Krieg in Israel – Tag 226

11. Ijar 5784

Drei weitere Soldaten verloren gestern ihr Leben bei Kämpfen im südlichen Gazastreifen. Das musste die IDF leider bekanntgeben. Staff Sgt. Nachman Meir Haim Vaknin, 20 und Staff Sgt. Noam Bittan, 20, s’’l, wurden durch eine Sprengfalle in einem Tunneleingang im Gebiet von Rafah getötet. Beim gleichen Vorfall wurden drei weitere Soldaten schwer verletzt. Bei einem weiteren Vorfall in Rafah wurde ein Reservist schwer verwundet, als sein gepanzerter Bulldozer von einer Panzer-Abwehr-Granate getroffen wurde. Maj. Gal Shabbat, 24, s’’l, der am 15. Mai bei Kämpfen im nördlichen Gaza schwer verwundet wurde, verlor heute den Kampf um seine Leben.

Nach der gestrigen Pressekonferenz von Benny Gantz haben sich Mitglieder seiner Partei ‘National Unity’ geäussert. MK Matan Kahana und Pnina Tamano-Shata betonten, dass das von Gantz gesetzte Ultimatum ‘nicht in Stein gemeisselt’ sei. «Wenn wir schon vor dem 8. Juni verstehen, dass Premierminister Benjamin Netanyahu wie üblich entschlossen ist, keine Entscheidungen zu kritischen Fragen zu treffen, werden wir nicht bis dahin warten.» Sie führen die Unentschlossenheit Netanyahus einzig darauf zurück, dass er alles vermeidet, was sein Verbleiben als PM verhindern könnte.

Heute sah sich der rechtsextrem-nationalistische Smotrich befähigt, auch noch seine Meinung zu Gaza und dem Libanon kundzutun. Auf einem Parteitreffen forderte er eine andauernde Militärpräsenz der IDF im gesamten Gazastreifen und eine völlige Besetzung der Stadt Rafah. Weiterhin forderte er Netanyahu auf, der Hisbollah ein Ultimatum zu setzen, andernfalls Israel in den Libanon einmarschieren und den Süden des Libanons besetzen wird. Netanyahu müsse einen langfristigen Plan entwickeln, um die Sicherheit Israels zu sichern und den absoluten Sieg zu bringen.

Entsprechend Aussagen der UNO wurden bisher 800.000 Gazaner aus der Region im Rafah evakuiert. UNWRA-Chef Lazzarini verurteilte erneut Israel, die Evakuierungsmassnahmen durch ‘ihren Beginn des Krieges’ erzwungen zu haben. «Jedes Mal sind sie gezwungen, die wenigen Habseligkeiten, die sie besitzen, zurückzulassen: Matratzen, Zelte, Kochutensilien und Grundversorgungsgüter, die sie weder tragen noch für den Transport bezahlen können. Jedes Mal müssen sie ganz von vorne anfangen.» Schaut man die Bilder an, sprechen die eine andere Sprache. Lazzarini lügt!

Bitte, nicht falsch verstehen, mir tun die Menschen, die seit sieben Monaten immer wieder einen neuen Schutzraum, von dem Lazzarini sagt, es gäbe dort weder Wasser noch angemessene sanitäre Einrichtungen, unglaublich leid.

Was aber Lazzarini immer wieder ‘vergisst’: Nicht Israel ist schuld an diesem furchtbaren Krieg und hat ihn auch nicht angefangen. Angefangen und zu verantworten hat ihn einzig die palästinensische Terror-Organisation Hamas, die am 7. Oktober erstens den seit 2021 bestehenden Waffenstillstand brach und mehr als 3.000 (!) Raketen auf Israel abschoss. Zweitens, indem sie beim Massaker vom 7. Oktober mehr als 1.400 Menschen grausam vergewaltigte, zerstückelte und ermordete und mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen verschleppte. Die Massaker von 7. Oktober geraten bei der Weltöffentlichkeit immer mehr ins Vergessen, bei der UNO und dem IRK sind sie noch gar nicht in den Gedanken angekommen. Stattdessen wird von allen Seiten Israel verurteilt.

Dabei wäre alles ganz einfach: die bedingungslose Freilassung der lebenden Geiseln und Rückgabe der sterblichen Überreste der mittlerweile verstorbenen Geiseln. Dazu die Kapitulation von Hamas und Palästinensisch-Islamischen Djihad. Der Krieg könnte wenige Tage später beendet sein.

Gadi Kedem verlor beim Massaker am 7. Oktober: Seine Tochter Tamar, deren Mann Yonathan und ihre drei Kinder, Arbel und Shachar, 5 und Omer, 2 ½, sowie seine Schwägerin Carol und seinen zweiten Schwiegersohn, Regev, s’’l.  Von der ganzen Familie überlebte nur er mit seiner Frau Re’uma und ihrer zweiten Tochter Noa. Seither ist er ständig dabei, wenn es darum geht, für die bedingungslose Freilassung der Geiseln zu demonstrieren. Gestern Abend wurde er in Tel Aviv von einem rechten Regierungsanhänger angegriffen und mittelschwer am Kopf verletzt. Sein Angreifer stand gemeinsam mit Gesinnungsgenossen in der Nähe der Demonstranten und hielt ein Schild in die Höhe auf dem stand: ‘Linke sind Verräter!’ Die Polizei tat nichts, um die Regierungsanhänger von den Demonstranten fernzuhalten. Als einer der Regierungsfreunde Re’uma, Gadis Frau, angreifen wollte, ging er dazwischen. Zeugen beobachteten, dass er mit einem Handy und einem Stock auf den Kopf geschlagen und zu Boden gestossen wurde. Dort traten einige der Angreifer auf ihn ein. Erst dann trat die anwesende Polizei in Aktion und …. wollte Gadi verhaften. Der tatsächliche Angreifer verschwand unbehindert in der Menge. Das ist nicht der erste Angriff auf Familienangehörige von Opfern der Hamas-Schlächter. Oppositionsführer Yair Lapid verurteilte den Vorfall auf das Schärfste: «Wir dürfen nichts vom Polizei-Minister Itamar Ben-Gvir erwarten, aber Polizei-Kommissar Kobi Shabtai muss diesen Wahnsinn sofort stoppen. Wo ist er?»

Die Polizei gab nachfolgend ein Statement ab: «Polizeibeamte waren am Tatort anwesend und sorgten für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, regelten den Vorfall und trennten die Beteiligten.» Das sahen die Beteiligten und Zeugen aber ganz anders, was auch durch zahlreiche Videoaufnahmen belegt ist.

Unglaublich, aber wahr: Gadi Kedem, der wie zuvor geschildert, Opfer eines Angriffes durch einen rechten Regierungsanhänger wurde, geriet nun selbst in den Verdacht der Körperverletzung. Zumindest wurde er deswegen von der Polizei einbestellt und vernommen. Seine Ehefrau Re’uma berichtete, sie sei mit den Worten: «Du bist eine degenerierte, eine stinkende Linke, es ist gut, dass deine Kinder gestorben sind» beschimpft, bevor einer derRegierungsanhänger sie versuchte anzugreifen. Ihr Mann sei ihr, und das wird von Umstehenden bezeugt, zu Hilfe gekommen und habe ihren Angreifer weggestossen. Unmittelbar danach sei er selbst angegriffen und verletzt worden. Auf einem Video, welches unmittelbar nach dem Vorfall in den sozialen Medien erschien, hört man, wie einer der Verdächtigen prahlt: «Wow, dem habe ich aber einen Tritt in den Kopf gegeben!» Zwei Verdächtige wurden festgenommen, einer von ihnen aber unmittelbar darauf wieder freigelassen.

Ben-Gvir, Siedlerfreund und Befürworter der Wiederbesetzung des Gazastreifens durch Israel hat heute halbbatzig die Überfälle von radikalen Siedlern auf Hilfstransporte kritisiert. Gleichzeitig aber hielt er fest, dass er mit den Forderungen der Siedler, keine Hilfslieferungen an die Palästinenser auszuliefern, völlig übereinstimmt. Das zumindest so lange, wie sich noch israelische Geiseln in Gaza befinden. «Wir befinden uns in einem demokratischen Land, und ich bin für die Freiheit des Protests. Sie haben das Recht, zu demonstrieren. Ich bin dagegen, dass sie Lastwagen angreifen und verbrennen. Stattdessen muss das Kabinett die Lieferungen stoppen.» Was Ben-Gvir, dem die Polizei untersteht, von Demonstrationen und Protesten hält, zeigt nicht nur der gestrige Vorfall in Tel Aviv, sondern auch das gewaltsame Einschreiten der Polizei gegen Demonstranten seit Beginn der Regierungszeit vom 29. Dezember 2022. Seine Anweisung an die Polizei ist klar: hartes Vorgehen gegen Kritiker der Regierung und Samtpfötchen bei Regierungsanhängern. Heute Vormittag sah er sich genötigt zu behaupten: «Als ich Bilder der Kedem Familie bei der Demonstration sah, habe ich auch gesehen, dass dieselbe Person rechte Demonstranten geschlagen und angegriffen hat.» Da ist schnell klar, aus welcher Ecke der Auftrag kam, aus dem Opfer einen Täter zu machen. Offensichtlich leidet er auch unter selektiver Wahrnehmung, und sieht nur das, was er sehen will.

Auf den fliegenden Märkten in Gaza wird Diebesgut, gestohlen von internationalen Hilfslieferungen, zu weitaus überhöhten Preisen angeboten und verkauft. Vor allem Babynahrung und Konserven werden angeboten. Die Lieferungen sind dazu vorgesehen, die zivile Bevölkerung gratis mit diesen Produkten zu versorgen. Plünderungen der LKWs führen dazu, dass jeder, der Waren stehlen kann, mit dem Verkauf der dringend benötigten Hilfsgüter versucht, Geld zu machen. Issam Hamouda, 51, bewacht sein kleines Angebot: «Die meisten Produkte auf den Märkten sind mit der Aufschrift ’nicht zum Verkauf‘ versehen.» Die humanitäre Hilfe ist zwar als ‘nicht zum Weiterverkauf bestimmt’ gekennzeichnet, aber ein Teil davon – darunter auch geplünderte Produkte – gelangt häufig auf die verschiedenen Märkte. «Die Nahrungsmittelhilfe wird abgeworfen und von bewaffneten Leuten und Banden gestohlen», sagt Majeda Abu Eisha, eine 49-jährige Mutter von 10 Kindern. Die Preise richten sich nach dem Tagesgeschehen, ist alles ruhig, so kostet zb 1Kg Zucker 7 Schekel, beschiesst die Hamas den Warenübergang Kerem Shalom, was zur Schliessung führt, so steigt der Preis spontan auf 25 Schekel. Patrouilliert die Polizei auf dem Markt, so werden sofort nur die offiziell festgelegten Preise verlangt, kaum sind die Polizisten ausser Sicht, schnellen sie wieder nach oben. Die palästinensischen Terror-Organisation Hamas wehrt sich massiv gegen die Vorwürfe, Hilfslieferungen für ‘ihre eigenen Zwecke’ abzuschicken.



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