnen hätten direkt ein Militärcamp getroffen und grossen Schaden angerichtet. Am Vormittag wurden durch Angriffe der Hisbollah mit Panzer-Abwehr-Raketen vier Soldaten in der Nähe des Kibbutz Yiftah verletzt.Gegen Mittag kam es zu einer zweiten Angriffsserie auf Ortschaften im Oberen Galil.

Heftige Kämpfe brachen heute Vormittag zwischen der IDF und palästinensischen Hamas-Terroristen in Jabaliya aus. Während die IAF den Panzern Deckung gab, stiessen diese tiefer in das Zentrum des Flüchtlingslagers vor. Bewohner berichteten, dass einige Häuser durch Luftangriffe zerstört worden sind. Die Angriffe in der bereits entmilitarisierten Zone wurden notwendig, nachdem sich dort erneut Terrorzellen gebildet hatten. Auch im Ostteil von Rafah gingen die Kämpfe unvermindert weiter. Palästinensische Medien berichteten, dass die IDF Drohnen einsetzt, um Polizeifahrzeuge in Rafah unter Beschuss zu nehmen.

Zwei Soldaten wurden heute durch Mörsergranaten, die palästinensische Hamas-Terroristen in Rafah auf sie abgeschossen hatten, schwer und sechs weitere leicht verletzt. Bei einem weiteren Vorfall wurde ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums schwer und zwei seiner Kollegen leicht verletzt. Bereits gestern wurde ein Soldat bei einem Feuergefecht mit Terroristen im nördlichen Gazastreifen schwer verletzt. In der Nähe der Grenze zwischen Gaza und Israel auf Höhe des Kibbutz Nir Am erlitten zwei weitere Soldaten unter noch ungeklärten Umständen schwere Verletzungen.

Ein Fahrzeug der UN geriet in Rafah in der Nähe der Grenze zu Ägypten unter Beschuss. Nach Angaben palästinensischer Medien wurde der palästinensische Fahrer getötet und eine UN-Mitarbeiterin verwundet. Die Frau befindet sich in kritischem Zustand. Es ist noch nicht klar, ob der Beschuss von palästinensischen Hamas-Terroristen ausging oder von der IDF. Die IDF gab bisher keinen Kommentar ab.

Mittlerweile sind mehr als 360.000 Menschen aus Rafah evakuiert worden, wie die UNRWA berichtete.  Das ‘Gesundheitsministerium’, das direkt der Hamas untersteht, behauptet, dass der ‘völlige Zusammenbruch des Gesundheitssystems’ in nur wenigen Stunden stattfinden wird. Der Grund sei, dass durch die fortgesetzten Kämpfe die Lieferung von Treibstoffen blockiert ist. «Wir haben keinen Treibstoff mehr, um die Generatoren in den Spitälern zu betreiben, Ambulanzen und andere Fahrzeuge aufzutanken, um Mitarbeiter [und Terroristen, sowie Geiseln!] zu transportieren.» Das israelische Verteidigungsministerium hingegen betont, erst am Sonntagabend 266.000 Liter Treibstoff für Krankenhäuser und anderen humanitäre Einrichtungen geliefert zu haben.

Gestern eröffnete Israel einen weiteren Warenübergang in der Nähe der Ortschaft Zikim, unweit der nördlichen Grenze zum Gazastreifen. Dutzende LKWs mit Mehl aus dem Welternährungsprogramm der UNO sind bereits, von Ashdod kommend, über den neuen Übergang nach Gaza gefahren. Die notwendigen Sicherheitskontrollen durchliefen sie zuvor im Hafen von Ashdod. Mit dem neuen Übergang soll die Versorgung im nördlichen Gazastreifen verbessert werden. Derzeit befinden sich im nördlichen Teil des Gazastreifens drei Übergänge: der alte, wiedereröffnete ‘Eastern Erez’, der neue ‘Western Erez’ und ‘Tor 96’, das auf den Netzarim-Korridor führt. Im Süden kommen die meisten Lieferungen über ‘Kerem Shalom’, während der Übergang ‘Nitzana’ nur für die Inspektion von LKWs genutzt wird. Auf Grund der Kampfhandlungen im östlichen Rafah, bleibt der Grenzübergang gleichen Namens nach Ägypten derzeit geschlossen. Dazu kommen Fallschirmabwürfe und in wenigen Tagen auch Lieferungen über den temporären Landungssteg vor der Küste.



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